Ich will nicht in einem OPEL sterben !
4. Feb 2004
Pro:
Platz, Preis, Ausstattung, Komfort
Kontra:
keine
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Zuverlässigkeit:
Fahreigenschaften:
Bedienung:
Platzangebot:
mehr
 thomas_kretschmer
Über sich:
Geb.1966/190cm/77kg ; poaaaah, schon widda 13 Cent verdient, ich werd' noch reiiiiiiiisch !
Mitglied seit:17.12.2003
Erfahrungsberichte:130
Vertrauende:31
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 44 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Ich berichte hier hautnah über einen 1993er Automatik-ASTRA , in welchem ich im Rahmen meiner Fahrgemeinschaft das Vergnügen habe, regelmässig auf dem Beifahrersitz platznehmen zu dürfen. Dieses Auto ist bestimmt einmalig, wie dieser Bericht unangreifbar beweisen wird. Einen vergleichbaren ASTRA gibt es auf der ganzen Welt bestimmt nicht. Beurrrrrrtaaaiiiluuuung
Ich weiß gar nicht so recht, wie ich ein so altes und leider heruntergekommenes Auto mit über 300.000 Kilometern auf der Uhr technisch beurteilen soll. Die Fahrleistungen sind bescheiden, weil viel Kraft im Drehmomentwandler des Automatikgetriebes versiegt, reichen aber voll aus. Die Geräuschdämmung ist prima und die Bedienung gibt keinerlei Rätsel auf. Das Design möchte ich für die neunziger Jahre als sehr gelungen bezeichnen. Das serienmäßige Cassettenradio aber ist eine bescheidene Krächzkiste, mit der man aber auch leben kann. Geld regiert die Welt – aber nicht den ASTRA-Fahrer
Einen ASTRA – Fahrer jedenfalls lassen Geldfragen kalt, denn alle ASTRA-Versionen ( außer GSI ) haben moderate Typklassen in Haftpflicht-, Teilkasko- und Vollkaskoversicherung ( ab TK 13 ). Die Caravan-Versionen liegen teilweise etwas höher, aber auch noch im normalen Rahmen. Dafür entschädigen sie mit einem Laderaum, welcher ungefähr genauso groß ist wie jener des OMEGA ( Gott habe ihn seelig ! ). Der Spritverbrauch ist allgemein o.k., vorbildlich ist die nur kurzzeitig angebotene 1,2 Liter 16 V-Version mit 65 PS in der Ökovariante ( längeres Getriebe, aerodynamische Ooptimierungen, rollwiderstandsarme Bereifung ). Ältere Dieselversionen haben miserable Dieseltechnik. Man sollte beim Dieselkauf sich auf neuere Gebrauchtexemplare beschränken. Ein Sechs-Gang-Getriebe, wie man es in High-Tech-TDI-Pumpedüse-Golfs ( was für`n Wort ) findet, gibt es aber leider nicht, denn OPELs Philosophie war stets, noch mehr als Volkswagen „Brot- und Butter-Autos“ zu bauen unter Verzicht auf moderne Features. Der Wiederverkaufswert ist im Vergleich zu Wettbewerbern sehr gut. Besser ist nur noch der VW GOLF , der aber auch pauschal 500 – 1.000 € teurer beim Neupreis ist. Qualität oder nicht Qualität – das ist die entscheidende Frage
In den achtziger und neunziger Jahren verursachte die schlechte Fahrzeugqualität einen erheblichen Vertrauensverlust der OPEL-Kunden. Das hier beschriebene Exemplar jedoch ist eindeutig ein gutes Exemplar ( abgesehen von
akzeptablem Rostbefall ), sodaß ich von einer sehr großen Qualitätsstreuung in der Autoproduktion ausgehe, wie es sie im übrigen auch beim GOLF gab. Von zahlreichen anderen OPEL-Besitzern habe allerdings ziemlich traurige Meinungen gehört, die eine eindeutige Sprache sprechen ! Weiße Weste
Das Fahrzeug meines Arbeitskollegen und damit Chauffeurs hat gewiß seit vielen Jahren keinen Schwamm mehr gesehen. Der Lack, dessen Farbe „Weiß“ man nur noch ahnen kann löst in mir als Profiautopfleger bei jedem Anblick aufs neue grenzenloses Mitleid aus. Dem Besitzer, der aus mir vollkommen verständlichen Gründen anonym bleiben möchte habe ich schon angeboten, einmal über seine Motorhaube „Pippi“ machen zu dürfen ( Verzeihung ), weil allein schon damit ein erheblicher Reinigungseffekt verbunden wäre. Er hat es bislang abgelehnt, aber ich gebe die Hoffnung nicht auf. Klarer Blick ?
Die Scheiben kann man als solche nicht mehr bezeichnen, denn normalerweise müsste man ja durchschauen können. Statt dessen bietet sich auch bei Sonnenschein stets ein milchig-nebliger ...... also mir fehlen hier einfach die Worte. Ich verzichte auf weitere Ausführungen im Vertrauen auf eure Phantasie. Die Scheibenwischer habe ich selber und natürlich gegen den Willen des Besitzers und auf eigene Kosten vor vielen Jahren einmal gewechselt. Inzwischen sehen sie so fertig aus, das ich demnächst wohl wieder in mein Portemonnaie werde greifen müssen. Niemand muß verhungern !
Wird man einmal versehentlich oder absichtlich in diesem ASTRA eingeschlossen, muß man keinen Hunger- oder Dursttod befürchten. Vom Teppich kann man kiloweise Krümel aller Art aufklauben und die bereits beschriebenen Scheiben neigen derart stark zum Beschlagen, dass man stets genug Feuchtigkeit an der Innenseite ablecken könnte ( Maaaaaaaaaaalzeit ! ). Auch Kleingeld in Währungen, deren Namen seit Jahren schon die meisten vergessen haben findet sich überall. Der OPEL ist in gewisser Hinsicht eine Spardose. Fahnenappell auf dem Armaturenbrett
Auf oder besser gesagt in dem Armaturenbrett, welches aus geschäumtem Kunststoff besteht stecken mehrere Werbefähnchen einer Käsefirma, die ich natürlich hier nicht nennen darf. Die Fahnenstangen bestehen aus einem spitzen Zahnstocher, die vom Besitzer des Autos in den Armaturenkunststoff gestoßen bzw. gebohrt wurden, wahrscheinlich ohne Betäubung und in sadistischer Absicht. So was hat dieser treue OPEL wirklich nicht verdient. Aber nicht nur durch diese Menschrechts- , pardon Autorechtsverletzung demonstriert der Wagenbesitzer seine geringe Wertschätzung gegenüber dem Automobil. Türen werden grundsätzlich nur per Fußtritt zugetreten, das Krachen der staubtrockenen Türscharniere ähnelt einem Schmerzensschrei. Ich habe ( heimlich und gegen den Willen des Autobesitzers ) schon einmal Graphitfett auf die Scharniere geschmiert, um die Schmerzen des bedauernswürdigen ASTRAs zu mildern. Die Rücksitzbank – das Grauen hat einen Namen : Messie
Nachdem die Zustände auf der Rücksitzbank inzwischen Ausmaße angenommen haben, für deren Beschreibung selbst ich um Worte ringen muß, bot ich dem Besitzer eine psychiatrische Beratung an, die er aber entschieden ablehnte. Dies überraschte mich überhaupt nicht, denn bei echten Psychopathen fehlt regelmäßig die Krankheitseinsicht, was die Therapie erheblich erschwert. Meine Diagnose lautet „Schweres, fortgeschrittenes und irreversibles Messie-Syndrom“. Meine Medizinische Prognose beschreibe ich mit „austherapiert“ , zu deutsch „hoffnungslos“ ! Die Krankheit verläuft teilweise schubweise, begleitet von einem ständigen Anwachsen der Symptomatik. Die Krankheitsursache ist vollkommen unerforscht, sodaß wenn überhaupt behandelt werden kann, nur eine reine symptomenbezogene Therapie möglich ist. Ich denke, die Krankheit wird vielleicht den Namen des Patienten tragen : Das „Müller/Meyer/Weber – Syndrom“ ( Name vom Redakteur geändert ) und an Forschungsinstituten und Universtitäten für interessante Vorlesungen sorgen !
Doch welche erschütternden Zustände sind es, die man beim Blick in den Fond sieht ? Tonnen von alten Zeitungen, Kartons, Essensresten, Flaschen, Tüten, sonstigen Verpackungen aus der Vorkriegszeit usw. Ein Sitzplatz ist noch halbwegs frei. Wer sich aber dort hinsetzt, ist von akuter Verschüttungsgefahr bedroht, insbesondere in Kurven, wenn der Müllberg in Bewegung gerät. Unberechenbare Lawinen bereiten dem hilflosen Mitfahrer, der ohne Chance auf Flucht quasi eingeschlossen ist von Sitzlehnen und Müllberg und Seitenwand ( der ASTRA ist ein Dreitürer ! ) einen schrecklichen Tod. Noch nie hat ein Mensch es gewagt, den Müllberg abzutragen, denn man scheut sich davor, die vielen verschütteten Opfer zu bergen, die in den letzten Jahren den Fehler gemacht haben einzusteigen und zum wehrlosen Opfer dieser Mordmaschine wurden. Man munkelt, in dem Dorf, wo der Todes-OPEL seine Heimat hat wären in den letzten Jahren schon viele Frauen vermisst worden ..... Ungeklärte Schicksale, für die sich irgendwann die Kriminal-OPELEI interessieren wird, wenn CIAO-Leser nicht vorher ihrer Empörung freien Lauf lassen und die ARD-Magazine REPORT oder FAKT informieren. Ein Grund mehr für den Besitzer, anonym bleiben zu wollen. Vergasung
Wer die Mülllawine überlebt, steht einer weiteren Lebensgefahr hilflos gegenüber. Steht man an einer roten Ampel, gelangen Abgase ins Wageninnere, die einem den Verstand rauben. Immer wieder bin ich überrascht, was ein Mensch so alles aushält. Der Besitzer dreht in diesem Falle stets planlos und hecktisch an den Reglern für Gebläse, Heizung und Umluftklappe und sorgt wahrscheinlich mit mehr Glück als Sachverstand dafür, dass man noch das eine Mal mit dem Leben davon kommt. Aber auf die Dauer mache ich mir Sorgen ...... Schiff ahoi
Die Stoßdämpfer – herjeh. Sie verdienen ihren Namen nicht mehr. Der ASTRA dümpelt über die Landstraßen wie ein alter Postdampfer im stürmischen Ärmelkanal. Das Lenkungsspiel dürfte nach meiner Beobachtung bereits so groß sein, dass der Kapitän nur noch zwischen Links- oder Rechtsanschlag zu wählen braucht. Wenn irgendwann plötzlich keine neuen Berichte mehr von Thomas Kretschmer in CIAO erscheinen, dann weiß die CIAO-Gemeinde, dass ein Mitglied auf Deutschlands Straßen sein Leben endgültig ausgehaucht hat ! Mein letzter verzweifelter Schrei wird lauten : „Fahr´ vorsichig, ich will nicht in einem OPEL sterben !“ Held der Arbeit
Über den Antrieb, der die eigentliche Arbeit in diesem Auto versieht ( 1,6 Liter , 68 PS ) kann ich ( ernsthaft ) nur Gutes berichten. Auf dem Kilometerzähler stehen zur Zeit 304.000 Kilometer und der Motor ist noch immer topfit. Der Besitzer hatte das Fahrzeug seinerzeit neu erstanden und auf den ersten 46.000 Kilometern eine Motorölkontrolle nie für nötig gehalten, wodurch die Maschine in Ausübung ihrer Dienstpflicht eben bei Kilometerstand 46.000 den Heldentod starb. Statt Restöl hatten die Opelmechaniker bei der Reparatur nur noch eine Mischung aus schwarzem Lack und schwarzer Schmiere vorgefunden. Die Ölwanne war trocken wie die Sahara. Der Werkstattumsatz allein durch diesen vorbildlichen Kunden stieg an diesem Tag um 4.000 Dehmarck ( ups ) ! Das Automatikgetriebe, in welchem ich ca. 3 Gänge vermute versieht tapfer seinen Dienst und ruckt nur etwas, wenn der kalte Motor vom 1. in den 2. Gang schaltet. Reparaturen abgesehen vom Ersatzmotor am Anfang vielen kaum an. Soll man einen undichten Kühler bei 290.000 Kilometern überhaupt erwähnen ? Ich denke nicht – ups – jetzt isses doch passiert. Die Verarbeitung ist ordentlich, der Komfort überzeugend. Bequeme Sitze und komfortable Federung machen auch eine Langstrecke angenehm. Der Verbrauch liegt bei 3,25 – 5 Litern Normalbenzin auf 50 Kilometer – ätsch! Ernsthaft : bei 6,5 – 10,0 Litern auf 100 Kilometern und das geht in Ordnung. Der Rost nagt inzwischen an unbedenklichen Teilen, was angesichts des Pflegezustandes ( unpassendes Wort ) nicht verwundert. Der Besitzer hofft sogar, demnächst noch einmal mit wenig Reparaturaufwand über den TÜV zu kommen. Ich traue es dem OPEL zu !
Hier hat OPEL ein rundherum überzeugendes Auto gebaut. Warum nicht immer so ? Tschüssi. Euer Thomas.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Das könnte Sie interessieren
Verwandte Tags für Opel Astra 1.6
|
|
30.10.2009 22:36
Super Bericht :) Danke
20.10.2009 12:25
super Berricht!!! viele Grüße
06.10.2009 10:27
Ein lustiger Bericht mit Augenzwinkern auf den Besitzer. Der "Qualitätskaputtschläger" bei Opel hieß Ignatz Lopez und war bei Opel in den Neunziger Jahren Chefeinkäufer. Er drückte bei den Lieferanten derart die Preise, so dass diese sich mit Murks bedankten. Diese "Einsparmaßnahmen" kosten Opel Milliarden. Die Marke hatte damit die gleiche Verarbeitungsqualität wie einige süd- und osteuropäische Fahrzeughersteller erreicht. So waren z.B. Zylinderkopfdichtungen bei einigen Motoren aus Papier und nach einem halben Jahr durchgeweicht. Alte Astra-Besitzer können ein Lied davon singen.