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Hinterher ist man immer schlauer!!!

1  25.11.2007 (15.04.2008)

Pro:
viel fürs Leben gelernt

Kontra:
alles andere !  !  !

Empfehlenswert: Nein 

franzi680

Über sich:

Mitglied seit:01.01.1970

Erfahrungsberichte:324

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 83 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Ich möchte euch jetzt mal meine Erfahrungen mit der OVB schildern.

Mitte 2004 war ich arbeitslos und versuchte wirklich alles um diesen Zustand zu verändern. Ich rief auf eine Kleinanzeige an, in der es um eine Stelle als Bürokraft zur Dateneingabe ging, und hatte eine Frau M. von der OVB an der Strippe. Diese lud mich, nachdem sie fragte, was ich denn bisher so gemacht hatte auch prompt zu einem Vorstellungsgespräch ein.

Das Vorstellungsgespräch:

Ich kam in dieses Gebäude und wurde sofort sehr nett empfangen, mit Keksen, Kaffee und Saft. Das eigentliche Gespräch war eine Vorstellung des Unternehmens. Mir wurde erzählt dass es die OVB schon seit über dreißig Jahren gibt, usw. Darauf möchte ich jetzt im Einzelnen nicht eingehen, da dieses einfach nur ein Gewäsch ist um die potenziellen Mitarbeiter positiv auf das Unternehmen einzustellen.
Niemand sagte mir wirklich worum es ging, und was ich zu tun hätte. Auch meinen Fragen wurde ausgewichen. Die Frau M. war sehr nett und hat mich gut behandelt in dem Gespräch, mir wurden keine Fragen gestellt wie in "normalen" Vorstellungsgesprächen (z.B. warum haben Sie sich bei uns beworben?).
Nach diesem Gespräch fuhr ich erwartungsvoll nach hause, der Überzeugung, alles wäre sehr gut gelaufen. Zwei Tage später bekam ich dann einen Anruf vom Bezirksleiter Herrn B., dieser lud mich zur Unternehmenspräsentation, die wenige Tage später stattfinden sollte ein.

Unternehmenspräsentation:

An diesem Abend kam ich in einen gut gefüllten Raum, auch hier wurden wieder Kaffee und Kekse gereicht. Ich suchte mir einen Platz zwischen Menschen, die aus allen möglichen Berufsgruppen kamen. Da hatte ich meine ersten Bedenken. So ungefähr "du bewirbst dich hier als Bürokraft, warum sitzen denn dann hier auch Handwerker und Akademiker?". Dann ging es los. Fast zwei Stunden Gehirnwäsche, um auf den Punkt zu kommen. Der Landesdirektor Herr G. fing an zu erzählen, wie er es vom Dreher zum Milionär geschafft hatte. Auch hier wurde wieder das Unternehmen vorgestellt, und zwar unter dem Gesichtspunkt, dass man den Menschen da draußen doch helfen will alle Zuschüsse zu nutzen die ihnen zustünden, und ihre Ziele und Wünsche zu verwirklichen. Da ich eine sehr soziale Ader habe fand ich diesen Ansatz sehr gut, und habe nicht weiter drüber nachgedacht. Und auch mein damaliger Partner war schwer beeindruckt und wollte unbedingt dass ich da mitmache. Fragen waren nicht großartig möglich zu stellen, und wenn sich mal jemand traute geraderheraus zu fragen, wurde den Fragen ausgewichen.
Dann wurde das Ausbildungssystem erklärt, dass jeder zu durchlaufen habe, ok, dachte ich, ist ja nicht schlecht wenn du ein wenig was dazulernst.
Die Ausbildung sollte wie folgt ablaufen:
4 x Anfängermeeting
4 x persönliches Gespräch mit der Führungskraft (also in meinem Fall Frau M.)

Erst nach den vier Wochen sollte sich dann entscheiden, ob man eine Zukunft in dieser Firma habe.

Anfängermeetings:

Im Großen und Ganzen wurde uns hier nahegebracht, wie wir auf "Kundenfang" gehen sollten. Also zunächst sollten wir an unseren Freunden, Familien und Bekannten "üben". Das heißt die sogenannte Basis ausfüllen, deren persönlichen Daten darin aufzeichnen, also Ziele und Wünsche herausfinden, sowie die einzelnen Versicherungen mit Versicherungssumme und Preis usw. dort hineinschreiben. Um so weit überhaupt erstmal zu kommen wurden uns Kontaktgespräche ans Herz gelegt, um nicht zu sagen eingeimpft.
Bei Fragen wurden wir wieder an die Führungskraft verwiesen, diese war in meinem Falle aber nur selten da um mich zu "betreuen".

Die persönlichen Gespräche:

Diese sollten ungefähr jeweils anderthalb Stunden dauern. Außerdem sollten es vier an der Zahl sein, was in meinem Falle auch nicht so wahr, weil meine Führungskraft dieses nicht für nötig hielt. Im ersten Gespräch wurde mir die Unternehmenspräsention ausgehändigt um diese auswendig zu lernen. Wozu dass, wenn ich sowieso nur im Büro sitze?? Von da an merkte ich so langsam worauf das ganze hinauslaufen würde. Auch Frau M. rückte ganz langsam mit der Wahrheit raus. Mit ihrer Hilfe würde ich diese schwierige Arbeit schaffen und auch erfolgreich werden in der Selbständigkeit bei der OVB. Ich war mittlerweile schon so sehr im OVB-Fieber dass ich mich darauf einließ. Also Ich-AG Antrag stellen, Gewerbeanmeldung, eigene Krankenversicherung.
Dann ging es daran meine eigene Basis, die ich ja auch noch selber als "Hausaufgabe" ausfüllen sollte, auszuwerten. Da ich außer einer Haftpflichtversicherung nichts hatte, wurde mir sofort eine Unfallversicherung und eine Altersvorsorge aufgedrückt, damit würde ich ja schließlich auch das erste Geld verdienen.

Dann gings weiter in der Ausbildung zunächst das Grundmeeting:

Im Grundmeeting wurden uns "Frischlingen" die verschiedenen Versicherungssparten nahegebracht, und wie man sie am Besten verkauft. Das fand ich schon sehr nützlich, ich wartete aber immer noch auf die Erklärung, wo denn die Zuschüsse kommen sollten, um diese Versicherungen denn auch zu finanzieren. Wie immer, keine Antwort.

Telefontraining/Telefonparty:

Hierbei sollte der Umgang mit dem Telefon geübt werden, bzw. im weiteren Schritt Kunden gewonnen werden.
Die Telefonnummern bekamen wir straßenweise ausgedruckt, und sollten diese abtelefonieren. Also Kaltakquise der schlimmsten Sorte. Da ich aber ein Mensch bin, der nicht so schnell aufgibt, versuchte ich mein Glück und bekam sogar Termine. Normalerweise sollte micht meine Führungskraft bei den ersten Terminen unterstützen und mit fahren. Damit kommen wir dann auch schon zum nächsten Punkt:

Der erste Termin:

Vollkommen nervös, unter anderem auch weil meine Führungskraft an dem Tag selber Termine hatte, fuhr ich dort hin. Ich klingelte. Ich klingelt wieder. Keiner da. Völlig frustriert fuhr ich wieder zum Büro und wurde freudestrahlen erwartet, ob es denn ein Ergebnis gegeben hätte. Die totale A-lochfahrt! Keiner riss mir den Kopf ab, dass sei normal sagte man mir.

Nun gehts ans weitere Geldverdienen, die Mitarbeitergewinnung (Schneeballsystem, also man verdient an seinen Mitarbeitern):

Da man ja nicht auf Dauer zum Kunden rennen will, sollte man sich schnellstmöglich drum kümmern eigene Mitarbeiter zu "züchten". Diese wurden, genauso wie ich damals über diese Anzeigen zum Vorstellungsgespräch gebracht. Ich muss dazu sagen, dass ich während dieser ganzen Zeit nur eine Mitarbeiterin dazu gebracht habe, dieses auch zu tun. Also hieß es dann, neben den Fahrten zum Kunden, noch die Mitarbeiterin einzuarbeiten. Das Resultat war, dass ich jeden Tag um acht aus dem Haus bin, und kaum mal früher als elf Uhr abends zu hause war.

Geld:

Meine erste Abrechnung, in der ich ja angeblich schon eigenes Geld durch meine eigenen Sachen bekomen sollte war doch sehr ernüchternd. Es waren knapp einhundert Euro, aber nur durch die Altersvorsorgen für meinen Partner und meine Schwester, und deren Haftpflichtversicherung. Meine Sachen sind alle in die sogenannte Stornoreserve geflossen. Super. Was das mit der Stornoreserve im Einzelnen auf sich hat, habe ich nie richtig verstanden. Sie wird jedenfalls nicht für evtl. Vertragsstornos, in dem Falle muss ja die Provision zurückgezahlt werden, benutzt.

Irgendwann konnte ich nicht mehr, finanziell sah es mies aus, da ich nicht, wie viele in dem Bereich, ohne Rücksicht verkaufen kann. Das einzige was ich mit ruhigem Gewissen an den Mann bringen konnte waren Haftpflichtversicherungen und wenig Altersvorsorgen. Aber sogar die gingen nachdem ich die OVB verlassen hatte kaputt, da sich jemand anderes um meine Kunden kümmerte und natürlich selber Geld verdienen wollte.

Ich habe in dem einen Jahr bei der OVB praktisch kein Geld verdient, nach und nach gingen fast alle Verträge die ich verkauft habe kaputt, und ich musste die hartverdiente Kohle zurückzahlen. Zum Glück ist die dreijährige Stornohaftungsfrist nächstes Jahr um.

Update:
Ich habe lange überlegt, ob ich das noch reinschreibe.
Nachdem ich die OVB 2005 verließ hatte sich jemand von den anderen Vertrieblern an meine Kunden gemacht und alle meine Verträge storniert und alles so dargestellt, als wäre ich der mieseste Berater der Welt. Das sind Machenschaften, die eigentlich geschäftsschädigend sind. Aber wenn die OVB das so haben will, dann werden die Herrschaften nun mal so glücklich werden müssen.

Mein Fazit:

Lasst euch um Himmels willen nicht auf die OVB ein. Weder als Kunde noch als Mitarbeiter. Die Berater sind schlecht ausgebildet, haben nur im Hinterkopf wie sie den nächsten Monat überstehen sollen.
Ich könnte noch viel viel mehr schreiben, aber ich denke das reicht so erstmal, da mir jetzt, wo ich das ganze wieder habe Revue passieren lassen, doch ganz schön schlecht ist wegen meiner eigenen Dummheit und Naivität.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
ThomasPohlert

ThomasPohlert

19.12.2008 16:22

Dass s die immer noch gibt..?? Ich hatte dort einmal durch Werbung eines arbeitslosen Vereinkameraden in der Zeit vor meinem Studium ( also 1987 ) mal reingeschnuppert. Damals gab es bei weitem noch nicht so viele gesetzliche Auflagen an die OVB zur Mitarbeiterschulung. Damals wurde nur mi moralischem Druck gearbeitet. Es hatte mich von Anfang an wahnsinnig genervt, dass da "tausend Affen", ohne einen Finger krumm z machen, locker ihr gutes Auskommen haben. Nach etwas einem dreiviertel Jahr hatte ich mich auch so sehr über die ständigen "Soll-Vorgaben", was den Monatsumsatz anging, geärgert, dass ich mich einfach "selbständig" gemacht habe. Gewerbeschein hatte ich ja. Ich bin dann direkt zu einigen ausgesuhten Finanzunternehmen, Banken, Bausparkassen und Versicherungen persönlich hingegangen und habe mich als freiberuflicher Vermittler angeboten. Allerdings habe ich mir keine Umsatzzahlen vorschreiben lassen. Von da an habe ich tatsächlich richtig Geld verdient, weil ich für seriöse Unternehmen auftrat und von dort auch endlich die zugesagte Unterstützung bekam. Bei der Handelskammer gibt es heute noch Akten über mich als "Anlagen- und Finanzierungsberater"... Aber OVB auf keinen Fall !!...LG tmp

Technomicky

Technomicky

19.08.2008 18:19

Hatte auch dieses Theater mit der OVB (auch ein Bericht geschrieben). Gott sei Dank bin ich nach dem 4. Meeting abgesprungen, sonst wäre es mir sicherlich wie dir gegangen! Von mir gibts jedenfalls ein BH :o) ... Hoffe für dich du findest eine gute Stelle!

Miraculix1967

Miraculix1967

29.04.2008 21:30

Bei mir meldete sich mal vor 15 Jahren eine ehemalige Klassenkameradin, die angeblich ein Klassentreffen veranstalten wollte. Als sie und ihr Mann - der der OVB-Vertreter war - bei mir zu Hause waren und sich das Ganze als Köder für Versicherungen und dergleichen entpuppte, zog ich die logische Konsequenz: Ich schmiss die beiden achtkantig 'raus! Soviel zum Thema OVB von meiner Seite! Schönen Abend und LG aus dem gallischen Dorf Miraculix1967:-)

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