Onkel Otto

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Onkel Otto

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Ein Seh-Hund namens Otto

4  25.08.2007

Pro:
Alles rund um das Maskottchen des Hessischen Rundfunks zum kleinen Preis

Kontra:
gewöhnungsbedürftige Menüführung

Empfehlenswert: Ja 

Demelza

Über sich: Ich habe mir ein neues Lieblingszitat ausgesucht: "Meine Niedlichkeit überlagert die Brisanz me...

Mitglied seit:21.05.2003

Erfahrungsberichte:301

Vertrauende:32

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 74 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

"Die Glotze ist doch das größte, ist ja klar. Ich glotze mir meine schönsten Träume wahr" (Udo Jürgens: Die Glotze)

Ja, ja, die Glotze oder Flimmerkiste ist aus unserem Alltag kaum noch wegzudenken, und sicherlich ärgern sich die meisten von uns über die Tatsache, daß zumindest auf den Privatsendern das allabendliche Programm ständig durch Werbung zerstückelt wird. Dabei gab es eine Zeit, da hatte die Fernsehwerbung ihren festen Platz im sogenannten Vorabendprogramm, zwischen 17 und 20 Uhr, und in dieser Zeit bin ich groß geworden. Gut, es mag ja sein, daß jenes Vorabendprogramm noch immer existiert, aber wer weiß zum Beispiel noch, daß gerade in der ARD jeder Regionalsender wie Hessischer Rundfunk, Norddeutscher Rundfunk, Bayerischer Rundfunk oder Südwestfunk sein eigenes Programm ausstrahlte, und jeden Tag eine andere Fernsehserie lief? "Drei Damen vom Grill", "Die Onedin Linie", "Auf Achse", "Falcon Crest", "Die Camerons" - das ist nur eine Auswahl von Serien, die mir spontan einfallen, wenn ich mich an das damals täglich wechselnde Programm erinnere. Daß eines Tages in ganz Deutschland zur selben Zeit die tägliche Seifenoper laufen würde, wer konnte das noch in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts schon ahnen? Daß der Hessische Rundfunk beispielsweise "Falcon Crest" einige Minuten später beginnen ließ als der Südwestfunk (den wir über Antenne meistens doch nur verrieselt und verrauscht empfangen konnten), das gehörte für mich zu den liebenswerten Eigenarten und Eigentümlichkeiten, die das Fernsehen für mich spannend und interessant machten. Und natürlich hatten auch die Sendermaskottchen für mich ihren festen Platz vor acht im Ersten: liebevoll und humoristisch gezeichnete Trickfiguren, die die Werbeblöcke auflockern sollten und die einzelnen Werbefilmchen optisch voneinander trennten.

Da darf natürlich eine bestimmte Zeichentrickfigur nicht fehlen: eine Figur, die nunmehr seit fast 50 Jahren über hessische Bildschirme flimmert und sich im Lauf der Zeit äußerlichen Veränderungen unterwerfen mußte. Eine Figur, die für mich interessanter war als die Werbung und die Freunde von uns irrtümlicherweise für ein Pantoffeltierchen halten: Onkel Otto, der Fernse(h)hund des Hessischen Rundfunks bzw. der "Werbung im Rundfunk" (WIR) - entworfen von Hans Fischerkösen und gezeichnet von Heinz Tischmeyer.


♦ Onkel Otto als Begleiter meiner Kindheit ♦
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Onkel Otto, der Fernseehund, der sich zum Seh-Hund mit H-förmiger Antenne auf dem Kopf wandelte, hieß nicht immer so. Diesen Namen verliehen ihm die Fernsehzuschauer etwas später. Aber egal, ob Otto oder nicht: Seehunde und Robben mochte ich schon immer gerne, und ganz besonders diesen Seh-Hund, dem nicht nur die unglaublichsten Mißgeschicke zu passieren schienen, sondern der auch mitunter den ein oder anderen kuriosen Einfall hatte und Erfindungen machte, die in der Realität niemals funktionieren
Bilder von Onkel Otto
  • Onkel Otto Bild 95672346 tb
  • Onkel Otto Bild 95672665 tb
  • Onkel Otto Bild 95672964 tb
Onkel Otto Bild 95672346 tb
Eine nicht funktionierende Erfindung
würden. Ihn fand ich viel putziger als die bundesweit bekannten und sich noch heute einer großen Fangemeinde erfreuenden Mainzelmännchen des ZDF. So diente Onkel Otto meinen ersten Zeichenstudien als Modell, doch leider war das Ergebnis mehr als nur mäßig; und so griff ich als nächstes zu einer alten Kamera, mit der ich Onkel Otto vom Bildschirm abfotografierte. Ein paar unscharfe, verwackelte Aufnahmen sind die einzigen Zeugnisse dieses Experiments. Über meine amateurhaften Versuche, seine Kapriolen mit einem Videorekorder für die Nachwelt festzuhalten, möchte ich lieber den Mantel des Schweigens breiten… Doch inzwischen gibt es eine Lösung für mein Problem, und die habe ich erst vorige Woche entdeckt.


♦ Onkel Otto auf DVD ♦
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Online-Versandhäuser machen es möglich: "Liebevoll zusammengestellt wurden hier seine putzigen Abenteuer von 1958 bis heute. Historisch wertvoll. Auf dieser DVD befindet sich zusätzlich eine Fotogalerie der Figuren im Wandel der Zeit. Originalzeichnungen von Heinz Tischmeyer, ein Onkel-Otto-Quiz und weiteres, spannendes Bonusmaterial.", so wirbt der Anbieter dieser DVD, die zum unschlagbaren Preis von 2,97 Euro erhältlich ist. Mit dem hinzugekommenen Porto habe ich dann zwar bei knapp sechs Euro gelegen, aber bei über 700 Clips und einer Menge Bonusmaterial mußte ich einfach zugreifen.

"Achtung, Achtung, wir beginnen!", so tönt es auf dieser DVD nach dem schwarz-weißen Vorspann, bevor das Menü erscheint. Präsentiert wird als allererstes ein kleiner Kurzfilm in Dolby Digital: die Entstehung des Fern-See- bzw. Fern-Seh-Hundes, mit einem Dialog zwischen Zeichner und seiner Figur. La Linea, das motzende italienische Männchen, das vor 30 Jahren gelegentlich in der ARD auftauchte, läßt grüßen. Selbstverständlich kann man diesen ersten Programmpunkt auch überspringen und gleich zum Menü übergehen - dieses sieht dann so aus:

♦ Die Werbung beginnt "alt"
♦ Die Werbung beginnt "neu"
♦ Die einzelnen Spots
♦ Die Werbung endet
♦ Die Werbung endet "Auf Wiedersehen"
♦ Sonderspots
♦ Zusatzmaterial

Na, das sieht doch schon mal ziemlich übersichtlich und nach Themen geordnet aus. Unter den Punkten "Die Werbung beginnt" und "Die Werbung endet" kann man sich an den mit der Erkennungsmelodie unterlegten Kurzfilmen erfreuen, welche die Werbeblöcke einrahmten. Manche dieser Kurzfilme hatten einen Bezug zu der im Anschluß ausgestrahlten Sendung. Unter "Sonderspots" kann man mit der Fernbedienung die Filmchen ansteuern und auswählen, welche früher z..B. direkt vor der Sportschau, einem Krimi oder dem Sandmännchen gelaufen sind. Einen Bezug zu den einzelnen Werbefilmen hatten aber immer auch die einzelnen Spots oder Clips, indem beispielsweise direkt nach der Ariel-Werbung ein Onkel Otto eingespielt wurde, der sich beim Wäschewaschen besonders schusselig anstellt, und nach einem Werbefilm für alkoholische Getränke ein bierflaschenangelnder Seh-Hund gezeigt wurde. Diesen vielen Clips wurde ein ganzer Programmpunkt gewidmet - und dieser Punkt war für mich ausschlaggebend für den Kauf dieser DVD.

Ich habe natürlich sofort diese Spots angesteuert und eine kleine Überraschung erlebt: Auf dem Bildschirm erschien ein Stapel Konservendosen. Vor diesem steht Onkel Otto, bereit zur Auswahl einer Dose. Jede Dose hat man beschriftet, damit der Zuschauer weiß, welche der jeweils zehn zu einem Block zusammengefaßten, teilweise absurden Mini-Abenteuerchen des Onkel Otto sich darin befinden. Allerdings sind diese Onkel-Otto-Spots nicht nach Themen wie Essen & Trinken, Haushalt & Auto oder Schönheitspflege & Gesundheit gegliedert, sondern chronologisch geordnet, was in meinen Augen jedoch kein Fehler ist, weil ich mich lediglich für die ganz alten Clips von Heinz Tischmeyer und Hans Fischerkösen interessiere. Sie gefallen mir zeichnerisch weitaus besser als die neueren Spots, weil die einzelnen Bilder noch nicht mit so vielen Details vollgestopft waren und der Zeichner sich auf das wesentliche beschränkt hat.

Nicht so gut dagegen gefällt mir, daß manche Spots anscheinend zu früh geschnitten worden sind, wodurch die Begleitgeräusche wie abgehackt wirken, und daß sich beim Aneinanderreihen der einzelnen Spots die gleiche Hintergrundmusik öfters wiederholt. Anscheinend hat man Ende der fünfziger/Anfang der sechziger Jahre einige Geräusche und Musikeinlagen sozusagen auf Vorrat produziert und damit mehrere Clips untermalt. Chronologie hin oder her: zweimal das gleiche hintereinander, das hätte vielleicht nicht unbedingt sein brauchen, und insofern hätten die Macher dieser DVD ruhig einmal fünfe gerade sein lassen und die Clips aus jener Zeit untereinander austauschen können.

Zweimal das gleiche gilt übrigens nicht nur für die akustische Untermalung, sondern auch für die selbe Idee, die für mehrere Clips Pate stand, so zum Beispiel, wenn beim unsachgemäßen Umgang mit Waschpulver plötzlich gigantische Schaumberge entstehen oder wenn Haustiere beim Füttern schlagartig auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe anwachsen. Wenigstens war man hier so schlau, diese Clips nicht unmittelbar aneinander zu reihen, so daß sich der Humor nicht gänzlich im Sande verläuft. Witzig fand ich die Idee, daß Mäuse aus Musikinstrumenten hervorspringen, beim Waschen ein Gespenst aus der Waschmaschine entfleucht oder die bildliche Darstellung der "Zeitungsente", wenn tatsächlich ein Vogel beim Aufschlagen einer Zeitung mit lautem Gescbnatter davonflattert. Mit dieser detaillierten Beschreibung möchte ich es fürs erste bewenden lassen und zu einem weiteren interessanten Menüpunkt überleiten, dem Zusatzmaterial.


♦ Zusatzmaterial ♦
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
Den zu Beginn genannten Trailer habe ich mir nicht angeschaut, da ich Trailer an sich nicht sonderlich spannend finde, und darum möchte ich auch nur noch kurz auf die restlichen Punkte eingehen:

♦ Der schräge Otto (eine kleine Serie)
♦ Otto in schwarz-weiß
♦ Artwork-Galerie
♦ Fan-Ecke (Skizzen)
♦ Merchandising - rund um Otto
♦ Heinz Tischmeyer
♦ Werbung im Rundfunk
♦ Alternative Spots
♦ Der moderne Onkel Otto
♦ Onkel-Otto-Quiz

Wirklich putzig fand ich die, in dieser Form noch nie gesehenen und zu einer kleinen Serie zusammengestellten Schwarz-Weiß-Filmchen "Der schräge Otto" und die ersten Gehversuche der antennengeschmückten Robbe in schwarz-weiß, wenn eine Hexe auf dem Besenstiel über den Bildschirm saust oder Otto einen mißglückten Raketenstart hinlegt. Nun ja, das Zeitalter der bemannten Raumfahrt war eben noch nicht angebrochen. Informativ fand ich die Punkte "Artwork-Galerie" mit Entwürfen und Storyboards von Heinz Tischmeyer und die Biografie Heinz Tischmeyers selbst, die aber leider etwas zu schnell durchlief, so daß ich öfters die Pausentaste betätigen mußte, um dem umfangreichen Text zu folgen. Daß Herr Tischmeyer auch an der Entstehung der Mainzelmännchen beteiligt war oder sogar eine von Rolf Kauka geschaffene Onkel-Otto-Figur existiert, das habe ich erst jetzt erfahren.

Eher überflüssig erschienen mir die unter "Merchandising" gezeigten Fotos von allen möglichen Souvenirartikeln wie Schlüsselanhängern, Tassen oder Zündholzbriefchen. So etwas ist dann wohl eher etwas für die absoluten Fans. Und warum die Rubriken "Alternative Spots" und "Werbung im Rundfunk" unter "Zusatzmaterial" abgelegt worden sind und nicht im Hauptmenü, das hat sich mir auch nicht erschlossen.


♦ "Bin ich nicht ein Knüller?" ♦
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
"Zusammengeknüllt gehörst Du!", schimpft der Zeichner - "Bin ich nicht ein Knüller?", ulkt seine Schöpfung. Ha-ha! Etwas altbacken kommt der Humor des Herrn Tischmeyer (oder war es doch der des Herrn Fischerkösen) zugegeben ja doch etwas daher. Nun ja, der berüchtigte Witz der fünfziger Jahre mag vielleicht nicht jedermanns Sache sein, aber das große Feuerwerk an schenkelklopfendem Humor habe ich auch gar nicht erwartet, wenn ich ehrlich bin. Witzig finde ich trotzdem so einiges, aber manches auch wiederum nicht, nämlich das etwas umständliche Navigieren mit der Fernbedienung, wenn es gefühlte 30 Minuten dauert, bis das Hauptmenü endlich erscheint. Und ob es wirklich vonnöten war, an den Beginn der DVD eine eindruckschindende Werbung für THX (oder wie dieses Soundsystem sich nennt) zu plazieren, wage ich doch sehr zu bezweifeln. Wo ist da der Sinn, wenn früher Mono das vorherrschende Tonsystem war?


♦ … was ich noch zu sagen hätte … ♦
~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~~
… dauert eine Zigarette und ein letztes Glas im Steh'n. Na gut, ich habe geschwindelt, denn ich rauche gar nicht und sitze im Moment so ziemlich auf dem Trockenen. Und deshalb gibt es jetzt auch ganz trocken und nüchtern die endgültige Einschätzung, also das, was zu wissen, vordergründig interessant ist.

Sehe ich nämlich einmal von der etwas lieblos gestalteten Verpackung, den wenigen überflüssigen Programmpunkten und der etwas gewöhnungsbedürftigen Menüführung ab, so habe ich für knapp sechs Euro (inclusive Versandkosten) ein Stück Fernsehgeschichte und damit ein Zeitdokument erhalten, das mir den Begleiter meiner Kindheit wieder ins Haus gebracht und das mich mit ganz neuen Erkenntnissen über einige deutsche Cartoonisten der Nachkriegszeit versorgt hat.

Und auch wenn ich mich vielleicht jetzt vollends lächerlich gemacht habe, so traue ich mich hiermit doch, für "Onkel Otto" zur Feier des Tages eine Empfehlung auszusprechen. PS: Freunde von Pferdle & Äffle (den Maskottchen des Südwestfunks) dürfen für das Vergnügen, alle Abenteuer auf DVD zu erleben, wesentlich tiefer in die Tasche greifen - unter diesem Gesichtspunkt habe ich den Kauf der Onkel-Otto-DVD nicht bereut.




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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
hr.biernot

hr.biernot

21.09.2008 16:31

obwohl ich aus dem Sendegebiet des "Pferdes und des Äffles" stamme, ist mir "Onkel Otto" sehr wohl bekannt. Wenn wir unsere Großeltern bei Wiesbaden besucht haben, sprang der jedesmal fast aus dem Fernseher. ;-))))

esp1

esp1

03.10.2007 00:20

ich muss gestehen, dass ich von dem film noch nie gehört habe. lg

Hybride

Hybride

01.10.2007 22:28

Von Onkel Otto höre ich zum Erstenmal...;-) Ich sollte vielleicht öfter glotzen, statt lesen! Gruß an Dich! Pille

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