...
Den Link zum BüFrü gibt's in meiner Visitenkarte, lesen rulez *fg*
David Lodge: Ortswechsel
+++++++++++++++++++
David Lodges Campus Novel heißt im Original "Changing Places" und es ist wird als satirischer Roman angepriesen. So weit ich weiß, ist es 1975 erschienen. David Lodge ist ein ... Bericht lesen
Erfahrungsbericht von julietta20 über Ortswechsel / David Lodge 18.03.2006
Produktbewertung des Autors:
Niveau
durchschnittlich
Unterhaltungswert
hoch
Spannung
durchschnittlich spannend
Wie ergreifend ist die Story?
berührt ein wenig
Pro:
Witzige Story, layered Fiction, Fortsetzungen
Kontra:
überdeutliche layered Fiction
Empfehlenswert?
ja
Kompletter Erfahrungsbericht
Guten Tag! Dies ist mein allererster Beitrag zum Bücherfrühling 2006 und meine erste Buchsprechung überhaupt, ich bin quasi eine Lesejungfrau *g*. Ich wollte eigentlich über ein anderes Buch schreiben, aber alle King-Bücher sind schon zig-fach besprochen worden, daher wähle ich ein Buch, zu dem es erst eine andere Beschreibung gibt. Den Link zum BüFrü gibt's in meiner Visitenkarte, lesen rulez *fg*
David Lodge: Ortswechsel +++++++++++++++++++ David Lodges Campus Novel heißt im Original "Changing Places" und es ist wird als satirischer Roman angepriesen. So weit ich weiß, ist es 1975 erschienen. David Lodge ist ein be-kannter Literaturwissenschaftler und lehrte als Professor für Englisch. Neben seinen Romanen hat er auch zahlreiche literaturwissenschaftliche Arbeiten veröffentlicht. Er gehört damit zur im anglo-amerikanischen Raum weit verbreiteten Spezies der schreibenden Professoren und sein Roman gehört zur Unterart "English Department Novel" der Campus Novels. Wem die-ses Buch gefällt, seien auch Lodges andere Werke, etwa "The British Museum is Falling Down" empfohlen, die allesamt auch ohne StarTrekschenSimultanohrflüsterer auf Englisch sehr amüsant zu Lesen sind, vielleicht sogar noch mehr als auf Deutsch.
Ich werde mich in diesem Bericht nicht kurz fassen, also Weiterklicker: bitte weiterklicken! Die Bereiche sind: Inhalt Layered Fiction oder Was ist das besondere an diesem Buch? Warum nur dieses Buch???
Viel Spaß beim Lesen und danke für alle Kommentare!
Inhalt ++++ Der Amerikaner Morris Zapp und der Brite Philip Swallow haben nur wenig gemeinsam. Beide sind sie verheiratet, haben Kinder und beide sind sie Professoren für Englisch. Dieser letzte Punkt ist die Basis, auf der der Plot des Romans basiert. Die Story ist angesiedelt während der Studentenunruhen der sechziger Jahre.
Zapp ist ein eloquenter, egozentrischer und ausgezeichneter Professor, ein eitler Geck, der an der wunderschönen und renommierten Universität Euphoric State/Kalifornien lehrt. Er ist DER Experte für Jane Austen und sein Lebensziel ist es, eine Arbeit zu Jane Austen zu veröffentlichen, die wirklich jedes Gebiet abdeckt und jede weitere Veröffentlichung überflüssig macht. Ein Größenwahnsinniger, also. Witzigerweise hat er seine Zwillinge Darcy und Elizabeth genannt (die Protagonisten aus Pride and Prejudice), wobei der arme Darcy seinen Namen sicher nicht so amüsant findet.
Seine Frau Desirée ist von Zapp und seinem Weiberheldentum weniger angetan und will Morris aus dem Haus haben. Um eine drohende Scheidung abzuwenden, schlägt Zapp vor, ein halbes Jahr das Land zu verlassen. Er hofft, wenn er an einem Austauschprogramm für Professoren teilnimmt, würde Desirées Wut verrauchen und er dürfte wieder nach Hause kommen. Das von ihm auserkorene Programm nämlich ist kein Zuckerschlecken - ein unbeliebter Austausch mit der wenig renommierten Universität Rummidge in England (böse Zungen be-haupten, der Name setze sich aus Rubbish und Porridge zusammen....), für den sich jedes Jahr nur schwer ein Kandidat finden lässt.
Philip Swallow ist ein zurückhaltender, einfacher Familienvater, der sich im Universitätsbe-trieb nie sonderlich hervorgetan hat. Seine einzige Leistung war ein guter Studienabschluß, seither arbeitet er auf einer schlecht bezahlten Stelle. Sein Spezialgebiet ist das Verfassen und Bewerten von Prüfungen, er träumt davon, eines Tages ein Buch zu diesem Thema zu veröf-fentlichen. Da nicht er, sondern ein begabterer, jüngerer Kollege befördert werden soll, will man ihn für ein halbes Jahr an die Euphoric State abschieden, um die Beförderung in seiner Abwesenheit problemlos über die Bühne zu bringen. Er allerdings freut sich sehr auf den Austausch, hat er doch die einzige glückliche Zeit seines Lebens nach seiner Hochzeit dort verbracht.
Seine Frau Barbara lebt mit den beiden Kindern und Philip in einem zugigen Haus. Die Familie hat wenig Geld und ist alles in allem eher trist.
Der Austausch verändert beide Männer sehr. Philip stellt fest, dass die Studenten in Kalifornien keinerlei Grundlagenwissen haben, sondern nur nach Lust und Laune lesen. Die Professo-ren kennen ihre Studenten nur wenig und interessieren sich auch nur wenig für sie. Er zieht in eine Wohngemeinschaft mit Boon, seinem ehemaligen Studenten aus Rummidge, der in Euphoria eine Art Superstar mit eigener Radioshow ist. Er verliebt sich in Morris Tochter aus erster Ehe - ohne zu wissen, wer sie eigentlich ist und betrügt seine Frau mit ihr. Von da an drückt ihn das schlechte Gewissen, den alten Schwerenöter....
Von Beginn des Austausches an erlebend die beiden Professoren - wie eben in der Campus Novel üblich - die jeweilige fremde Umwelt mit ,fremdem Blick', was eigentlich den Witz der Story ausmacht. Ohne alles zu verraten - sonst lest ihr es ja nicht mehr - mischen die bei-den Herren ihre Umwelt ziemlich auf. Philip findet sich plötzlich mitten in den Studentenun-ruhen als eine Art Maskottchen des Widerstands, während Morris so viel Gefallen an seiner Arbeit (und den Damen) findet, daß er England gar nicht mehr verlassen wil. Auch die jeweiligen Ehefrauen spielen in dieser speziellen Variante des Frauentauschs eine gewisse Rolle. Das müßt ihr aber selber lesen…
Layered Fiction oder Was ist das besondere an diesem Buch? ++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++++ Warum habe ich ausgerechnet dieses Buch für meine literarische Jungfernfahrt ausgewählt? Doch nicht nur weil es witzig zu lesen ist, oder? Nein, denn dieses Buch ist quasi die Wash-and-Go-Variante von Literatur, eine tolle Story mit einem Blick in den Handwerkspfusch des Autors. Denn Lodge ist bekennender Vertreter des Konzepts der Layered Fiction. Will hei-ßen: das Buch läßt sich auf zwei Ebenen lesen. Der Ulladurchschnittsleser wird die Story amüsant finden. Der Supercheckerleser mit Röntgenblick wird ebenfalls schmunzeln, aber ihm wird noch eine Menge mehr auffallen, z.B. das jedes der Kapitel in einem anderen Stil geschrieben ist (Drehbuch, Briefroman…), daß es Philip dringend nach einem Buch mit dem sprechenden Titel "Let's write a Novel" verlangt, aus dem dann immer wieder Abschnitte zitiert werden, die das Geschehen im Buch ad absurdum führen.
Auch Ulla wird auffallen, daß die Abtreibungswütige Dame aus dem Flieger Mary Makepeace heißt (haha, ich weiß), aber Superhirn wird auch merken, daß alle Namen hier sprechen können…(Swallow=Schlucken und Philip schluckt wirklich alles runter…). So gibt es unge-zählte Gimmicks auf der zweiten Leseebene, die nicht nur das Amusement beim Lesen erhö-hen, sondern die Illusion beim Lesen brechen und dem Leser immer vor Augen führen, welche literaturwissenschaftliche Methode gerade verwendet wird. Wer also mal ein Buch analysieren will, findet in Lodges Büchern mehr Material, als man sich träumen läßt…Wie wärs mit einem Contest? Wer die meisten Beispiele für Layered Fiction im Buch findet, hat gewonnen *g*
Warum nur dieses Buch??? ++++++++++++++++++ Bevor ihr euch alle wundert, ob ich ihn meiner Freizeit nur literaturwissenschaftlich wertvolles lese, muß ich das Buch doch als Pflichtlektüre aus der Uni outen. Mir hat es zwar sehr gut gefallen, aber wenn man jeden verdammten Tag an der Uni hängt, sind Bücher über die Uni nicht gerade die erste Wahl bei der Freizeitlektüre…
Das Buch wurde in einem Hauptseminar zum Thema Campus Fiction gelesen (für die Partout-Deutschsprecher: Universitätsromane), für die es in Deutschland kein richtiges Pendant gibt. Wir haben zwar eine Tradition für Gelehrtensatire oder Studentenroman, aber richtige Uni-versitätsliteratur gibt es eigentlich erst seit Schwanitz "Der Campus". Aus dem deutschspra-chigen Raum kann ich eigentlich außer Schwanitz kein anderes Buch empfehlen, aber auf Anfrage ergänze ich gerne alle, die ich zum Thema gelesen habe. Der Anglo-amerikanische Raum dominiert diese Literatursparte, empfehlen kann ich u. a. die Fortsetzungen von Lodge ("Small World" und "Nice Work" - "Saubere Arbeit"), "Der Geschichtsmensch" von Bradbury und "Pnin" von Nabokov
Viel Spaß also mit der bunten Welt der Universität und David Lodges noch viel buntere Schilderung derselben wünscht Julietta (Die Produktdetails bitte nicht beachten, da war ich recht ratlos)
Pro: äußerst witzig und unterhaltsam Kontra: für eine Auflösung muß man die (bessere) Fortsetzung lesen
Die englischen und amerikanischen Uni-Systeme sind Welten voneinander entfernt. Das erfahren Philip Swallow und Morris Zapp relativ schnell als sie ihre Arbeitsplätze für ein halbes Jahr tauschen. Swallow, ein eher drittklassiger Prof einer drittklassigen ...
Bericht lesen
Ciao Mitglieder bewerteten diesen Erfahrungsbericht insgesamt als hilfreich