Das Relikt
10.10.2004
Pro:
edel, modernes Design
Kontra:
Steinzeit Technik
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Ausstattung
Bedienkomfort:
Montage:
Sprachqualität:
 ciao-chrissie
Über sich:
Hallo Leute! Noch stehen viele Lesungen und Bewertungen aus; aber ich werde das bald nachholen (näch...
Mitglied seit:20.06.2002
Erfahrungsberichte:7
Vertrauende:4
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DAS RELIKT AUS DER VORZEIT Wer glaubt, dass 40000 Jahre alte Technik heute keinen Neandertaler mehr aus der Höhle hervor lockt, wird von Nokia eines Besseren belehrt. Frisch von der finnischen Ausgrabungsstätte präsentieren die Archäologen von Nokia ein Autotelefon, dessen Retro-Konzept das Herz jedes echten Nostalgikers höher schlagen läßt.
Das moderne und edle Äußere mit separatem Monitor täuscht: nach dem Motto „noch weniger ist mehr“ hat das Ausgrabungsteam keinerlei Funktionen hinzugefügt, die der konzeptionellen Reinheit dieses Relikts gefährlich werden könnten. Denn erstens muss ja das Retro-Konzept gewahrt bleiben und zweitens darf es natürlich nichts geben, dass einen Autofahrer ablenken könnte. WOZU EIN AUTOTELEFON?
Anstelle eines Autotelefons werden heute meist Freisprecheinrichtungen für Handys verwendet. Aber auch die besseren, die ohne sichtbare Kabel im Wagen verbaut werden, benötigen zur Funktion eben ein Handy. Ein Autotelefon bleibt dagegen immer im Wagen, hat seine eigene Telefonnummer, auf die man umleiten kann und hat (fast) immer Strom. Speziell bei mehreren Nutzern, die öfter das Handy-Modell wechseln, kann ein festeingebautes Telefon von Vorteil sein. ZUR SACHE
Das Nokia 810 ist ein Dualband Autotelefon mit Freisprech-Funktion zum nachträglichen Festeinbau. Seine auffälligsten Merkmale sind der separate Bildschirm, den man fast beliebig platzieren kann, sowie der Bedienhörer mit „Navi[TM] wheel“, einem großen Dreh- und Druckschalter, der an der Stelle sitzt, wo sich bei einem normalen Handy das Display befindet. Das Gerät verfügt über Bluetooth und eine RS232-Datenschnittstelle, sodass man es auch als GPRS-Modem für zB. Laptops verwenden kann. LIEFERUMFANG
Geliefert wird für z.Z. etwa 300 Euro mit Mobilfunk-Vertrag (etwa 500 Euro ohne): -Die Telefoneinheit, die alle Anschlüsse und die benötigte SIM-Karte aufnimmt. -Display mit Fuß -Bedienhörer mit Halterung -Lautsprecher mit Halterung -Mikro -RS-232 Datenkabel -Anschlusskabel für die Elektrik Zusätzlich gehören zahllose Schrauben, Muttern, Klebestreifen (von 3M) etc., in mehr als ausreichendem Umfang zur Ausstattung.
Der Einbau durch eine Werkstatt schlägt nochmal mit etwa 200 Euro zu Buche. Allerdings ist die Montage verhältnismäßig einfach. Bei meinem Sharan habe ich mir diese Ausgabe gespart, weil es in meinem Fall von VW einen „Y-Stecker“ gab, den man einfach auf den Radiostecker aufsteckt und der die vier benötigten Kabel für das Autotelefon gleich in der richtigen Farbe liefert, ohne dass man am Kabelbaum rumbasteln muss. DIE KOMPONENTEN
Was fehlt, ist eine GSM-Antenne (ohne die das Gerät auch nicht funktioniert). Wahrscheinlich geht Nokia davon aus, dass der Snob von Welt, der sich so ein Telefon ins Auto baut, bereits über jeden erdenklichen Schnickschnack verfügt. Als ich dann bei VW nach einer hübschen Kurzstab-Kombiantenne zum Dacheinbau fragte, musste ich leider zur Kenntnis nehmen, dass so ein Ding (ohne Einbau) mehr kostet, als das Telefon. Ich nahm dann eine Scheibenklebeantenne für 19 Euro, dessen 10cm langer, waagerechter Antennenstab im vorderen, rechten Dreiecksfenster meines Sharans so platziert wurde, dass man ihn nur sieht, wenn man weis, dass er da ist. Das funktioniert auch derartig einwandfrei, dass die teureren Varianten schlich überflüssig sind. Der Lautsprecher ist das typische 08/15-Teil im kiloschweren Gehäuse, das man so oder so ähnlich schon seit mindestens 10Jahren bei Freisprecheinrichtungen findet. Nicht ganz schlecht, aber auch nichts besonderes. In der Bedienungsanleitung wird kurz angedeutet, dass man alternativ auch die Radiolautsprecher des Fahrzeugs verwenden kann. Allerdings benötigt man hierzu ein spezielles Relais, über das einem leider weder Nokia noch VW weitere Auskunft geben können.
Das gelieferte Mikro, made in Poland, ist ein Wertgegenstand von mindestens 99Cent. Um die Freisprechfunktion zu nutzen, muss man aus höchstens 30cm Entfernung direkt in Richtung des Mikrofons sprechen. Gerade beim Autofahren ist das aber problematisch, weil man ja ständig nach rechts und links blickt (was man auch weiterhin tun sollte). Wenn man aber den Kopf abwendet, hört der Gesprächspartner oftmals nur unverständliches Gebrabbel. Wenn es auch noch regnet und man etwas schneller unterwegs ist, sind die Umgebungsgeräusche am anderen Ende der Verbindung oft lauter als meine Stimme. Dieses Problem haben allerdings alle mir bekannten Freisprecheinrichtungen. Hierzu sollte ich aber noch sagen, dass mein Van einen recht großen und offenen Innenraum hat, in dem so eine Geräuschkulisse sicher etwas lauter ist, als in einem normalen PKW. Im Punkto Rauschunterdrückung und Umgebungsgeräuschreduktion ist das Nokia deutlich eins der besseren. Schade nur, dass Nokia bei einem sonst recht noblen Produkt solche Billigteile verwendet. Bei längeren Gesprächen, verwende ich deshalb oft ein Bluetooth-Headset (siehe Bericht: Jabra BT200). Zwischen Headset-Betrieb und normalen Freisprechen kann man dann mittels der Lautsprecher-Taste am Bedienhörer hin- und herschalten. Wenn man ein Gespräch mit der Taste am Headset annimmt, wird automatisch in den Headset-Betrieb gewechselt. Der Bedienhörer präsentiert sich in edlem Chrom und Anthrazit und ist recht schmal gebaut, weil man auf ein Display verzichten konnte. Daher erhöht sich die Zahl der denkbaren Einbauplätze. Der große Drehschalter ist beim Fahren eine wirklich durchdachte Hilfe, um Nummern zu wählen oder Telefonbucheinträge anzusteuern.
Der besondere Clou an diesem Telefon ist natürlich das separate Display. Durch das ca. 4,5m lange Kabel, sollte man es wirklich überall im Fahrzeug verbauen können. Die Anzeige mit nur 80x24 Pixel, monocrom, ist unzeitgemäß und bewirkt, dass fast sämtliche Meldungen des Telefons nur durch Abkürzungen dargestellt werden können. Die Beleuchtung von Display und Hörer werden über einen Lichtsensor im Display gesteuert. Je nach Lichteinfall, wird zwischen Tag- und Nachtbeleuchtung umgeschaltet. Abgesehen davon, dass mir nicht klar ist, warum ein festeingebautes Autotelefon nicht wie die Amaturen-Beleuchtung gesteuert werden kann, funktioniert das beim Nokia auf merkwürdige Weise: fährt man über eine Allee mit Bäumen (also wechselnd Licht und Schatten), hat man das Vergnügen, das ständige Ein/Aus der Beleuchtung zu beobachten. DIE FUNKTIONEN
Generell kann man mit dem Nokia 810 telefonieren und SMS empfangen. Das war’s aber auch schon fast. SMS schreiben oder verschicken kann man nicht –das könnte den Fahrer ablenken. Dass man selbst bei stehendem Fahrzeug, oder durch den Beifahrer keine SMS schreiben darf, empfinde ich als ungerechtfertigte Bevormundung, die den Sicherheitsgedanken keineswegs unterstützt; denn wer es wirklich darauf anlegt, wird dann eben mit seinem richtigen Handy SMS schreiben. Wenn Nokia der Ansicht ist, seinen Kunden Vorschriften machen zu müssen, die der vorgeblichen Sicherheit dienen, dann sollen die gefälligst konsequent sein und gar keine Handys mehr anbieten, die über SMS oder Spiele verfügen. Stattdessen kann man auf eingegangene SMS mit einer von 10 Vorlagen antworten, von denen bereits 5 ab Werk unabänderlich vorgegeben sind. Eigene Vorlagen kann man mit dem 810 natürlich nicht erstellen, sondern man muss sich eine SMS schicken (lassen), die man dann zur Vorlage machen kann.
Bei handelsüblichen Handys landet ja bekanntlich die Nummer eines Anrufers in einer Liste (soweit kann das Nokia 810 auch noch mithalten) und kann von dort zB. Im Adressbuch gespeichert werden. Das geht beim Nokia 810 nicht. Möchte man das bei diesem Gerät machen, muss man sich die Nummer entweder merken oder stilecht auf eine Steintafel meißeln (am besten während der Fahrt) und kann sie dann von Hand ins Adressbuch eintippen. Da passt es auch ins Bild, dass das „Adressbuch“ keine Adressen speichern kann, sondern ein einfaches Verzeichnis von Namen und Nummern ist.
Dieses Adressbuch speichert 250 Namen, von denen ganze 12 per Sprachsteuerung ansteuerbar sind. Immerhin hat man die Möglichkeit 2 Benutzerprofile zu speichern, die jeweils diese Kapazität haben. Auch kann man unter einen Namen 5 Nummern Speichern. Allerdings muss man diesen Nummern dann vorgegebene Symbole zuordnen; man kann keine weiteren Namen oder Beschreibungen verwenden. Dazu gibt es sagenhafte 3 Sprachbefehle, die allerdings vorgegeben und m.E. überflüssig sind.
Mit einer Sprachaufzeichnungsfunktion kann man Memos aufnehmen. Das Gerät verfügt nicht über: MMS, Kalender, Rechner, WAP, E-Mail, Spiele, Farbe, downloadbare Klingeltöne, Hintergrundbilder, Adressen.
FAZIT Die Bedienung des Telefons ist tatsächlich so einfach und intuitiv, dass jeder Höhlenmensch sofort damit klarkommt. Da es allerdings auch keinerlei Extras gibt, ist dies keine Kunst.
Die Funktionen des Nokia 810 sind spärlich, unzeitgemäß und teilweise wurde Selbstverständliches weggelassen. Im 21. Jahrhundert ein Autotelefon auf den Markt zu bringen, dass keine SMS verschicken kann und auch sonst weit hinter den Standards zurück bleibt, ist ganz Arm. Speziell Geschäftsleute, die traditionelle Klientel von Autotelefonen, werden aufgrund der nichtvorhandenen Adress- oder auch nur Nummern-Verwaltung wohl eher eine Freisprecheinrichtung für ihr bewährtes Handy verwenden. Ich würde beinahe empfehlen, das Fossil wieder dort einzugraben, wo man es gefunden hat, wäre da nicht die bedauerliche Tatsache, dass es zur Zeit kein besseres Autotelefon auf dem Markt gibt.
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16.11.2004 01:06
ich wollte di4es gerät immer kaufen,mir fehlten aber refferenzen .. naja, jetzt weiss ich was los ist ...
10.10.2004 13:14
Verwundert mich, dass ein Autotelefon mit 0,5 cent vergütet wird!
10.10.2004 11:19
Schöner Bericht... Grüße, mpdevu