Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
Recht leistungsstark und vielseitig, guter Mehrkanalklang |
| Kontra: |
Kein HDMI oder Pre - Out - Ausgänge |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Rezension: Surroundreceiver Onkyo TX SR 603 E (in silberner Ausführung)
Es gibt Surroundreceiver in allen Preisklassen. Das wiederum heißt, dass nicht jeder Surroundreceiver den gleichen Anforderungen und Ansprüchen gerecht werden kann.
Was die Einstiegs- und Mittelklasseamps von den Boliden der Ober- und Spitzenklasse trennt ist eine kompromisslose Verarbeitung, zu der sich in den meißten Fällen charakteristische Designformen gesellen, um hohen ästhetischen Ansprüchen gerecht zu werden. Desweiteren kommt den eingesetzten Materialien und Baugruppen (großzügig dimensionierter Ringkerntransformator oder gleich 2 wie bei NAD der Fall, Ausgangsstufen von hoher Güte, Spannungsgleichrichter ohne Kondensatoren im Signalweg, wertige D/A- und A/D-Wandler, irrwitzig schnelle Prozessoren und Fließkomma-Chipsätze, getrennte Baugruppen, durchdachtes Platinenlayout, große effektive Kühlkörper etc.) ein kanalgetrennter Aufbau mit kurzen Signalwegen ein hoher Stellenwert zu.
Denn schließlich liegt es dem Hersteller daran, einen Audio/Video-Receiver bzw. -Verstärker zu entwerfen, der den Erwartungen auch des anspruchsvollen Kunden in puncto Musik und Film gerecht wird. Letzterer mag geneigt sein, seine Stereoanlage in eine Surroundanlage zu integrieren - ohne jegliche oder zumindest nennenswerte Abstriche in der Stereowiedergabe zu machen. Diese anspruchsvolle Klientel legt nicht bloß Wert auf sinnvolle und umfassende Ausstattungsmerkmale, die Aufrüstbarkeit und Zukunftsfähigkeit ermöglichen (Decodierungsmöglichkeiten von möglichst vielen Surroundformaten, DSP-Porgramme, vielfältigste digitale sowie analoge Video- und Audioanschlüsse, Features wie die Möglichkeit eine zweite Hörzone einzurichten, Voverstärkerausgänge, Trigger Ein- und Ausgänge, bidirektionale Schnittstellen, Lip-Sync, De-Interlacer, Scaler, Ethernet-Vernetzung mit anderen Geräten oder Clients, frei programmierbare Touchscreen-Fernbedienung u.v.m.), sondern auf Klangqualitäten, die sich nicht darauf beschränken, eine weiträumige, offene Surroundatmosphäre zu kreieren oder in oberflächlicher Effekthascherei bestimmte Klangspektren über- oder unterzubetonen. Sie suchen vielmehr spezielle Klangcharakteristika und -farben, wogingegen in diesem Punkte sich die meißten Mittelklasse-Receiver nur in Nuancen voneinander unterscheiden. Solche Boliden sind nicht selten exorbitant teuer, für den qualitätsbewussten Einsteiger in die Audio/Video-Welt also unbezahlbar und sicherlich unproportional im Verhältnis zum restlichen Equipment. Günstigere Modell müssen mit einem gesunden Querschnitt, einer Selektion, was absolut betrachtet gewiss eine Einschränkung bedeutet, all dieser Vorzüge aufwarten, da der Preis für den Endverbraucher ebenfalls ein nicht zu vernachlässigendes Kriterium ausmacht.
Diesem Kundentypus, dem ich mich als notorisch preisbewusster Hifi-Liebhaber (Schüler) selbst anrechne, kann ich den Onkyo TX-SR 603 E (in schwarz und silber erhältlich) als würdigen Vorfahren des TX-SR 674 nur empfehlen. Es handelt sich bei dem TX-SR 603 um einen vollwertigen A/V-Receiver mit gutem Tuner- und Phonoteil, 7 diskret aufgebauten Endstufen mit jeweils 125 Watt Ausgangsleitung (6 Ohm) nach DIN bei 1 kHz gemessen und folgenden (Verstärker-)Feautures:
VLSC (Vector Linear Shaping Circuitry) für L/R Kanal
H.C.P.S. - Großzügig dimensionierter, abgeschirmter Transformator
WRAT (Wide Range Amplifier Technology)
Erweiterter Frequenzbereich (10 Hz bis 100 kHz)
Volle Leistung und Bandbreite auf allen 7 Hauptkanälen
Optimum Gain Volume Control Circuitry
Großzügig dimensionierte Kondensatoren im Netzteil
Vollständig diskret aufgebaute Endstufen für alle Kanäle
Automatische Schutzschaltung
Hochwertiger Aluminiumkühlkörper
DTS, DTS-ES Discrete/Matrix 6.1, DTS 96/24, DTS Neo:6, Dolby Digital EX, Dolby Pro Logic IIx
192 kHz/24-bit D/A Wandler für alle Kanäle
Moderner 32-bit DSP Prozessor
Non-Scaling Configuration
Automatisches Lautsprecher Setup mit Mikrofon
Composite zu S-Video Signalwandlung mit TBC (Laufzeitkorrektur)
Digital Upsampling
HDTV-fähige Komponenten-Video Umschaltung mit hoher Bandbreite (50 MHz)
Lautsprecherausgänge für Zone 2
Double Bass Funktion
A-form listening mode memory
CinemaFILTER
Bass-Management mit einstellbaren Übergangsfrequenzen (60/80/100/120/150 Hz)
3 Komponenten-Video Eingänge and 1 Ausgang
6 Digital Eingänge (4 optisch / 2 koaxial)
1 Digital Ausgang (optisch)
5 S-Video Eingänge und 3 Ausgänge
2 Audio- und 4 A/V Eingänge
Farbkodierte 5.1-Multichannel Eingänge für DVD-Audio und Super Audio CD (SACD)
Subwoofer Vorverstärkerausgang
Hochwertige, farbkodierte Lautprecherklemmen
Eingänge für Composite-Video, S-Video, Audio und Digital-Audio auf der Frontblende
Pure audio mode
Direct mode
Automatische Signalerkennung
Late night mode (stark/schwach/aus)
Audio-Aufnahmequellenwahlschalter
UKW/MW Tuner Features
Hohe Eingangsempfindlichkeit und Trennschärfe
Radio Data System (RDS)
40 UKW/MW Festsenderspeicher
Automatischer UKW Sendersuchlauf
UKW Stereo Anzeige
75-Ohm Antenneneingang
mitgelieferte UKW Wurfantenne
mitgelieferte MW-Rahmenantenne
Andere Features
Blau hintergrundbeleuchteter Lautstärkeknopf
Hochgenaue digitale, geschwindigkeitsabhängige Lautstärkeregelung
Absolute Volume Display
3-fach Display Dimmer (normal, mittel , dunkel)
Kopfhörerausgangsbuchse in Standardgröße
Audio mute (über Fernbedienung)
Sleep timer (über Fernbedienung)
Nichtflüchtiger Speicher für Programmierung
Hochwertiges Netzkabel
Große, resonanzarme Gerätefüße
Resonanzarmes, verstärktes Stahlchassis
Resonanzarmer Gehäusedeckel
Vorprogrammierte, RI-kompatible (Remote Interactive) lernfähige Fernbedienung mit 3 Makro Funktionen und LED-Anzeige der Betriebsart
Der Onkyo TX-SR 603 vereint Ästhetik, Haptik und eine sehr gute Verarbeitung mit einer klanglichen Performance sowohl für Mehrkanalton als auch für die reine analoge Stereowiedergabe, die ich in solchem Maße in Anbetracht des fairen Kaufpreises (Listenpreis: ca. 600 Euro, realer Kaufpreis schon ab 300 Euro) niemals erwartet hätte. Seine leicht konkarv geformte, edel anmutende Metallvorderseite und der im Betrieb blau umleuchtete, ebenfalls metallene Lautstärkeregler weckt unweigerlich Assoziationen an weitaus teurere Geräte. Lobenswert ist die äußere Erscheinung nicht zuletzt aufgrund einer aufgeräumten Front, die - oftmals entgegensätzlich zu andereren Geräten - alle möglichen und unmöglichen Tasten und Anschlüsse hinter einer Abdeckhaube aus PVC versteckend - lediglich mit zwei Audio-Schnelleingängen (digital u. analog) und zwei Videoeingängen geziert ist (S-Video Hosidenbuchse und F-BAS Composite, etwa für den gelegentlichen Anschluss von Konsolen, Camcordern etc.). Selbstredend lässt sich ein Kopfhörer anschließen (3,7 mm Klinke, Adapter opional erhätlich). Ein kleiner Kritikpunkt stellt das Fehlen eines Netztschalters dar; der Receiver lässt sich im Gegensatz bspw. zum Onkyo TXSR-600 E nicht vollständig vom Netz nehmen. Aber der Stromverbrauch im Standby-Modus ist denkbar gering. Das gediegene Design und die Verarbeitung des TX-SR 603 überzeugen mich vollauf. Nur die etwas kleinen schwarzen Standfüße mit sich schnell ablösenden Gummistoppern wollen nicht zum Gesamterscheinungsbild passen. Doch das sind nur Details, die die Funktionalität des Receivers in keinster Weise einschränken. Kleiner Tipp am Rande: Im Setup lassen sich die Impedanzen der Lautsprecher einstellen: Wenn auch nur ein Lautsprecher angeschlossen ist, der einen geringeren Widerstand als 8 Ohm aufweist, muss die 6 Ohm Einstellung gewählt werden.
Mit reichlich Anschlüssen und Ausstattungsmerkmalen gesegnet - wie Zone 2 und Viderokonvertierung aller Videosignale auf den HDTV-fähigen 50 MHz beschalteten Komponenten-Ausgang - kann der Onkyo selbst komplexe Systeme integrieren und verwalten (HDMI fehlt leider, selbst in der hinlänglichen Version 1.1). Dazu kommt die hochwertige Fernbedienung mit ausgezeichnetem, exakt definiertem Tastendruckpunkt, die obendrein frei programmierbar ist (Macro-Funktion) und selbst Geräte von Fremdherstellern steuert. Alle wichtigen Parameter lassen sich schnell und unkompliziert über das gut strukturierte OSD am Monitor ablesen. Für den Fall, dass der Receiver nicht mit dem Bildwiedergabegerät verbunden ist, werden die Einstellungen mithilfe des hochauflösenden Punkt-Matrix-Displays vorgenommen. Das Display erscheint in der schwarzen Ausführung in futuristischem neongrün, in der silbernen Variante in edlem Bernstein. Das anschauliche und ausführliche Handbuch hilft den Umgang mit dem Receiver und alle seine Einstellmöglichkeiten zu verstehen.
Die Anschlussterminals auf der Rückseite sind farblich markiert - ebenso wie die analogen Mehrkanaleingänge für hochauflösende SACD- und DVD-A-Wiedergabe - und tolerieren selbst große Kabelquerschnitte wie auch Banana-Stecker. Im Lieferumfang sind zur besseren Inbetriebnahme Abziehsticker beigelegt, welche farblich mit den Anschlüssen übereinstimmen und sich um die Lautsprecherkabel kleben lassen. Eine Besonderheit des Onkyo ist zweifelsfrei die Möglichkeit eine zweite Hörzone einzurichten, die seperat mit unabhängiger Quellenwahl und Lautsärke (Video und Audio) selbst fernbedienbar ist. Dazu können die Lautsprecher entweder direkt am Verstärker angeschlossen werden und benötigen so keine externe Verstärkung, oder aber man entscheidet sich für einen zusätzlichen Endverstärker. Sinnvoll ist auch die Konvertierungsmöglichkeit aller Videosignale auf YUV mit Laufzeitkorrektur und Bassmanagement (TBC), so dass im Idealfall lediglich ein Signalweg zum TV/Projektor anfällt, was sich für freistehende Montore und solche anbietet, die mit wenigen Videoeingängen aufwarten. Schmerzlich ist der Verzicht auf eine Synchronisierungsmöglichkeit von Ton und Bild, das sogenannte LipSync, welches gerade für Besitzer älterer LCDs und Plasmamonitore mit langen Ladezeiten (ca. 25 ms und mehr) ein Grund sein dürfte, den Onkyo zu meiden. Denn bemerkt der Homecineast erst einmal die zeitliche Diskrepanz von Bild- und Toninformation kann er sich in der Regel nicht an diese Unstimmigkeit gewöhnen und nimmt sie so als ständiges Ärgernis wahr. Andere Firmen bieten eine frei justierbare Verzögerung der Audiodaten von 1-200 ms an. Auch misse ich einen 7.1 PreOut, also die Möglichkeit, die beiden Surround- oder Surroundbacklautsprecher von einer seperaten Endstufe zu befeuern, und erschwerend einen Vorverstärkerausgang für die Frontlautsprecher, wenn bspw. eine vorhandene Stereoanlage mit Vollverstärker angebunden werden soll, und wenn es sich zudem um impedanzkritische Lautsprecherlasten handelt, die besondere Verstärkerleistungen benötigen. Hervorragend funktioniert hingegen das automatische Einmesssystem, mit dessen Hilfe sich in ca. 2 min die gesamte Lautsprecherkonfiguration nahezu einwandfrei einpegeln lässt. Ich selbst musste die Messergebnisse nicht weiter korrigieren. Allerdings sei gesagt, dass modernere Receiver auf diesem Gebiet noch mehr an Räumlichkeit und Transparent wie auch in puncto Abstrahlverhalten leisten. Oft kommen drei oder mehr taugliche Messmikrofonie für Messungen an verschiedenen Hörpositionen zum Einsatz, was nicht nur in großen Räumen ein sinniges gimmick darstellt.
Gemessen werden am Onkyo u.a. Lautsprechergrößen, Abstände zum Hörplatz, Senkung der Amplitude für bestimmte Frequenzbereiche, so dass letztendlich das Gesamtklangbild stimmig, homogen und nicht zu basslastig verteilt wahrgenommen wird. So ist mehrkanaliger Film und Musikgenuss unabhängig der Lautstärke gleichbleibend überzeugend, was mich zu den klanglichen Eigenschaften des Surroundreceivers führt.
Der Onkyo TX-SR 603 überzeugt mit natürlicher Klangwiedergabe. Nach erstem Hören fiel mir seine etwas nüchterne Spielweise im sogenannten Pure Audio Mode auf, der sämtliche Videoschaltkreise aussetzt, um Interferenzen zwischen den Bausektionen im Inneren des Receivers zu minimieren. Deutlich musikalischer und harmonischer spielt der Onkyo im Stereo Modus. Der Subwoofer lässt sich mit der DoubleBass Funktion nach Belieben zu- oder wegschalten. Ich selbst höre zu großen Teilen klassische Musik und Jazz. In ersterer Disziplin gefallen mir gerade bei Klaviersonaten von Chopin die fließenden, perligen Übergänge. Nichts wird akribisch in seine Bestandteile zerlegt und dennoch gehen keine Details verloren, wie sie etwa bei Bläsermusik als Tastendrücke und Luftgeräusche vorkommen. Ein tonales Gleichgewicht lässt sich jederzeit heraushören, der Verstärker spielt sauber auf und agiert rapide. Insbesondere die zwischen brütender Trauer langsamer Sätze und der wahlweise grotesk überdrehten Heiterkeit der kompositorisch meisterhaften vierten Symphonie des Dmitri Schostakowitsch (Symphonien 1-15, Ltg: Mariss Jansons, EMI) wird beinahe schon derart realistisch mit breiter Bühne und tiefer Raumstaffelung wiedergegeben als spiele exklusiv das St. Petersburg Philharmonic Orchestra für einen einzelnen Gast. Grelle Trompetenfanfaren, volkstümlicher Walzer, Fugen und Marschmotivik, brutale oder virtuose finale Scherzi, donnernde Paukenschläge, abgründige Passacaglien, unendlich schöne Violinsonaten weiß der TX-SR 603 (geradezu intuitionistisch für das richtige tonale Gespür, wie man sagen könnte - aber bitte keinen naiven Realismus...) gleichsam authentisch in den Hörraum zu übertragen. Bei so hoher Kunst - durchaus auch für einen Receiver aus der unteren Mittelklasse - muss die Kunst der überwältigenden Filmtonwiedergabe als implizit angenommen werden. Und so ist es: Der Filmton erklingt glasklar und strotzt vor purer Kraft bei mehrkanaliger Tonspur, ganz gleich, ob von der DVD direkt gemastert oder intern mit den vielfältigen DSP-Modi aufbereitet. Die räumliche Einbindung der hinteren Direkt - oder Diffusstrahler gelingt perfekt. Der Dolby ProLogic IIx Prozessor klingt teilweise fast dynamisch-packender als so manche unspektakuläre Dolbyspur. Der Onkyo TXSR 603 hat nicht nur für mich persönlich einen Akzent gesetzt.
Post sriptum: Bitte den dünn und fadenscheinig klingenden 604er trotz HDMI bereits in der Einstiegsklasse nicht dem grandiosen 674 vorziehen, obgleich beide Receiver rein äußerlich nicht unterscheidbar sind.