Blaue Lippen soll man küssen ...
01.06.2004 (06.11.2004)
Pro:
tolle Ausstattung, großer Spaßfaktor, vorbildliche Bremsen
Kontra:
schlechte Sitze – sonst nichts !
Empfehlenswert:
Ja
 MelanieT
Über sich:
Bitte macht alle mit: http://schleswig-holstein.nabu .de/projekte/fehmarnbelt/info d/05486.html (...
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Hallo liebe Ciao-Leser, Sprecht Ihr Micra? Erinnert Ihr Euch an die blauen Lippen aus der Werbung, die so merkwürdige Worte wie „komfagil“, „simpelligent“ oder „modtro“ hauchen? Und habt Ihr Euch auch schon gefragt, wie ein Auto sein mag, das sich mit derartigen „Kunst(be)griffen“ charakterisieren läßt? Zeit wird’s für einen „Grundkurs in Micra“! Soviel gleich vorab: Dieser Bericht ist nichts für die Technik-Freaks unter Euch. Um hier tief in die kfz-technischen Feinheiten einzutauchen, dafür bin ich nicht Fachfrau genug. Statt dessen möchte ich ihn Euch einfach vorstellen – den rundlichen „Kleinen“, den man entweder liebt oder aber niemals kaufen würde ...
Die Ausgangssituation Ja, ich geb’s zu. Ich bin befangen. Bereits mein vorheriges Auto war ein Micra. Und das davor, mein erstes, das ich von meiner Oma „geerbt“ hatte, ebenfalls. Was Zuverlässigkeit und Gebrauchswert dieser japanischen „Sushiröllchen“ angeht, darüber mußte mir also niemand mehr etwas erzählen. Da ich die meiste Zeit allein unterwegs bin und höchstens im Urlaub mal etwas mehr Gepäck mit mir spazierenfahre, sollte es wieder ein Kleinwagen sein. Verbrauch, Versicherungs- und Unterhaltskosten sind für mich ebenfalls Argumente dafür. Springen wir zurück in den Juni 2003. Mein Micra 1.0, 55 PS, Sondermodell „Miami“ mit manueller Klimaanlage (die war in seinem „Geburtsjahr“ 1997 absoluter Luxus für einen Kleinwagen!), hatte nun etwas über 75.000 km und 6 Jahre auf dem sunset-metallic-farbenen Buckel, und ich mußte mir überlegen, ob ich ihn weiterfahren wollte bis daß der TÜV uns irgendwann scheiden würde, oder ob ich ihn nicht doch lieber jetzt – sozusagen zum Idealzeitpunkt – gegen sein gerade erst bei den Händlern auf den Hof gerolltes Nachfolgemodell eintauschen wollte. Einen Besuch im „Autohaus meines Vertrauens“ und eine Probefahrt später war’s um mich geschehen. Zumindest vom Bauch her hatte ich mich Hals über Kopf in den „Kleinen“ verliebt. Jetzt hieß es also den Kopf einschalten, hören, was der Händler bietet und was mein Portemonnaie dazu sagt.
Kauf und Ausstattung Zu Vergleichszwecken besuchte ich noch zwei weitere Nissan-Händler in der Umgebung – um festzustellen, daß das Angebot „meines“ Händlers für meinen Gebrauchten das konkurrenzlos beste war. Nachdem ich alle Ausstattungswünsche eingerechnet hatte, kamen wir eine Verhandlungsrunde später auf eine Aufzahlung von 10.400,-- Euro für meinen „Wunsch-Micra“ – einschließlich Freisprecheinrichtung, die mir mein Händler gratis einbauen wollte. Der Listenpreis für den Micra in meiner Ausstattungsvariante liegt bei knapp 15.000,-- Euro. Die Entscheidung war also gefallen.
Es gibt den Micra in drei unterschiedlichen Ausstattungsvarianten: Visia, Acenta und Tekna, wobei letztere im Juni vergangenen Jahres noch nicht lieferbar war, sondern durch das Sondermodell „First edition“, welches vom Umfang her noch über die Tekna-Ausstattung hinausgeht, abgedeckt wurde. Aus weiter oben bereits genannten Gründen sollte es wieder ein Micra sein, jedoch war ich nicht bereit, bei Ausstattung und Sicherheit irgendwelche
Bilder von Nissan Micra 1.4 acenta
Kompromisse einzugehen. Also: Kleinwagen ja, aber dafür bitte top ausgestattet und mit allen verfügbaren Sicherheitsfeatures! Auch im Hinblick auf einen späteren Wiederverkauf schien mir dies der richtige Weg zu sein. Demzufolge liebäugelte ich auch zuerst mit der „First edition“, mußte aber erfahren, daß für dieses Modell kein Navigationssystem lieferbar war. Schade auch! Denn das wollte ich unbedingt haben. Was also tun? Nach einigem Hin- und Herrechnen stellte sich heraus, daß es sogar billiger kommt, wenn ich die Ausstattungslinie „Acenta“ nehme, für die das Navigationssystem lieferbar ist, und mit meinen gewünschten Features ergänze. Problem gelöst!Was ist nun drin in meinem Micra? Die serienmäßige Ausstattung des Micra Acenta hier aufzulisten, verkneife ich mir – die könnt Ihr auf http://www.micra.de im Detail nachlesen – und zähle nur auf, was ich noch hinzubestellt hatte: CD-Radio-Navigationssystem mit 6 Lautsprechern, Kopf- und Seitenairbags sowie Klimaautomatik. Das war’s schon! Die Freisprecheinrichtung hatte ich weiter oben bereits erwähnt, diese ist aber sowieso kein Nissan-Originalzubehör. Achso – vielleicht sollte ich noch ein Wort über die Motorisierung verlieren ;) Jeder Kleinwagenfahrer weiß ja ein Lied davon zu singen, wieviel Spaß Autobahnfahrten machen, bei denen einem die linksblinkenden Porschefahrer mit Lichthupe im Kofferraum sitzen, weil man als Kleinwagenfahrer auch mal einen LKW überholen will und halt nicht schneller kann als 130 km/h bergab mit Rückenwind. Daß ich mir das nicht mehr antun wollte, war vielleicht der Hauptgrund für die etwas kräftigere Motorisierung von 65 kW/88 PS, also dem Micra 1.4 16V. Ein Dieselmotor lohnt sich bei meiner Fahrleistung leider ganz knapp noch nicht, weshalb ich mich also mit der 3-jährigen Steuerbefreiung und leichtem Herzschmerz an der Super-Zapfsäule zufrieden geben muß.
Persönliche Erfahrungen Nach fast einem Jahr Micra-Er-fahrung im wahrsten Wortsinn muß ich sagen, daß ich ihn nicht mehr hergeben würde! Es macht jeden Tag neu Spaß, sich mit diesem Autochen zu bewegen. Wobei das Design durchaus polarisiert. Von Mißfallensäußerungen wie „Sieht aus wie ein zu heiß gewaschener VW Beetle“ bis hin zu „Ohh, ist der süüüß ... wie der einen anguckt!“ hab ich schon alles gehört. Die schönste Seite meines 3-türigen, quarzsilber-metallicfarbenen Micra ist denn auch sicherlich die Frontansicht. Mit den hoch auf der Motorhaube sitzenden Klarglas-Scheinwerfern mit den Knubbelchen oben wirkt er auf Anhieb sympathisch. Ein kleiner Nachteil der rundlichen Form ist allerdings, daß man nicht sehen kann, wo die Motorhaube endet. Nach kurzer Zeit hat man allerdings die Abmessungen des „Kleinen“ im Gefühl und fühlt sich auch beim Einparken sicher. Seitlich gefallen vor allem die schönen Radkappen, die man beim Blick aus entsprechender Distanz durchaus für Alufelgen halten könnte ;)
Aber nun zum „Innenleben“: Für bis zu zwei Mitfahrer ist der Platz üppig bemessen, vor allem, wenn man als Beifahrer den Sitz ganz nach hinten schiebt. Auch ein über 1,90 m großer Freund von mir kann bequem und aufrecht im Micra sitzen, ohne mit dem Kopf am Dachhimmel anzustoßen oder die Knie unterm Kinn wiederzufinden. Auf den Rücksitzen sieht die Sache natürlich anders aus, aber das ist wohl bei keinem Kleinwagen anders. Das Armaturenbrett wirkt aufgeräumt und übersichtlich, gegenüber meinem alten Micra freue ich mich über den Drehzahlmesser und einige weitere „Goodies“ wie Bordcomputer mit Anzeige von aktuellem, Durchschnitts-Benzinverbrauch und Reichweite, Erinnerungsfunktion für Wartungsdienste, Geburtstage und Hochzeiten (hä? Brauchen Frauen sowas? *g*), Regensensor (eine feine Sache, die rasch zu den Dingen gehört, die man nicht mehr missen möchte), mehrstufige Scheibenwischer-Intervallschaltung, elektrisch von innen verstellbare und beheizte Außenspiegel, Kofferraum-Innenbeleuchtung (endlich!) und von innen entriegelbare Motorhaube und Tankdeckel. Das links auf dem Lenkrad befindliche Radio-Bedienfeld ermöglicht nach kurzer Eingewöhnungszeit, daß man in jeglicher Fahrsituation die Hände am Lenkrad lassen kann – es sei denn man verspürt das Bedürfnis, die rechte Hand auf dem Knie des Beifahrers abzulegen ... ;) Die Plastikoberflächen (leider sind auch die Tür-Innenverkleidungen vollständig aus Kunststoff) sind optisch halbwegs kaschiert – solange man nicht dranklopft. Dafür ist zumindest das Lenkrad lederummantelt und sehr griffig.
Stauraum gibt’s im neuen Micra mehr als genug. Die Dosenhalterungen sind ja inzwischen fast in jedem Fahrzeug Standard, der Micra kann jedoch noch zusätzlich mit einigen unerwarteten, außergewöhnlichen Ablagemöglichkeiten punkten: Da wären zum Beispiel die beiden Halterungen für 0,7 bis 1-l-Getränkeflaschen, die in die Innenverkleidungen rechts und links der Rückbank eingepaßt sind (gut, um im Sommer zwei Wasserflaschen kippsicher dort zu deponieren), der Einschub für Landkarten im Handschuhfach oder aber das riesige Staufach unter dem Beifahrersitz, an das man ganz leicht mittels Zug an einer vorstehenden Schlaufe zwischen Sitzfläche und Rückenlehne herankommt. Genau der richtige Ort, um CD’s zu lagern, falls man keinen Wechsler hat! Ist allerdings ein Beifahrer mit von der Partie, sollte man sich vor der Fahrt überlegen, welche CDs man hören will, und diese in den seitlichen Türfächern lagern – sonst heißt es anhalten und den Beifahrer aussteigen lassen! Die Rückbank hat Standardgröße, und wenn ich den Beifahrersitz ganz nach vorne schiebe, kann ich dank der weit zu öffnenden Tür mein Cello mit einem „Schwung“, und ohne daß es irgendwo aneckt, auf der Rückbank plazieren. Schön, daß es drei Kopfstützen hinten gibt. Hat man keine Mitfahrer, stören sie in tiefster Stellung die Sicht nach hinten in keinster Weise. Isofix-Vorrichtungen zur Kindersitz-Befestigung sind ebenfalls beidseitig vorhanden, sodaß der Micra mich also auch als Zweitwagen weiterhin begleiten kann, falls mal Nachwuchs kommt. Praktisch ist, daß man die Rückbank nicht nur im Verhältnis 3:1 umklappen, sondern sie außerdem im ganzen um 20 cm nach vorne verschieben kann. Dies geschieht mit einem mittig hinter der Rückenlehne angebrachten Griff, den man vom Kofferraum aus nach vorne schiebt. Hat man einmal mehr Gepäck zu transportieren, dafür aber keine Mitfahrer auf den Rücksitzen, ist das eine tolle Sache!
Schade, daß am Reserverad gespart wurde – beim Vorgängermodell war noch ein vollwertiges Rad an Bord, im neuen Micra hat’s nur noch für ein Notrad gereicht. Bleibt zu hoffen, daß der Fall, in dem man’s braucht, nie eintritt. Die Klimaautomatik funktioniert prächtig und es ist innerhalb von 5-7 Minuten (je nach Außentemperatur und Jahreszeit) kuschelig warm bzw. angenehm kühl im Wagen. Für mich extrem wichtig.
Ein Schwachpunkt in diesem an sich stimmigen Innenraum-Ambiente sind die Sitze. Was ich in mehreren Testberichten in Autozeitschriften lesen mußte, kann ich leider nur bestätigen: die Sitze bieten wenig Seitenhalt und die Polsterung ist zu „schwammig“. Da hilft auch der teilweise Lederbezug nichts. Diese Tatsache trübt das Wohlgefühl, vor allem, wenn man längere Strecken unterwegs ist. Zumindest im Winter hab ich dieses Problem durch den Kauf einer an den Zigarettenanzünder anschließbaren Heizauflage elegant gelöst, die nicht nur über die ebenfalls nicht lieferbare Sitzheizung für den Micra hinwegtröstet, sondern auch die Wirbelsäule dank Polsterung an den richtigen Stellen stützt. Im Sommer muß ich dann allerdings wieder mit den schlechten Sitzen vorlieb nehmen ... Fahreigenschaften
Das Fahrgefühl ist zwar um ein Vielfaches besser als beim Vorgängermodell, aber dennoch nach wie vor kleinwagentypisch. Der Micra ist ein leichtes Auto, und bei Seitenwind empfiehlt es sich, die sonst mögliche Höchstgeschwindigkeit von 170 km/h deutlich zu reduzieren. Etwa ab 130 km/h wird der Motor unangenehm laut, und man muß das Radio lauter stellen bzw. die Stimme etwas erheben. Dafür läuft der Motor im Stand nahezu unhörbar (ein lieber Freund meinte nach dem Einsteigen, als ich gerade zum Losfahren ansetzte, verwundert: „Oh, ist der etwa schon an?“) und im niedrigen bis mittleren Drehzahlbereich wesentlich leiser als jeder andere mir bekannte Kleinwagen. Das absolute Highlight sind jedoch die Bremsen! Ansprache und Bremswirkung sind meiner Meinung nach absolut unerreicht. Bei meiner ersten Probefahrt kam dies allerdings durchaus überraschend, sodaß meine Beifahrerin und ich ungewollt beim ersten Bremsen die Wirkung des Gurtstoppers gleich mittesteten *gg* Aber nach kurzer Zeit kennt man den Effekt und bremst dosierter. Wenn die Bremsanlage derartig gut ist, leistet dies einen hohen Beitrag zum subjektiven Sicherheitsgefühl. Da haben die Nissan-Ingenieure beileibe nicht gekleckert!
Verbrauchsmäßig hat sich der Micra nach zwei schwächeren Einstiegsmonaten mit 6,5 l/100 km (was natürlich auch am verstärkten Klimaanlagen-Gebrauch im Juli und August letzten Jahres liegen kann) inzwischen auf erfreuliche 6,3 l eingependelt. Das ist trotz des stärkeren Motors 0,2 l weniger, als ich mit meinem alten Micra brauchte! Trotz Klimaautomatik! Klasse! Fazit
Ein knuffiger Kleinwagen, in dem man sich auf Anhieb wohlfühlt und bei dem man für sein Geld wirklich viel bekommt! Auch, was die laufenden Kosten angeht, macht der Micra Spaß. Und die „höher als übliche“ Motorisierung kann ich nur empfehlen, noch dazu, da sie sich offenbar nicht in erhöhtem Verbrauch niederschlägt. Abzuraten ist aufgrund der schlechten Sitze eigentlich nur demjenigen, der Langstrecken zurücklegen will oder Rückenbeschwerden hat. Für alle anderen gilt: Blaue Lippen kann man getrost küssen! Viel Spaß mit dem neuen Micra! Update vom 06.11.04: ================
Heute habe ich zusammen mit dem Aufziehen der Winterräder auch gleich den ersten großen Wartungsdienst (nach 20.000 km) erledigen und den Micra winterfest machen lassen. Für alles zusammen habe ich 162,-- Euro bezahlt, dabei war das Einlagern der Sommerräder für 6 Monate eingeschlossen. Verbrauchsmäßig steht der Micra nach wie vor bei 6,3 l/100 km, und ich hatte nach inzwischen 15 Nutzungmonaten weder eine Panne noch sonstige Reparaturen. Das heißt: Ich erhalte meine 5 Sterne nebst unbedingter Empfehlung aufrecht!
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Dein Micra ist schon die zweite Generation nach meinem. Ich werde demnächst auch noch ein paar Bilder von meinem ins Netz stellen. LG, Stephan
11.10.2006 14:58
Ich bleibe bei meinem "Antonio" - sichtbar im Bericht über die 10 schönsten Orte! -)