E-book Reader aus dem Reich der Mitte - eine Alternative?
26.01.2010
Pro:
Offener Reader mit immer besser werdender Firmware
Kontra:
Noch zu viele Mängel in der bestehenden Firmware
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Bedienung:
Akkulaufzeit:
Verarbeitung:
Display:
Installation:
 gekothy
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:41
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 64 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Hallo liebe Ciaos! Die Nachricht kam über Google Alerts unscheinbar per e-Mail daher. Ein neuer e-book-Reader, ab sofort über den deutschen Ableger des Holland-Shops http://www.ebookreaderstore.de/ verfügbar mit schon fast sensationeller Ausstattung. Aber bitteschön der Reihe nach.
Einführung in die Thematik - Das "neue" Buch: Wer hat sie nicht geliebt, die mittlerweile schon sehr gelittenen, besabberten, mit zahlreichen Rissen und Eselsohren, mit Buntstiften bemalten und vom Grau- und Gelbpilz eingefärbten Märchenbücher aus Kinderzeit. Ja, ein Buch ist ein Buch, es lebt mit uns mit, begleitet uns, leidet mit uns und gehört zu sinnreichem Leben unverzichtbar dazu.
Das elektronische Papier, der e-book Reader ist eben nicht vergleichbar mit dem Lesen am PC-Bildschirm. Selbst in brillianter LCD Qualität ist das Lesen am beleuchteten Bildschirm anstrengend und ermüdend. Jeder, der hier bei Ciao liest, weiß das. Ganz anders dagegen die e-ink-Technologie. Mit leicht graustichigem Weiß im Hintergrund ist eine klare Schrift zu erkennen, die wie beim normalen Buch weder ermüdet noch anstrengend ist. Nur wer im Original einen e-book Reader betrachten konnte, wird den gravierenden Unterschied zu den PC-, PDA/Smartphone- und Laptopbildschirmen sehen. Die Folgerung ist eben auch wie beim Buch in Papierform, dass nur bei ausreichend Licht gelesen werden kann. Umgedreht, auch die sommerliche Helle, selbst bei Sonnenschein, beeinträchtigt nicht das Lesevergnügen am Reader. Einzig und allein die "1-Seitentechnik" der Reader ist anfangs gewöhnungsbedürftig.
Auswahlprozedere: Deutschland ist wieder auf dem besten Weg, den nächsten großen Trend zu verschlafen. Da fällt mir sofort mp3 ein, hier waren wir sogar die Erfinder und heute gibt es nicht einen einzigen Hersteller aus D, der einen brauchbaren Player produziert. Dasselbe droht bei den e-book Readern. Die hoffnungsvolle Berliner Innovation des Txtr begann euphorisch (Vorbestellungen konnten aufgegeben werden, der einzige Reader mit WLAN und fast allen Formaten). Die Ernüchterung folgte. Schlimm, ganz schlimm, kurz vor Auslieferung der Geräte teilte die Firma ihren Kunden mit, dass aus Kostengründen ohne WLAN ausgeliefert wird (der Preis konnte um 20 Euro gesenkt werden). Eine dümmere Kundenverarsche gibt es nicht, die Entscheidung muss schon lange vorher wegen technischen Problemen bekannt gewesen sein, mit der vorgeschobenen Preissenkung hatte das nichts zu tun. Fast ein Ko-Kriterium, wenigstens UMTS/EDGE blieb. Da ich aus Testgründen schon vorbestellt (November) hatte, warte ich leider heute immer noch auf das Kaufangebot von Txtr.
Die Platzhirsche Amazon (Kindle) und Sony konnten ihre Vorstellungen von Kundengängelei, ähnlich wie Apple, wieder mal frei ausleben. So verkauft zwar Amazon seinen Kindle in D, aber bisher kaum deutsche Bücher. Jetzt soll sich ja was ändern. WLAN? Fehlanzeige. Amazon hat ein eigenes System, was sogar aus der Ferne Bücher beim Anwender löschen kann - nein danke BIG BROTHER. Sony bietet in D gar nicht erst WLAN an. Ganz zu schweigen von einem Reader-Browser, um gezielt nach Begriffen oder weiterführenden Erläuterungen beim Lesen zu suchen oder (staune, staune) einfach in JEDEM x-beliebigen Shop weltweit elektronische Bücher zu kaufen. Ist das so schwer zu verstehen? +++KRITERIUM 1 - WLAN, als Alternative UMTS/EDGE, aber ohne zusätzliche Monatskosten.
WLAN ist zu Hause (und da will ich meine Bücher holen) fast bei allen Providern vorhanden. Eine "Befüllung" des Readers nur mit Hilfe eines PCs und einem Kabel ist einfach nicht mehr zeitgemäß, vor allem wenn man bedenkt, dass Bücher nur eine geringe Größe (im Gegensatz zur Musik) haben und daher schnell geladen werden können. +++KRITERIUM 2 Vielfalt der Formate
Das zweite unabdingbare Kriterium war die Vielfalt an lesbaren e-book Formaten. Da wollte ich keine Kompromisse eingehen. Ein zweites iTunes sollten wir Kunden verhindern. e-books müssen in ihrer Vielfalt auf ALLEN Readern zu lesen sein. Bestimmen wir durch unser Kaufverhalten mit, dass dies auch geschieht. PDF, TXT, HTML, E-PUB, mobipocket muss sein, wer die nicht alle kann, fliegt raus. Wer noch zusätzlich was kann, her damit. Hier meine Übersicht (Formate und Übertragungsweg), die ich zur Auswahl recherchiert hatte (Stand Dezember 2009 in Deutschland zu kaufen): Txtr (der Hoffnungsvolle aus Berlin, dem die Puste auf der Zielgeraden etwas ausging) epub-pdf-txt-rtf-Word UMTS/EDGE
Kindle (Der Apple/iTuneszwang made by amazon) azw (Amazonformat)-txt-mobi-prc UMTS/EDGE Kindle DX (siehe oben, nur größeres Display) azw (Amazondiktat)-pdf-txt-mobi UMTS/EDGE
SonyPRS 700 (Verweigert konsequent einen Internetzugang in D) epub-pdf-txt-rtf-Word-BBeB Book PC und Kabel Sony 505 (siehe oben) epub-pdf-txt-rtf-Word-BBeB Book nur PC und Kabel
Sony 300+600 (siehe oben) epub-pdf-txt-rtf-Word-BBeB Book nur PC und Kabel IRex ILIAD (Wäre eine Option, aber zwischen 500-fast 700 Euro teuer) pdf-txt-prc-html WLAN + LAN BeBook (Spitzenreiter in den Formaten) epub-pdf-txt-rtf-Word-mobi-prc-lit-tb2-html-djvu-wol-ppt-mbp-chm nur PC und Kabel
Bookeen Cybook (Mein Bericht sollte genügen) pdf-txt-mobi-html nur PC und Kabel Adasys epub-pdf-txt-fb2-html-chm-mobi-prc nur PC und
Bilder von Onyx Boox 60 Wi-FI
Kabel
Etaco jetBook epub-pdf-txt-rtf-fb2-mobi-prc nur PC und Kabel Interread Cool-er epub-pdf-txt-rtf-fb2-html-prc nur PC und Kabel
Onyx book 60 epub-pdf-txt-rtf-fb2-html-mobipocket (geplant Word-Excel-Powerpoint) WLAN und als einziger Reader einen Webbrowser (Webkit). Steckplätze für SD Karten haben alle im Angebot. Die Auswahl fiel auf den Onyx Boox.
Der Onyx e-book Reader: Die Spannung war groß, was erwartet mich aus einem Land, dass oft als "weltbester" Kopierer/Nachbauer westlicher Hightech-Produkte nicht gerade einen guten Ruf hat. Nach dem Auspacken die erste Überraschung. Ein unerwartet schicker, stabil und sauber verarbeiteter Reader lag schwer in meinen Händen (wieder meine unbestechliche Lidlwaage = 310 g). Die Farbe im trendigen Kindle-Weiß, sparsame Hardwareknöpfe und keineswegs klobig oder unhandlich. Das gibt es zunächst als Bilderreigen, da Fotos noch rar im Net sind. Der Reader hat die Größe 12,1cm x 19,8cm und ist ca. 5mm, an den Anschlussstellen ca. 1 cm dick. Das Display misst 9,2cmm x 12,4 cm.
Inbetriebnahme Displaydarstellung und Menüstruktur: Die Inbetriebnahme war eigentlich kein Problem. Nach ein paar Grundeinstellungen (Datum, Zeit, Sprache) war der Reader einsatzbereit. Erste Kritik, die Einstellung der Sprache kann man sich eigentlich sparen, egal, welche Sprache gewählt wird, es werden immer die englischen Bezeichnungen verwendet. Was ich rausbekommen habe, dass wenigstens einige Formate wie in D üblich angezeigt werden (Datum, Zeit). Hauptmenü: Library (Bibliothek auf dem Hauptspeicher des Readers). SD Card (Bibliothek auf der SD-Karte). Recent Documents (zuletzt verwendete Dokumente). Shortcuts (ähnlich der Makrofunktion bei Office) - Einrichtung klappt, Fehler - löschen nicht möglich). Notes (Notizbuch) - schöne Spielerei, erinnert an Kindermalprogramme auf dem Handy. Settings (Einstellungen). Web Sites (Webseiten).
Hersteller- und Forum-Seite: http://www.onyx-international.com Fremdsoftware (geplant sind diverse Erweiterungen): http://sites.google.com/site/booxpowerpack/home Forumseite nur Boox: http://booxusers.com/
WLAN: Es geht doch. Nach Aufruf der angebotenen Internetseiten (zur Zeit Google, Wikipedia, Onyx-Hompage und Adobe), sucht der Reader, erkennt mein Home-WLAN, fordert die Kennung=WLAN-Schlüssel (Eingabe über virtuelle Tastatur) und fertig. Nervig und gewöhnungsbedürftig. Jedesmal, wenn man neu auf eine Website geht, sucht er wieder das Netz, erkennt es, dann muss man es anhaken und danach baut er die Verbindung auf. Vielleicht hat es den Sinn, dass in "fremden Gegenden" automatisch die Suche erfolgt. Den Schlüssel, also die Kennung merkt er sich.
Das WLAN kann über einen kleinen Schiebeschalter deaktiviert werden. Eigentlich nicht schlecht, aber der Schalter erinnert mich an wacklige Billigschieber, die sich unbeabsichtigt allein verstellen. Das ist mir dann auch passiert. Da der Boox immer erst WLAN nach anhaken aufbaut, stellt sich für mich die Frage, wozu der Schalter dann da ist.
Webbrowser: Die Verbindungen in das Net ersetzen nicht den PC, das sollte jedem klar sein. Die schwarz/weiß-Darstellungen, der recht langsame Aufbau der Seiten (erinnert an ISDN-Zeiten), bedingt durch die Technologie ist gewöhnungsbedürftig. Aber ich will ja in erster Linie Bücher ordern, oder mal schnell eine Information zu den gerade im "Leseprozess" befindlichen Büchern bekommen. Nicht sauber programmiert, bei Einstellung Sprache deutsch und Aufruf Google, kommt deutsch, aber nicht bei Wiki, dort wird immer die englische Seite angezeigt. Man kann dann ja die Sprache wechseln (Bookmark setzen), aber das müsste nicht sein.
Bücher, Texte und mehr Lesbares: Ich habe verschiedene Formate getestet mit folgendem Ergebnis. Uneingeschränkt werden bisher gelesen: epub txt mobi pdf htl Nicht gelesen werden können prc-Dateien, also die kopiergeschützte Variante von e-books von Mobipocket. Der Hersteller lässt durchblicken, dass er demnächst die Officepalette auch anbietet (Word, Excel, Powerpoint).
Richtig gut die Ordnungsmöglichkeiten. Ich kann eine frei wählbare Struktur auf der SD-Karte oder im Reader selbst erzeugen (am besten am PC, da die SD-Karte und der Reader als externe Laufwerke erkannt werden). Dann kann ausgewählt werden, normale Listenanzeige (Buchtitel, e-Book-Format, Größe und wann aufgespielt), Detailansicht (Icon des e-Bookformats, Buchtitel, aufgespielt, wie oft darin gelesen, aktueller [gelesener] Seitenstand) und die Anzeige als Buchcover mit dem Namen (verkürzt). Die Sortierung kann nach Titeln, Autoren, nach Größe, nach e-Book-Typen und ähnlich wie bei mp3-Playern nach Sternen sortiert werden. Dazu können in der Buchübersicht 1-5 Sterne für die einzelnen Bücher vergeben werden.
Kapazität: Der Gerätespeicher mit seinen 512 MB hat schon ein enormes Potential an "Büchervolumen". Um nochmals einen Überblick zu geben, wieviel Speicherplatz Bücher brauchen, ein paar aktuelle Beispiele: Orwell 1984 (englisch) in txt = 585 KB Max und Moritz (mit Bildern) epub = 6,06 MB J. Verne, Reise zum Mittelpunkt der Erde epub = 5,5 MB D. Defoe, Robinson Crusoe epub = 1,23 MB Wallraff, Aus der schönen neuen Welt epub = 3,32 MB Struwelliese (ähnlich Struwelpeter) pdf = 702 KB Mann, Buddenbrooks = 1,12 MB.
Der Reader kann SD-Karten bis 32 GB lesen. In der Lieferung liegt eine 2 GB Karte mit dabei, die reicht schon für den Anfang, so viel Auswahl gibt es ja in D noch nicht. Getestet habe ich bis 16 GB, was ohne Probleme funktionierte.
Darstellung und Navigation, Bedienung des Touchscreens: +++ LESEN-GESCHWINDIGKEIT-STIFTBEDIENUNG-TASTENBEDIENUNG+++ Beim Einschalten vergehen 20 Sekunden, dann ist der Reader startklar. Die Navigation geht etwas gemächlich vonstatten. Ein schneller Reiter ist der Boox nicht. Der Tochscreen lässt sich sowohl mit dem am Gehäuse eingesteckten Stift als auch mit den Tasten bedienen. Der Stift ist kein Nachteil, im Gegenteil, der Touchscreen ist angenehm blendfrei und kaum von nicht touchscreenfähigen Readern zu unterscheiden. Kritikwürdig, dass die Stiftbedienung manchmal hakelt, d.h. man muss etwas rumfummeln, öfters antippen, bis der Befehl erkannt und ausgeführt wird. Das ist auf die Dauer nervig. Die Tasten dagegen (außer WLAN ein-aus) schalten knackig und bereiten keine Probleme. Beim epub-Lesen kann eine Notiz (Anmerkungen) sofort nachgeschlagen werden (springt zum Buchende auf die richtige Notiz), aber zurück geht es nur umständlich über einen Rückpfeil im Menü, nicht mit den Hardwaretasten. Oder (auch umständlich), man muss sich die Seite merken, da der Boox eine "Gehe zur Seite"-Auswahl bietet.
+++TOUCHSCREEN+++ Der Touch ist vom Marktführer Wakom, also vergleichbar mit den Großen Amazon und Sony. Aber auch hier gilt. Die Schrift ist zwar angenehm klar und sehr gut zu lesen, aber der Hintergrund ist kein "echtes" weiß, eher vergleichbar mit einem Tageshimmel, der, völlig bedeckt, ein gleichmäßiges grau-weiß zeigt und oft vor Schneeschauern so aussieht. Auch das Umblättern ist etwas träge, kurzes Flackern und die neue Seite baut sich auf. Man gewöhnt sich schnell daran. Typisch für alle zur Zeit auf dem Markt befindlichen Reader, dass beim Seitenwechsel auf der neuen Seite manchmal die Schatten der Vergangenheit (vorherigen Seite) leicht grau auftauchen. Auch das stört nicht wirklich. +++SCHRIFTEN+++ Die Schrift ist nicht so tiefschwarz wie beim "richtigen" Buch, aber durchaus sehr angenehm. Ein Vorteil zum Gedruckten, die Schriftart und vor allem die Größe können ohne Probleme und in zahlreicher Auswahl eingestellt werden (mehrere Schriftarten, Anpassungen der Schriften über die herkömmlichen Größen oder prozentual). Das funktioniert aber nicht bei allen Buchformaten. Ein System habe ich nicht erkannt. Jedenfalls konnte bisher jedes Buch auf meinem Reader in unterschiedlichen Schriftgrößen dargestellt werden.
Suche und mehr: Sehr gespannt war ich auf die Lösung eines integrierten Wörterbuches. Ja, es klappt, aber mit Einschränkungen. In einem Rootverzeichnis (dicts\dic_a müssen die 3 Dateien des (noch) einzigen Anbieters, den der Boox verarbeiten kann, nämlich stardict (gibt es aber auch eine deutsche Fassung eines Wörterbuches) eingespielt werden.
Wie funktioniert das jetzt konkret. Man geht im geöffneten Buch in das Menü, dann Tools und dann Dictionary Lookup. So kann man jedes Wort markieren und das Wörterbuch zeigt das Ergebnis an. Das Ganze ist bei weitem noch nicht ausgereift. Steht das zu suchende Wort am Ende der Seite, kann es passieren, dass es durch das Menü des Wörterbuches verdeckt wird, dann geht es halt nicht, da keine Verschiebung des Menübildes möglich ist. Auch gibt es zahlreiche Wörter, die das magere stardict (ca. 50.000 Wörter) nicht kennt, ägerlich, da damit diese gute Funktion an Bedeutung verliert (Beispiele der Nichterkennung Flor, Gekeif, Fitsche und viele viele weitere Wörter). Man kann in jedem E-book-Format Lesezeichen setzen. Die Lesezeichen werden übersichtlich in einer Tabelle dargestellt. Negativ auch das veraltete Handbuch, nur in Englisch verfügbar und nicht auf dem neuesten Stand der Firmeware.
In einigen Büchern (auch hier kein System erkennbar) geht es, dass per Hand Markierungen oder eigene Notizen gemacht werden können (Annotations). In den von mir getesteten Büchern war meist nur eine Markierung möglich, die dann wieder in einer übersichtlichen Liste aufgerufen werden konnte. Wenn die handschriftliche Variante funktioniert, können Kommentare, Kreise oder andere handschriftliche Zeichen in und um den Text geschrieben werden. Manchmal reichte bei meinen Tests schon die Schriftgrößenänderung, um diese Funktion nicht mehr nutzen zu können. Auch hier Firmwaremängel und damit verbesserungswürdig.
Kauf von e-books direkt mit dem Boox Der Anbieter verkündet, dass das Adobe-Digital-Rechte-Management (also der DRM-Schutz) im Boox integriert ist. Das sollte doch einen Test wert sein. Hier muss auch wieder mit der noch fehlerhaften Firmware angefangen werden, da Internetseiten zur Zeit nur über den Umweg Google aufgerufen werden können. Ich habe ein Buch über Libri und ein Buch über Ciando, zwei große E-book-Anbieter, gekauft. Tatsächlich, das Erkennen der digitalen Rechte und ein problemloses Herunterladen in ein vom Boox automatisch angelegtes Verzeichnis klappten ohne Murren. Die Bücher habe ich dann in meine Verzeichnisse auf der SD-Karte einsortiert, auch das funktionierte, die Rechte merkt sich der Boox. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis in einer neuen Software beliebige Shops eingerichtet werden können und dann frei nach Kundenwunsch gekauft werden kann. Das stimmt mich schon etwas optimistisch.
Musikplayer Ein paar GB meiner reichlich vorhandenen MP3-Musik aufgespielt, es geht. Ein einfacher Musikplayer (Abspielen, in Reihefolge, Zufallswiedergabe und die üblichen Stadard-Funktionen nächster Titel, vorhergehender, Stopp, das war es schon. Keine Tags kann er lesen, auch keine Anzeige von Albencovern, noch nicht mal der aktuell gespielte Titel wird angezeigt. Aber die Lautstärke kann man bis zur Trommelfellplatzung aufdrehen (ich habe es nicht bis zum Anschlag geschafft), keine Lautstärkebegrenzung wie beim iPod. Der Klang ist in Ordnung, viel Bass bringt er nicht.
Akku: Da Surfen über den Reader keinen Spaß macht, kann man diese Funktion sparsam einsetzen und der Akku hält auch hier, was bei anderen Readern üblich ist. Stromverbrauch nur beim Blättern und das läßt den Akku mindestens 2 Wochen durchhalten.
Ich habe in der ersten Woche viel herumgespielt, aber bewusst den Reader nicht am PC angeschlossen, sondern nur direkt die SD-Karte bearbeitet. Nach Ablauf der Woche war der Akku fast runter (1 Strich von 5). Wer "nur" regelmäßig liest wird sicher weit über eine Woche kommen. Aber das ist ja kein Problem, wenn ich an meine Apple- und Blackberryspielzeuge (Touch und Storm 2) denke, die schlimmer als ein Tamagotschi, fast jeden Tag gefüttert werden müssen.
Preis und Lieferumfang: Der Preis ist mit fast 350 Euro zu hoch. Aber da wird in den nächsten Monaten etwas passieren. Habe bei den Holländern schon einen Shop gefunden, der ihn für 299 verkauft.
Der Lieferumfang ist okay. Eine (wenn auch nicht sehr schöne) Ledertasche, die keine perfekte Passgenauigkeit hat, ein Netzteil mit D-Stecker, das Kabel für den PC-Anschluss und eine 2 GB SD-Karte liegen im Lieferkarton. Wie heute überall üblich nur ein rudimentäres Bedienerheftchen (Quick Start Guide), das ohne Nutzung des Handbuches im Internet, eine sinnvolle Nutzung des Readers nicht ermöglicht.
Hardwareprobleme Wahrscheinlich bin ich der "Hardcore-Kunde" schlechthin. Durch mein Ausprobieren nach allen Richtungen habe ich meinen Boox zum Dauertiefschlaf gebracht. Er ließ sich nicht mehr zum Leben erwecken. Keine Resettaste, kein Batterieabklemmen, nichts half. Zurückgeschickt und anstandslos einen Neuen bekommen. Man muss, um einen Reset zu machen, die weiße Viertelschale auf der Rückseite entfernen. Sehr mühsam, aber mit zunehmendem Mut und einem Plastikmesser in der Hand konnte sie entfernt werden. Nach oben unter "leichter Gewaltanwendung". Dann können zwei kleine Schrauben gelöst werden und der Aludeckel kann nach unten abgenommen werden. Dann hat man freien Zugang auf die Batterie, die durch einen Stecker entfernt werden kann (siehe Foto).
Fazit: Wer heute schon nach drei Monaten ein technisches Gerät im Archiv der Hersteller suchen muss, weil es veraltet ist, erwartet schon lange keine ausgereifte Technik, hier Firmware, mehr. Das Konzept ist hervorragend, offen und bisher reagiert der Hersteller recht zügig, so dass der Eindruck entsteht, dass Onyx hier noch einiges ändern wird. Die Macken im Bedienkonzept (ausschließlich Firmwaremängel) sind ärgerlich, aber der Preis dafür, wenn man zu den Testern gehören will, die dafür auch noch stolze Summen ausgeben. Ich gehöre dazu und kann nur die Empfehlung aussprechen, noch etwas zu warten. Trotzdem ein knappes Gut in der Gesamtwertung. Es wird in diesem Jahr eine Reihe neuer Reader kommen, die Preise werden fallen und die Kundenakzeptanz sich erhöhen.
Noch während ich diesen Bericht erarbeitete, gab es reichlich Diskussion in den Foren und erst vor wenigen Tagen die Ankündigung, das der Onyx, umgelabelt zum BeBook Neo (wie das geht, fragt mich nicht) demnächst auf den Markt kommt. Die findigen Holländer der Firma Endless Ideas versprechen bessere Firmware bei einem Preis unter 300 Euro. Da lass´ ich mich überraschen. Generell aber der ewigen Diskussion Buch oder e-Reader möchte ich entgegenhalten:
Warum wollen wir uns Neuem verschließen? Auch die Schellackplatte lebt heute noch, erst Recht die dunklen großen Plastikscheiben. Die CD wurde anfangs auch verflucht und hat heute schon wieder ihre besten Zeiten hinter sich. Ich höre nur noch mp3-verhackstückelte Musik und bereue nichts. Ein altes oder ein neues Buch in die Hand zu nehmen und es wirken zu lassen wird durch die neue Technik weder altmodisch noch abgeschafft. Ich verwette meine ganze Hütte darauf, dass sich die e-book Reader weltweit durchsetzen und zum selbstverständlichen Medium für Bücher, Texte und Zeitschriften werden. Wenn auch nur ein Einziger unserer Nachwuchsgeneration damit zum Lesen gebracht wird, ist das Ziel schon erreicht. Gott bewahre uns vor Menschen, die kein Buch, egal in welcher Form, lesen.
Der (fast) freie Zugang zum Internet ist beim Onyx noch einzigartig in der bisherigen Readerwelt und zeigt in die Zukunft, dass der KUNDE frei entscheiden kann, WO er seine Bücher kauft. Die Wörterbuchfunktion ist sinnvoll, wenn man mal wieder mit Fremdwörtern gespickte Literatur liest und es eben gleich wissen will. Ja und mir gefällt halt einfach das Lesen am Reader, alles beisammen, ich kann hin- und herwandern, ohne großes Suchen und Überlegen, wo ich wieder das bestimmte Buch versenkt habe. Ich wünsche mir alle verfügbare Literatur auch elektronisch und ich bin so verrückt, Bücher in Echtform zusätzlich in Eform zu erwerben und dafür auch wieder zu bezahlen. Dass heute e-books fast so viel kosten wie die echten Bücher ist nicht akzeptabel und wird sich ändern. Wer jetzt immer noch nicht überzeugt ist, bitte, hier ein unschlagbares Argument, sauber in einer englisch-deutschen Übersetzung aufgeschrieben:
Umweltschutz Dank den extrem - Schwachstromverbrauch der Epapier Technologie, jetzt können Sie für Wochen mit einer Gebühr lesen, und Bücher können ohne verringernde Bäume produziert werden. Wir möchten Abholzung und Verunreinigung verringern, indem wir grüne Technologie fördern. Verbinden Sie uns! [Original von: Alibaba.com in der dort gebotenen deutschen Übersetzung].
Das Extra - mein Ausblick zum 1.3.2015 Springer bietet ab Januar seine Welt kompakt im beliebten handlichen Format als Online-Version mit dem Namen "Welt aktuell" an. Der schicke, flexible Reader im gleichen Format (30 x 40 cm) wird kostenfrei zum Abo geliefert. Er hat ein farbenreiches, brilliantes Mirasol-Display vom Marktführer Qualcomm. Im Inneren werkelt der neueste Intel Core HighEnd Prozessor, der die in die e-Zeitung eingebundenen Dokumente flüssig anzeigt und für HD-Genuss der Videodarstellung sorgt. Das neue, von Apple für Alle freigegebenen, nahezu verlustfreie, aber speicherschonende AAC-Musikformat sorgt selbst für geübte Musikkenner für sauberen, weichen, aber mit notwendiger Bassstärke versehenen Klang. Der Flashspeicher mit 254 GB Kapazität lässt uns den leidigen Speichermangel vergessen. Selbst bei Vollnutzung wird eine Woche Akkuleistung garantiert.
Das Vollabo kostet 400 Euro im Jahr, ein Wechsel von der Onlineversion zum Papierformat und umgedreht ist jederzeit durch den Kunden möglich. Bei beiden Abos gibt es für die zweite Variante einen Preisnachlass von 50%. Springerchef Claus Kleber gab in einem ersten Interview zur neuen Zeitung bekannt, dass schon im ersten Monat über 5.000 Abos geordert worden sind. Bekannt wurde ebenfalls, dass Aldi den "Volksreader" zum Kampfpreis von 49,90 Euro in ausreichender Menge ab nächster Woche in seinen Filialen anbietet. Das Gerät ist mit allen zur Zeit gängigen Formaten von e-Books kompatibel, hat Internetverbindung (WLAN und den mittlerweise bundesweit verfügbaren schnellen LTE (Long Term Evolution) Standard für Mobilgeräte. Das Grafikdisplay von Wakom bietet ein kontrastreiches tiefschwarzes Schriftbild. Der Akku hält selbst bei täglichem Lesen einen ganzen Monat lang. Auf Farbe muss bei diesem Preis der Kunde allerdings (verständlicherweise) verzichten.
Mit elektronischen, aber immer noch herzlichen Grüßen gekothy Technische Daten Maße: 18,9cm * 11,8cm * 1,1cm Gewicht: 290 g Prozessor: Freescale 512MHZ OS: Linux 2.6 Bildschirm: 6 '' E-ink Graustufen: 16 Touchscreen: ja, Wacom Touch Screen Stift Handschriftliche Notizen: Ja Sound-Formate: MP3, Wave Grafik-Formate: jpeg, gif, tiff, bmp, png Ebook Formate: PDF, ePub, txt, html, fb2, mobipocket (kein-DRM) (nächstes Firmware-Update: Word, Excel und Powerpoint) Adobe DRM Zertifizierung: Ja, ePub und PDF Musik Player: Ja WiFI: Ja 3G: nein Internet browser: Ja, Webkit browser Email: nein USB: Mini-USB Eingebauter Speicher: 512mb, 2GB Inbegriffen Speicherkarten: SD, bis 32GB Akku: Li-ion Akku, 1700 mAh Akkulaufzeit: ca. 10.000 Seiten Menüsprachen: Deutsch, Englisch, Niederlandisch, Französisch, Chinesisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch, Russisch Gewährleistung / Garantie: 24 Monate
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
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16.01.2011 20:19
Super Bericht! Er wird mir sehr bei der weiteren Auswahl meines künftigen Readers helfen!
08.08.2010 22:24
ich glaube, den hol´ ich mir - auch mein LG GD900 hat Software- Schwächen...na und ;-) Mfg
09.03.2010 22:19
ich habe kein b.h. mehr frei, hoffe, morgen daran zu denken.Ich habe einen Sony Reader, aber es gibt bisher wenig gute Inhalte dafür (geht nur gut mit epub). Naja, außerdem: ich liebe natürlich echte Bücher (aber so ab und an im Urlaub ist ein ebuch gar nicht dumm).