Nittakus Waffe für den Offensivspieler
03.04.2006
Pro:
Qualität, Haltbarkeit, Spielgefühl .
Kontra:
Nicht völlig "rissresistent"
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Qualität/Verarbeitung:
Funktionalität:
Haltbarkeit:
 Bowow
Über sich:
Mitglied seit:17.01.2002
Erfahrungsberichte:8
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 15 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Den Nittaku Hammond Pro Alpha spiele ich nun seit etwa 1 1/4 Jahren auf der VH. Ich spiele ihn in der Schwammstärke 2,0mm und in schwarz auf dem Holz "Stiga Tube Off". Ich klebe ihn stets mit zwei Schichten frisch, mit der sogenannten "Folienklebemethode". (Der Belag wird hierbei jeweils mit noch nassem Frischkleber auf dem Schwamm auf eine Plastikfolie oder wie in meinem Fall auf eine glatte, bedruckte Pappe gerollt. Der Belag wird darauf bei der 1. Schicht ca. 10, bei der 2. Schicht ca. 30 Minuten belassen. Das ist nötig, damit die Lösungsmittel des Frischklebers gänzlich in den Schwamm einziehen und nichts mehr noch flüssig auf dem Schwamm vorliegt, was dem Spielgefühl sehr abträglich ist.) Mittlerweile spiele ich mein 4. Exemplar, was die Haltbarkeit auf etwa 4 Monate schätzen lässt. Aber dem ist nicht so, eigentlich spiele ich erst mein 3. Exemplar, weil ich ein "Montagsmodell" erwischt hatte, welches schon in der zweiten Traingseinheit anfing, zahlreiche Risse zu bekommen. Die Haltbarkeit würde ich also mit etwa 6 Monaten für mich angeben. Ich selbst spielte die letzte Runde im PTTV, Bezirksklasse im mittleren PK, zur Rückrunde im vorderen PK.
Daten: Nittaku bietet den Belag "Hammond Pro Alpha" (im folgenden oft "HP@" genannt) in den Schwammstärken 1,6mm, 2,0mm und 2,2mm (max.) an. Der Belag ist mit rotem und schwarzem Obergummi zu haben. Der Schwamm hat den Farbton blass altrosa bis beige. Die unverbindliche Preisempfehlung ist 29,90 Euro, man findet ihn aber häufig im Sonderangebot zu etwa zwei Dritteln dieses Preises. Die Belagvariante mit weicherem Schwamm, aber gleichem Obergummi, nennt Nittaku schlicht "Hammond".
Komplett verpackt wiegt ein HP@ (in 2,0mm) 88 - 95g. Zugeschnitten wiegt er dann ca. 38-43g (je nach Schlägerblattgröße). Der Schwamm ist mit etwa 42-44° Shore Schwammhärte anzunehmen. Die leichteren Exemplare sind weicher, die schwereren härter. Ich selbst bevorzuge die schwerere/härtere Version, weil sie sich auch etwas direkter und aggressiver spielt.
Das Obergummi ist mittelweich, was den Belag im Gesamtspielgefühl nicht so hart erscheinen läßt. SPIELEIGENSCHAFTEN:
Da ich den Belag so treu spiele, kann man sich denken, dass ich sehr überzeugt von dem Belag bin. Meine Einschätzungen beziehen sich, falls nicht anders angegeben, immer auf die oben beschriebene Klebemethode. Allgemein: Tempo: Im Off Bereich, also "normales" Offensivtempo, aber schneller als die herkömmlichen Mediumklassiker wie Sriver, MarkV, etc. einzuschätzen. Spin/Schnitt: Hoch bis sehr hoch Kontrolle: Sehr subjektives Kriterium, für mich ausgezeichnet. Katapult frischgeklebt: Mittel Katapult ungeklebt: Niedrig
Aufschlag, Aufschlagrückschlag, Schupf, Kurz-Kurz, Schnittentwicklung: Ich habe auf der VH einige Aufschlagvariationen, die die gängigsten Platzierungen, Längen und Schnittvariationen beinhalten.
Die Schnittentwicklung ist sehr gut, das angenehm weiche Obergummi "greift" schon beim Aufschlag fühlbar den Ball und verleiht dem Ball recht viel Schnitt. Die von mir zuvor auf der VH gespielten Beläge "Mendo Energy" und "Innova" (beide Stiga) hatten ebenfalls eine gute Schnittentwicklung, aber mit dem HP@ schlage ich bis jetzt am giftigsten auf. Der Katapult, von mir als mittelmäßig angegeben, zeigt im Aufschlagrückschlagspiel seine Vorteile: Der Belag verzeiht auch leichte Fehleinschätzungen des gegnerischen Schnittes, selten steigt der Ball sonderlich hoch. Ebenso im Schupf- und Kurzspiel: Wer von sehr katapultigen Belägen kommt, muss sich evtl. darauf einstellen, dass der Ball nicht mehr so stark wegspringt, mir aber kam das sofort entgegen, das Tempo ist sehr angenehm dosiert zu setzen, die Länge schön direkt zu kontrollieren. Der klassische, lange Schupfball (wenn auch selten gespielt auf der VH) ist sehr schnittig, wenn aktiv gespielt. Aber auch passiv ist überdurchschnittlich viel Schnitt im Ball. Das verhindert allzu harte Topspins auf den Schupf.
Topspin: Die Domäne für einen Offensivbelag. Der Schwamm des HP@ kann durch das F-Kleben sehr schnell werden, hat aber auch so schon ein hohes Grundtempo. Durch das mittelweiche Obergummi fällt das weiche Anziehen nicht so schwer, auch dann ist viel Spin im Ball. Aber ebenso der normale wie der harte Topspin fallen mit dem Belag sehr leicht und lassen den Katapulteffekt nicht vermissen, denn der HP@ ist hier trotzdem sehr schnell und spinnig. Der Spinbogen fällt je nach Härtegrad des Belages etwas unterschiedlich aus, er ist aber weder als sonderlich hoch, noch als flach einzuschätzen (flacher als Sriver, höher als SpeedySpin). Ebenso der Absprungwinkel, der nicht so flach wie bei z.B. dem MamboH oder dem Bryce ausfällt, aber auch nicht so hoch wie bei katapultigeren Belägen ist (z.B. Cermet).
Allerdings muss man den HP@ aggressiv nach vorne spielen, besonders aus der Halbdistanz. Wer von hinten vorzugsweise nach oben zieht und den Belag die Arbeit machen lässt, wird die meisten Bälle hinter den Tisch versenken. Wenn aber voll gegengegangen wird, wird man mit einem schnellen und giftigen Gegentop belohnt. Flip: Gut zu spielen, das weiche OG nimmt hier ähnlich wie beim Aufschlag den Ball gut an, leere und spinnige Flips sind gut spielbar, ebenso der knallharte Flipschuss.
Direkte Schlagtechiken: Block, Konter, Schuss: Der passive Sicherheitsblock ist erstaunlich gut zu spielen, der aggressivere Block ist aber vorzuziehen. Der Ball sollte möglichst früh genommen werden, dann wird selbst ein Hinhalteblock sehr schnell und hart.
Der aggressive Block kann fast mit geschlossenen Augen gespielt werden, obwohl der VH-Block bisher immer einer meiner schwächsten Schläge war. Den HP@ interessiert meine miese Technik nicht: Ball früh nehmen, gegendrücken und den Ball einschlagen sehen, echt irre. Leichte Fehler in der Blattwinkelstellung verzeiht der Belag großzügig. Der VH-Konter (ist ein Freund meines VH-Blocks ;)) kann sicher gespielt werden, auch mit mehr Tempo. Kein störender Katapult, der den Ball wegflipst, eher viel frontale Power aus dem ausgesprochen guten Schwamm auf den ich später noch zu sprechen komme.
Schuss: Auch nicht mein Paradeschlag, ich ziehe den harten Topspin vor, auch wenn der Ball schon nen Meter hoch steht. Manchmal aber traue ich mich und selten ist es ein Fehler. Der Belag ist hier so angenehm schnell, dass Schnittfehleinschätzungen ein wenig verziehen werden und man ein recht direktes Schlaggefühl hat. Auch hier empfinde ich den gemäßigten Katapult als sehr angenehm, der Belag setzt noch Power auf meinen Schlag drauf, aber nicht aus dem Obergummi, sondern aus dem Schwamm. So, nun zum Schwamm, bzw. dem Frischkleben:
Ein Wort: Spitzenklasse. Ich klebe mit einem sehr dünnflüssigen Kleber (Stiga Energy), der früher immer nach 90 Minuten deutlich in seiner Wirkung nachließ. Gut, das haben so schnelle Kleber so an sich, aber dass es auch am Belag liegen könnte, dachte ich damals nicht. Der Schwamm des HP@ reagiert ausgesprochen gut auf Kleber und hält den Effekt über mindestens 3, wenn nicht 4 Stunden (bei mir auch schon länger). Er macht einen guten Bauch und der Sound ist erstaunlich ob seiner Schwammhärte. Meistens ist er lauter als mein Carbo Sound auf der RH. Der Ton ist hell und klar, springt aber noch nicht bei Flip, Schupf oder anderen leichten Ballkontakten an. Vorsichtig sollte man nur bei starkem Kleben sein. Von 4 HP@ habe ich zwei reißen lassen. Bei einem war es nicht meine Schuld, der Belag war einfach schrott und bekam sofort die kleinen "Rissmacken" und riss dann in der folgenden Zeit multipel. Geflickt mit Sekundenkleber habe ich damit aber noch recht lange trainiert. Den anderen Belag habe ich selbst auf dem Gewissen, er riss aber erst nach ca. 6 Monaten. Wichtiges Spiel, etwas heftig geklebt (weil er gerade etwas abbaute), volle Kanone gespielt, ein Riss war die Folge. Wenn man es aber nicht übertreibt, vor allem nicht so sehr spannt, muss man aber keine Angst vor Rissen haben.
Nie spielt sich der Schwamm "matschig", er wird nur mir zu weich, wenn man sich zu viele alte Klebeschichten auf dem Schwamm leistet. Weiterhin hält der Schwamm nach einem sehr kleinen Härteeinbruch nach ca. 6-8 Mal spielen/kleben seine Härte und Power sehr lange und gut. Sehr anspruchsvolle Gemüter werden vielleicht nach 4 Monaten wechseln müssen, wenn das OG so lange hält. Aber das dürfte es schaffen. Wie gesagt spiele ich meine HP@ etwa 6 Monate bei ca. 3 x 2h Training die Woche.
Fazit: Der HP@ ist ein schneller Offensivbelag, der hervorragend auf das F-Kleben reagiert. Dabei ist er nicht so katapultig (etwa wie ein Sriver), was ich aber eher als angenehm empfinde, weil das unterschätzte Rückschlagspiel enorm gewinnt. Das Tempo liegt über dem der "Klassiker". Die Spinentwicklung ist sehr gut, wenige Beläge sind spinniger oder giftiger. Man kann ihn möglichst aggressiv nach vorne spielen, dann ist er auch aus der Halbdistanz eine Waffe, aber auch sehr variable Topspins verteilen. Seine Domäne liegt aber eindeutig im Block und Konterspiel. Wer auf wirklich gute, variable Topspins neben seinem B.- und K.-Spiel nicht verzichten will, findet hier ebenso einen guten Belag wie der Topspinspieler, der seinen Block aufwerten möchte. Für Schlagspinner oder ausschliessliche Block- und Konterspieler empfehle ich aber härtere Beläge.
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08.12.2007 20:47
Verglichen mit Erfahrungsberichten über TT-Beläge anderer Autoren eine wahre Freude beim Lesen.
04.04.2006 00:58
PK heißt Paarkreuz. Eine Mannschaft hat 6 Spieler in 3 Paarkreuzen, weil z.B. in einer Begegnung zweier Mannschaften die Nr. 1 der Heimmannschaft gegen die Nr. 2 der Gastmannschaft spielt und 2 gegen 1, später dann evtl. 1 gegen 1 und 2 gegen 2. Ebenso mit 3 - 4 und 5 - 6. Aber mal im Ernst: Warum sollte ein Nicht-Tischtennisspieler das wissen wollen? Warum sollte er sich überhaupt für einen TT-Belag interessieren? Aber gut, für den Fall der Fälle steht es jetzt hier. Ich hoffe, das hilft. Mein Artikel ist so schon ausufernd genug :-).
03.04.2006 22:46
Wäre für Nicht-Tischtennis-Spieler noch ganz nett, wenn Du erklärst, was PK ist!