Erfahrungsbericht über "Novelle Das Märchen / Johann Wolfgang von Goethe"

veröffentlicht 28.12.2000 | Silberhand
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Über sich :
Gut
Pro zum Teil gute dramatische Beschreibungen
Kontra purer Kitsch
sehr hilfreich

"Kritik über Goethes Dichtung"

Kritik über Goethes Dichtung „Novelle“

In Goethes Dichtung die Novelle, die er 1826/27 niedergeschrieben hat, geht es kurz gesagt um die Beziehung zwischen den Menschen und den Kräften der Natur. Er zeigt uns in dieser Geschichte, wie man seiner Meinung nach, mit den Elementen richtig umgehen soll. Ich bin überrascht, dass ein Mann aus dieser Zeit, viele Probleme erkannte, mit denen wir uns noch heute befassen. Er kritisiert den naiven Menschen der die Ansicht hat, alles kontrollieren und beherrschen zu können.

Doch leider muss ich sagen, dass seine Erzählung am vielen Stellen, die ich noch erwähnen werde, zum Kitsch überläuft. Seine Naturbeschreibungen ziehen sich oft unnötig in die Länge, so dass der Leser gewollt oder nicht, einschlafen muss. Viele Sätze sind oft unpassend lang und bringen einen (jedenfalls mich) in Rage. Da ist z.B. dieser „ interessante Satz“!

Seite 4. Zeile 36. - Seite 5. Zeile 8.
Sie fand das treffliche Teleskop noch in der Stellung, wo man es gestern abend gelassen hatte, als man, über Busch, Berg und Waldgipfel die hohen Ruinen der uralten Stammburg betrachtend, sich unterhielt, die in der Abendbeleuchtung merkwürdig hervortraten, indem als dann die größten Licht- und Schattenmassen den deutlichsten Begriff von einem so ansehnlichen Denkmal alter Zeiten verleihen konnten.

Wieso muss er die Schönheit der Natur, in einen Satz beschreiben? Jeder Lehrer würde mir eine Standpauke halten und ich müsste meinen Aufsatz erneut schreiben. Wenn man diesen Satz bis zum Schluss liest hat der Leser den Anfang schon wieder vergessen. So ein Satz verwirrt einen durch seine Überlänge nur. Nun ja, vielleicht gehört das zu dichterischen Freiheit.

Keine Frage! Goethe war ein Genie seiner Zeit, aber in unser Gegenwart würde kaum noch ein junger Leser sein Buch anfassen, weil die Werte wie Respekt vor der Natur zwar immer noch ein Thema für uns sind, aber niemand heute Goethes Novelle lesen braucht, um darüber Bescheid zu wissen. Ein Schüler, der von einen Lehrer gezwungen wird, diesen Text zu lesen, ist wenig beneidenswert. Der Text wird analysiert und bis zum letzten Tropfen ausgesaugt, obwohl man nach spätesten 6 Deutsch-Stunden endgültig genug hat. Eine Geschichte ist wie ein Kaugummi, je länger man darauf rumkaut, desto fader und bitterer schmeckt er. Und die Novelle läst an einigen Stellen wirklich zu wünschen übrig. Da ist es kein Wunder, wenn der Schüler das Buch zweckentfremdet und unter einen leicht kippelnden Stuhl legt. Da zum Beispiel der letzten Teil , wo dieser Jüngling aus den Morgenland sein Liedchen trällert. Wenn ich mir dieses Lied Zeile für Zeile anschaue, kommt ein die Galle sprichwörtlich hoch. Das ist reines, kitschiges, utopisches Gelabere eines alten Mannes. Ich verstehe nicht wie sich ein Löwe von so einen Geschwätz in den Schlaf singen lässt. Diese Strophe ist am schlimmsten!

Seite29 Zeile24
Denn der Ew´ge herrscht auf Erden,
Über Meere herrscht sein blick;
Löwen sollen Lämmer werden,
und die Welle schwankt zurück;
Blankes Schwert erstarrt im Hiebe;
Glaub und Hoffnung sind erfüllt;
Wundertätig ist die Liebe,
Die sich im Gebet enthüllt.

Nun mal ganz ehrlich, wer würde in so einer Welt, wie es in diesem Lied beschrieben wird, leben wollen. Angenommen so eine Utopie gäbe es wirklich, so wäre sie für mich die Hölle auf Erden. Wenn alles gut, lieb, nett und freundlich ist und es nichts schlechtes mehr gibt, so wäre es doch furchtbar langweilig. Nichts kann ohne das Böse und Schlechte existieren. Wenn alles gut ist, verliert die Welt ihre Schönheit und ihre Einzigartigkeit. Der Mensch hätte auch keine Träume und Sehnsüchte mehr, da er längst alles hat. Wem würde eine Welt gefallen wo niemand mehr träumt?

Ich gehe jetzt etwas mehr auf den Text ein. Nach Goethes Meinung ist der Mensch deutlich den Naturgewalten unterlegen und dass niemand die Elemente der Natur bändigen kann. Das wird einem besonders bei der Feuersbrunst, in der Stadt bewusst (Seite15-16).
Er beschreibt einige Eigenarten und Schwächen des Menschen, dazu gehören Herrschsucht, Gier, Vorurteile, Respektlosigkeit, Hochmut und pure Selbstüberschätzung.
Es findet ein Kampf zwischen der Natur und der künstlichen, menschlichen Welt statt. Goethe erwähnt dabei eine Ruine (Stammburg), die langsam von der Natur zurück erobert wird.


Die Handlung spielt sich in Europa ab, wo sich am frühen Morgen ein Fürst mit seiner vornehmen Gesellschaft auf eine Jagd vorbereitet. Für sie ist die Jagd ein Fest und nicht Lebenswichtig. Es gehört für sie zum guten Ton und Sie jagen die Tiere nicht des Fleisches wegen, sonder um Trophäen zu erbeuten.
Schon auf diesen ersten Seiten kann man erfahren, was Goethe mit dieser Geschichte, den Leser vermitteln wollte. Obwohl ein unerfahrener Leser der Goethe nicht kennt, diese Verse übersehen könnte. Lesen wir zum Beispiel ein Zitat, in dem die Tiere des Waldes erwähnt werden.

Seite4 Zeile 17-20
....; man hatte sich vorgenommen, weit in das Gebirge hineinzudringen, um die friedlichen Bewohner der dortigen Wälder durch einen unerwarteten Kriegszug zu beunruhigen.

Die Tiere werden hier als friedliche Bewohner bezeichnet, und somit vermenschlicht. Damit gerät der Charakter dieser Gesellschaft ins Negative! Sollte man nicht die Absichten und Tugenden dieser Leute in Frage stellen?
Für den Fürsten ist das ganz normal und er ist sich deshalb auch keiner Schuld bewusst. Er lebt in einer Stadt, in einer vom Menschen geordneten Welt und glaubt das er es alles bewältigen kann. Die Hauptpersonen sind Selbstbewusst und fühlen sich sicher.
Doch diese Ordnung die man sich künstlich geschaffen hat, zerfällt in wenigen Augenblicken, als ein Feuer ausbricht und alles im Chaos der Flammen versinkt.
Diese Szene gefällt mir persönlich am besten, weil die Geschichte dort endlich zu leben beginnt. Der Leser taucht bildlich in das Geschehnen ein und es kommt das erste Mal Spannung auf. Goethe beschreibt diese Katastrophe in langen Sätzen (hier sind sie ausnahmsweise gut angebracht) und in gut formulierten Worten, so dass die Flammen ein Eigenleben bekommen, wodurch die Katastrophe noch viel realer wird.

Seite 15 Zeile 33 -Seite16 Zeile 3
...die Bretter prasselten, die Latten knackten, Leinwand flog auf, und ihre düstern, an den Enden flammend ausgezackten Fetzen trieben in der Höhe sich umher, als wenn die bösen Geister in ihren Elemente, um und um gestaltet, sich mutwillig tanzend verzehren und da und dort aus den Gluten wieder auftauchen wollten.

Der Leser bekommt durch diese Aufeinanderreihung von Ereignissen, das Gefühl das alles in dem selben Augenblick geschieht. Die Menschen werden total überrumpelt und sind nur noch ein Spielball, für die Kräfte der Natur. Von Ordnung und Kontrolle ist nichts mehr übrig geblieben und die eben noch so selbstbewussten Hauptpersonen fliehen vor diesen furchtbaren Inferno.

Als wäre das nicht schon schlimm genug, sind dann da noch die Raubtiere, die sich aus einen Käfig befreien. Es sind ein gezähmter Löwe und ein Tiger. Die Frau des Fürsten, die sich vom Feuer in Sicherheit brachte, bekommt erneut Panik, da sie denkt die Tiere würden sie angreifen. Auf die Idee das die Tiere auch Angst haben könnten kommt sie nicht. Da sie nur ein einseitiges Negatives Bild über Raubtiere hat. Sie glaubt es ein Ungeheuer sei, dass nur töten will, weil man es in Illustrationen und Erzählungen kaum anders da stellte.
Ein junger Edelmann namens Honorio glaubt die Dame beschützen zu müssen und tötet dann den Tiger. Eigentlich müsste Honorio jetzt als Held dastehen, aber Goethe dreht die ganze Sache um. Eine Frau taucht auf die über den Tod des Tieres herzhaft trauert. Die Rollen von gut und böse tauschen ihren Platz . Das arme gut Tiere wurde vom übermütigen Honorio getötet. Da taucht doch nun die Frage auf wer nun wirklich das Wilde-Raubtier ist! Man sollte nie nach den Äußeren gucken, wenn jemand etwas über den Charakter erfahren will. Auch ein Löwe hat etwas gutes im Inneren, so wie ein schöner Jüngling auch etwas böses besitzt. Manche Dinge sieht man erst auf dem zweiten Blick.

Nun soll der Löwe getötet werden, der sich bei einer alten überwucherten Burg niedergelassen hat, doch der Junge mit dem dämlichen Lied kann diese Tat gerade noch verhindern . Diese Burgruine schildert Goethe so, als wäre es das verlorene Paradies! Nach meinen Geschmack alles Schönrederei, da so eine Welt nie Wirklichkeit wird! Ein Junge, der einen Löwen durch ein Liedchen betört, existiert nicht in der Realität.
Die Situation mit den Jungen und den Löwen, erinnert an eine Geschichte aus der Bibel , „Daniel aus der Löwengrube“ was wohl auch so beabsichtigt war. Ich schätze es sollte die Harmonie zwischen Mensch und Natur noch mehr verdeutlichen.

Diese Novelle hatte teilweise gute Denkanregungen, was aber nie eine gute Story garantiert. Außer bei der einen Brandszene, gab die Geschichte kaum etwas für mich her. Doch am besten macht man sich über diesen deutschen Dichter sein eigenes Bild.

Ps.Ich mußte diese Kritik in der Schule schreiben und ich würde gerne wissen was ihr davon haltet!

gez. Christian B. (Silberhand)

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • sp67 veröffentlicht 14.01.2004
    Bin zwar anderer Meinung über die Texte, aber für Deutschstunden sind sie wirklich nichts. Dafür gibt's von Goethe doch geeignetere Werke.
  • flynn veröffentlicht 28.12.2000
    Ich gehe mal davon aus, daß Du in der 13. Klasse bist, und wenn ich Dir eine Schulnote geben müßte, würde ich Dir eine 1-2 geben, also irgendwas zwischen 12 und 14 Punkten. - Mich würde mal interessieren, was Du tatsächlich bekommen hast. *g*
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Produktdaten : Novelle Das Märchen / Johann Wolfgang von Goethe

Produktbeschreibung des Herstellers

Haupteigenschaften

Autor: Johann Wolfgang von Goethe

Autor Nachname: Goethe

Autor Vorname: Johann Wolfgang von

Autor Name invertiert: Goethe, Johann Wolfgang von

Titel: Novelle Das Märchen

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