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Deadly Esther

3  20.11.2009

Pro:
Absurdes, aber zumindest originelles Ende

Kontra:
Das wäre auch kürzer gegangen

Empfehlenswert: Ja 

MissVega

Über sich: Endlich wieder Hamburg-Stammi! Am 20. Juli 2013! ;-) Im Juli London, im August Las Vegas - Hawaii - ...

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Fantasy Filmfest #7. Kinostart: 5. November 2009. Update 20.11.2009: Dank ciaos technischem No-How (ja, ich habe mit Absicht nicht Know-How geschrieben) ist Orphan in den Daten-Weiten des Systems verschwunden und wird nun von mir erneut eingestellt. Wisst Ihr Bescheid. ;-)

Wer Esther heißt, kann doch nichts Gutes im Schilde führen, oder? Nichts für ungut, ihr Esthers da draußen, aber mal ehrlich…Der Name weckt doch schon so ein ungutes Gefühl, klingt hart und unmelodisch, phonetisch ähnlich wie ätzend oder so. Und die kleine Esther, die hier mehr als grausam zu Werke geht, erfüllt alle Negativ-Assoziationen, die man eventuell mit ihrem Namen verbindet.

Esther ist ein Waisenkind russischen Ursprungs, das eines Tages von Familie Coleman adoptiert wird. Mutter Kate (Vera Farmiga, „Der Junge im gestreiften Pyjama“) und Vater John (Peter Sarsgaard, „Garden State“) haben die Totgeburt ihres dritten Kindes immer noch nicht ganz verwunden, möchten dem leicht introvertierten Daniel (Jimmy Bennett, „Star Trek 2009“) und der taubstummen Maxine (Aryana Engineer in ihrer ersten Rolle) aber noch ein Geschwisterchen an die Seite stellen. Also auf ins nächste Waisenhaus zu Schwester Abigail (CCH Pounder, „ER“) und die so adrette wie intelligente Esther (Isabelle Fuhrman, „Ghost Whisperer“) ausgesucht und mitgenommen. Esther ist ein scheinbar liebreizendes Ding, kann wundervolle Bilder malen, Klavier spielen, ist aufgeweckt, verständnisvoll und sehr intelligent für ihr Alter. Scheinbar problemlos fügt sie sich ins Familienleben der Colemans ein, und besonders Papa John und die kleine Max sind sehr angetan von ihr. Doch schon ziehen dunkle Wolken auf…denn irgendwas stimmt nicht mit Esther. Unkontrollierte Wutausbrüche, Tierquälereien und Eifersuchtsanfälle beginnen sich zu häufen, des Weiteren sät Esther erfolgreich Zwietracht zwischen den Eheleuten, indem sie sie geschickt gegeneinander ausspielt. Und natürlich kriegt Muttertier Kate, das fragile Ding, das mich irgendwie ein bisschen an einen Bassett erinnert, dies als Erste spitz. Und natürlich kriegt Satansbraten Esther mit, dass Kate langsam aber sicher hinter ihr wohlgehütetes Geheimnis zu kommen scheint. Das muss sie natürlich mit allen Mitteln verhindern…

Teuflische Kinder…auch kein ganz neues Thema mehr im Horrorgenre. Und auch auf dem diesjährigen Fantasy Filmfest waren zuhauf satanische Drecksblagen auf der Leinwand unterwegs, die die Erwachsenen mehr oder weniger erfolgreich das Fürchten lehrten, wie Ihr in meinen noch folgenden Berichten erfahren werdet. Aber bleiben wir doch erst einmal bei Esther. Dass mit diesem Kind irgendetwas nicht stimmen kann, sieht man eigentlich schon auf den ersten Blick. Die seltsam altmodische Kleidung, die altbackene Frisur und das aufgesetzt-altkluge Benehmen lassen von Anfang an vermuten, dass Esther wohl kaum den Schalk im Nacken sondern eher den Teufel auf ihrem Rücken sitzen hat. Dennoch vermag sie ihre Umwelt geschickt zu täuschen und sich so das zu holen, was sie eigentlich will… Was, wird hier natürlich nicht verraten, denn der finale Twist ist zwar recht weit hergeholt, ist aber meines Erachtens so noch nicht da gewesen. Es dauert aber auch satte 123 Minuten, bis man sich wieder aus dem Kinosessel erheben kann und eventuell noch mal gründlich über die zukünftige Familienplanung oder Adoptionspläne nachdenken wird.

Regisseur Jaume Collet-Serra („House of Wax“) setzt voll auf seine Hauptdarstellerin, die 12jährige Isabelle Fuhrmann, die hier nach einigen Auftritten in Serien und erst einem Spielfilm mehr als professionell aufspielt. Das Böse dringt ihr aus jeder Pore, jede Geste und jegliche Mimik, die sich in ihrem kindlich-blassen Gesicht abspielt, sind glaubwürdig und perfekt inszeniert. Sie sieht aus wie ein übriggelassenes Relikt vergangener Zeiten, das sich unaufhaltsam und diabolisch in die vermeintlich heile Welt der Colemans schiebt. Wer nicht ihr Freund ist, ist ihr Feind und wird gnadenlos manipuliert und im Zweifel auch unschädlich gemacht. Zu verheerend wäre es, wenn die Wahrheit ans Licht käme, bevor sie ihr Ziel erreicht hat. Collet-Serra ist hier ein feiner, böser Film gelungen, in dem er den Wunsch der Colemans nach Ruhe und Frieden und einem harmonischen Familienleben nach der Tragödie des totgeborenen dritten Kindes systematisch durch Esther demontieren lässt. So rücksichtslos und brutal, wie Esther hier zu Werke geht, hat schon lange kein Kind mehr das höchste Gut neben Gesundheit – die Familie – zerstört. Wobei sie natürlich auch die Gesundheit (anderer) zerstört, indem sie selbst vor Mord nicht zurückschreckt. Und natürlich ist es schon fast zu spät, als endlich klar wird, was für ein widerlicher und sadistischer Charakter dieses kleine Miststück ist. An wem es hängen bleibt, Esther aufzuhalten, dürfte auch klar sein, soll aber hier ebenfalls noch nicht verraten werden.

Es gibt zuhauf kleine böse Situationen, die nach und nach die Abartigkeit von Esther manifestieren, bis ihre Macht über die Colemans fast unangreifbar scheint. Da werden die Bremsen an Muttis Wagen gelöst, Baumhäuser angezündet, Menschen und Tiere erschlagen und erdrosselt, immer verborgen hinter der Fassade des unschuldigen Kinderlächelns und adretten Aussehens. Ein paar Situationen weniger dieser Art hätten auch schon zur Genüge vermittelt, mit was für einer Ausgeburt des Teufels wir es hier zu tun haben. Auch ein paar überflüssige und belanglose Szenarien hätten hier gerne der Schere zum Opfer fallen dürfen, weil sie die durchaus vorhandene Dynamik des Films bremsen und ihn somit einfach eine halbe Stunde zu lang machen. Die Schauspieler geben ihr Bestes, leider macht das aus Peter Sarsgaard auch keinen in Erinnerung bleibenden Schauspieler, und auch der taubstummen Maxine bleibt hier nicht viel Raum, nachhaltig zu agieren. Auch der immer noch von Albträumen um ihre Totgeburt geplagten Kate bleibt hier nicht viel mehr, als rehäugig-verdutzt zu gucken, bis sie endlich aufwacht und mal aus der Hüfte kommt. Nichtsdestotrotz sind die Leistungen respektabel, aber einzig Esther vermag es hier, abgestuft und vollumfänglich überzeugend zu agieren. Verschneite Landschaften, ein großes, luxuriöses Haus und ein dramatischer Score runden „Orphan“ gekonnt ab, so dass ein im Großen und Ganzen erschreckender Schocker gelungen ist, der sich selber einzig und allein durch die Länge und das recht abgegriffene Thema der heimtückischen Teufelskinder ein wenig selbst sabotiert.

Wer genügend Sitzfleisch und Geduld für 123 Minuten mit der satanischen Esther aufbringt, wird an „Orphan“ seine Freude haben. Knallhart und rücksichtslos geht es hier zur Sache, einige gekonnt gesetzte Schockeffekte fehlen ebenfalls nicht, dennoch geht es nicht allzu blutig zu. Callet-Serra hat seinen Schwerpunkt eher auf psychologischen und gemeinen Grusel gelegt, und das ist ihm gut gelungen. Der Final-Twist mag zwar weit hergeholt sein, überraschend ist er aber allemal. Darauf muss man erstmal kommen. Wäre der Film etwas kürzer geworden und das Thema nicht schon latent ausgelutscht, wäre „Orphan“ ein klasse Film. So ist er – von einigen Hängern abgesehen – ziemlich spannend und böse, vermag aus dem Genre des Kinder-Horrors aber nicht mehr viel Neues herauszupressen. Somit solide drei von fünf Waisenhäusern, die ihre kleinen Gäste sehr viel besser hätten überprüfen sollen.

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Rotzblage Esther
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Saandy

Saandy

21.12.2009 22:05

Toller Bericht :-) Uiui, gut, dass ich net Esther heiße ;-) LG, Sandra

Sendorra

Sendorra

09.12.2009 12:11

Hach, dat Gracie is widda da. Gibt sie immer noch nur hilfreichs, wenn sie selber einen Bericht über den Film geschrieben hat/schrieben will? *g* Hoffe, ciao lässt die Orphan-Berichte jetzt endlich da wo sie hingehören - nämlich on. :-)

Lady-Alexa

Lady-Alexa

28.11.2009 09:13

und wo krieg ich den jetzt her?!

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