OVB - Eine objektive Auseinandersetzung
24.09.2008
Pro:
Viele Produktpartner
Kontra:
Unqualifizierte Mitarbeiter, einseitige Beratung, Verkaufsdruck
Empfehlenswert:
Nein
 TheAgency
Über sich:
Mitglied seit:25.01.2003
Erfahrungsberichte:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 37 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
In diesem Artikel möchte ich euch meine eigenen Erfahrungen als ehemaliger Mitarbeiter der OVB Österreich darstellen und euch ein paar Einblicke geben, was hinter den Kulissen abläuft. Dabei werde ich versuchen, möglichst objektiv zu bleiben, und nicht in die Schwarz-Weiß-Malerei vieler anderer Artikel zu dieser Firma zu verfallen. Firmenportrait
Die OVB (ehemals Objektive Vermögensberatung) wurde 1970 in Deutschland als Vertrieb für Bausparprodukte gegründet. Im Laufe der Zeit wandelte sich das Bild der Firma zu einer unabhängigen Finanzberatung mit breiter Produktpalette und vielen Partnerfirmen. Das Grundsystem blieb dabei immer gleich: Die OVB ist als Strukturvertrieb aufgebaut; d.h. erwirtschaftete Provisionen werden unter den Mitarbeiterebenen aufgeteilt. Jeder Mitarbeiter im Vertrieb ist dabei selbstständig und hat die Möglichkeit, andere Leute anzuwerben und in sein Vertriebssystem zu integrieren.
Produkte und Beratung Die OVB kann theoretisch alle Produkte des Versicherungs- und Finanzsektors anbieten. Von Sachversicherungen bis Lebensversicherungen, von Bausparverträgen bis Fondssparplänen steht dem OVB-Berater eine breite Palette an Produkten zur Verfügung, um die Wünsche des Kunden optimal abzudecken.
In der Praxis wird dieser Vorteil aber kaum ausgelebt, da die meisten Produkte nur geringe Provision abwerfen und somit für den Vertriebler, der ohnehin nur einen kleinen Teil der Provision erhält, nicht in Frage kommen. Ein kleiner Teil von wenig ist leider nun mal so gut wie nichts, und von nichts kann man die Miete nicht bezahlen. Daher ist das Kerngeschäft der OVB das Lebensversicherungsgeschäft, insbesondere in der fondsgebundenen Variante. Diese sind zwar an und für sich keine schlechten Produkte, allerdings für viele Kundentypen wegen der Kostenstruktur, Anlagedauer und des Veranlagungsrisikos nicht geeignet. Leider wird auch diesen Kunden in der Regel eine Lebensversicherung aufgeschwatzt, ohne auf die vorhandenen Nachteile einzugehen. Die Beratung erfolgt in zwei Schritten: Zuerst wird mit Hilfe eines Fragebogens die Kundensituation analysiert und nach erfolgter Auswertung einige Tage später das Konzept erklärt. Allerdings dient die Analyse meist nur dazu, dem Kunden zu erklären, wieso er eine fondsgebundene Lebensversicherung (FLV) braucht, um diese einige Tage später bei der Beratung leichter verkaufen zu können. Dabei werden dem Kunden zwar verschiedene Konzepte (Immobilienvortilgung, Pensionsvorsorge, Kindervorsorge…) gezeigt, aber fast immer eine FLV als dazugehöriges Produkt. Da Nachteile konsequent verschwiegen werden und das Produkt in den Himmel gelobt wird, kommt beim Kunden später oft die Ernüchterung und das anschließende Storno.
Ich selbst habe meinen Kunden immer die Nachteile erklärt. Meine Abschlussquote war trotzdem überraschend hoch, da Kunden ehrliches Auftreten anscheinend mehr zu schätzen wissen, als die OVB dies glaubt. Leider wurde in Schulungen und Lernunterlagen immer das Verkaufskonzept der "eierlegenden Wollmilchsau" propagiert, wodurch der Ruf der OVB als auch der von (Lebens-)Verischerungen im Allgemeinen stark gelitten hat.
Karriere und Einkommensmöglichkeiten Als Selbstständiger verdient man bei der OVB kein Fixum und lebt rein von der Abschlussprovision, wodurch die unteren Mitarbeiterebenen (Trainees) oft aus dem letzten Loch pfeifen. Bestandprovision für laufende Verträge, die im Versicherungsgeschäft gerade bei Sachversicherungen den Aufbau eines monatlichen Fixums ermöglicht, wird bei der OVB erst für die zweite Führungsposition (Bezirksleiter) bezahlt. Dieser erhält sie im gleichen Anteil wie die Abschlussprovision, dafür gleich für die Leistung all seiner Mitarbeiter.
Leider stehen die Trainees dadurch konstant unter Abschlussdruck, denn auch hier ist die Provision nicht gerade berauschend. Man erhält anfangs nur 10 % der Gesamtprovision und kann dies als Trainee auf 30 % steigern; die höchste Führungsposition (Landesdirektor) erhält 60 %. Das bedeutet, dass sich die OVB als Konzern 40 % aller Einnahmen einbehält! Und das in einem Unternehmen, in dem alle Bürokosten etc. von den selbstständigen Mitarbeitern und Führungskräften getragen werden. Ich habe mich oft gefragt, was aus dem ganzen Geld wird. Klar, man muss ein paar Angestellte in der Hauptverwaltung finanzieren, dazu ein paar Wettbewerbe und Incentives zur Mitarbeitermotivation veranstalten und Aktionäre versorgen, Aber bei einem Provisionsgewinn von 800.000 € Abschlussprovision, den sich die OVB jedes Monat (zusätzlich zur wahrscheinlich ebenfalls astronomischen Bestandsprovision) einbehält, kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen, was aus dem Geld wird. Hier liegt aber auch der fundamentale Fehler im OVB-System: Jene Mitarbeiter, welche die eigentliche Arbeit machen, erhalten kaum genug zum Leben. Eigene Mitarbeiter zu rekrutieren ist bei der Aussicht auf 300-400 Euro im Monat (natürlich Brutto und exklusive Stornoreserve) kaum möglich. Gerade in der heutigen Zeit, in welcher der Ruf der OVB irgendwo zwischen den einer religiösen Sekte und der Russenmafia rangiert, ist es sehr schwer, Leute für diese Art des Vertriebs zu begeistern. In meiner Altergruppe (20-25) waren zumindest in meiner Regionen die meisten Leute entweder einmal kurz Mitarbeiter, Stornokunden oder haben gute Freunde, die in diese Sparten fallen.
Die Zukunft der OVB
Um Ihren Vertrieb am Leben zu halten, versuchen die meisten Führungskräfte nach dem Motto "Fake it till you make it" den Anschein von Erfolg und Reichtum nach außen zu strahlen, um Mitarbeiter zu motivieren und neue zu rekrutieren. Leider ist das oft ein Teufelskreis: Die Führungskräfte kaufen sich Autos mit mörderischen Leasingraten, halsen sich Büros mit hohen Mieten auf und spendieren beim obligatorischen Partymachen mit einem Dauerlächeln eine Runde nach der anderen. Im Gegenzug ziehen sich jeden noch so unqualifizierten Mitarbeiter zu sich, lass ihn einmal seine Freunde und Familie durchackern, bevor er sich wieder verabschiedet, und schwatzen ihren eigenen Kunden Lebensversicherungen mit unrealistischen Monatsbeiträgen auf. Ich kenne viele Leute, die eben das machen und gemacht haben. Die Ende vom Lied ist fast immer dasselbe: Die Kunden der unqualifizierten Mitarbeiter kündigen ihre nur aus Wohlmut und Mitleid getätigten Versicherungen, wenn Ihre Bekannten die OVB verlassen haben. Früher oder später können sich auch die anderen Kunden ihre Monatsbeiträge nicht mehr leisten und stornieren die Verträge. Die Führungskräfte müssen plötzlich ein Storno nach dem anderen Zahlen und können sich das teure Auto und die Miete bald nicht mehr leisten. Am Ende stehen sie vor dem Privatkonkurs, wobei sie dann auch postwendend von der OVB gefeuert werden.
Deshalb glaube ich nicht, dass die OVB in Zukunft noch wachsen wird, zumindest nicht in den aktuellen Märkten. In Deutschland sind die Provisionseinnahmen seit Jahren stagnierend - bei eingerechneter Inflation entspricht das einer realen Schrumpfung. Bei uns in Österreich ist die Situation auch nicht anders. Neue Mitarbeiter reichen kaum aus, um die Lücken der abwandernden zu füllen, wobei auch die Qualität der Leute beständig abnimmt. In den Ostländern, in denen ich auch tätig war, ist zwar der Strukturaufbau sehr einfach, weil dort der Ruf noch nicht geschädigt ist und viele Leute jede Jobchance ergreifen. Allerdings ist auch dort die Qualität der Beratung, welche propagiert wird, keinen Deut besser. Man versucht genauso wie bei uns, jedem Kunden auf Gedeih und Verderb eine FLV reinzudrücken. Früher oder später wird es dort genau so aussehen, wie bei uns. Ich selbst habe letzten Endes bei der OVB gekündigt und mich als Versicherungsmakler selbstständig gemacht. Als Einzelverkäufer ist der der Verdienst um ein 4-5 faches höher, man muss sich um keine Umsatzkriterien kümmern und profitiert von weitaus besseren Angeboten im Sachversicherungsbereich, da man hier als Makler besonders hohe Rabatte geben kann.
Auch wenn es mir schwer fällt, dies als ehemaliger Mitarbeiter zu sagen, aber ich würde keinem empfehlen, bei der OVB Kunde zu werden. Es gibt zwar auch dort gute, gewissenhafte Leute, aber die Zahl der schlecht ausgebildeten Drücker überwiegt leider. Die Chance einen davon zu erwischen ist leider höher, als die, an einen guten zu kommen. Einzig für Veranlagungen kann man sich an die OVB wenden, sollte aber darauf achten, sich keine utopischen Monatsprämien aufschwatzen zu lassen. Sachversicherungen schließt man am besten bei einem Versicherungsmakler ab, da diese weit besser ausgebildet sind und in der Regel bessere Konditionen haben. Auch die Mitarbeit bei der OVB kann ich nicht wirklich ans Herz legen; es sei denn, man möchte ein bisschen in die Branche schnuppern und den Verkauf lernen. Wirkliche Karriere ist dort heutzutage leider kaum mehr möglich. Auch hier gilt: den eigenen Kopf einschalten und nicht alles machen, was die Führungskraft verlangt. Es ist alles andere als seriös, Bekannte von anno dazumal unter einem fadenscheinigen Vorwand anzurufen, um ihnen irgendwie die Dienstleistung aufschwatzen zu können.
Bevor mich die OVBler hier zerreißen: Da sind natürlich alles meine eigenen Eindrücke nach langer Tätigkeit bei dieser Firma. Vielleicht lag es auch daran, dass unser strukturleitender Direktor das Paradebeispiel des skrupellosen, profitgeilen Versicherungsdrückers war und dies in seinem ganzen Team propagiert hat. Doch die fundamentalen Fehler im System - die schlechte Bezahlung der Trainees und der grottige Ruf - bleiben auch in anderen Strukturen gleich. Also bevor ihr mich hier mit Kommentaren bombardiert, überlegt doch kurz, ob nicht vielleicht doch was Wahres dran ist.
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06.12.2008 01:02
Das Schreiben in diese Portale alleine hilft nicht. Schreibt an die Medien und an die Verbraucherschüzter... Das hilft allen und nicht nur wenigen die hier lesen.... Viele Grüsse
06.12.2008 01:01
Finanzdienstleister OVB AG mogelt sich an IHK Prüfungen vorbei Für sehr viel Wirbel sorgt die Umsetzung der EU Vermittlerrichtlinie und lässt einige Finanzdienstleister sehr kreativ werden. Die Umsetzung der Richtlinien sorgen für einen immensen Ausbildungs- und Kostenaufwand, so dass sich die Unternehmen gerne Alternativen einfallen lassen. So hat die OVB Vermögensberatung AG aus Köln, zu deren Hauptaktionär der Deutsche Ring, die Signal Iduna und die Volksfürsorge gehören, ein Abkommen mit der Tschechischen Republik zur Umsetzung dieser Richtlinien vereinbart. Über 100 Versicherungsvermittler werden damit über Tschechien registriert. Damit spart die OVB einen großen Geldbetrag an Prüfungsgebühren und übergeht die zuständigen IHK und damit die Unterstützung dieser. Dabei sind die IHK zuständig den Mittelstand zu fördern und zu unterstützen. Die OVB AG, die seit 2006 ein börsennotiertes Unternehmen ist und ein TOP Quartal nach dem anderen meldet, verdient in Deutschland anscheinend zwar "sehr gerne viele Provisionen", allerdings werden Schlupflöscher genutzt um die IHK´s vor Ort und deren Unterstützung zu umgehen. wie er entscheidet, wird sich ein Unternehmen ausrichten.
26.09.2008 14:49
Gut gemacht und sehr hilfreich. Und den Kategorie-Fetischisten bei Ciao sei gesagt: Die OVB besteht nur aus Arbeiten bei der OVB, denn die haben keine Produkte etc.