Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
Großzügiger Innenraum, traumhafte Innenausstattung, kräftige Motorisierung |
| Kontra: |
entfällt |
Dampfhammer unter’m Preishammer
Dieser Fahrbericht spiegelt unsere Erfahrungen mit dem eigenen Fahrzeug wider. Das Fahrzeug ist jetzt seit einem halben Jahr unser Eigentum. Für Unentschlossene ist dieser Bericht, so hoffe ich, eine gute Hilfestellung, um eine anstehende Kaufentscheidung zu erleichtern.
Zuerst: Warum dieses Fahrzeug?
Wir fahren seit 01/97 einen Omega-B-Caravan 2.0 16V CD, BJ 2/96 mit derzeit 105000 km. Da wir von der Raumgröße, Qualität und Funktionalität des Fahrzeugs im Zusammenhang mit niedrigen Anschaffungs- und Unterhaltskosten so überzeugt sind, war für uns klar, dass auch unser nächstes Fahrzeug wieder ein Omega Caravan werden sollte. Leider wird der Omega seit Modellwechsel 2003/04 nicht mehr gebaut, sodass wir gezwungen waren, kurzfristig zu handeln. Wir hatten genaue Vorstellungen zu Ausstattungsmerkmalen und Motorisierung unseres Neuen.
Ablöser des Omega Caravan ist der Vectra Caravan, der uns aufgrund der Optik und der Antriebscharakteristik (Frontantrieb, ungünstig bei Wohnwagenzugbetrieb mit gleichzeitig hoher Motorleistung, hier als 3.2 V6 mit 211 PS) einfach nicht gefallen wollte.
Vans kommen für uns aus Gründen der Optik, der ungünstigeren Verbrauchswerte und Fahrleistungen und der vielfach fehlenden Trennung zwischen Gepäck- und Fahrgastraum gar nicht in Frage.
Zum Thema, unser Fahrzeug:
Omega Caravan 3.2 V6 Executive Edition mit 4-Gang-Automatikgetriebe (familieninterne Bezeichnung: BFE BusinessclassFamilyExpress)
Motor: V6-Motor, 3175 ccm³ Hubraum, 160 kW/218 PS bei 6000 U/min, max. 290 Nm bei 3400 U/min
Farbe: Moonlandgrau-metallic, deutlich dunkler als starsilber, verleiht dem Fahrzeug ein etwas eleganteres Aussehen bei vergleichbarer Schmutzunempfindlichkeit wie bei silber.
Innenausstattung: Leder-Vollausstattung, schattengrau (angenehmes hellgrau)
Ausstattungsmerkmale:
Serienmäßig: Die Liste der Ausstattungszugaben ist bei Opel schier unerschöpflich, sofern man die jeweils höchste Ausstattungsvariante ordert. Der Aufpreis liegt hier immer deutlich unter dem Wert der Einzelausstattungen und wird mit vielen kleinen Detaillösungen als Dreingabe belohnt. Beim Executive Edition liest sich die Liste wie die Märchen aus 1001 Nacht.
Hier sollen stellvertretend nur die wichtigsten Ausstattungen genannt werden: 4 Airbags, 4-Sensoren-ABS, Elektr. Stabilisierungsprogramm, geschwindigkeits- (nicht drehzahl-) abhängige Servolenkung mit Mittenzentrierung, TCPlus (Elektron. Sperrdifferenzial), Xenonscheinwerfer m. Scheinwerferreinigungsanlage, überarbeitetes S-DSA-Sicherheitsfahrwerk, Solarreflect-Windschutzscheibe mit Scheibenwischer-Regensensor, Navigationssystem m. Farbdisplay u. integr. 4-fach-CD-Wechsler, Lederlenkrad mit Infotainment-Fernbedienung, Bordcomputer mit Check Control System, Geschwindigkeitsregelanlage, autom. Niveauregulierung an der Hinterachse, u.v.m.
Aufpreispflichtig ab Werk eingebaut:
Räder 235/45 R 17W auf 5-Flächenspeichen-Leichtmetallfelge 7 ½ J x 17, elektr. Glasschiebe-/-hebedach, abnehmbare Anhängerkupplung, Gepäcktrennnetz, Hochvelours-Fußmatten mit Befestigungssystem
Der Innenraum:
Der Omega Caravan besticht natürlich durch seine Innenraumgröße. Sowohl im Fahrer-/Beifahrerbereich, als auch im Fondbereich ist ausreichend Platz für insgesamt fünf groß gewachsene Passagiere. Selbst bei drei Erwachsenen auf der Rücksitzbank kommt kein Gefühl der Enge auf.
Nach dem Umklappen der Rücksitzbank (1/3 zu 2/3-Teilung) tun sich enorme Lagerkapazitäten auf. Es entsteht eine von hinten bis an die Rückenlehnen der Vordersitze reichende ebene Ladefläche mit 2,06 Metern Länge. Das Kofferraumvolumen erhöht sich mit zwei Griffen von 540 auf 1800 Liter. Als sehr angenehm empfinden wir auch die Vollauskleidung des Gepäckraums und der Rückenlehnen der Rücksitzreihe mit Veloursteppich. Hier legt man gerne auch seine Sonntagskleidung in den Kofferraum ohne das Gefühl eines schmuddeligen Lieferwagens zu haben (für den Transport schmutziger Ware hat sich bewährt, eine zusammengelegte Gewebeplane 2 x 3 m dabei zu haben).
Der Innenraum lebt aber insgesamt durch den Einsatz hochwertiger Materialien. Die Volllederausstattung ist sehr gut verarbeitet und besticht naturgemäß durch leichte Pflegbarkeit: Ein feuchter Frotteewaschlappen mit wenig Spülmittel über’s Leder geführt lässt fabrikneue Frische erstrahlen. Sehr gefällig ist die farbliche Abstimmung gelungen, in der vorliegenden Ausstattungsvariante sind zusätzliche Einsätze aus geprägtem Echtaluminium mit verbaut worden.
Die Sitze sind sportlich straff, bieten ausreichend Seitenhalt und sind achtfach elektrisch verstellbar. Zusätzlich können die Lendenwirbelbereiche der Körperergonomie mittels zweier Stellräder angepasst werden. Die Vordersitze verfügen jeweils über eine fünfstufige Sitzheizung der Sitz- und Rückenlehnenflächen.
Die fünf Kopfstützen sind auch auf die Belange großer Personen einzustellen, ebenso wie die fünf 3-Punkt-Automatikgurte.
Die Instrumente sind konventionell gestaltet, ohne unnötige (und oft spiegelnde) Verzierungen. Alle Anzeigen sind eindeutig, gut ablesbar und frei von Reflexionen. Alle Schalter und Bedienelemente sind günstig angeordnet, die wichtigsten Funktionsschalter von Radio/CD/Navigation sind zusätzlich im Lenkrad integriert. Das Navigationssystem wurde von Siemens/VDO entwickelt und produziert, die Software stammt aus dem Hause Navtech. Vorbei die Zeiten großer Landkarten auf dem Beifahrersitz und dennoch verpasster Abzweige!
Als passive Sicherheitselemente wurden u.a. eingebaut: 2 Fullsize-Airbags (mit Sitzbelegungserkennung auf der Beifahrerseite), 2 Seitenairbags, aktive Kopfstützen vorne, pyrotechnische Gurtstraffer mit Gurtklemmern vorne, hochfeste und versteifte Karosseriekomponenten, Seitenaufprallschutz durch Doppelstahlrohrkonstruktion in den Türen, zusätzliche Verriegelungsmechanik zwischen den beiden umklappbaren Hälften der Rücksitzbank.
Die Fahrkultur:
Der von Opel überarbeitete Ecotec-Sechszylinder läuft extrem leise, sehr kultiviert und wirkt in keiner Situation aufdringlich. Bei höheren Drehzahlen, die dem Mehrventiler zu kräftigem Vorschub verhelfen (290 Nm bei 3400 U/min), hat der Motor einen etwas sonoreren Klang, der nur leicht erahnen lässt, was der Motor zu leisten vermag.
Die Fahrleistungen sind für ein Fahrzeug dieser Klasse als gut zu bewerten, wenngleich es hier Wettbewerber gibt, die bei vergleichbarer Motorisierung kürzere Beschleunigungszeiten und höhere Endgeschwindigkeiten aus den Motoren kitzeln. Dies liegt sicher daran, dass Opel dem Omega mit der Topp-Motorisierung kein neues Automatikgetriebe mehr spendiert hat. Die eingebaute Viergangautomatik ist elektronisch unterstützt (adaptive, selbstlernende Schaltprogramme) und schaltet selbst unter Volllast seidenweich. Leider fehlt einfach der fünfte oder gar sechste Gang für günstigere Werte.
Das Fahrwerk ist sehr ausgewogen. Es stellt einen gut gelungenen Kompromiss zwischen hoher Zuladungsmöglichkeit (620 kg), sowie Sportlichkeit und Komfort dar. Kein Spitzensportler aber auch keine Highway-Schaukel.
Als sehr hilfreich erweist sich die geschwindigkeitsabhängige Servolenkung (bei allen Sechszylindern serienmäßig), die dem in der Grundausstattung schon 1733 kg schweren Fahrzeug auch beim Durchschlängeln enger Passagen oder beim Einparken erstaunliche Agilität verleiht. Die echten Vorteile gegenüber einer drehzahlabhängigen Servolenkung lernt man aber erst bei höherem Tempo zu schätzen. Direkter Fahrbahnkontakt bei gut dosierbaren Lenkbefehlen vermitteln ein sehr gutes Fahrgefühl. Das Fahrzeug wirkt und ist in jeder Situation sicher beherrschbar. Unterstützung erfährt dieses –sicher subjektive Fahrgefühl durch Helferlein wie ESP, ABS und TCPlus. Das Ausloten von Grenzbereichen bliebe einer freien Teststrecke vorbehalten. Im normalen, wenn auch sportlich angehauchten Fahrbetrieb treten diese elektronischen Hilfen eher in den Hintergrund – schön sie sicherheitshalber einfach zu haben.
Die Geschwindigkeitsregelanlage ist einfach zu bedienen und wird mit einem Tastendruck gesetzt oder storniert. Dank der Motorleistung können auch Reisegeschwindigkeiten jenseits der 200 Stundenkilometermarke noch strichgenau gehalten werden. Das Gleiche gilt im Wohnwagenbetrieb für Tempo 100, auch mit schwerer Anhängelast (bis zu max. 1900 kg) auf der Autobahn, getestet in der Landschaft des Bayerischen Vorwalds.
Der Verbrauch und die Fahrleistungen:
Die Verbrauchswerte decken sich unserer Erfahrung nach einigermaßen mit den Werksangaben: Innerstädtisch deutlich weniger, also etwa 15 Liter, Landstraße etwa 9 Liter, Autobahn bei der Leistung entsprechender aber defensiver Fahrweise etwa 13 bis 14 Liter, (Autobahn bei extremer Fahrweise keine Wertermittlung, da wir nicht lebensmüde sind!). Unser persönlicher Durchschnittsverbrauch pendelt zwischen 11,5 und 12 Liter jeweils pro 100 Kilometer. Ein Wert, der für ein Fahrzeug dieser Klasse mit dem serienmäßigen Automatikgetriebe sicherlich angemessen ist. Dem steht aber, wie schon beschrieben, ein exzellenter Fahrkomfort gegenüber. Wer einmal ein Fahrzeug in dieser Leistungsklasse mit Automatikgetriebe gefahren hat, wird mir hier wahrscheinlich Recht geben.
Über die Fahrleistungen möchte ich hier nicht weiter diskutieren. Das Fahrzeug ist jedenfalls für alle Disziplinen dank der Leistung bestens gerüstet. Und als Streetfighter und Duellwaffe wird unser Omega nicht genutzt! Der Vollständigkeit halber sei erwähnt: Als Werksangaben werden beim Caravan für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h 9,5 s und als Höchstgeschwindigkeit 232 km/h angegeben. Die Werte scheinen auch subjektiv auf jeden Fall nachvollziehbar, können jedoch mangels verlässlicher Messmethoden weder in die eine, noch in die andere Richtung bestätigt werden.
Fazit:
Der Omega Caravan mit der Toppmotorisierung 3.2 V6 und der Edelausstattungsvariante Executive Edition ist sicherlich ein Understatement-Fahrzeug. Also nichts für jemanden, der mit seinem Auto repräsentieren will. Erst auf den zweiten Blick offenbaren sich die wahren Qualitäten und die Leistung dieses Omega Caravan.
Opel leidet immer noch unter den Vorurteilen mangelnder Verarbeitungsqualität und dem vermeintlichen Einsatz minderwertiger Materialien. Dies ist mittlerweile unser vierter Opel und ich muss dieses Vorurteil ganz weit wegschieben. Zudem: Selbst renommierte Autohersteller bauen Montagsautos. Vielfach wird bei Diskussionen ums Automobil ein hoher Preis mit hohem Qualitätsstandard gleichgesetzt. (N.B.: Aldi, Lidl, Norma &Co. machen’s im häuslichen Bereich vor: Gute Qualität zu günstigen Preisen, beim Auto will ein günstiges Preis-Leistungsverhältnis immer keiner wahrhaben). Opel muss sich unserer Erfahrung nach in dieser Klasse keinesfalls verstecken!
Unsere Empfehlung:
Der Omega Caravan 3.2 V6 ist, ein bisschen Verhandlungsgeschick und Verfügbarkeit vorausgesetzt, ein wahrer Dampfhammer unter’m Preishammer. Bei einer Laufleistung von 18.000 km und einem Alter von 1 Jahr lässt sich ein mit unserem Fahrzeug vergleichbarer Omega Caravan bei einem Neupreis von 45.000 EUR mit bis zu 40 Prozent unter Neupreis erstehen. Zusätzlich erfreut, dass dann noch eine Werksgarantie-Laufzeit von einem Jahr verbleibt.
Für uns ein Auto, in das man sich reinsetzt und sofort zu Hause ist. Nur mit dem Unterschied, dass unser Zuhause nicht so schnell ist und auch im Stand mehr Heizöl verbraucht…
Technische Daten: L: 4989 mm, B: 1776 mm, H: 1505 mm, Leergew. 1733 mm, zul. Gesamtgew. 2345 kg, Anhängelast gebr. 1875 kg bzw. 1900kg bei max. 10% Steigung