OVB

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Erfahrungsbericht über "OVB"

veröffentlicht 05.08.2000 | frontside
Mitglied seit : 16.07.2000
Erfahrungsberichte : 29
Vertrauende : 0
Über sich :
Nichts für mich
Pro nicht bekannt
Kontra schlechte Produkte, unqualifizierte Verkäufer
sehr hilfreich

"Kunden und Mitarbeiter werden ausgebeutet"

Zu den Nachteilen aus Kundensicht: Die OVB ist keineswegs so unabhängig, wie sie vorgibt. Eigentümer der OVB GmbH & Co. KG sind Deutscher Ring (über 50%), Signal/Iduna und Volksfüsorge. Darüber hinaus arbeitet OVB noch mit Gerling E&L, Hanse Merkur und einigen Spezialanbietern, wie z.B. Deurag (Rechtsschutz), Wüstenrot (Bausparen) oder Pioneer (Investmentfonds) zusammen. Rechtlich ist die OVB also einie Vertriebsorganisation (=Vermittlungsvertreter) dieser Gesellschaften.

Dem Kunden wird allerdings erzählt: "Wir arbeiten mit -zig Versicherungsgesellschaften, Banken und Bausparkassen zusammen und können hier das Optimum für Sie auswählen.". Wenn man natürlich alle Tochtergesellschaften der o.a. Konzerne mitzählt (Deutscher Ring Lebensversicherung, Deutscher Ring Sachversicherung, Deutscher Ring Bausparkasse usw.) kann man natürlich locker auf 20-30 Tochtergesellschaften kommen. Dann wird noch was über angebliche Milliardenumsätze und zehntausend Mitarbeiter erzählt, diese Zahlen stammen allerdings noch aus dem Einheitsboom Anfang der 90er Jahre. Heute dürfte OVB nicht einmal mehr 10% dieser Umsätze einfahren. Gleiches gilt für die Mitarbeiter-Zahl.

Der Verkäufer kann also aus einer handvoll Gesellschaften auswählen, die i.d.R. vom Preis-/Leistungs-Verhältnis im hinteren Mittelfeld liegen. Hierbei wird ihm dann relativ freie Hand gelassen. Gute Verkäufer berücksichtigen dabei zumindest ansatzweise noch die Bedürfnisse der Kunden, wobei die Produktpalette bzw. die Provisionsgestaltung dies nicht immer zuläßt. Schlechte Verkäufer verkloppen auf "Teufel-komm-raus" Lebensversicherungen, egal an wen und für welchen Zweck und lassen dabei für den Kunden viel wichtigere Produkte (Berufsunfähigkeitsversicherung, Haftpflichtversicherung) völlig außer Acht.

Der ganze Verkaufsprozeß wird dabei sehr clever aufgebaut, weil der Verkäufer im ersten Gespräch durch die "kostenlosen Finanz- und Subventionsanalyse" (= Fragebogen) erfährt, wo der Kunde vielleicht noch eine Mark übrig hat und wie sich seine Ziele am besten mit dem Abschluß einer Kapitallebensversicherung verbinden lassen.

Teils schon im Erstgepräch, teils erst nach der Beratung, wird der Kunde dann massiv unter Druck gesetzt, Namen und Telefonnummern seiner Bekannten herauszugeben, weil die ja auch "bestimmt die Vorteile der Finanz- und Subventionsanalyse" nutzen wollen.

Problematisch ist auch die "Nachsorge", d.h. wenn irgendetwas klemmt oder der Kunde einen Vertrag ändern möchte. Oft arbeitet der betreffende Verkäufer nicht mehr für OVB (da hohe Personalfluktuation), so daß nun ein anderer Verkäufer den Kunden besucht. Natürlich will der neue Verkäufer möglichst wieder etwas verkaufen, sonst hat er ja nur Arbeit gehabt und nichts verdient.

Im Prinzip gibt es keine Vorteile bei einer "Beratung" durch OVB. Die dort vermittelten Produkte gibt es an jeder Straßenecke besser und billiger. Zudem ist die Beratung durch OVB-Verkäufer meist unqualifiziert und nur abschlußorientiert. Hat man zufällig einen wirklich seriösen Verkäufer erwischt, ist dieser durch die kleine Produktpalette der OVB unnötig eingeschränkt. Lieber einen gerichtlich registrierten Versicherungsberater beauftragen (kostet allerdings Geld und darf nicht vermitteln) oder sich einen unabhängigen Versicherungsmakler empfehlen lassen (siehe auch meinen Beitrag zur DVAG).

Die sogenannten "Mitarbeiter" trifft es aber noch viel heftiger, schließlich ist auch die OVB ein Strukturvertrieb, wie er im Buche steht:

Durch Uni-Aushänge oder Zeitungsanzeigen ("Verdienen Sie 2.000 DM mtl. in 10 Studen pro Woche, seriöse Bürotätigkeit, keine Vorkenntnisse") angelockt, werden diese zum "Vorstellungsgespräch" in ein repräsentatives Büro eingeladen. Das "Vorstellungsgepräch" findet natürlich nur zum Schein statt, da praktisch jeder "eingestellt" wird.

Anschließend wird der Bewerber zu einer Informationsveranstaltung eingeladen ("Wir haben Sie in die engere Auswahl gezogen und möchten Ihnen nun das Unternehmen nun etwas genauer vorstellen.") Diese Informationsveranstaltung findet dann, je nach Teilnehmerzahl, in einem Hotel oder Konferenzraum statt. Dort beginnt ein "Landesdirektor" mit harter Verkaufsrethorik auf die Teilnehmer einzureden ("Was meinen Sie, wie groß ist das Geldvermögen der Deutschen ??? Etwa 6 Billionen DM, Billionen meine Damen und Herren, und da ist der Immobilienbesitz noch gar nicht eingerechnet !"). Nachdem dann diverse Allgemeinplätze abgehandelt sind, wird dem Teilnehmer offenbart, daß er von nun an "selbständig" sein könne ("Nehmen Sie sich ihren Urlaub, wann Sie wollen!"). Im Klartext: Er soll als "freiberuflicher Mitarbeiter" (=Vertreter) für die OVB vermitteln ("Viele verdienen schon nach 6-10 Jahren bei der OVB Millionen"). Und das ganz ohne Risiko: Schließlich könne man "schon nebenberuflich ohne weiteres 2.000 - 4.000 DM monatlich verdienen".

Nach dieser "Informationsveranstaltung" entscheiden sich 50-70% der "Bewerber" sofort gegen eine Vertretertätigkeit für die OVB. Wer jedoch, angestachelt durch die Verdienstmöglichkeiten, zur anschließenden "Einarbeitung" kommt, wird nochmals einige Stunden rhetorisch bearbeitet (eine Kaffeefahrt ist nichts dagegen). Es werden Provisionseinnahmen hochgerechnet, daß einem schwindlig wird - und außerdem würden einem "bei entsprechendem Einsatz" nach einem halben Jahr "Mitarbeiter unterstellt", so daß man schon bald "Geschäftsstellenleiter" werden könne ! Natürlich wird nicht gesagt, daß man diese Mitarbeiter selbst anwerben muß...

Die Praxis sieht ganz anders aus: Zunächst sollen die neuen Mitarbeiter jeden, aber auch wirklich jeden, den Sie kennen, aufschreiben. Wer am meisten Bekannte aufschreibt, bekommt am Ende der Veranstaltung ein Geschenk. Beim nächsten Gespräch mit der "Führungskraft" werden dann die Bekannten zwecks Terminvereinbarung angerufen: "Du, ich habe mich beruflich umorientiert und wollte Dir das mal zeigen, wann hast Du nichts anderes vor, besser Donnerstag oder Freitag ?" Dann folgt der bekannte Ablauf bei den Bekannten: Fragebogen aufnehmen, Verkaufstermin mit der "Führungskraft", Empfehlungs-"Erpressung".

Nach einiger Zeit werden dem Mitarbeiter "Telefonkosten", "Büroumlage" und weitere Kosten von der Führungskraft rhetorisch geschickt aufgedrückt - schließlich sei man ja selbständig und da gebe es "auch Kosten". Bald ist der Mitarbeiter natürlich nicht mehr so motiviert, zumal die in der Informationsveranstaltung vorgerechneten Einkommen natürlich nicht erreicht werden. Dann werden plötzlich andere Beispiele aus der Schublade geholt: "Landesdirektor XY hat in den ersten zwei Jahren auch kaum was verdient, aber er hat durchgehalten und verdient nun Millionen".

Hier mal die nach meiner Einschätzung realistischen Einkommen von OVB-Verkäufern (monatl.):

Repräsentant (Anfang): Prov. 300-2.000 DM mtl., Gewinn 0 bis 1.000 DM, Zeit: 20-30 Std./Wo.

Geschäftstellenleiter (nach ca. 2 Jahren): Provision 1.500-4.500 DM mtl., Gewinn 500 DM bis 2.500 DM, Zeit: 70-80 Std./Wo.

Bezirksleiter (nach 4-5 Jahren): Provision 3.000-7.000 DM mtl., Gewinn 1.000 bis 4.000 DM, Zeit 70-80 Std./Wo

Bezirksdirektor (nach 5-10 Jahren): Provision 5.000-12.000 DM mtl., Gewinn 2.000 bis 6.000 DM, Zeit 50-70 Std./Wo

Die höheren Ebenen habe ich weggelassen, weil die sowieso keiner erreicht (die Leute, die heute da sind, haben das im Ost-Boom geschafft). Selbst die Stufen Bezirksleiter und Bezirksdirektor erreichen wirklich nur ganz wenige (max. 1 von 500, die bei OVB anfangen). Grund ist unter anderem, daß OVB ein absolutes Negativ-Image hat und es fast unmöglich ist, neue Mitarbeiter anzuwerben.

Vom Gewinn sind natürlich noch Steuern, Krankenversicherung und Altersvorsorge zu bezahlen, so daß nochmal etwa 40% vom Gewinn abgezogen werden müssen. Natürlich werden den neuen Mitarbeitern gern die (hohen) Provisionsschecks unter die Nase gerieben: Es kann ohne weiteres vorkommen, daß ein Bezirksleiter mal 15.000 DM auf dem Scheck hat, schließlich beziehen sich die o.a. Zahlen auf den Jahresdurchschnitt. Selbst ein erfolgreicher Bezirksleiter verdient unter'm Strich (Gewinn abzgl. 40%, s.o.) gerade mal so viel wie ein ungelernter Arbeiter.

Es werden bei OVB psychologisch alle Register gezogen, um einmal "gefestigte" Mitarbeiter zu halten. Das beginnt mit Rhetorik, reicht über Mißbrauch des persönlichen Vertrauens zur Führungskraft bis hin zur Verschuldung beim Unternehmen (sog. "Investitionszulagen", die bei Kündigung des Mitarbeitervertrages sofort zurückzuzahlen sind). Schon der Gedanke an's Aufhören ist ein Tabu. Der Vergleich zu einer Gehirnwäsche scheint mir nicht allzu abwegig.

Ich selbst fasse mir heute noch an den Kopf, warum ich 3 Jahre gebraucht habe, um zu kapieren, daß vieles Halbwahrheiten oder gar Lügen sind. Richtig tragisch sind die Fälle, wo Mitarbeiter nach 10 oder 15 Jahren aufgeben, weil sie merken, daß die höheren Stufen (für sie) nicht erreichbar sind. Meist haben diese Leute nicht besonders viel verdient und in anderen Berufen ist der Zug schon abgefahren (zu alt oder zu lange 'raus).

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht

  • zaubermaus5 veröffentlicht 01.08.2011
    einfach bh ,dein Bericht hat mir geholfen
  • benita123 veröffentlicht 13.09.2007
    Absolut korrekt was du sagst.. hierzu muss man noch erwähnen, das all diese in absatz 1 gelisteten versicherungsunternehmen SAUTEUER sind...darum will die sicher keiner abschließen *g* also verjuxen die es auf die tour. Direktversicherer arbeiten nämlich OHNE Aussendienste, darum sind die viel preiswerter, bieten aber dasselbe wie diese großen versicherungskonzerne, die einen riesenMA Stab als außendienste einsetzen, die leute wollen ja auch bezahlt werden. Von wem? Vom kunden natürlich...*g*. Service u. bei direktversicherern sind ebenso gut, wenn nicht sogar besser, Unterschied: als Kunde spart man nämlich die horrenden provisionen für die Außendienstler.
  • Sando6762 veröffentlicht 09.04.2007
    Hi, von mir ein klares BH. War selbst auch schon bei einem Vorstellungsgespräch der OVB und werde dazu einiges später selbst berichten. @andreas-thissen: Hört sich ganz nach einem OVB´ler an, der davon träumt auch mal irgendwann ganz oben zu stehen, die Millionen zu verdienen, ein dickes Haus zu besitzen und einen Porsche vor der Tür stehen zu haben. Wenn sich dein Traum schon erfüllt hat, mein Glückwunsch! Wenn du ein junger Berater bist, was ich mal annehme, und sich dein Traum noch nicht erfüllt hat, glaube ich nicht, dass er sich jemals erfüllen wird. Auch bei mir hätte die Gehirnwäsche fast funktioniert und ich sah schon meinen Traumwagen vor der Tür stehen. Bis der "Coach" bei dem Entscheidergespräch einen entscheidenden Fehler machte. Darauf möchte ich hier jetzt aber nicht näher eingehen, da ich ja nicht einen Bericht von dir kommentiere. Ein eigener Bericht folgt dazu in jedem Fall! Sorry frontside!!! LG Sando6762
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Produktdaten : OVB

Produktbeschreibung des Herstellers

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