Kleine Vorgeschichte: Für die - notorisch geldarme - Firma sollte eine Digitalkamera her. Klein, einfach handlich sollte sie sein, im Endeffekt die brauchbare Belichtung der Digibilder ermöglichen und nicht die Welt, d.h. unter 100 Euro kosten. Haupteinsatz wäre die Dokumentation gelegentlicher Aktivitäten, so dass etwas höherwertiges nicht lohen würde. Nun, nicht ganz einfach, denn während es sich in der Klasse 100 bis 200 Euro schon recht munter an Geräten tummelt, bleiben bei der Klasse unter hundert Euro eigentlich nur alte Ladenhüter, billige NoNames oder Importware. Nachdem die erste Wahl der ersten Kategorie zugehörig war (eine ältliche Polariod mit inakzeptabler Bildqualität und vor allem Auslösegeschwindigkeit) fiel die Wahl nun auf ein Gerät der letzten Klasse - die ODYS Slim 5L Pro-II.
First Kontakt
Zunächst überzeugte der Preis - das gute Stück war Ende vergangenen Jahres bei der Drogeriekette Rossmann für knapp 70 Euro im Angebot - nur auf besondere Anfrage an der Parfümtheke zu beziehen. Erhalten hat man eine Pappkiste, die eine recht noble Kamera verspricht: Auf den ersten Blick fällt die Handlichkeit bei einem gleichzeitig beträchtlich großem Display auf - na, wenn das nichts ist.
Die Kamera, die zusammen mit üblichem Zubehör (USB- und Video-Kabel, Riemen , Täschchen, Software-CD, Kurzanleitung, Akkus, aber kein Netzteil) geliefert wurde, ließ sich schnell in Betrieb nehmen. Weiterführende Infos fanden sich im Online-Handbuch (nur auf CD), aber die Konsultation war kaum nötig, da das gute Stück ziemlich selbsterklärend ist. Also waren flugs die ersten Schnappschüsse gefertigt.
Technische Daten mit Kommentar
Ich zähle die Daten auf und kommentiere sie gleich an Hand der gemachten Bilder bzw. Erfahrungen. Ich muss sagen, dass ich mir die Kamera für den Indooreinsatz gedacht habe, daher die Erfahrungen. Außenaufnahmen habe ich kaum gemacht, sie scheinen aber tendenziell besser zu werden.
Sensor Typ: 3,1 Megapixel CMOS Sensor
Tja, ohne Zerlegen kann ich die Größe nicht bestimmen. Für 3MP scheint die Qualität nur eingeschränkt akzeptabel.
Interpolierte Auflösung: 5 Megapixel
Ganz klar: Unsinn. Künstliches Aufblähen verringert nur den knappen Speicherplatz.
Auflösungen: Interpoliert: 2560x1920, 2304x1728, 2048x1536, 1600x1200, 1024x768, 800x600
Auch hier: Die interpolierten Auflösungen bringen natürlich nichts, alles unter 2048 ist unbrauchbar (hier sind auch Belichtungen in 10x15 z.T. Möglich), es sei denn, man macht Aufnahmen fürs Internet.
Videofunktion
Daumenkino - benötige ich nicht.
Interner Speicher: 32MB Flash Memory
Sehr wenig, bei besserer Fotoqualität logischerweise höherer Speicherbedarf, ohne dass die Qualität unbedingt besser wäre. Faustformel: 1-2 Bilder pro MB (abhängig von der Kompression, die ist wiederum abhängig vom Detailreichtum des Motivs).
Externer Speicher: SD oder MM-Card
Das ist mal gut - zumindest lässt sich so das Speicherproblem lösen.
LCD-Display: großes 2" TFT LCD Display mit 130.000 Pixel
Ein schönes Display, auch leidlich gut einsehbar, allerdings primitiv wirkende Statussymbole.
Lichtempfindliche Blende: F 2,8, Brennweite: 8,7mm, Aufnahmebereich: 1m~unendlich (normal)
Hier lüge ich hoffentlich nicht: Es scheint sich hier wahrhaftig um eine Fix-Fokus-Kamera zu handeln, die sich in keiner Weise auf die Entfernung zum Motiv einstellen lässt?! Scharfe Aufnahmen werden so leider zur Glückssache. Unter 2 Meter Entfernung zum Motiv erzielte ich keine guten Ergebnisse.
Manuelle Belichtungskorrektur : -2,0EV~+2,0EV mit 1/6-Schritten
In Ordnung.
Blitzlicht: Blitz integriert, Modi: Auto/Ein/Aus/Rote Augen
Für die Kamera ok, ermöglicht ordentliche Indoorschnappschüsse auch unter ungünstigen Lichtverhältnissen - allerdings mit Farbstich.
Weißabgleich: 5 Modi verfügbar (Automatisch, Tageslicht, Bewölkt, Kunstlicht, Neonbeleuchtung)
Trotz der verschiedenen Modi neigt die Cam zu Farbstichen: Insbesondere Blitzlichtaufnahmen werden, in Ermangelung eines passenden Presets, unschön blau. Innenaufnahmen ohne Blitz geraten generell zu warm, abhilft schafft aber die Einstellung Neon.
Bildeffekte: 3 Modi verfügbar (Standart, Schwarz/Weiß, Sepia)
Kurz und schmerzlos: Meiner Ansicht nach nutzlos.
Zoom: 8-fach Digital Zoom
Ebenfalls nicht sinnvoll (vgl. Interpolation).
Sprachaufzeichnungsfunktion
nicht getestet
Serienaufnahme: 3 Fotos in Folge
nicht getestet
Selbstauslöser: nach 10 Sekunden
In Ordnung.
TV-Ausgang: NTSC und PAL
nicht getestet.
Schnittstelle: USB 1.1
In Ordnung.
Abmessungen: 90x52x14,5mm
Sehr schön handlich, ordentlich bedienbar, stylisches Design.
Stromversorgung: 2x AAA Batterien
Leider kein Netzteil, Akkus halten nicht besonders lange (ca. "1 Film", d.h. Gute 30 Aufnahmen, z.T. mit Blitz)
Fazit:
Wer zwischen den Zeilen gelesen hat, wird es erkannt haben: Ich bin recht enttäuscht von dem guten Stück - allerdings urteile ich angesichts des Preises vielleicht (zu) hart. Ich habe mir an sich brauchbare Fotos, die auch belichtet in 10x15 noch eine gute Figur machen, erhofft.
Wer hingegen eine kleine, handliche Partyknipse will, bekommt ein Gerät, das den Vergleich mit (älteren) Foto-Handys nicht scheuen muss. Weiterer Pluspunkt: Die Auslöseverzögerung ist angenehm kurz, wobei unter ungünstigen Lichtverhältnissen die Verwackelungsgefahr massiv steigt. Einfache Abhilfe schafft der Blitz, der die Cam dann aber für ca. 10 Sek ausser Gefecht setzt (Erneutes Laden). Mit fester Brennweite kann man sich arrangieren, zumal mir mit alten anlogen Fixfokus-Kameras auch manche gute Schnappschüsse geglückt sind. Unter diesen Bedingungen kann man das gute Stück sogar empfehlen, zumal auch Design und Größe sehr gefällig sind. Zu bedenken bleibt, dass man für etwa 100 Euro mehr schon wesentlich professionelleres Equipment bekommt - 100 Euro ist aber auch mehr als das doppelte des Preises dieser Kamera.
11.02.2006 21:37
Find den Bericht gut, is mal vom Aufbau her was anderes! LG, Chrisi