Gläserrücken - Spaß oder Ernst?

3  13.09.2007

Pro:
auf jeden Fall eine spannende Erfahrung .  .  .

Kontra:
.  .  . durch die man aber unter Umständen seine geistige Gesundheit einbüßt

Empfehlenswert: Nein 

Plavalaguna21

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Aus gegebenem Anlass möchte ich heute mal etwas mehr über meine Erfahrungen mit dem Gläserrücken schreiben (ich habe das damals im "übersinnlichen Fragebogen" mal angedeutet). Das ist zwar nur eine der vielen Spielarten im Bereich des Okkultismus, ist aber für viele speziell jugendliche Menschen eine Art "Einstiegsdroge", die unter Umständen große Gefahren birgt. Ich habe damit selber schon so einige Erfahrungen gemacht und beschäftige mich aus Interesse in letzter Zeit wieder mit dem Paranormalen. Aber mal der Reihe nach:

Der Auslöser, wieso ich mich fast zwangsläufig wieder mit dem Thema beschäftigt habe, war sicher der Tod des Vaters meines Freundes. Er ist relativ plötzlich gestorben und ich habe ihn wirklich gern gehabt, fast wie ein zweiter Papa. Meinem Freund ging es natürlich serh schlecht, und er fing an, sich mit solchen Dingen wie Gläserrücken oder dem Kommunizieren mit Verstorbenen über Tombandaufnahmen zu beschäftigen (gottseidank nur lesenderweise im Internet). In dieser Situation sicherlich verständlich, wenn auch nicht ungefährlich in seiner seelischen Lage. Ich habe es ihm schließlich ausgeredet, vermutlich mit meinem Argument, dass sein Papa ja zu Lebzeiten ausgesprochen rational war und sich über solche Dinge vermutlich kaputt gelacht hätte.
Auch habe ich eine gute Freundin, die sehr gläubig ist und mir neulich erzählte, sie wolle "das doch auch endlich mal ausprobieren". Für sie war das Nervenkitzel, ein Spaß, einfach mal Interessant. Ich habe daraufhin ein langes Gespräch mit ihr geführt, weil mir diese etwas naive Herangehensweise ein wenig Angst gemacht hat. Weil ich denke, dass viele, die Gläserrücken ausprobieren möchten, eine ähnliche Herangehensweise haben, habe ich diesen Bericht geschrieben.

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Meine Geschichte
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Erst mal muss ich ganz deutlich sagen, dass ich, was sowas angeht, eher rational bin. Ich interessiere mich zwar für das Thema, suche aber immer nach der logischsten Erklärung. So war das zunächst auch bei meiner ersten Erfahrung mit dem Gläserrücken. Das Ende, das mir dann doch etwas zu denken gab, kam erst später.

Insgesamt habe ich ca. 5-6mal Sitzungen mitgemacht, habe mir aber nach dem Tod meiner Großmutter und meiner ehemals besten Freundin geschworen, das nie wieder zu tun, bisher habe ich mich dran gehalten. Das erste Mal war mit ca. 17-18 Jahren, kurz nach Weihnachten. Drei von meinen Freundinnen und ich waren kurz vorher nett essen gewesen und saßen nun spät abends in meinem Zimmer zusammen, als das Thema aufs Gläserrücken kam. Da eine meiner Freundinnen das bereits gemacht hatten, beschlossen wir spontan: "Gut, das machen wir jetzt auch!" Wir nahmen meines kleinen Fernsehtisch, legten darauf auf Papier geschriebene Buchstaben und Zahlen aus und ich holte ein Glas aus der Küche. Zunächst passierte absolut gar nichts, vor allem weil wir uns echt anstrengen mußten, nicht laut los zu lachen. Nach einiger Zeit aber veränderte sich die Stimmung total. Wir waren alle total entspannt und ruhig. Und da begann das Glas zu zucken. Wir fanden das alle natürlich aufregend, und wir hatten, wenn man das so nennen will, eine Art "Kontakt". Meine bereits etwas erfahrenere Freundin übernahm die Leitung und stellte die Fragen. Irgendjemand von uns anderen Mädels muss dabei gesagt haben, dass sie uns ja jetzt veräppeln würde und das Glas selber schiebt, aber sie nahm dann ihren Finger herunter - und das Glas bewegte sich weiter. Wie sich das anfühlte, ließ sich schwer beschreiben - eher schwerfällig (ich habe das schon weitaus energischer gesehen, aber dazu später), aber bestimmt, ich glaubte sogar die Richtung zu fühlen, das der das Glas geschoben wurde. Wir fragten zunächst, wer denn da sei. Unser "Geist", so erfuhren wir, war ein Kind, ein kleines Mädchen. Auf die Frage nach seinem Alter antwortete es "7". Und auf die Frage, wie es gestorben sei, nur: "krank". Leider platzte kurz darauf meine Mutter ohne Anzuklopfen ins Zimmer, und das hat die ganze Sache natürlich unterbrochen. Als sie wieder draußen war, haben wir uns entschuldigt und nachgefragt, ob wir denn noch weiter reden dürften. Als Antwort kam nur: "Nein Angst", und dann klappte plötzlich garnichts mehr, also haben wir die ganze Sache abgebrochen.

Diese Erfahrung war ja nicht unbedingt negativ und so habe ich auch keinen Verfolgungswahn bekommen oder ähnliches. Ich habe danach auch normal in demselben Zimmer geschlafen und hatte keine Angst. Das einzige, was ich ziemlich stark fühlte, war Mitleid.

Das Nachspiel dazu kommt aber noch: Ungefähr 1 Jahr danach starb meine Oma. Wie das in Trauerzeiten öfter so ist, saß die Familie am Tisch und erzählte sich Geschichten von früher. Und da erzählte meine Ma etwas, das mich schlagartig wieder an das Gläserrücken erinnerte - nämlich, dass sie eigentlich noch ein Geschwisterkind gehabt hätte, das in unserem Haus als Totgeburt auf die Welt gekommen ist, und zwar relativ spät, ca. im 7.Monat. Das geschah in der frühen Nachkriegszeit und meine Ma führte das auf die Angst und den Stress zurück, dem meine Oma wohl ausgesetzt war. Wie sie erzählt, hat mein Großvater, den ich nie kennen gelernt habe, das Kind auch auf unserem Grundstück begraben, was ich besonders makaber finde.
Jetzt kann man natürlich sagen, dass diese Geschichte tief in meinem Unterbewußtsein verankert war und durch das Gläserrücken wieder zum Vorschein kam, ABER: Ich habe davon bei dieser Gelegenheit zum ersten Mal gehört, da meine Mutter es bisher nicht erzählt hatte. Auch meine Schwester, die 12 Jahre älter ist als ich, hörte es zum ersten Mal. Es ist also ausgeschlossen, dass ich die Geschichte irgendwo aufgeschnappt habe, und meine Freundin, die mich ja hätte veräppeln können, konnte es schonmal garnicht wissen. Seltsam, oder?

Wie gesagt war diese Erfahrung eher positiv, und ehrlich gesagt möchte ich sie auch nicht missen. Allerdings habe ich auch schon negative Erfahrungen machen "dürfen", die mich erschreckt haben. Das Krasseste passierte an einer Feier bei uns zuhause, wo wir wieder einmal Gläserrücken machten. Plötzlich begann das Glas mit einem Affenzahn um den Tisch zu rotieren, es wurde geradezu GERISSEN, und einige von uns rutschten mit ihren Fingern herunter. Ich denke heute, dass wahrscheinlich ich die Ursache war, denn zu diesem Zeitpunkt hatte ich ziemlich viele Sorgen und Probleme, die mir im Kopf herumgingen. Aber die Wucht, mit der das Ganze passierte, hat mich tierisch erschreckt und auch meinen Freunden wurde Angst und Bange, zumindest gab es viele blasse Gesichter und danach hat niemand mehr Lust darauf verspürt, den Finger auf's Glas zu legen.

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Gefar oder Partyvergnügen?
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Ich möchte auf alle Fälle davor warnen, Gläserrücken, Witchboard oder ähnliches einfach nur aus Spaß auszuprobieren. Egal wie man es sehen mag - ob man jetzt wirklich Kontakt mit Geistern hat oder ob alles nur von der eigenen Psyche ausgelöst wird - die Seele kann mitunter gewaltigen Schaden davontragen. Ich kann von Glück sagen, dass ich überwiegend positive Erfahrungen gemacht habe, aber das Ganze kann auch völlig anders ausgehen. Wenn man sich mal durch einschlägige Foren liest, bekommt man einen ganz guten Überblick. Verfolgungswahn ist bei weitem die häufigste Folge, die Personen hören plötzlich seltsame Geräusche oder SEHEN auch konkret Dinge wie seltsame Schatten oder auch Personen, hin und wieder gehen sogar wirklich Dinge zu Bruch oder die Teilnehmer weisen plötzlich Wunden wie Kratzer auf.

Natürlich kann man wohl nicht allen Stories wie diesen Glauben schenken. Ich habe in letzter Zeit einiges im Internet darüber gelesen und viel gesehen, was für mich wirklich erfunden klingt oder aber, als ob der betreffende Schreiber wirklich psychische Probleme hat. Fest steht aber, dass Gläserrücken fast immer einen starken Eindruck auf die Psyche macht. Selbst bei mir war das teilweise so; das "kleine Mädchen" hat mir im positiven Sinne sehr nachgehangen und ich habe oft an sie gedacht. Da meine jetzige Wohnung auch einen etwas esoterischen Ruf hat (auch darüber habe ich kurz im übersinnlichen Fragebogen geschrieben), bin ich da wohl auch etwas sensibler geworden (ich habe hier auch schon so ein paar Seltsamkeiten erlebt, möchte darüber aber nicht schreiben).

Fest steht auf jeden Fall, wenn man einmal mit dem Thema angefangen hat, läßt es einen so schnell nicht mehr los und kann auch zur Sucht werden, es gibt Menschen, die insziwschen vor jeder größeren Entscheidung erst "das Glas befragen". Nicht wenige Menschen reagieren wie gesagt auch mit Verfolgungswahn etc. darauf, was in einigen Fällen sogar zu Selbstmord geführt haben soll.

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Wissensch aftliche und religiöse Erklärungsversuche
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Laut Wikipedia ist das Phänomen des "Geisterbeschwörens" per Gläserrücken wissenschaftlich schon gut erforscht worden. Es handelt sich dabei vor allem um unwillkürliche Muskelkontraktionen bzw. um deren Verstärkung durch die Gruppe selbst (Carpenter-Effekt) - sehr simpel erklärt. Dies ist mit Sicherheit eine logische und einleuchtende Erklärung, allerdings sind die nach vielen Sitzungen plötzlich auftauchenden "Phänomene" nicht immer so gut erklärbar, aber da ist die psychologische Forschung wohl noch nicht weit genug.

Spricht man dagegen mit sehr religiösen Menschen oder aber mit solchen, die sich intensiv mit Okkultismus und Geisterglaube beschäftigen, wird man vermutlich zunächst mal zu hören bekommen, dass da wirklich ein Geist das Glas bewegt. Neben konkret "guten" und "Bösen" gibt es da auch sogenannte Fopp- oder Scherzgeister, die sich einen Witz daraus machen, die Gruppe ein wenig zu erschrecken oder einfach etwas Unsinn zu treiben. Auf jeden Fall wird auch von in der Materie bewanderten Leuten strengstens davor gewarnt, Gläserrücken unerfahren zu betreiben, meist mit dem Argument, dass man nie weiß, wen oder was man da zu sich einlädt. Die manchmal auftretenden Phänomene werden teilweise dadurch erklärt, dass die "Geister", nachdem sie einmal angerufen wurden, in unserer Welt gefangen wären, was ihnen natürlich nicht gefällt.

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Fazit
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Was man davon nun natürlich glauben will, bleibt jedem selbst überlassen. Ich denke mal, dass meine Warnung vor dem Ganzen auch angekommen ist. Wenn es euch wirklich extrem dazu drängt, das mal auszuprobieren, wendet euch an wirklich erfahrene Personen, und macht es vor allem nicht im Teenageralter (man ist eben psychisch noch nicht so gefestigt und hat u.U größere Probleme als ein Erwachsener, solche Dinge zu verarbeiten). Es kann zwar eine wirklich spannende und lehrreiche Erfahrung sein (wie bei meinem "Erstversuch"), aber in den meisten Fällen passieren doch eher beängstigende Sachen.

Gläserrücken ist kein Spiel, kein Partyspaß und auch keine Mutprobe. Also laßt es nach Möglichkeit am Besten sein.

Ich habe hier jetzt bewußt keine direkte Anleitung gegeben und werde dies auch nicht tun, aber wenn ihr trotzdem noch Fragen habt, schreibt mir einfach priv ins Gästebuch. Ich werden dann versuchen, sie zu beantworten.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mundi1

Mundi1

28.08.2009 21:33

Ich glaube nicht an solche Dinge, wie Astrologie oder Okkultismus. Wir Stiere sind da sehr skeptisch. lg Mundi

esp1

esp1

27.08.2008 15:35

ich glaube das ist nichts für mich lg

mozarteum

mozarteum

11.05.2008 14:12

mmmh ... jeder darf glauben, was er mag. :-))) lg mozarteum

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