Samstag Abend auf dem Westerwald und was macht man da? Kino gehen. Am Samstag Abend den 12.04.08 kommt um 20.15 Uhr
der Oscar prämierte neue Film der Coen Brüder "No country for old Men". Gesehen für 5,50 Euro im Cinexx zu Hachenburg.
Zum Film
Der Film spielt wohl irgendwo in Amerika Ende der siebziger Jahre. Ein Mann wird von einem Polizisten festgenommen. Während
der Polizist auf der Wache telefoniert erwürgt ihn der Gefangene noch mit den Handschellen an. Der Mann flüchtet und wechselt
unterwegs das Auto indem er einen Passanten mit einem Schlachtschussapparat ein tödliches Loch in den Kopf setzt.
Erzählt wird die Sequenz aus der Sicht eines alternden Sherrifs, der im grobendie weitere Geschichte erzählt, die in Bildern gezeigt
wird.
Bei der nächsten Einstellung sieht man einen in die Jahre gekommenen Cowboy der illegal ein paar Rehe in der Wüste schiessen will.
Auf seinem Weg durch die Wüste kommt er zu dem Überrest eines tödlichen Shoot Out in der Wüste. Es stehen einige Trucks und einige männlichen Leichen in der Wüste. Der Cowboy findet einen schwer verletzten in einem der Trucks der ihn um Wasser bittet. Er hat jedoch keins. Um den blutigen Ort zu verlassen folgt er den Spuren in die Wüste. Dort liegt ein weiterer Toter und direkt neben ihm ein großer Koffer.
Der Cowboy nimmt den Koffer mit, geht nach Hause, versteckt den Koffer und legt sich schlafen. Der Anblick des verdurstenden Mannes in der Gluthitze der Wüste,läßt ihn nicht schlafen und so begeht er einen wirklich
dummen Fehler!
Er fährt mit seinem Truck noch einmal raus, zum Schauplatz des Verbrechens. Der Mann ist natürlich mittlerweile tot. Dummerweise kommt in dem Augenblick ein Truck, mit dem Killer von Beginn des Films, der offensichtlich an dem Schauspiel beteiligt war. Es kommt zu einer Schießerei.
Leicht angeschossen kann er entkommen, während der Killer von Beginn eiskalt seine beiden Mitfahrerumlegt. Der Cowboy heißt Llewelyn Moss und er weiß, das der Killer spätestens am nächsten Morgen weiß und er ihn und seine Frau eiskalt umbringen wird. So schickt er seine Frau Carla zu ihrer Mutter nach Hause, da er alleine die Flucht mit dem Geldkoffer aufnehmen und den Killer (Anton Chigurh) abhängen will.
Während die beiden ihr tödliches Katz-und-Maus Spiel beginnen, nimmt der Polizist Sherriff Ed Tom Bell die Fährte auf, ohne wirklich
nah an die Personen heranzukommen. Er ahnt das was geschehen ist und was geschieht, aber an die beiden Hauptakteure der Tragödie kommt er nicht heran.
Llewelyn will sich unterdessen in einem Motel verstecken, während Anton ihn weiterhin etwas ziellos sucht. Was Llewelyn aber nicht weiß, ist das im Koffer ein Peilsender ist, der auch prompt von Anton anvisiert wird. Da Llewelyn als Vietnam Veteran schon spürt, das der Killer ihm auf der Fährte ist kann er noch einmal durch eine Finte entkommen, während der Killer weiter unmotiviert skruppellos durch die Gegend mordet und die Polizei weiterhin im Dunklen tappert.
Als Llewelyn dann endlich den Peilsender findet, steht der Killer auch schon vor der Tür. In einem furiosen Slow Kampf schiessen die beiden sich gegenseitig ordentlich kann, wobei Llewelyn noch einmal schwerverletzt fliehen kann. Unter dessen wurde vom Boss von Anton, der Killer Wells auf Anton angesetzt. Anton regeneriert sich von seinen Verletztungen mittlerweile um sein Opfer und seine Häscher zu versorgen, zerlegt er nebenbei eine ganze Apotheke.
Während die Polizei zwar eine Spur aufnimmt, aber doch immer zu spät kommt, findet der finale Showdown zwischen Llewelyn, Anton und Wells in Mexico statt,...
Fazit
Mir geistert die ganze Zeit ein typischer Coen durch den Kopf und ich habe es wohl ein paar mal zu laut gesagt, so das es meiner Frau auf den Wecker ging.
Aber das lakonische, die langsame Inszenierung, die Mischung aus Genies und Debilen erinnert mich sehr stark an Fargo. Fargo meets Western könnte man sagen, aber der Reihe nach.
Da ist zum einen der Plott: Gangstergemetzel, Unschuldiger findet Koffer und wird von perfidem Killer gejagt, nicht wirklich originell. Originell wird es dann im Detail. Das lautlose Türöffnen durch den Schlachtschussapparat ist recht originell. Die explizite Gewaltdarstellung ist ja ein markantes Markenzeichen der Coens.
Das Sujet ist bewußt billig gehalten, der Staub ist trocken, die Handlung schleppt sich wie ein Verdurstender durch die Wüste. Jeder Anflug von Hoffnung wird durch die bedingungslose Gewalt des Killers zunichte gemacht.
Der Film hat 4 Oscars bekommen, u.a. für Film und Regie, sowie für den Killer Anton. Tja, das ist jetzt müßig, als Film war der sehr spannend, aber auch nicht wirklich originell. Die Inszenierung mit Tommy Lee Jones als Sherrif wirkt einfach nur gekünstelt um das Staraufgebot aufzupeppen. Obwohl das ist wieder eines der Kunsstücke des Films, funzt Tommy Lee erst mal nur als Anschubser der Story hat er doch die meisten Lacher in der trockenen Art auf seiner Seite und gibt einen versöhnlichen wenn auch
ungewöhnlichen Ausblick am Ende des Films.
Den Osacr für die beste Regie kann ich da schon eher nach vollziehen. Teilweise war der wirklich so spannend, das es im ganzen Kino kein einziges Geräusch gab. Das habe ich schon lange nicht mehr erlebt, das man eine Holznadel auf denBoden fallen hören konnte.
Javier Bardem hat den Osacr zweifellos für seine Filmographie verdient. Wobei die Rolle als irrer Killer nicht wirklich eine Herausforderung für einen Schauspieler darstellen sollte.
Dennoch muß ich sagen, das der Film zwar um ein vielfaches spannender und subtiler als der drösselige Abbitte war, aber so ein Psydolebenszeichen eines Westerns ist das auch nicht wirklich. Dafür ist der Film zu banal in der Handlung.
Technische Details:
Thriller, USA 2007
Länge 122 Minuten
FSK 16 Jahre
Regie, Drehbuch, Produktion: Ethan und Joel Coen. Die beiden sind seit 1984 im Filmgeschäft. Joel ist mit Frances McDormand verheiratet, die oft in ihren Filmen mitspielt.
Topfilme:1984 Blodd simple, 1987 Arizona Junior, 1991 Barton Fink, 1994 Hudsucker, 1996 Fargo, 1998 The big Lebowski, 2000 O Brother where are you
Sherriff Ed Tom Bell: Tommy Lee Jones *15.09.46, Oscar 1994 für Auf der Flucht, weitere Highlights: 1970 Love story, 1991 JFK, 1997 Men in Black, 2000 Space Cowboys
Anton Chigurh: Javier Bardem *01.03.69, Oscar 2008 für diesen Film und eine Nominierung 2000 für Before night falls. Bekannte Filme 1990 Lulu, 1991 High heels, 1992 Jamon jamon, 2004 Collateral
Llewelyn Moss: Josh Brolin *12.02.68 Sohn des bekannten Schauspielers James Brolin. Wichtige Filme 1985 Die Goonies, 1997 Freeze, 2007 in beiden Grindhouse Filmen von Tarantino&Rodriguez
Carson Wells: Woody Harrelson
Carla Jean Moss: Kelly MacDonald
Loretta Bell: Tess Harper
Fazit:
Ja der Film fesselt, unterhält und belebt definitiv nicht das Westernklischee neu. Auch die Kritiken die sich oftmals an Filmzitaten reizen interessieren mich nicht, da ich mich nur auf diesen
Film hier konzentriere. Die FSK 16 sollte man schon berücksichtigen. Am treffendsten ist das Fazit was ich jetzt wirklich mal 1 zu 1 von Filmstarts.de klaue: Im Angesicht von Meisterwerken wie
Miller's Crossing, Fargo und the Big Lebwoski ist das hier nicht der stärkste Film der Coen Brüder, aber der handwerklich beste. Das triffts definitiv.
Von daher : Wer sich von der expliziten unmoralischen Gewaltdarstellung manchmal nicht abschrecken läßt, wird hier spannend und ansprechend unterhalten, von daher
empfehle ich den Film gerne und vergebe auch knappe 5 von 5 Sternen.
06.09.2008 11:36
Den muss ich unbedingt mal sehen - mein Genre!
30.07.2008 13:06
Hallo Curd, gesehen habe ich "Fargo" noch nicht ... Tja, zumindest konntest Du bei den Coen-Brüdern Licht in mein Dunkel bringen, "The Big Lebowski" kenne ich zumindest ... Sieh an, der Woody (Harrelson) ist auch dabei ... Na ja, die Story ist mir dann wirklich zu banal, das ganze mit zu viel (sinnlos erscheinender) Gewalt gespickt ... Vielleicht mal auf DVD schauen, aber auch allerhöchstens das, die Horrorpreise für den Kinobesuch jedenfalls bezahle ich dafür sicher nicht ... Tja, die Oscars, manchmal eine Farce, manchmal verdient, eine Meinung zu diesen habe ich nicht, da ich den Film (und somit auch die schauspielerische Leistung bei der Darstellung eines Killers) nicht kenne, darf ich die auch (noch) nicht haben ... Leider werden die Filme, die mich persönlich ansprechen bei der Oscar-Verleihung zumeist gar nicht zu finden sein, da sie meist gar nicht aus Hollywood stammen bzw. auch nicht immer für die breite Masse bestimmt sind (obwohl es ja den besten ausländischen Film gibt) ... Gruß, Sven P.S.: Ich komme zum Lesen nochmals wieder in den nächsten Tagen ...
02.06.2008 07:50
Klasse, absolut genialer Bericht, bleibt keine Frage offen, dafür gibt es BH. GLG HEIDIZ