KÖNIG DER PFADFINDER
27.09.2003
Pro:
ausgezeichnetes Preis - Leistungs - Verhältnis, limousinenhaftes Fahrverhalten, sehr gute Ausstattung, qualitativ hochwertig und zuverlässig
Kontra:
weniger Verbrauch wäre schön
Empfehlenswert:
Ja
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 57 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Wenn ich einen Geländewagen kaufe, dass muss es ja gleich mal wieder die Eier legende Wollmilchsau sein, soviel war klar. Also ein Wagen, der sich einerseits durch jeden Schotter, die abartigsten Steigungen und natürlich SCHNEE bewegen lässt, gleichzeitig aber auf der Autobahn noch 180 schafft, ohne einem massiv durch brachiale Geräuschentwicklung auf den Keks zu gehen. Da wird die Auswahl dann schon recht schnell dünn, wenn man nicht gerade 50.000 Euro auf den Tisch legen will.
In der Region nämlich bekommt man dann problemlos die Götter des Allwetterterrainradwagen-Geschehens zu kaufen: die größeren Mercedes ML oder G etwa, den Lexus RX 300, den LX470, etc. Nach längerem Suchen stieß ich jedoch auf den Pathfinder von Nissan – ein Wagen, der einerseits sehr sehr unauffällig daherkommt, typisch japanisch eben – und – auch recht japanisch, dafür im Gegenzug deutlich mehr unter dem Blech hat, als man vermuten möchte – und das alles zu einem charmanten Preis.
Mein Grau-Importeur besorgte ihn mir für sage und schreibe 34800€ (Listenpreis Deutschland derzeit 41700). Auch nicht geschenkt, absolut betrachtet zumindest, relativ betrachtet ein absolut faszinierendes Angebot. Der Wagen verfügt zunächst einmal über einen sehr satt und fett brabbelnden 6Zylinder mit 3.5Liter Hubraum (die deutsche Fassung hat 3.2, fühlt sich beim Fahren aber keinen Deut schwächer oder sonst wie anders an). Dann stehen da satte 220PS an – und das zu einem Preis, zu dem einem der Mercedes-Händler einen nackten E240 gibt, der weder Allrad hat, noch den Platz eines Pathfinder, noch einen so brabbelnden 6er unter der Haube, noch die phänomenale Voll-Ausstattung mit Leder, Klimaautomatik, 4fach CD-Wechsler.
Mich reizt ja in letzter Zeit vor allem der schier unbeschreibliche Kofferraum – hier kann man bequem mal 2 oder auch 3 Fahrräder reinwerfen, ohne sich größere Sorgen darum machen zu müssen, wo man jetzt sein Gepäck unterbringt. Der kräftige Motor befördert mich auch vollbeladen noch in rund 11 Sekunden an die 100er Marke – 180 KM/H sind das Ende der Fahnenstange (laut Brief 184).
Oberhalb von 160 wird der Pathfinder allerdings dabei ein wenig müde, was wohl im wesentlichen auf die Form der Karosserie zurückzuführen ist, die natürlich an einigen Stellen ziemlich senkrecht ist. Der Wagen wird ausschließlich mit Automatik geliefert, was mir einerseits ohnehin entgegenkommt, was aber zudem auch hervorragend mit dem Motor, wie eben auch mit der Gesamtcharakteristik des Wagens harmoniert. Die Automatik, die hier verbaut wird, ist zudem so auf den Einsatz i Gebirge abgestimmt, dass sie auch bei Bergabfahrt nicht durch brutales Schieben nervt, was weder Sicherheitsförderlich ist, noch dazu beiträgt, den Bremsenverschleiß in Grenzen zu halten, der bei einem Wagen wie diesem ein echter Faktor ist, da im Schnitt über 2 Tonnen durch die Gegend geschoben und eben wieder zum Stillstand gebracht werden aus bis zu 180KM/H, was schon eine ziemliche Herausforderung ist, von den Bremsen des Nissan jedoch excellent gemeistert wird. Einziger Nachteil: Festes Bremsen in Kurven erfordert etwas bedenkliche Haltekräfte am Lenkrad – Tribut an die zusätzliche angetriebene Achse. Ansonsten fährt sich der Pathfinder jedoch wie eine große Reiselimousine – komfortabel ausgelegt, schon aufgrund der großen Federwege nicht gerade ein GTI, aber notfalls auch dynamisch. Die Federung hält bei langsamer Fahrt nicht ansatzweise mit der meiner E-Klasse mit, gegen die ich den Pathfinder getauscht habe, ist aber dennoch auf hohem Niveau. Ab 40 aufwärts schließlich bügelt sie einfach alles weg und glatt, was sich ihr in den weg stellt – in diesem Bezug ist ein Wagen dieses Formates und dieses Gewichtes sogar der E-Klasse gegenüber ein Stück weit im Vorteil.
Auch sonst ist der Pathfinder sehr ausgewogen, leise darüber hinaus, was Langstreckenfahrer wie ich sehr zu schätzen wissen. Die Verarbeitungsqualität ist ausgezeichnet, einzig der dicke Teppich im Kofferraum ist an einigen Ecken ein wenig fragwürdig verlegt – da habe ich ein wenig nachgearbeitet. Der Rest jedoch ist ausgezeichnet. Auch unter dem Blech wird so manch ein Mechaniker deutscher Nobelmarken neidisch, wenn er sieht, wie sauber hier die Kabel verlegt sind, wie solide und zugänglich Verschraubungen gestaltet sind. Einzig die Verstellschrauben fürs Abblendlicht hätten vermutlich einer etwas stärkeren Konterung bedurft – aus diesem Grund sind sie wohl auch Prüfbestandteil jeder Inspektion bei diesem Wagen…. Alles andere ist ebenso routiniert wie luxuriös gefertigt – das Leder empfinde ich sogar ein Stück weit hochwertiger als in der aktuellen Mercedes M-Klasse. Einziger Nachteil des Wagens – konzeptbedingt – ist der klar erkennbare Durst von eher 14 als 13 Litern. Klar ist das eine Menge – aber gemessen an Antriebskomfort und Ladekapazität des Wagens geht das aus meiner Sicht okay – meine älteren Daimlerbenötigen häufig mehr…
Mehr benötigt der Pathfinder auch auf der Autobahn. Hier jedoch hat man es im wesentlichen selbst in der Hand, wie viel Sprit durch die Düsen rauscht: bis 150 bleibt der Verbrauch im üblichen Rahmen. Danach steigt er derartig exorbitant an, dass man das wirklich auf der Tankuhr nachvollziehen kann – LIVE. Erfreulich dabei jedoch: diese Geschwindigkeiten machen keine Angst, wie man das beispielsweise aus dem Mercedes G kennt, der sich dann anfühlt wie ein Hochhaus im Sturm. Auch sonst fühlt man sich im Pathfinder wie in Abrahams Schoß – saubere Kurvenradien stellen sich schon nach kürzester Zeit ein, die Bedienung ist kinderleicht (bis auf das Licht, das ich nie finde, weil es auf einem Lenkradhebel sitzt). Und sogar die Versicherungseinstufung ist eher 3 bis 4 Klassen unter der der direkten Mitbewerber zu finden – sowohl im Haftpflichtbereich, als auch in der Kasko, was einerseits auf seriöse Fahrer hindeutet, gleichermaßen die Unauffälligkeit des Pathfinder unterstreicht – den klaut keiner. Dies ist schon allein darin begründet, dass es sich nicht um einen Diesel handelt – die gehen nämlich überall eher in Diebeshand über, das große Geländewagen in Osteuropa Statussymbole sind, vor allem in Mafia-Kreisen. Groß ist in diesem Kontext übrigens auch relativ: der Pathfinder parkt sich beinahe leichter ein, als dies bei der E-Klasse der Fall war, die nach Hinten kein Wunder an Übersichtlichkeit ist. Nur Parkhäuser sind nicht so sehr des Pfadfinders Revier: der große Wendekreis setzt hier frühe Grenzen. Dennoch erlaubt die hohe Sitzposition eine sehr gute Übersicht beim Rangieren. Der Rest ist wirklich phantastisch – ein Wunder, dass der Wagen in Deutschland keine größere Beachtung findet.
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02.11.2003 01:45
Ein wirklich sehr schöner und ausführlicher Bericht. Auch meine Gratulation, das du beim Kauf über einene Importeur so viel Kohle sparen konntest. WEASEL
17.10.2003 00:01
Klasse Bericht zu einem ebenso guten Auto!
28.09.2003 20:02
der pathfinder ist aber auch wirklich DERARTIG unauffällig...