Orchesterlieder / Metamorphosen - Various

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Orchesterlieder / Metamorphosen - Various

Richard Strauss (Komponist) - 1 - CD - Virgin Classics - EMI Electrola - 8. November 1996 - 724356132429

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Erfahrungsbericht über "Orchesterlieder / Metamorphosen - Various"

veröffentlicht 17.08.2006 | dahmane
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"Metamorphosen"

Pirandesi

Pirandesi

Der Traum hat eine halbe Stunde gedauert oder so. Weil, als wir durch die Querhalle traten, irgendwo die "Metamorphosen" einsetzten. Eine Studie, schreibt der Komponist in seine Partitur, für dreiundzwanzig Solostreicher, die allesamt einige Virtuosität und Disziplin beweisen müssen. Und sehr viel aufmerksame Hingabe.
Der rauhe dunkle Akkord am Anfang, der sich zu vergrübelter Gedankenschwere fortentwickelt, während darüber, wie nur er das komponieren konnte und kein anderer mehr seitdem, während darüber ein unglaublich süßer Geigenklang so viel Sehnsucht nach Schönheit verströmt, wie das vielleicht nur möglich ist, wenn alle Schönheit nicht nur vergangen scheint, sondern in Trümmern liegt. Die Partitur wurde am Dienstag, den 13. März 1945 begonnen.
Aus Rissen und Schächten in der zerstörten Decke fiel Licht in die Räume vor uns. Es war so hell, als stünden drei Monde am Himmel, ein weißer, ein roter und ein bläulicher. Vor uns plätscherte Wasser in ein steinernes Becken. Der Strahl war etwas unregelmäßig. Sehr alt.
Die Streicher werden immer lauter. Es geht schmerzvoll durcheinander. Die Form darin werden wir erst später erkennen, wenn wir das noch einmal träumen. Eine Raupe verpuppt sich. Ein Schmetterling steigt auf. Dazwischen liegt, wenn wir die Puppe öffnen, eine weiße Masse ohne jede Struktur, in der nichts auf eine Raupe schließen läßt und nichts auf den Falter. Es ist, was es ist, sagt die Liebe.

Sagt die Musik. Du trägst ein dunkelblaues Kostüm mit feinen hellen Streifen darin, die im Licht verführerisch glänzen, als wären sich nicht aus Seide gewebt mit ein wenig Kaschmir darin, glaube ich, sondern als würde Deine helle Haut dort schimmern. Sicherlich trägst du nur das Kostüm und im Ausschnitt ein purpurnes Halstuch; mit einem zweiten hast du dein Haar zu einem abenteuerlichen Konstrukt zusammengebunden, das sich immerfort aufzulösen scheint in eine Explosion aus Verwegenheit und Übermut. Violette Schuhe mit nicht allzu steilen Absätzen.
Nach zwanzig Minuten werden sich die Streicher zu einem leidenschaftlichen Aufschrei vereinigen. Danach kommt nur noch der wunderbare lange Abgesang, der aus Erinnerungen zu bestehen scheint, als gäbe es nicht mehr das Sehnen der ganzen Welt, von dem Sir Rider Haggard schreibt. Und dann doch eine kleine Generalpause, und jetzt verändert sich die Melancholie zu einem Choral von so sterbenstrauriger Schönheit, als würde Billy Joel singen "And so it goes". Und dann spielt plötzlich eine einzelne Geige gegen das Verstummen an.
An einer Wand, direkt vor uns, hängt ein riesenhaftes Bild von William Turner. "Schneesturm", heißt es, und: "Hannibal überquert die Alpen."

Wir bleiben stehen. Das Licht wandert hinter uns langsam durch die Hallen. Meine Hand wandert unter deinen Rock, über Hügel und ins sanft bewaldete Tal.
Wie klein doch die Menschen sind, sage ich. Unten am Rand.
Sie werden größer, sagst du. Ich überlege, ob du deine Brüste meinst.
Der Schneesturm bäumt sich auf wie eine ungeheure dunkle, brüllende Welle, bis zur Sonne, die mit ungeheuerlicher Brutalität durch den Ansturm hindurchscheint wie gleißender, unstillbarer Zorn, während unten die Barbaren karthagische Soldaten abschlachten und plündern. Und in der Ferne, in sehnsuchtsvoller Ferne, schimmert das unglaubliche Licht diesseits der Alpen und der Toskana.
Aber es gibt Widerstände, sagst du, und die reizen sie dann nur noch mehr.
Ich schaue auf das Jackett, das du trägst, und auf die Soldaten, die sich durch den Sturm kämpfen. Meine Rechte, finde ich, macht gerade, was sie will.
Und diese ungeheure, blasphemische Sonne, sage ich.
Ja, sagst du, zuerst sieht man das gar nicht richtig, und dann merkt man allmählich, welche Glut sie ausstrahlt. Zuerst ist da nur dieser kleine Fleck, aber je länger man wartet, desto gewaltiger breitet sich das aus, bis es alles, alles erfüllt.
Ja, sage ich. Er war schon ein großartiger Maler.

Die dreiundzwanzig Solostreicher haben das Seufzermotiv des Beginns unvermerkt verwandelt in den Trauermarsch aus Beethovens "Eroica"; das ist das Wesen der Metamorphosen. Was eben noch weich war, ist hart, und bleibt doch immer dasselbe; der Blick, der eben noch verträumt war, wird forschend und auf eine anrührende Weise lebendig. Wer meine Haare wuschelt, bekommt einen Kuß. Der Kuß verwandelt sich in Atem. Ich spüre so gerne deinen Atem. Meine Schmetterlingssammlung wird lebendig. Lauter helle Falter, die sich in Wärme verwandeln und in flirrendes Licht und in verstörende Atemlosigkeit. Wenn ich noch mehr mache, drehst du dich weg, weil du dich schämst. Aber warum? Nur der Mann im Mond sieht zu. Selbst der Plünderer im Vordergrund schaut nach Italien und in die wabernde Helligkeit da unten und nicht zu uns ins selige Dunkel. Um dein Handgelenk liegt ein Reif, der im Licht der glühenden Sonne silbern schimmert.
Es ist still. Die Streicher sind alle eingeschlafen. Es ist Zeit, auzuwachen.

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  • Pik7 veröffentlicht 23.08.2006
    Och - naja.
  • Primaserafina veröffentlicht 22.08.2006
    Was Du hier nieder geschrieben hast ist ein Vulkan an musikalischer Erotik. Ich beglückwünsche Dich zu Deinem Talent !!! LG GINA
  • dahmane veröffentlicht 22.08.2006
    Dieses Gefühl, prüde zu sein, ein sich plötzlich bildendes Bewußtsein, ist eine erwünschte Reaktion, weil sie bedeutet, immerhin, daß das Mittel wirkt. Jedes moralische Immunsystem wirkt anders (wenn auch oft ähnlich), es wäre nur schlimm, wenn es nicht mehr wirken würde. Wobei es mir nicht auf irgendeine wirkung ankommt, so nihilistisch bin ich nicht, sondern ich mag es, wenn die Dosis einer wohligen erotischen Wirkung so eben, aber spürbar überschritten wird, die Immunreaktion setzt ein und damit auch eine spezielle Sensibilisierung. Was das Bild von erregten sekundären Brüsten, die sich an vornehm angerauhtem Stoff reiben, mit den "Metamorphosen" zu tun haben soll, weiß instinktiv der, der Richard Strauss vornehme harmonische Reibungen kennt und genießt. Vielleicht fallen ja beide Bilder ins eins zusammen....
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Produktdaten : Orchesterlieder / Metamorphosen - Various

Produktbeschreibung des Herstellers

Richard Strauss (Komponist) - 1 - CD - Virgin Classics - EMI Electrola - 8. November 1996 - 724356132429

Haupteigenschaften

Titel: Orchesterlieder / Metamorphosen

Künstler: Janowitz; Stamp; Acad. O. London

Komponist: Richard Strauss

Genre: Soloinstrument mit Orchester

Medium: CD

Set-Inhalt: 1

Veröffentlichungsdatum: 8. November 1996

Label: Virgin Classics

Vertrieb: EMI Electrola

EAN: 724356132429

Titel auf CD 1

1.: Orchesterlieder

2.: Metamorphosen

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