Hassliebe...
27.06.2006
Pro:
riesiges Raumangebot, Ausstattung, relativ günstiger Verbrauch
Kontra:
Reparaturanfälligkeit, Kulanzverhalten des Herstellers
Empfehlenswert:
Ja
 susiundandi
Über sich:
Mitglied seit:06.04.2006
Erfahrungsberichte:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 31 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
...umschreibt es wohl am besten. Als ich mir im Frühjahr 2005 überlegte, mich von meinem geliebten Ford Focus Tournier Futura 2 (der mich übrigens nie im Stich ließ...seufz) zu trennen, wollte ich mehr. Ein Geländewagen sollte es werden. Nach nervenaufreibender Recherche im Internet und Tour durch verschiedene Autohäuser hatte ich ihn gefunden: schwarz, breit und stark stand er vor mir. Schon allein das Äußere (mit Off-Road-Paket) weckte in mir die Kauflust und nach einer Probefahrt war man sich handelseinig. Runde 20 TEUR für einen 2 Jahre alten Vorführwagen mit 30 TKM auf dem Tacho erschienen mir nicht zu teuer, zumal die Konkurrenzprodukte weit jenseits dieser Schwelle standen. Der Frontera war eben der einzige bezahlbare Geländewagen, der dieser Eigenschaft gerecht wurde und noch dazu bullig aussah. Also gut - gesagt getan und das Auto gekauft kam ich stolz zurück in die Heimat und nach nunmehr über einem Jahr kann ich sagen, dass ich grundsätzlich zufrieden bin.
Technik/ Fahrverhalten: Die Technik des Frontera mutet im Vergleich zu modernen SUV ein wenig altbacken an. Der Motor ist recht laut, das Getriebe etwas hakelig. Der Allradantrieb ist lediglich zuschaltbar und funktioniert nicht permanent. Die Empfehlung des Herstellers, bei trockener Fahrbahn darauf zu verzichten, steht nicht ohne Grund in der Bedienungsanleitung - dazu später mehr. Ansonsten ist der Fronti aber ein recht robustes Fahrzeug. Und er benötigt erstaunlich wenig Diesel - meiner gerade einmal 7,5 bis 8,5 l auf 100 km, je nach Fahrweise. Man glaubt es kaum, aber dieser Wert liegt sogar noch unter der Herstellerangabe. Ich möchte an dieser Stelle betonen, dass ich kein Sonntagsfahrer bin, ich versuche lediglich wirtschaftlich zu fahren und schalte lieber früher als später, was mit dem ausreichend kräftigen Motor (120 PS) auch problemlos funktioniert. Zwar ist bei ca. 160 km/h Schluss und ein Ampel-Spurt ist auch nicht Erfolg versprechend, aber wer sich von vornherein im Klaren ist, dass er mit dem Frontera kein Sportgerät kauft, wird jedenfalls nicht enttäuscht. Als kräftiges Zugfahrzeug überzeugt der Frontera allemal. Das Fahrverhalten gleicht dem eines Fischerbootes bei leichter Dünung. Bodenwellen führen aufgrund der sehr weichen Federung schon mal zu einigem Nachschaukeln, insgesamt fährt sich der Fronti aber recht komfortabel. Man "cruist" regelrecht über die Landstraße. Wer's zwischendurch mal sportlich-knackig mag, sollte sich noch einen kleinen englischen Straßenflitzer zulegen - haben wir auch :-) Im leichten Gelände verhält sich das Auto recht zuverlässig - mehr hab ich mir noch nicht getraut zu testen (Warum? Siehe unten!).
Ausstattung: Die Innenausstattung hat zwar den Charme der 80er Jahre (Baujahr 2003!), ist aber funktionell und nahezu vollumfänglich. Die Sitze sind äußerst bequem, alle Schalter gut zu erreichen und eine Vielzahl elektronischer Helfer machen die Fahrt angenehm. Die Klimaanlage dürfte allerdings - ebenso wie die serienmäßigen Lautsprecher - ein wenig leistungsfähiger sein. Das Platzangebot ist gigantisch! Bei umgeklappter Rücksitzbank ersetzt der Kofferraum locker ein 2-Mann-Zelt...für Festivalfreunde eine nicht zu unterschätzende Eigenschaft, denn klamme Zeltwände sind damit passé. Naturgemäß ist die Innenraumheizung bei einem Dieselfahrzeug ein wenig schwach auf der Brust, wer also im Winter viel unterwegs ist, sollte den Kauf einer Standheizung in Erwägung ziehen.
Reparaturen: Tja...was soll ich sagen? Nachdem ich nun eine ganze Menge Positives geschrieben habe, wird es auf den letzten Metern doch noch ein wenig traurig...schnief. Nach ca. 4 Monaten vernahm ich plötzlich ein verdächtiges Klappern am Endschalldämpfer. Das Auto war zu diesem Zeitpunkt ca. 2,5 Jahre alt und hatte ca. 40 TKM auf dem Tacho. Ein kurzer Werkstattbesuch beim freundlichen Opelhändler brachte es ans Licht: eine gebrochene Schweißnaht am Flansch zwischen Mittel- und Endschalldämpfer. Letzterer sah ansonsten noch aus wie neu. Selbstverständlich war eine Reparatur mittels Schweißgerät "nicht möglich" und ein neuer Topf sollte her - für ca. 400 EUR...ohne Einbau!! Ich holte eine zweite Meinung ein - und zwar in einer freien Werkstatt: "Das schweißen wir, kein Problem. Kostet ca. 50 EUR, weil es grad ne blöde Stelle ist." Das war übrigens mein vorerst letzter Besuch in der Opel-Werkstatt. Mit repariertem Auspuff ging es dann ein dreiviertel Jahr problemlos kreuz und quer durch Deutschland und Österreich. Die vorgeschriebenen Wartungsintervalle einhaltend gab es keine größeren Probleme. Bis zum März 2006. Eines schrecklichen Abends hörte ich ein Geräusch, das mir bereits von meinem alten Golf bekannt vorkam. Sollte etwa das Getriebe klappern? Ohne schuldhaftes Zögern machte ich mich auf in die (freie) Werkstatt, um der Sache auf den Grund zu gehen - und tatsächlich: Getriebeschaden nach drei Jahren und 50 TKM! "Gut dass Sie gleich gekommen sind, so hält sich der Schaden vielleicht in Grenzen und ist reparabel. Weil die Garantie grad erst abgelaufen ist, lässt sich vielleicht etwas über Kulanz regeln." Die Adam Opel AG bot mir an, das Getriebe komplett zu tauschen und ca. die Hälfte der Material- und Arbeitskosten zu übernehmen. Mir bliebe dann ein Eigenanteil von etwa 2.300 EUR. Wie bitte?? Nach 50 TKM geht das Getriebe kaputt und ich soll noch selbst dafür zahlen?? Ist dass etwa das berühmte "frischere Denken für bessere Autos"? Kurzzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen, weil ich den Allradantrieb nicht nur bei Schnee, Eis oder Schlamm (so sagt es das Betriebshandbuch), sondern durchaus - dann aber nur kurzzeitig - auch mal auf regennasser Fahrbahn eingesetzt hatte, um das ansonsten durch den Hinterradantrieb etwas schwammige Fahrverhalten zu verbessern. Dass allein davon aber ein Getriebe kaputt gehen soll, will ich einfach nicht glauben. Schlussendlich habe ich dann - wieder einmal - die freie Werkstatt meines Vertrauens bemüht - und siehe da: zwei Lager und zur Sicherheit die umliegenden Teile ausgewechselt - für runde 1.000 EUR! Das ist zwar immer noch kein Schnäppchen und ich bin nach wie vor stinksauer auf die Adam Opel AG, aber immerhin hat es nicht einmal die Hälfte von meiner "Eigenbeteiligung" gekostet. Bei Opel bedauert man übrigens, dass ich auf den Service der markeneigenen Fachwerkstatt zukünftig verzichten möchte. Man hofft aber, dass ich mich vielleicht einmal wieder für ein neues Modell entscheiden werde.
Fazit: Trotz der Schwierigkeiten mit Auspuff (der übrigens schon wieder einmal klappert, diesmal an anderer Stelle) und Getriebe bin ich insgesamt doch zufrieden mit meinem Fronti. Das Platzangebot ist klasse, die Ausstattung vollständig und er sieht aus wie ein richtiges "Männerauto" (die serienmäßige Hupe sollte allerdings ersetzt werden). Es ist halt so eine Hassliebe, bei der man schon ab und zu versucht ist, aufgrund der doch etwas nervigen Werkstattbesuche mal eine Verkaufsanzeige zu schalten - und wenn man dann wieder davor steht, wird man weich und gibt die Verkaufspläne auf ("Na gut - eine Chance geb' ich Dir noch..!). Wer allerdings Glück hat und eines der seltenen Nicht-Montags-Fahrzeuge erwischt, der wird begeistert sein und ihn nie wieder hergeben wollen.
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29.06.2006 13:51
Ich hätte in den "sauren Apfel gebissen" und hätte mir das Getriebe auf Kulanz machen lassen. Der Grund ist die Garantie. Was mich aber sehr verwundert, daß du dir ein 2 Jahre altes Auto,als Vorführwagen "andrehen" hast lassen. Bei uns in Österreich werden Fahrzeuge als vVorführautos verkauft, die 1) nicht älter als drei Monate sind. Danach sind sie Halb-oder Jahresfahrzeuge. 2) nicht mehr als ca.3000-5000 km haben. 3) angemeldet bei der Firma ind. Fahrzeuge die nicht diese Merkmale haben, sind keine Vorführautos.
28.06.2006 01:36
sehr guter Erstbericht. Übrigens mein erster Erfahrungsbericht handelt auch von einem Opel. Gruß FLO
27.06.2006 17:49
klasse Bericht, der lässt wirklich keine Frage unbeantwortet