O

Erfahrungsbericht über

O

Gesamtbewertung (24): Gesamtbewertung O

 

Alle O Testberichte

 Eigenen Erfahrungsbericht schreiben


 


 


"O" weia! - Die Geschichte des "O"...

3  18.01.2002

Pro:
gute DarstellerInnen

Kontra:
Shakespeare als Highschool - Drama ist wie Perlen vor die Säue

Empfehlenswert: Nein 

Details:

Humor

Spannung

Anspruch

Action:

Romantik:

mehr


Dr.Ed

Über sich: Merkwürdig, irgendwie scheinen meine CIS-Abonennten keine Mitteilung darüber bekommen zu haben, dass...

Mitglied seit:02.03.2001

Erfahrungsberichte:507

Vertrauende:89

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 43 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

...oder wie Shakespeare einmal mehr "aktualisiert" wird.

Hallo Zielgruppe!
Hamlet oder Kotelett, das ist hier die Frage! Nachdem ich diesen Film gesehen hatte, habe ich eher das Gefühl, das hier nur ein zähes Kotelett bei herausgekommen ist. Aber der Reihe nach.

DIE HANDLUNG:

ist von ihrem Grundgerüst (erfolgreicher schwarzer Held liebt hübsche weiße Frau, während unerkannt eifersüchtiger weißer Freund eine tödliche Intrige aus Eifersucht ersinnt) an das bekannte William Shakespeare-Drama "Othello" angelehnt.
Es geht um Odin James (Mekhi Phifer), kurz "O" genannt, ein schwarzer Super-Basketballer, der an einer sonst nur von weißen besuchten "Palmetto-Grove (Elite) High-School" in den Südstaaten der Super-Star der Mannschaft ist. Er ist sogar so gut, dass er zum besten Spieler der Liga gekürt wird, weil er Spiele auch schon mal im Alleingang gewinnen kann (er ist -wie man so schön sagt- der "go-to-guy" in der "crunchtime", wenn ein Spiel mal knapp wird).

Als O bei der Preisübergabe durch den Trainer Duke Goulding (Martin Sheen) seinen Lieblingsmitspieler Michael (Andrew Keegan) auf die Bühne ruft, ist Hugo (Josh Hartnett), der Sohn des Trainers sauer, weil er zwar für die Mannschaft rackert und schuftet, aber dafür weder vom Vater noch von den Mitspielern die ihm -wie er meint- gebührende Anerkennung bekommt. Das geht sogar soweit, das Coach Goulding O behandelt wie einen eigenen Sohn, während er Hugo mehr oder weniger sich selbst überlässt.

Dazu kommt, dass Hugo unglücklich in Desi (Julia Stiles), die Tochter des Schuldirektors (John Heard) verliebt ist, die aber seit einiger Zeit schon mit O zusammen ist. Da Hugo zwar bei allen beliebt, aber irgendwie nicht richtig anerkannt ist bzw. sich zumindest nicht so fühlt, beschließt er, eine Intrige gegen O in Gang zu setzen, in der er die einzelnen Beteiligten gegeneinander ausspielt. Da alle Hugo für ihren Freund halten und ihm vertrauen, läuft die Sache für ihn ganz gut: Er versucht O einzureden, dass Desi etwas mit Michael hätte und ihn betrügen würde.

Wie es ihm gelingt, dass O ihm glaubt und alle anderen Beteiligten in seinem Sinne mitspielen, ohne es wirklich zu wollen und auf welche Weise die Geschichte nun tragisch ausgeht, möchte ich nicht verraten, da für diejenigen, die diesen Film trotzdem sehen wollen, noch ein bißchen Spannung erhalten bleiben soll.

MEINE MEINUNG:

Ich sollte vielleicht vorwegnehmen, dass ich den Film in einer Sneak gesehen habe und als ich mir eine Karte für die Sneak holte, habe ich auf "Enigma" oder "Vanilla Sky" spekuliert oder zumindest auf die "Monster AG" oder "Ice Age" gehofft. Als dann "O" lief, war mein erster Gedanke "Wie wollen die aus Othello einen Highschool-Basketballer machen? Bin ja mal gespannt."

Tja, ich glaube, der gute alte Willi Schüttelspeer wüßte bei Anblick dieses Films wahrscheinlich nicht, ob er nun lachen oder weinen soll. Ich wußte es jedenfalls auch nicht. Einerseits liefern die DarstellerInnen eine solide bis sehr gute Leistung.
Allen voran Mekhi Phifer als zunehmend von inneren Zweifeln zerfressener Liebhaber, der von seinem vermeintlich besten Freund an den Rande des Wahnsinns getrieben wird, kommt sehr glaubwürdig rüber und empfiehlt sich mit diesem Film für höhere Aufgaben.
Auch Josh Hartnett (u.a. bekannt aus "Pearl Harbour") als sich von allen nicht anerkannter und nicht geliebt fühlender junger Mann, der eigentlich nur von seinem Vater und seinen Freunden respektiert und anerkannt werden will, verleiht seiner Figur eine gewisse Tiefe muss hier aber manchmal einige sinnfreie Monologe von sich geben, aber für die Dialoge kann er ja nix!
Julia Stiles scheint sich seit "10 Dinge, die ich an Dir hasse" auf Shakespeare-Neuauflagen spezialisiert zu haben, denn sie war auch schon in Ethan Hawke's Hamlet-Adaption als Ophelia zu sehen. Hier bleibt sie ein wenig blass und wirkt wie schmückendes Beiwerk, aber sie versucht, aus ihrer Rolle das beste zu machen.
Martin Sheen (u.a. schon bei "Apocalypse now" zu sehen und gilt auch sonst als alter Hollywood-Haudegen) als harter Trainer, der nur Basketball im Kopf hat, aber darüber seine Familie vergisst, wirkt auch, als wäre ihm die Rolle auf den Leib geschneidert.
Auch die anderen Darsteller machen aus ihren Rollen das Beste und verleihen ihren Figuren ein wenig Tiefe.
Der Knackpunkt ist die Inszenierung. Sie ist zwar einigermaßen zügig und kommt meistens auf den Punkt, aber zwischendurch sind dann immer wieder einige Dailoge, die entweder unfreiwillig komisch oder einfach nur deplaziert wirken. Auch die vielen Basketball-Spielszenen empfand ich als eher störend (und das will bei einem alten Basketball-Fan wie mir schon etwas heißen!!!), weil durch die hektischen Schnitte das Ganze zu einer Videoclip-Ästhetik verkam. Auch wirkte die "Modernisierung" von "Othello" irgendwie künstlich und aufgesetzt und von Shakespeare war eigentlich nur noch das Grundgerüst der Handlung wiederzuerkennen, aber kaum noch die einzelnen Figuren.
Dass man die alten Dialoge nicht wiederverwenden kann, ist klar, aber dass sie allenfalls im Ansatz erhalten bleiben, ist eigentlich schade.
Für meine Begriffe fehlte dem Film etwas, nur kann ich leider nicht sicher sagen, was es genau war. Jedenfalls hatte ich das Gefühl, dass eine -zweifelsohne- gute Vorlage ziemlich übel zu einem etwas anspruchsvolleren Teenie-Film verwurstet wurde. Ohne die wirklich guten DarstellerInnen, wäre dieser Film wohl ein heißer Kandidat für einen großen Flop.

FAZIT:

Shakespeare als Highschool-Drama ist zwar vielleicht für Teenies und junge Twens interessant, aber eine breitere Zielgruppe dürfte er wohl locker verfehlen, zumal er für einen Teenie-Film doch relativ anspruchsvoll war. Empfehlen kann ich den Film nicht wirklich, zumindest nicht für einen Kinobesuch, aber auf Video oder im TV ist bestimmt gar nicht mal so schlecht.
Wegen den guten Darstellern reicht es bei mir noch gerade zu 6 von 15 Punkten. (Schulnote 4+)
Ihre Bewertung dieses Erfahrungsberichtes

Wie hilfreich ist dieser Erfahrungsbericht für Ihre (Kauf-)Entscheidung?

Bewertungsrichtlinien

Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Shue

Shue

27.02.2002 18:55

Mir scheint, wir haben nen sehr aenlichen Filmgeschmack... ;-) ich fands aehnlich...

Pandoolio

Pandoolio

25.01.2002 17:33

Gut, dass du immer in die Sneak gehst, dann muss ich mir diesen Film (der mich grundsätzlich interessiert hätte) wahrscheinlich nicht mehr antun. Auch wenn ich so Sportdramen eigentlich liebe...! Scorende Grüße Pandoolio

HansGruber

HansGruber

21.01.2002 18:37

es gibt aber genug julia-stiles-fans, die dem film immer noch ein gutes einspielergebnis bescheren werden. feiner bericht - gruß hans

Eigenen Kommentar schreiben

max. 2000 Zeichen

  Kommentar abschicken


Bewertungen
Dieser Erfahrungsbericht wurde bislang 897 mal gelesen und von Mitgliedern wie folgt bewertet:

"sehr hilfreich" von (100%):
  1. DamarisAnklam
  2. Shue
  3. Posdole
und weiteren 40 Mitgliedern

Informationen zur Berechnung der Gesamtbewertung.