Offenbarung 23, Folge 23. Der Jungbrunnen (Hörspiel)

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Offenbarung 23, Folge 23. Der Jungbrunnen (Hörspiel)

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... Staffel von "Offenbarung 23": 1) Wer erschoss Tupac? 2) Tupacs Geheimnis 3) Wer versenkte die ,Titanic'? 4) Die Krebsmacher 2. Staffel: 5) Handy-Komplott 6) Der Fußball-Gott 7) Stonehenge 8) Macht! 3. Staffel: 9) Gier! 10) Die traurige Prinzessin 11) Die Hindenburg 12) Der ... Bericht lesen





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Erfahrungsbericht von mima17 über Offenbarung 23, Folge 23. Der Jungbrunnen (Hörspiel)
29. Juni 2008


Produktbewertung des Autors:   

Spannung: ziemlich spannend 

Pro: spannend, interessant, unheimlich, humorvoll, professionell inszeniert, günstiger Preis
Kontra: sehr gruselig und nichts für Zartbesaitete

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Was bisher bloße Verschwörungstheorie war, wird Realität: Die geheimnisvollsten Tragödien, die skrupellosesten Verbrechen werden entschlüsselt. Die Welt wird nicht mehr die gleiche sein, denn auch das letzte Rätsel wird gelöst.

Mit seiner Flötenmusik soll einst der Rattenfänger von hameln die Kinder der alten Stadt so betört haben, dass sie ihm blindlings auf Nimmerwiedersehen folgten. Doch welches dunkle Geheimnis steckt wirklich hinter dieser Legende? Student und Hacker Georg Brand entdeckt die unvorstellbar grausame Wahrheit. Und die Frage steht im Raum: Ist auch der tote Hacker Tron einst einem "Rattenfänger" ins Verderben gefolgt? (Verlagsinfo)

Der Autor und die Macher
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Jan Gaspard ist ein Pseudonym. Der reale Mensch hat immerhin eine Mailadresse - das ist doch schon mal was. Laut Verlag soll der Rechercheur für Unternehmer wie Axel Springer, Ross Perot, Rupert Murdoch und sogar Dick Cheney gearbeitet haben. Wer's glaubt, sollte ihn engagieren. Er zeichnet für "Idee, Konzeption, Recherche & Buch" verantwortlich.

Für die praktische Umsetzung dieser Steilvorlage sorgte hinsichtlich Regie, Produktion & Dramaturgie Lars Peter Lueg, seines Zeichens Verlagsleiter von LPL-Records. Für den "heiligen Geist" in Form von "Inspiration" sorgte Koproduzent Marc Sieper. Schnitt, Musik und Tontechnik lagen in den kompetenten Händen von Andy Matern. Markus Wienstroer bearbeitete die Gitarren in der Titelmelodie - das Ergebnis kann sich wirklich hören lassen. Die Aufnahmeleitung oblag Anno Storbeck.

Mehr Infos auf www.offenbarung-23.de.

1. Staffel von "Offenbarung 23":
1) Wer erschoss Tupac?
2) Tupacs Geheimnis
3) Wer versenkte die ,Titanic'?
4) Die Krebsmacher

2. Staffel:
5) Handy-Komplott
6) Der Fußball-Gott
7) Stonehenge
8) Macht!

3. Staffel:
9) Gier!
10) Die traurige Prinzessin
11) Die Hindenburg
12) Der Piratenschatz

4. Staffel:
13) Das Wissen der Menschheit
14) Das Bernsteinzimmer
15) Durst!
16) Krauts und Rüben

5. Staffel:
17) Die Waterkant-Affäre
18) Menschenopfer
19) Angst!
20) Die Pyramiden-Saga

6. Staffel:
21) Jack the Ripper - Live in Berlin
22) Der Fluch des Tutanchamun
23) Der Jungbrunnen
24) Sex and Crime

Mehr Info: www.offenbarung-23.de (ohne Gewähr)

Die Sprecher
°°°°°°°°°°°°°°°°°

In der Riege der Sprecher finden sich etliche einschlägig vorbelastete Herrschaften, die man schon aus dem Hause LPL-Records kennt.
Die Rollen und ihre Sprecher:

"Stimme der Wahrheit": Friedrich Schoenfelder (David Niven)
Ian G. als Erzähler: Till Hagen
Georg Brand alias T-Rex: David Nathan (Johnny Depp)
Tatjana Junk alias Nolo: Marie Bierstedt (Kirsten Dunst)
Nat Mickler: Helmut Krauss
Hexe: Hannelore Fabry
Abdul: Erich Räuker
Margo: Arianne Borbach
Annie: Jodie Blank
Boris F. alias Tron: Jaron Löwenberg
Intro: Benjamin Völz & Jaron Löwenberg

Vorgeschichte
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Der Berliner Informatikstudent Georg Brand, in Hackerkreisen als "T-Rex" bekannt, ist auf eine Verbindung zwischen dem besten deutschen Hacker Boris F. alias "Tron", und dem Rapper Tupac Shakur gestoßen. Alle möglichen Leute, die Geheimnisse aufdecken oder vertuschen wollen, interessieren sich auf einmal für T-Rex. Während Georg mit Trons ehemaliger Freundin Tatjana Junk alias Nolo anbandelt, meldet sich Tron quasi aus dem Jenseits: Er ist seit 1998 offiziell tot. Ist er das wirklich? Jedenfalls gibt Nolo Georg eine "Chiffre" nach der anderen in die Hand. Chiffren sind eine Umschreibung für Hinweise auf die Geheimnisse, die Tron vor seinem Tod aufgedeckt hat - brisanter Stoff sozusagen.

Handlung
°°°°°°°°°°°°°

PROLOG 1. Nolo und Georg Brand sind in ein Höhlenlabyrinth irgendwo in Deutschland eingedrungen und haben sich hoffnungslos verirrt. Als Nolo auch noch die Taschenlampe verliert, ist sie kurz davor, in Panik zu geraten. Doch unverdrossen sucht Georg nach dem Ausgang, scheint ihn zu finden, doch Nolo ruft ihn zu sich. Da ertönt ein Schlag, Georg ächzt und bricht zusammen. Nolo ist nicht allein im Labyrinth…

Prolog 2. Die Nachrichtensprecherin meldet, dass jedes Jahr in Deutschland 120 bis 150 Kinder und Jugendliche verschwinden. Über 15.000 würden als vermisst gemeldet, doch während 99% der Fälle aufgeklärt werden könnten, bliebe eben jener Rest. Und seit 1950 ist diese Quote konstant geblieben…

Haupthandlung.

Georg und Nolo folgen dem Mann, der sich Nat Mickler genannt hat, aus der ägyptischen Wüste über Kairo nach Frankfurt/Main. In Micklers Kairoer Hotel haben sie - leider etwas zu spät - in Micklers Unterlagen die Originalfassung des Märchen vom "Rattenfänger von Hameln" gefunden. Demzufolge trat dort im Jahr 1284 ein gewisser Herr Bunting auf und gab sich als Rattenfänger aus. Mit seiner Flöte lockte er die Ratten in die Weser, wo sie ertranken. Doch die geizigen Bürger verweigerten ihm seinen Lohn.

Am 26. Juni, wenige Tage nach der Sommersonnenwende, erschien Bunting mit einem Jäger an seiner Seite und seiner Flöte. Rund 130 Kinder (siehe Nachrichten!) der Stadt Hameln folgten ihm ins Innere eines Berges und wurden nie mehr gesehen. Angeblich sollen aber zwei zurückgekehrt sein, doch konnten sie, weil blind und stumm, keine Hinweise auf den Verbleib der Kinder liefern. Der Berg wurde fortan der "Poppenberg" genannt.

Georg geht ins Netz und prüft in der Wikipedia die Informationen über den Rattenfänger. Das Datum des 26.6.1284 wird bestätigt. Beim Poppenberg scheint es sich um den Osterwaldberg zu handeln. Und ein Merkvers hält rätselhafte Verweise auf Kinderköpfe bereit. Das findet Georg besonders unheimlich. Denn den zwei kleinen Kindern des Pharao Tutenchamun wurden ebenfalls die Köpfe geöffnet…

Nachdem Nat Mickler in einer Frankfurter Bank verschwunden ist, hält es Georg kaum noch auf seinem Sitz. Er hackt sich rücksichtslos in den Hauptrechner dieses sauberen Instituts ein und stößt auf die Datei "Osterwald". Wie erwartet, soll es dort eine Höhle geben. Aber hier ist die Rede von einem Drachen, der die Jungfrauen verspeise, die ihm geopfert wurden. 1284 waren es 130 Kinder, 2001, 2002 und 2003 verschwanden laut BKA jedes Jahr in Deutschland 139 Kinder. Dieser Zusammenhang ist Georg echt zu grausig. Geht es hier etwa um rituellen Kannibalismus?

Zusammen mit Nolo fährt er nach Hameln, um dem Spuk im Osterwaldberg ein Ende zu bereiten. Jedenfalls solange, bis er einen Schlag auf den Hinterkopf erhält und Nolo ganz allein im Dunkeln zurücklässt. Wird der Drache erscheinen?

Mein Eindruck
°°°°°°°°°°°°°°°°°°°°

Diese Episode greift ein heißes Thema auf, das besonders den angeblich o kinderlieb gewordenen Deutschen und v.a. der Bundesfamilienministerin von der Leyen am Herzen liegen dürfte: das Verschwinden von Kindern. Nicht zuletzt der Fall Kampusch in Österreich, wo das Mädchen einfach von der Straße weggeschnappt worden war, bevor sie jahrelange Gefangenschaft ertragen musste, sollte an dieses Phänomen erinnern. Dass sogar der eigene Vater der Täter sein kann, zeigte ebenfalls ein Fall aus Österreich, wo die Tochter wie eine Sexsklavin gefangengehalten wurde und sieben Kinder aus diesem Inzest hatte. Besonders erschütternd ist dabei, dass nicht einmal ihre Mutter davon gewusst haben will.

Rattenfänger

Der Autor Jan Gaspard versucht nun zwei Ereignisse miteinander zu verknüpfen: das alljährliche Kinderverschwinden mit dem beinahe schon ins Mythologische abgesunkenen Rattenfänger von Hameln. Bemerkenswert finde ich vor allem, dass dessen Auftritt am 26. Juni 1284 so genau datiert wird. Dadurch eignet sich der Fall viel besser für eine kriminalistische Ermittlung, wie sie Georg Brand vornimmt. Das fand ich recht spannend. Ins Humoristische schlagen die Szenen in den Lokalen und Straßen von Hameln um. Sie stoßen sogar auf ein altes, verhutzeltes Hexenweibchen, das mit der germanischen Göttin der Unterwelt, Hel, in Zusammenhang gebracht wird.

Der Drache unterm berg

Der Autor lässt es allerdings nicht dabei bewenden, und das macht die Geschichte unglaubwürdig. Sie kann einem sogar regelrecht auf den Magen schlagen. Georg reflektiert nicht allzu viel (vielleicht aus Zeitgründen) und Nolo hat diesmal leider nicht allzuviel zu melden. Sie wissen zwar nun von der "Hexe" mehr übers Mittelalter und wundern sich, was die Substanz namens "Wittmus" ist, aber sie ahnen noch nicht, was es mit dem "Drachen" unter dem Osterwald- bzw. Spiegelberg auf sich hat, der angeblich Menschenopfer bekam. Ihnen und uns ist klar, dass man den Drachen nicht für bare Münze nehmen darf. Jede Zeit schuf sich ihre eigenen phantastischen Erklärungen, so wie die Viktorianer noch an die Existenz des Äthers glaubten.

Kannibalismus

Doch worauf dies alles hinausläuft, ist ritueller Kannibalismus an Kindern. Dabei geht es den von Georg und Nolo Beobachteten (man kann sich denken, dass Nat Mickler dazu gehört) um die Einverleibung von Lebenskraft, Wissen und mitunter göttlichem Status. Wie es schon seinerzeit Tutenchamuns Nachfolger Eje mit den Kindern des Pharao tat. Und wie es die ollen Germanen auch an gewissen Opferstätten getan haben sollen, will man dem Autor glauben.

Berücksichtigt man den Titel "Jungbrunnen", verknüpft der Autor den Kannibalismus an Kindern nicht nur mit dem Streben nach Lebenskraft, sondern auch mit dem Machtanspruch der alten Generation über die jüngere. Die Alten erreichen ein immer höheres Alter und machen einen zunehmenden Anteil an der Bevölkerung aus. Sie zehren die Jungen also die Jungen durch ihre Rentenansprüche ökonomisch aus. Dass sich diese Vorgang auch psychologisch und kulturell auswirkt, will der Autor mit seiner Darstellung vermitteln. Diese ist zugegebenermaßen reichlich drastisch.

Ultima Thule

Welcher Art von Organisation Nat Mickler angehört, ist eine interessante Frage, denn man müsste sie in Zusammenhang mit den verschwundenen Kindern bringen. Der Autor verwirrt den Hörer jedoch zusätzlich mit einem Countdown. Das Ende des Countdown besteht im Anbruch eines geheimnisvollen Phänomens namens "Ultima Thule". Diesen begriff habe ich bislang stets für eine antike Ortsbezeichnung für den höchsten Norden Europas gehalten. Es gibt oder gab sogar einen amerikanischen Luftwaffenstützpunkt in Grönland, der Thule heißt. Das Ultima Thule, das Gaspards Figuren meinen, hat mit dem Ausbruch von "Hels Söhnen" zu tun, also mit einer Art Weltuntergang, wie er aus der "Götterdämmerung" bekannt ist.

Die Sprecher/Die Inszenierung
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***Die Sprecher

Es ist schon lustig, wenn man in einem Serienhörspiel all jene Schauspieler sprechen hört, die man sonst mit bildschirmfüllenden Actionkrachern oder großartigen Romanzen in Verbindung bringt: Catherine Zeta-Jones, Johnny Depp und George Clooney. Das hebt die Handlung, die ansonsten leicht etwas trivial hätte wirken können, doch gleich eine Stufe höher, verleiht ihr den Glanz von Hollywood.

Besonders David Nathan als T-Rex hat mir gefallen, denn man hört immer einen leichten ironischen Zungenschlag bei ihm heraus, und Kim Schmittke sekundiert normalerweise, wenn Georg über die Stränge schlägt. Etwas Humor hatte die Hörspielserie bislang nämlich dringend nötig. Paranoia ist ja schön und gut, aber sie ist schwer die ganze Zeit zu ertragen. Zum Glück behält Georg Brand seinen Sinn für Humor, auch wenn dieser diesmal mehr Richtung Sarkasmus tendiert. Georg klingt mehr genervt als erheitert.

***Geräusche und Musik

Alle Geräusche sind natürlich aus der Realität entnommen und verleihen der Handlung den Anstrich von Filmqualität. Aber sie kommen nie den Dialogen in die Quere, sondern sind in dieser Hinsicht zurückhaltend. Von der ägyptischen Wüste über Kairo und Frankfurt/Main bis in die tiefste deutsche Provinz führt diesmal die Geräuschlandschaft. Szenen wie der unheimliche Prolog erinnerten mich an die POE-Hörspiele, und hin und wieder gerät Georg in Situationen, die denen des Poe'schen Antihelden nicht unähnlich sind: tief im Wald, unter der Erde, von nächtlicher Finsternis umschlossen, von Raubvogelschreien verängstigt - da kann einem schon der Hintern auf Grundeis gehen.

Die Schlussszene ist dazu angetan, Poe'sche Horrorfantasien noch zu übertreffen. Nicht nur Schreie von Erwachsenen, sondern die Schreie eines Kleinkindes - es wird Annie genannt - sind zu hören, Und dazu streiten sich die Mörder, ob sie nicht zu weit gehen in ihrem Treiben.

Die wenige Musik, die erklingt, fungiert meist als Pausenfüller: Fetzige Gitarren, für die Markus Wienstroer verantwortlich zeichnet, bestimmen das In- und Outro, im Hintergrund plätschert hin und wieder etwas lokale Muzak (kommerzielle Musik für Cafés und Kaufhäuser). Mir gefielen mehr die Gitarren.

Unterm Strich
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Dass sich Angehörige der älteren Generation auf höchst unappetitliche Weise an den Kräften der jüngeren gütlich tun, ist eine der Thesen dieser Folge. Die Methode der Älteren besteht weniger in Rentenversorgung, sondern in handfesterer Vorgehensweise, wie das Gehirn auf dem Titelbild andeutet. Auch das Verschwinden von Babys und Kindern ist ein richtiger Aufreger (sollte es zumindest sein).

Das Vorbild dafür sieht der Autor in der Legende vom Rattenfänger von Hameln. Dass es noch heute solche Rattenfänger geben dürfte, legt ein Blick auf Anzeigen von Sektenführern, Wellness-Gurus und anderen Abzockern nahe. Dass es aber nicht bloß um Geld und Sexdienste geht, sondern auch ums nackte Leben und das Fleisch, ist ein Aspekt, der einem wirklich auf den Magen schlagen kann.

Das Hörspiel ist von Lübbe und LPL Records gewohnt sorgfältig produziert worden und ich habe an der Technik nichts auszusetzen. Die Stimmen der Hollywoodschauspieler verleihen der gewohnt abwechslungsreichen Handlung etwas Filmglamour. Die Story wartet in der Regel mit Verschwörungstheorien, Kurzinfos, Hacker-Eskapaden und allerlei zwielichtigen Aktionen auf. Diesmal erreicht die Episode das spannende Niveau der POE-Hörspiele, diverse Szenen wissen den Zuhörer gehörig in Anspannung und Furcht zu versetzen.

Fazit: Ich vergebe vier von fünf Sternen.

Michael Matzer © 2008ff

Info: Lübbe Audio 04/2008, Bergisch Gladbach; 1 CD, 73 Minuten, EU 7,95, ISBN 978-3-7857-3537-4 

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