Nissans Packesel
26.11.2005
Pro:
Geringe Anschaffungskosten, absolut zuverlässig, gute Bedien - und Handhabbarkeit,
Kontra:
Laut bei hohem Tempo, Seitenwindempfindlich, schlechte Wintereigenschaften, bei Bodenunebenheiten schlechter Fahrkomfort
Empfehlenswert:
Ja
 Greenpiece
Über sich:
Mitglied seit:19.10.2004
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 20 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
1999 kauften wir aufgrund kommenden Nachwuchses und unserer sportlichen Aktivitäten ( wir brauchen dann ab und zu acht Sitzplätze) den Nissan Serena Seaside 1.6 als Neufahrzeug. Die Ausstattung läßt sich in anderen Erfahrungsberichten nachlesen als auch die techn. Daten sowie festen Kosten, deshalb verzichte ich darauf. 1. Aufbau, Karrosserie und Fahrwerk:
Die Karrosserie mit etwas über 4 Meter bietet vom Innenraum viel Platz, da der Motor unter den beiden Vordersitzen angeordnet ist und nicht unter der Vorderhaube, unter der die Flüssigkeitsbehälter ( Servo-, Brems-, Kühlflüssigkeit und Kältemittel für die Klimaanlage) sowie die Batterie und das Reserverad vorhanden ist. Die Entnahme des Reserverads erweist sich als unproblematisch, da es nicht mit zwei Bügeln unter dem Heck wie bei anderen Fahrzeugen angebracht ist, bei denen das Reserverad den Umwelteinflüssen ausgesetzt ist und häufig bei der Entnahme klemmt. (Siehe auch Erfahrungsbericht Suzuki Swift 1.3" Ganz schön Mucki, der Swift von Suzuki") Die Karosserie ist verhältnismäßig übersichtlich, der Serena hat keine so lange Nase wie andere Vans, unübersichtlich ist er nur im Bereich der hinteren beiden Seitenfenster, die bei hochgeklappten Sitzen von diesen verdeckt werden. Kleine Kinder kann man beim Rückwärtsfahren dann leicht übersehen. Die zwei Schiebetüren sorgen für stressfreies Aussteigen der Personen der zweiten Sitzreihe, keine Gefahr, das Nachbarautos verbeult werden. Einfaches Einparken wird auch durch die relativ schmale Karosse ermöglicht, die auch problemlos durch jede Waschgarage fährt.
Nachteilig ist die hintere an Blattfedern aufgehängte Hinterachse, die für ein Nachschwingen der Karosse bei mittleren und großen Fahrbahnunebenheiten sorgt, deshalb ist der Fahrkomfort im Vergleich zu mit anderen Achstypen ausgestatteter Vans recht schlecht. Auch die hintere Gummibuchse der Blattfederaufhängung quietschte bei Extrembelastung des Fahrzeugs ( 40°; Vollbeladen, stundenlange Passfahrten, bei KM- Stand 85.000). Der TÜV meinte jedoch , dies wär normal. Der Motor läßt sich über nach hinten zu klappende Vordersitze erreichen, umständlich, dann jedoch ist der Motor und auch dessen Nebenaggregate sehr gut zu erreichen( außer dem Ölfilter) . Die Nissan Mechaniker mögen dieses Auto wegen der guten Erreichbarkeit der Nebenaggregate. Ich persönlich sehe keinen Nachteil in dieser Technik, für etwas versierte Autofans eher die Möglichkeit, einiges selbst zu machen. Ein zu geringer Ölstand wir durch eine Leuchte im Armaturenbrett angezeigt.
2. Innenraum, Bedien- und Handhabbarkeit Unser Serena sieht vom Innenraum eher trist und grau aus, graue Seitenverkleidungen der Türen, das Armaturenbrett grau, nur die Seitenverkleidungen der zweiten und dritten Sitzreihe sind hübsch gemustert. Der ab Mitte 2000 gebaute Serena ist vom Innenraum her wesentlich ansprechender ausgestattet und besitzt im Gegensatz zu unserem einen serienmäßigen Drehzahlmesser.
Das Armaturenbrett ist sehr übersichtlich gestaltet, die Bedienung ist einleuchtend, geschieht manuell und nicht durch anfällige Hilfselektronik. Die Schaltung ist etwas zu nah am Cassettenradio, so das beim Bedienen der Musikeinheit durch den Beifahrer der Fahrer schon einmal beim Schalten gestört wird. Die Schaltung selbst ist nach meiner Meinung im Gegensatz zu anderen Erfahrungsberichten nicht hakelig, sie hat nur lange Schaltwege, der Rückwärtsgang läßt sich sofort einlegen und man muß nicht drei oder viermal vorher die Kupplung betätigen. Die Kupplung ist etwas gewöhnungsbedürfig, hydraulisch betrieben ist sie sehr hart, hat aber bei o.g. Extrembelastungen sehr gut standgehalten.
Die manuelle Klimaanlage ist etwas zu schwach,Personen der dritten Sitzreihe spüren kaum etwas davon bei Temperaturen über 40 Grad im innenraum, obwohl die klimatisierte Luft zusätzlich über den unterhalb der zweiten Sitzreihe befindlichen Heizungskasten ausströmen kann. Die Heizwirkung ohne Klimaanlage ist gut, auch wegen des Heizungskasten, die Kühlwirkung ohne Klima sehr schlecht.
Im Vergleich zu anderen Vans sitzt man (wei l auf dem Motor) sehr hoch, man hat deswegen eine sehr gute Übersicht als Fahrer nach vorn. Ein 1,85 CM Fahrer kann seine Beine bei der hintersten Fahrersitzposition fast komplett durchstrecken, für mich als Familienvater auch eine Frage des Komforts. Die Sitzflächen sind ausreichend lang und breit, der Seitenhalt nicht gerade das Tollste, der Mangel macht sich bei der hohen Sitzpositon in engen Kurven stark bemerkbar. Da meine Frau mit 1,62 wesentlich kleiner ist, hat sie Problem ihre Beine auf dem Boden vor dem Fahrsitz/ Beifahrersitz aufzusetzen, da die vordere Sitzkante sich unterhalb ihres Kniegelenks befindet, wenn sie sich mit dem Rücken anlehnt. Selbst bei komplett zurückgeschobenen Vordersitzen haben selbst Personen der zweiten Sitzreihe mit 1,85 cm Größe keine Probleme die Beine unterzubringen, sie kommen nicht mit der Rücklehne des Fahrersitzes in Kontakt. Sitzen drei erwachsene Männer in der zweiten Sitzreihe, wird es jedoch seitlich so eng, so das der Allerwerteste zum Teil über dem Spalt zwischen Schiebetür und Sitzbank hängt. Der dort befindlliche Verbindungsbügel zwischen Sitzbank und Rückenlehne macht sich auf langen Strecken ebenfalls recht unangenehm bemerkbar. Zweite Sitzreihe also eher für zwei erwachsene Personen geeignet.
Die dritte Sitzreihe wird über zwei Easy Entry Zugknäufe bestiegen. Mit einfachem Ziehen der Knäufe nach hinten rutscht der linke oder rechte Teil der zweiten Sitzreihe nach von und die Rückenlehne klappt gleichzeitig nach vorn. Dazu muß allerdings vorher der Fahrersitz in die vordere Position gebracht werden, damit die Rücklehnen der zweiten Sitzreihe auch komplett nach vorn klappen können. Alles in allem eine schnelle und einfache Angelegenheit.
Die Sitze der dritten Reihe werden über die geöffnete Hecklappe über einen Haken aus der Gummihalterung seitlich an der hinteren Fahrzeugsäule gelöst, das Metalluntergestell in 90° Position zum Sitz geklappt, alles auf den Boden geklappt. die Rücklehnen aufgerichtet und die Kopfstützen eingeführt. Eine Sache von Sekunden, einfach genial. Man braucht auch nicht schwere Sitze aus der Garage oder aus dem Keller zu hieven wie bei anderen Vans Die Beinfreiheit in der dritten Reihe ist allerdings begrenzt, Personen über 175 Cm sollten sich dies nicht antuen, obwohl durch die weichen Rückenlehnen der zweiten Reihe die Kniee der Drittbänkler geschont werden.
Klappern ist übrigens ein Fremdwort für den Nissan, auch kein Knarren im Armaturenbrett, nur bei geöffneten Seitenfenstern gibt es Probleme, sie schwingen dann bei höheren Geschwindigkeiten und/ oder unebenen Straßen in den Führungen. Gepäckmitnahme ist bei 8 Personen natürlich beschränkt, ein Heckklappenträger, auf dem zwei große Kunststoffboxen befestigt wurden, konnte das Manko jedoch ausbügeln. Die Montage der oberen Klammern des Trägers an die Heckklappe ist jedoch eine langwierige Angelegenheit.
Antrieb: Der 1600 er 16 V Motor ist kein Drehmomentfetischist, man muß ihn ordentlich ausdrehen, um auch Leistung zu erhalten. 150 Km als Spitzengeschwindigkeit sagen alles.
Die sollte man jedoch nicht dauerhaft fahren, sonst wird es wirklich unangenehm laut. Ab ca. 100 treten durch Schwingungsüberlage rung der Kardanwelle ( die die Hinterräder antreibt) bis zu einer Geschwindigkeit von 120 Dröhngeräusche auf, die nur bei vollgepacktem Fahrzeug nicht mehr auftreten.
Günstig ist eine Reisegeschwindigkeit von ca. 130Km/h. Fahrverhalten
Auf ebener trockener und ebener nasser Fahrbahn mit wenig Seitenwind und Geschwindigkeiten bis ca. 110 liegt der Serena beladen und voll beladen aufgrund seines Mittelmotors satt auf der Straße. Auch Kurven meistert er dann prima, durch den Hinterradantrieb bleibt bei Beschleunigungsvorgängen aus der Kurve heraus der Wagen satt in der Spur. Bei Unebenheiten in Kurven allerdings trampelt er mit seiner Starrachse in Kurven nach außen, zwar gering und beherrschbar, aber spürbar.
Auf unebenen Geraden das gleiche Spiel, geringe Querbewegungen des Fahrzeugs die gar nicht oder nur gering korrigiert werden müssen. Bei beladenem Zustand nimmt dies ab.
Bei hohen Geschwindigkeiten hat man allerdings zu kämpfen, besonders bei Seitenwind. dann ist 125 KM/ das Maximum.( zumindest für mich, damit der Familie nicht mulmig wird) Die Bremswirkung ist absolut Spitze, die Bremsanlage ist eigentlich für den Nissan Vanette (Lieferwagen) ausgelegt, der eine noch höhere Zuladung hat. Das Fahrzeug hat kein ABS, im Sommer durchaus akzeptabel, bei nasser und schlieriger Fahrbahn kann dass bei Winterreifenbetrieb zu erheblichen Bremswegverlängerungen führen.
Der Winterbetrieb mit diesem Fahrzeug ist trotz Winterreifen nicht das Prallste, durch den Hinterradantrieb bedingt, und auch die Winterreifen sind sehr laut ( mag auch Reifenart bedingt sein). Beim Kauf von Winterreifen auf den richtigen ohrenschonenden Typ achten!!! Modernere Vans bieten hier einiges mehr.
Wartung,Reparatur, Verschleiß; TÜV Es wurden drei Inspektionen durchgeführt, je nach Größe im Bereich von 120- 250 Euro. Ab 80.000 hab ich darauf verzichtet. Ein Luftfilter, ein Kerzenwechsel, ansonsten die kilometerbedingten Schmierstoffwechel. Kältemittelcheck für die Klimaanlage jedes Jahr, zu wenig bedeutet Probleme mit der Klimaanlage. Es mussten bei 90.000 Km lediglich der hintere Auspufftopf und bei 85.000Km die Batterie ausgewechselt werden. Die vorderen Bremsscheiben zeigen sich in einem Top - Zustand, kaum Verschleiß, sowie die hinteren Trommelbremsen. Die vorderen Bremsscheiben und hinteren - trommeln sind eigentlich für den Nissan Vanette ausgelegt, ein Fahrzeug mit noch höherer Zuladung.
Bei 83.000 Km wurden die Sommerreifen erstmals erneuert, wobei das Fahrzeug ca. 25.000 Km mit Winterreifen gefahren wurde. Bei 100.000 Km zeigten sich die Rippenbänder zum Antrieb der Wasserpumpe, der Lichtmaschine und der Klimaanlage porös, die irgendwann mal ausgewechselt werden müssen, das Kugellager der Spannrolle für diese Riemen war defekt, so daß Schleifgeräusche aufgrund der Reibung zwischen Spannrolle und Riemen autraten. Kosten für Einbau und Material eines versierten Schlossers:30 Euro. Die Nockenwelle wird über eine´Steuerkette angetrieben, so daß der teure Zahnriemenwechsel entfällt und die Gefahr eines Motortotalschadens bei Zahnriemenriss entällt.
Hervorragend ist die gleichmäßige Abnutzung der Reifen, die Winterreifen haben jetzt noch ein Profil von 6 mm. Den TÜv hat das Fahrzeug trotz teils harter Beanspruchung ohne Mängel zweimal bestanden.
Kosten: Die Originalteile von Nissan sind verhältnis- mäßig teuer, über den Großhandel oder über das Net gibt es entsprechende Teile nur bedingt( der hintere Originalendtopf kostete z.B. 17o Euro, ist zwar sehr groß , ich halte den Preis trotzdem für überzogen). Die Teilezuordnungsliste des Großhandels stimmte beim Auspuff nicht, deshalb Falschlieferung!!!!. Also Abbildungen genau vergleichen!!!!!
Bei der Batterie hatte ich das gleiche Problem, hab aber eine Vw Batterie eingesetzt und die Halterung geändert.
Solange es fest ist, sagt der TÜV nichts. Vielleicht mal in Spanien nach Ersatzteilen im Urlaub suchen, da fahren die dies Vehikel wie Sand am Meer herum.
Da das Fahrzeug außerhalb der Werkstatt von einem KFZ -Schlosser gewartet wird, sind inklusive Material in den letzten 3 Jahren nur 300 Euro Instandhaltungs- und Wartungskosten angefallen, bei ca 35000 KM Laufleistung in diesem Zeitraum. Also ein recht günstiger Wert, auch wegen der guten Erreichbarkeit der Aggregate. Unsere Verwandtschaft, die deutsche Edel- Vans fahren stöhnen nur über ihre Kosten.
Verbrauch in der Stadt 10- 11 Liter
über Land 9 Liter Auf der Autobahn bei 130: 9, 8 Liter
Bei Vollgas 12 Im Vergleich zu anderen Benziner- Vans ein durchaus moderater Benzinverbrauch.
Fazit: Ein Auto für den kleinen Geldbeutel und die Abhängigkeit zur Werkstatt ist recht gering, da wenig Elektronik verbaut ist. Wer im Winter wenig mit Eis und Schnee zu kämpfen hat, auf der Autobahn keine VAN- Rennen mitfahren möchte , ein zuverlässiges und einfaches Auto haben möchte, einige Abstriche an Fahrkomfort (Geräusch, Fahrverhalten) macht, einen schnellen und flexiblen Sitzumbau benötigt und relativ viele Personen transportieren möchte,bei moderatem Benzinverbrauch, liegt beim Serena 1.6 Seaside richtig.
Da er nicht mehr hergestellt wird, gibt es nur die Wahl zwischen guten Gebrauchten. Für viel Familien denke ich, ist er ein tragbarer Kompromiß zwischen Lastesel und PKW.
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26.11.2005 11:29
Ein sehr guter Autobericht - klasse! LG, Angelika P.S. Den Verweis auf Deinen ersten Bericht würde ich rausnehmen, da das den AGB widerspricht...
26.11.2005 11:20
Dafür, dass es sich erst um deinen zweiten Bericht handelt, finde ich ihn wirklich besonders hilfreich... ich würde mich noch über ein paar Bilder freuen, wenn möglich.. GLG