Notfall-Kaiserschnitt

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... oder, wenn Liebe einen Namen trägt Ìrgendwann mal, später oder da ist ja noch Zeit… das sind all die Antworten, die ich noch vor einem Jahr gab, als man mich fragte, ob ich Kinder möchte. Generell ja, aber ich war ja noch „zu jung“ oder wie ich heute weiß, zu feige. Doch das Schicksal ... Bericht lesen





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ANTON PAUL
Erfahrungsbericht von Creedy18 über Notfall-Kaiserschnitt
30.10.2011


Produktbewertung des Autors:   


Pro: manchmal gibt es keinen anderen weg
Kontra: die Schmerzen kommen erst danach .  .  .  und halten sich

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... oder,

wenn Liebe einen Namen trägt

Ìrgendwann mal, später oder da ist ja noch Zeit…

das sind all die Antworten, die ich noch vor einem Jahr gab, als man mich fragte, ob ich Kinder möchte. Generell ja, aber ich war ja noch „zu jung“ oder wie ich heute weiß, zu feige. Doch das Schicksal meinte es in den sonnigen Novembertagen des letzen Jahres gut mit uns, in dem es ein kleines Leben auf die Reise schickte, von dem wir anfänglich nichts geahnt hatten. Die Schwangerschaft hat uns zwar anfänglich überrascht, gut, es wäre bei entsprechender Verhütung auch nie passiert, aber die Vorfreude war sofort riesengroß. Meine Schwester hatte es am treffendsten formuliert: „Wenn wir darauf gewartet hätten, dass Du Dich bewusst für ein Kind entscheidest, würdest Du nie schwanger werden.“ Und ja, sie hatte Recht, denn wie viele andere auch hatte ich tausend Gründe, die mich daran zweifeln ließen, ein Kind zu wollen, also generell schon aber nicht jetzt, weil… tausend Ausreden gefunden werden können.


Da ist was im Stiefel...


Es war der 6. Dezember 2010, als mein Schatz und ich frühmorgens um acht zur Apotheke sind, um einen Schwangerschaftstest zu holen, und irgendwie war zumindest Wolf schon klar, wie das Ergebnis ausfallen sollte. Manchmal hat er ja ein sensationell gutes Gefühl, so auch an diesem Tag. Der Test war nun gemacht und während der Wartezeit ließ ich mir die letzte Zigarette schmecken und kaum war die im Aschenbecher ausgedrückt, ging es ab ins Bad zum Blick auf den Test, dessen Ergebnis eindeutiger nicht hätte sein können, ich war schwanger!


Daraufhin haben wir gleich beim Frauenarzt angerufen, um einen Termin zwecks Bestätigung zu bekommen, den ich nach einigem Drängeln noch am gleichen Vormittag bekommen hatte und siehe da, die Frauenärztin bestätigte die Schwangerschaft und meinte auch, dass sich das Kind schon gut eingenistet hatte. Von diesem Tag an sollte sich unser weiteres Leben grundlegend ändern. Am gleichen Tag erzählten wir unseren beiden Eltern die Neugikeit, beide waren geschockt aber glücklich, meine Ma meinte nur noch, dass war´s dann mit dem Mallorca Urlaub *gg* Ich nehms ihr nicht übel, denn auch ich hatte so komische Gedanken. Schon kurze Zeit später war es die Vorfreude, die bei allen überwog.


40 Wochen...


Die Schwangerschaft verlief relativ normal und glücklicherweise hatte ich auch keine schwerwiegenden Komplikationen, von Untersuchung zu Untersuchung wuchs unser Zwerg und schon recht früh hatte er sein Outing, so dass wir schon bald wussten, dass ein kleiner Junge auf dem Weg zu uns war. Ab März ging es dann los mit den Beschwerden, ständige Ohrenschmerzen, grippale Infekte und irgendwie war ständig etwas anderes, in meinem Leben hatte ich bis dato kaum Antibiotika genommen, bis zur Schwangerschaft, da mussten sie dann her, weil man meiner Ohrenentzündung sonst gar nicht mehr Herr geworden wäre. Dann kündigte sich noch Wasser in den Beinen an und das nicht zu knapp. Das machte das Arbeiten im Büro zur Plage und schon bald gab es ein Teilzeitbeschäftigungsverbot, so dass ich nur noch vier Stunden am Tag arbeiten durfte. Aber im Nachinein betrachtet, ist das natürlich Jammern auf hohem Niveau, denn die Schwangerschaft ansich verlief total problemlos, es gab weder die bekannte Übelkeit, noch Schwindelgefühl oder andere weitaus schlimmere Komplikationen, die mich ans Bett gefesselt hätten.


Ich wurde halt kugelrund und hab satte 30 Kilo draufgepackt, woran ich natürlich selbst schuld bin, denn ich habs mir richtig gut gehen lassen und mächtig gegessen und die Schwangerschaft genossen, und auch selten nein zu Kuchen und co gesagt. Tja, das kommt halt davon, aber schlussendlich gab es auch dadurch keiner Probleme für Keksi oder mich, ganz im Gegenteil, er entwickelte sich prächtig.


Auf der Zielgeraden...


Gegen Ende der Schwangerschaft hatte meine Frauenärztin leider Sommerurlaub und so entschloss ich mich, die letzten Untersuchungen vor der Entbindung direkt im Krankenhaus machen zu lassen, da ich ohnehin bereits zur Entbindung angemeldet war und wir zum anderen ganz in der Nähe wohnen, so dass ich direkt hinlaufen oder in meinem Fall rollen konnte.


Die Hebammen, die auch die Akupunktur bei mir machten, waren super lieb und hatten immer ein Lächeln auf den Lippen. Auch die Ärztinnen waren sehr nett und so fühlte ich mich während der Endschwangerschaft sehr gut aufgehoben. Bei einer Untersuchung wurde der ursprüngliche Geburtstermin nach vorn korrigiert, denn man ging unter anderem davon aus, dass unser kleiner Mann ein ordentliches Geburtsgewicht jenseits der 4000 Gramm hinlegen würde. Deshalb sollte ich mich einen Tag nach dem neu errechneten Geburtstermin im Kreissaal melden, sollten sich die Wehen bis dahin noch nicht angekündigt haben. Puh, da war ich erstmal geschockt. Zum einen war da plötzlich eine Schwangerschaftswoche weg und wenn man noch kurz vorm Umzug steckt, ist das natürlich sensationell, und zum anderen bekam ich es dann doch etwas mit der Angst zu tun, weil der Kleine so groß und schwer sein sollte, weil das nicht immer ein Vorteil ist (meine Freundin, die im Februar entbunden hat, kann ein Lied davon singen). Naja, da hieß es eben warten, bis der Kleine sich durch die Wehen meldet, aber irgendwie konnten wir uns das nicht vorstellen, dass der kleine Mann schon bald kommen würde.


Komm ich heut nicht, komm ich morgen...


Am Tag des errechneten Termins hatte ich Akupunktur und fragte noch mal nach, wie das weitergehen soll, weil heut der Tag x ist und sich noch nichts getan hätte. Daraufhin wurde ich noch mal untersucht und man sagte mir, dass wir am nächsten Tag einen Wehentest machen würden. Ich sollte auf jeden Fall meine Kliniktasche mitbringen, da ich danach 24 Stunden unter Beobachtung stehen würde und somit über Nacht in der Klinik bleiben müsste. Mein Schatz meinte noch siegessicher, na dann kommste halt am Freitag wieder heim. Aber irgendwie hatte ich doch bissl Schiss. Am Abend vor der Einlieferung bekam ich noch mal mein Lieblingsessen vom Schatz gekocht und packte die Kliniktasche noch mal um und steckte da noch haufenweise nutzloses Zeug rein. Zwar hatte ich etwas Schiss aber so richtig konnte ich mir immer noch nicht vorstellen, dass es nun langsam in die entscheidende Phase gehen sollte und es nicht mehr lange dauern würde, bis wir unseren kleinen Schatz auf dem Arm halten würden. Also schickte ich Wolf auf Arbeit und ließ mich vom Schwiegerpapa in Spe ins Krankenhaus fahren, auch wenn es so nah war, sollte ich nicht mit der Tasche durchs Gelände laufen, sicher ist sicher.


Nachdem ich nun angemeldet war, wartete ich erstmal im Kreissaal, da gerade eine Geburt im Gange war. Neben mir wartete eine Frau zusammen mit ihrem Mann, die eine ähnliche Diagnose hatte. Auch sie war zum Wehenbelastungstest da und wie sich später herausstellen sollte, wurden wir noch Bettnachbarn und haben uns bis zum Tag der Entlassung super verstanden, worüber ich sehr sehr froh bin, denn das ist ja nicht immer so.


Jedenfalls musste ich erstmal wieder ans CTG, was ich an diesem Tag noch zu hassen gelernt habe, später noch mal Ultraschalluntersuchung, soweit war nicht auffällig, nur dass die Wehen noch nicht einsetzten, wunderte die Ärzte, also sollte es mittags mit dem Wehenbelastungstest losgehen, da gibt’s ein wehenprovozierendes Mittel, um danach zu beobachten, ob die Wehen anschließend auch ohne dieses Mittel weitergehen oder so ähnlich. Vorher gab es noch ein leckeres Mittagsessen für mich, da hatte sich die liebe Hebi drum gekümmert, sie meinte, ich könnte die Kraft noch brauchen. Dann rief ich meinen Schatz an, brachte ihn auf den neusten Stand und schon gabs den Tropf. Und so langsam spürte ich die Wehen, die scheiße weh tun, ich hatte mich ja auch immer gefragt ob und woran man Wehen erkennt, aber nu weiß ich es.


Anfangs waren sie noch recht erträglich, ich lag so da rum und hab gelesen als ich plötzlich schwallweise auslief. Tja, das war es dann gewesen mit der Fruchtblase, die war soeben geplatzt. Die Hebamme kam und half mir erstmal in die feine Krankenhausunterwäsche und von da an durfte ich nicht mehr aufstehen, weil das Baby nicht fest genug im Becken lag. Tja, und da die Fruchtblase einmal geplatzt war, gab es ohnehin kein zurück mehr, das Baby sollte in den nächsten Stunden auf die Welt kommen. Ich wurde dann in ein Wehenzimmer verlegt und nachdem mein Schatz auch Bescheid wusste, kam er direkt. Der Wehentropf war zwar schon lange weg aber die Wehen blieben, anfänglich noch so nebenbei und fast schmerzfrei aber von Stunde zu Stunde wurden sie schlimmer. Ich weiß noch, dass King of Queens und später Big Brother im TV liefen, irgendwie will man sich ja ablenken, das Abendprogramm war allerdings noch mieser, da lief gar nichts.


Die eine Hebamme meinte noch, dass heut nichts mehr passiert und mein Freund mich früh schlafen lassen soll, da die Geburt am nächsten Tag anstehen würde. Laut CTG waren kaum Wehenbewegungen da, und das obwohl ich durchaus Wehen hatte und das nicht zu knapp. Schon zu diesem Zeitpunkt war mir klar, dass aus der ruhigen Nacht, in der ich noch mal schlafen sollte, nichts werden würde. Entweder hat das CTG gesponnen oder die Hebamme. So gegen halb zehn hab ich Wolf dann heimgeschickt und kaum, dass er aus der Türe war, gingen die Wehen so richtig bösartig los, tolle Wurst. Also hab ich nach der Hebamme geklingelt und war froh, dass eine andere den Nachtdienst hatte. Marion, eine sehr resolute und nette Frau, die genau weiß, was sie tut. Jedenfalls sagte ich ihr, dass ich Wehen hätte und zack hing ich wieder an dem CTG und wieder hat das blöde Ding nichts angezeigt. Da meinte ich nur, ich bild mir das doch net ein und als ich dann noch schwallartig zu erbrechen begann, war die Sache klar. Marion meinte nur, sie glaubt mir und ließ mich nicht mehr aus den Augen und kümmerte sich rührend um mich, beantwortete meine komischen Fragen und hielt mir die Nierenschale, als sich mein Magen wieder und wieder entleerte. Zwischendurch untersuchte sie mich und gegen zwölf durfte ich dann aufstehen und auf Toilette gehen. Als ich zurück kam, war schon der Kreissaal vorbereitet und nun war klar, dass es nun in die entscheidende Phase gehen würde. Marion hatte schon alles bereit gestellt und auch mein Handy war bereit gelegt, so dass ich Wolf aus dem Schlaf klingeln konnte. Eine halbe Stunde hatte er geschlafen und innerhalb von 15 Minuten war er dann im Krankenhaus gestriegelt und gebügelt während ich aussah, als wäre eine Dampfwalze über mich hinweg gerollt.

Dann war mein Schatz endlich da und irgendwie empfand ich es seltsam ruhig auf der Entbindungsstation. Ich war zu diesem Zeitpunkt die Einzige, die kurz vor der Geburt stand und das mitten in der Nacht war schon ein komisches Gefühl. Leider wurde mir ständig schlecht und so kotzte ich schwallweise noch den halben Kreissaal voll, aber zum schämen blieb keine Zeit. Meine Kräfte wurden auch nicht besser, im Gegenteil, immer wieder hatte ich ein Auge auf die Uhr geworfen, zwischen den Wehen versteht sich. Diese waren mittlerweile die Hölle und in den kurzen Pausen dazwischen kam ich mir vor, als würde ich jeden Moment bewusstlos werden, nur um kurz darauf wieder einen heftigen Wehenschub zu bekommen. Die Hebamme versuchte alles, um die Geburt voranzutreiben, ich sollte mich drehen und später aufstehen, aber nichts half. Der Gebärmutterhals hatte sich schon auf 9 cm gedehnt und das Geburtskärtchen wurde schon teilweise ausgefüllt, es war klar, heute ist der Tag der Tage, da dachte ich mir noch, wär ja noch schöner, die Schmerzen noch bis in den nächsten Tag zu haben. Die Wehen machten mich irgendwann vor Schmerzen agressiv, so blaffte ich nicht nur die Hebamme an sondern auch die Ärzte, ich will nen Kaiserschnitt oder „nu holt halt endlich das Messer und macht den Schnitt, ich kann nicht mehr“ Ich meine auch, dass ich irgendjemanden als unfähig beschimpft hab. Aber so ist das halt, und an der Reaktion der Beschimpften merkte ich, dass sie so was schon gewöhnt sind.

Irgendwann ging es nicht mehr weiter, die Zeit verrann, meine Kräfte schwanden von Wehe zu Wehe und als sich dann noch die Oberärztin früh um vier in den Kreissaal bemühte, wusste ich, irgendwas geht hier schief. Ich wurde zum gefühlten 100sten Mal untersucht und musste an meine Freundin denken, die in einer ähnlichen Situation meinte „Komm auch Du, greif zu“. Ehrlich, das war die Hölle, also nicht die Tatsache, dass ich so oft untersucht wurde und somit ein Schamgefühl hätte, nein, das hatte ich zwischen den ganzen Wehen irgendwo verloren. Diesbezüglich war mir schon alles egal. Nein, die Untersuchungen taten nur noch weh und so fing ich an zu schreien, zu weinen und wieder die Ärzte zu beschimpfen. Das Ganze gipfelte dann darin, dass die Herztöne es Kleinen abfielen, das war dann der Moment als ich anfing, dieses scheiß CTG-Gerät zu hassen, denn irgendwie konnte ich es zum einen nicht mehr hören und zum anderen hatte ich natürlich sofort panische Angst, als die Werte des Kleinen in den Keller sausten. Dann hieß es, sie müssten durch mich durch an den Kopf vom Kleinen kommen, um von dort die Herztöne zu messen, was meinerseits wüste Beschimpfungen zur Folge hatte und natürlich unglaubliche Angst. Ich hab nur meinen Schatz angeschaut und bebte vor Angst. Zwischenzeitlich war ich schon stundenlang unter Wehen, hatte nichts mehr im Magen und mir tat zwischenzeitlich alles weh, die homeophatischen Mittel halfen reineweg gar nichts und die Sorgen um unser ungeborenes Kind wurden von Minute zu Minute größer, zumal die Hebamme gegen zwei Uhr meinte, in ein zwei Stunden wäre alles vorbei, es fehle nur noch ein Zentimeter, tja, und innerhalb von drei Stunden passierte gar nichts, außer dass die Werte des kleinen schlechter wurden. Schnell wurde noch ein Ultraschall gemacht, um die Lage des Babys zu erkennen und dann zogen sich die Hebamme und die Ärztinnen kurz zur Beratung zurück. In diesem Moment wurde mir richtiggehend schlecht und ich hatte eine Riesenangst. Wolf redete mir gut zu und hielt tapfer meine Hand, während ich mich von einer Wehe zur nächsten ängstigte. Zum Glück dauerte die Unterredung nicht lange und dann standen sie vor mir, um uns das weitere Vorgehen zu besprechen.


So nah und doch so fern...


Sie sagten uns, dass der letzte Zentimeter vom Gebärmutterhals immer noch nicht offen ist und unser Kind ein Sternengucker ist. Dabei liegt das Baby in der hinteren Hinterhauptslage: Der Kopf liegt unten, das Gesicht weist dabei zum Bauch und nicht zum Rücken der Mama. Auf jeden Fall ist diese Lage für eine natürliche Geburt nicht ideal. Als ich das hörte, bekam ich es mit der Angst zu tun, weil ich etwas ganz schlimmes im Sinn hatte, aber bald schon erinnerte ich mich daran, dass wir darüber schon im Geburtsvorbereitungskurs gesprochen hatten, und das keine lebensbedrohliche Angelegenheit ist. (Ich hatte Sternenkind im Gedanken und da kann einem schon mal die Farbe aus dem Gesicht fallen). Dies in Zusammenhang mit der Tatsache, dass die Werte des Kindes und auch meine immer mehr in den Keller fielen und ein so genannter Geburtsstillstand herrschte, wurde uns eröffnet, dass nun doch ein Kaiserschnitt gemacht werden muss. Nachdem man mir versicherte, dass es unserem Baby gut geht, war ich erleichtert, dass es nun nicht mehr lange dauern würde, gegen die Wehen bekam ich zwei Tabletten, nachdem die erste nicht gewirkt hatte, wurde in ein OP-Hemd gesteckt und bekam diese hübschen Thrombose-Strümpfe an und fühlte mich wie benebelt. Ich bekam nur noch mit, wie Wolf mir meine Kette abnahm und dann ging es schon mit dem Fahrstuhl in Richtung OP.


Dort wurde mir ein Zettel hingehalten, den ich unterschreiben sollte und dann wurde mir erklärt, wie die Narkose, die Spinalanästhesie abläuft. Das alles interessierte mich herzlich wenig. Ich wollte nur, dass unser Kind gesund auf die Welt kommt, alles andere zählte nicht mehr und ging wie Nebel an mir vorüber. Es war alles so unreal und nachdem die Wehenhämmer endlich wirkten, schob man mich in den OP und endlich kamen auch Wolf und die Hebamme, die beide beruhigend auf mich einredeten. Dann musste ich mich aufsetzen, um die Spritze ins Rückenmark zu bekommen und dann war ich endlich schmerzfrei, wenn auch derartig verpeilt, dass ich kaum noch wusste, wer ich war. Von der Brust abwärts spürte ich gar nichts mehr, von meiner Umgebung bekam ich jedoch viel mit. Mir wurde nur langsam klar, dass es nur noch ein paar Minuten sind, bis wir unseren kleinen Sohn bei uns haben werden. In den letzten Wochen der Schwangerschaft wünschte ich mir immer einen Reißverschluss am Bauch, um nachsehen zu können, ob mit unserem Baby alles in Ordnung ist und nun sollte es keine 15 Minuten mehr dauern, bis der kleine Mann endlich auf der Welt ist. Vor meinem Gesicht wurde ein Tuch aufgehängt, damit wir die OP selbst nicht sehen konnten, was wohl auch besser ist. Da wissen die Ärzte schon, was sie tun. Dann hörte ich ein Geräusch, das sich so anhörte, als würde man ein Kissen aufschlitzen, aber ich wusste, das ist mein Bauch und plötzlich unter all dem Geklapper des OP-Bestecks und dem Stimmenwirrwarr im Operationssaal hörte ich ein Schreien, so klein und doch so stark und gesund. Unser Sohn war geboren. Ich war völlig fertig und hätte ich nur den Hauch eines Gefühls in meinen Beinen gehabt, ich wäre sofort aufgestanden und hätte ihn an mich gedrückt. Doch so konnte ich nur der Hebamme hinterherschauen, wie sie meinen kleinen Sohn davon trug. Und wieder hatte ich Angst, es könnte etwas passiert sein. Wolf ging dann hinterher und in den nachfolgenden zwei Minuten fühlte ich mich schrecklich hilflos. Aber diese Sorge war absolut unbegründet, denn schon bald kam mein Mann mit unserem Sohn auf den Armen zu mir ans Kopfende und so sah ich unseren Sonnenschein zum ersten Mal.


Mama, hier bin ich


Unser kleines Bündel Glück hat am 05.08.2011, um 04:51 Uhr mit einem Gewicht von 3410 und 50 cm Länge das Licht der Welt erblickt. Anton Paul Wolfhardt hat alle getäuscht, die ihn so groß und schwer geschätzt hatten und macht so seinem Namen kleiner starker Schatz alle Ehre. Er kam gesund und munter auf die Welt. Später habe ich mich schon manchmal geärgert, dass ein Kaiserschnitt doch notwendig wurde, ich hätte Anton lieber auf natürliche Weise geboren, aber schlussendlich zählt nur, dass er gesund auf die Welt gekommen ist, und wir das alles gut überstanden haben, wie ist am Ende egal.


Ich war traurig, ihn nicht halten zu können, aber froh, dass alles dran war an dem kleinen Mann, trotz der Benebelung fing ich an, Finger und Fußzehen zu zählen. Wolf durfte dann mit der Hebamme und unserem Sonnenschein nach oben, die U1 stand ja gleich an und außerdem sollte der kleine Mann keine Sekunde länger als notwendig alleine sein. Währenddessen nähte man mich wieder zu. In dieser Phase bin ich öfters weggetreten und dachte nur, ich muss jetzt aber mal los hier… Nachdem man mich noch eine nicht enden wollende Stunde im Aufwachraum beobachtete, wurde ich samt Krankenbett wieder in den Kreissaal gefahren, wo meine beiden Männer schon auf mich warteten. Ich werde nie die Worte von meinem Schatz vergessen, als er meinte „Ich glaub, da hat jemand Hunger“ Ich wurde wieder in das Wehenzimmer gebracht, in dem vor einem Tag alles begann und unser kleiner lieber Schatz wurde mir angelegt.

In den nächsten Tagen, während unseres Kennenlernens mussten wir erstmal mit den Nachwirkungen des Kaiserschnitts zurecht kommen, also freiwillig würde ich das nicht haben wollen. Der Bauch fühlt sich taub an und das auch stellenweise heute noch, 12 Wochen danach und es kann auch noch länger dauern. Aufstehen durfte ich erst nach einem Tag und lief wie eine bleiernde Ente. Gut, die Schmerzen gingen allmählich, aber das Taubheitsgefühl ist alles andere als angenehm und im Nachhinein wünschte ich, wir hätten die Geburt auf normalen Wege geschafft, aber so ist es numal im Leben.


unendliche Liebe


Dieses Gefühl ist unbeschreiblich, das eigene Kind in den Armen zu halten, der erste zaghafte Stillversuch, der auch noch glückt und man dieses unglaublich kleine Wesen von der ersten Sekunde an ins Herz schließt, diese unendliche Liebe, die man einem Menschen schenkt, den man gerade erst kennen gelernt hat, dieses Wunder der Geburt, das alles Geschehene vergessen macht, das unbeschreibliche Glücksgefühl, das vergessen lässt, dass man seit 30 Stunden kein Auge zugemacht hat … all dies hat mich, hat uns überwältigt. Nun waren wir eine kleine Familie und sind es immer noch. Unser Leben hat sich von einer Sekunde auf die andere komplett geändert und es ist das schönste, was uns passieren konnte. Ich war mir nie bewusst, wie stark Mutterliebe sein kann, meine eigene Mutter sagte mir vor der Geburt immer: „Da haut es einen Schalter rum und zack bist Du Mama“. Irgendwie konnte ich mir das alles vorher nicht vorstellen und auch das Leben mit einem Kind kam mir fremd und unbekannt vor aber schon nachdem ich unseren kleinen Mann auch nur eine Minute in meinen Armen hielt, schon vorher, als ich ihn auf den Armen meines Mannes sah, meine beiden Männer zusammen, war mir klar, wie Recht meine Mutter hatte. All die Fragen, die ich vorher hatte, das wie was und warum war vollkommen vergessen. Ja, ich bin jetzt eine Mama und sehr glücklich darüber.


Seit dem Tag der Geburt sind nun fast drei Monate vergangen. Ich kann unser großes Glück immer noch nicht fassen. In manchen Momenten könnte ich heulen vor Freude über unseren kleinen Anton. Er ist mein Herz, es macht mich glücklich, ihm beim Schlafen zu beobachten, sein Lächeln bringt Eisberge zum Schmelzen, sein Augenaufschlag ist Liebe pur, unverfälscht und einzigartig. Ich würde einfach alles für diesen kleinen Menschen tun und genieße jeden Augenblick mit ihm. Anton hat unser Leben mehr als bereichert, all die Ängste und Sorgen, man wäre ja zu jung und müsste oder will noch dies oder jenes erleben, war verschenkte Zeit. Denn heute weiß ich, dass es keine schönere Party, keinen besseren Urlaub, kein größeres Auto oder tollere Wohnung gibt, die einem so ein vollkommenes und glückseliges Gefühl geben wie das, eine Mama und ein Papa zu sein.


Eure Creedy18


PS: Die Bewertung beziehe ich auf das Ergebnis, unseren gesunden Sohn, der aufgrund des notwendigen Notfallkaiserschnitts gesund und munter das Licht der Welt erblickt hat.   

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