Othello / Shakespeare, William

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Othello / Shakespeare, William

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Ein Held ohne Menschenkenntnis

5 22. Apr 2004

Pro:
The Moor is of a free and open nature  .  .  .

Kontra:
.  .  .  as asses are

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau:

Unterhaltungswert:

Spannung:

Humor:

Aufmachung:

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uweBeelitz39

Über sich: CARPE DIEM !

Mitglied seit:14.06.2003

Erfahrungsberichte:74

Vertrauende:83

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 146 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Die Klassiker der Weltliteratur sind mir ans Herz gewachsen, und das nicht nur durch Studium und Beruf. In regelmäßigen Abständen lese ich eines der großen Werke und beschäftige mich mit Inhalt, Sprache und dem Dichter selbst.

WILLIAM SHAKESPEARE

Der Name dieses Dichters dürfte hinlänglich bekannt sein, gehört er doch zu den bedeutendsten englischen Autoren. Dennoch wissen wir über sein Leben nur sehr wenig, fast nichts.
Er wurde im April 1564 in Stratford on Avon, einer kleinen Stadt nördlich von London, geboren. Sein Vater war ein wohlhabender Bürger und hatte eine ebenfalls reiche Landadlige geheiratet. So konnte William die Grammar School besuchen, wo er neben seiner englischen Muttersprache auch in Latein und Griechisch unterrichtet wurde; Französisch und Italienisch scheint er ebenfalls basishaft gelernt zu haben. Mit 18 heiratete er Anne Hathaway, die 8 Jahre älter war als er. Später lebten sie in London, dann wiederum in Stratford.
Shakespeare wurde Schauspieler und Dramatiker. Sein erstes Werk war das Versepos „Venus und Adonis“. Etwa 1598 veröffentlichte er erstmals unter seinem eigenen Namen ein Werk: „Verlorene Liebesmüh“, dem in den folgenden Jahren zahlreiche weitere Dramen, Tragödien, Komödien und Historien, folgten. Nicht unerwähnt darf ich in dieser kurzen Darstellung seine Sonette lassen, die 1609 erschienen.
Im Jahre 1612 zog Shakespeare sich vom Theater zurück; 1616 stirbt er in Stratford. Einige Jahre später (ca.1623) erscheint die Folio-Ausgabe mit 36 Theaterstücken Shakespeares.

OTHELLO - INHALT

Eines dieser Stücke ist „Othello“ aus dem Jahre 1604. Es gehört zusammen mit „Hamlet“, „King Lear“ und „Macbeth“ zu den vier großen Tragödien, die zwischen 1601 und 1606 rasch hintereinander entstanden sind. Was an diesen Dramen besonders hervortritt, ist die detailreiche Gedankenwelt, die komplexe Gestaltung, die Mehrschichtigkeit der Zusammenhänge und der Personen. Daß es zur Tragödie kommt, ergibt sich aus den Eigenschaften und Handlungen der einzelnen Charaktere, die so widersprüchlich sind, daß sie nicht zusammenleben können. Sie sind denkende und fühlende Menschen, nicht nur einfach hochgestellte Personen, die am öffentlichen Amt scheitern.

Othello ist ein „Mohr“, der aus Afrika gekommen und in Venedig – damals eine stolze selbständige Republik – zum siegreichen General aufgestiegen ist. Er hat die Liebe einer schönen, jungen und edlen Venezianerin errungen, Desdemona. Doch auch in der damaligen Zeit ist es zweierlei, ob ein Farbiger, ein Mohr, sich als Kriegsheld verdient gemacht hat, oder ob er eine junge Dame der Gesellschaft ehelicht. Desdemonas Vater verstößt sie, und sie zieht mit ihm in den Krieg, nach Zypern.
Sie schätzt an Othello die Heldenhaftigkeit, die ungebrochene Männlichkeit, die Offenheit und Geradlinigkeit.
Gegenspieler und letztendlich Zerstörer des ehelichen Glücks ist Jago, ein junger Fähnrich, der sich von seinem General bei der Beförderung zum Leutnant übergangen fühlt und der den „Neger“ nicht leiden kann - Vorurteil und gekränkte Eitelkeit zugleich. Er verwendet nun seinen Einfallsreichtum, seine teuflische Intelligenz darauf, Othello eifersüchtig zu machen. Dazu erwählt er sich seinen Rivalen Cassio, der ihm bei der Beförderung vorgezogen worden war, zum Helfershelfer wider Willen.
Wie Jago es anstellt, durch fingierte Indizien und infame Lügen ein Netz von Irrtümern, Eifersucht und Blindheit zu knüpfen, das schließlich Othello zum Mörder an seiner Frau und an sich selbst werden läßt, will ich hier nicht einzeln darlegen. Es sollte gelesen oder auf der Bühne geschaut werden!

GEDANKEN zum AUFBAU des DRAMAS

Es gibt im „Othello“ keinen häufigen Wechsel des Schauplatzes. Im Grunde werden Orts-, Zeit- und Handlungseinheit gewahrt. Allerdings ist da ein wichtiger Ortswechsel vom ersten zum zweiten Akt - nämlich von Venedig nach Zypern. So hat der erste Akt ein wenig Ähnlichkeit mit einem Vorspiel, während das Hauptgeschehen in den weiteren Akten stattfindet, die relativ wenige räumliche Veränderungen enthalten.
Einen zeitlichen Einschnitt gibt es einmal durch die zwischen erstem und zweitem Akt liegende Seereise nach Zypern, und zum anderen auch wohl zwischen dem zweiten und dritten Akt. Denn bei der Ankunft auf Zypern sind Othello und Desdemona noch Jungvermählte, die ihre Hochzeitsfeier nachholen, später wird der Verdacht geäußert, Desdemona sei ihrem Gatten als Ehefrau schon eine Weile untreu - also muß auch da bereits einige Zeit vergangen sein. Da dies jedoch nicht ausgesprochen wird, erkenne ich als Zuschauer oder Leser dies erst im Nachhinein beim rekonstruierenden Nachdenken.
Zunächst entsteht der Eindruck einer schnellen Aufeinanderfolge der Ereignisse. Nun, jeder Dichter hat selbstverständlich die Freiheit der eigenen Gestaltung von Zeit und Ort!

Die Handlung wird sehr zielstrebig vorangetrieben; es gibt keine Verzögerungen durch Nebenhandlungen. Jagos Intrigen werden Schlag auf Schlag angezettelt; er zögert kein einziges Mal, seinem verhaßten Vorgesetzten das Eheglück zu zerstören. So wächst die Eifersucht des Generals mit jedem Schritt, den Jago tut, bis hin zum tragischen Ende.

LESEPROBE

Othello bleibt der Unwissende, weil er Jago für einen ehrlichen Menschen und Desdemona für ein untreues Weib hält - in tragischer Umkehrung der tatsächlichen Verhältnisse.

„The Moor is of a free and open nature,
That thinks men honest that but seem to be so,
And will as tenderly be led by the nose
As asses are”. (I,3)

“Der Mohr nun hat ein grad und frei Gemüt,
Das ehrlich jeden hält, scheint er nur so;
Und läßt sich sänftlich an der Nase führen,
Wie Esel tun“.

Mit dieser Einschätzung seines Generals liegt Jago, wie sich später zeigen wird, nicht falsch, und damit scheinen einige der Ursachen zu der tragischen Entwicklung im Charakter Othellos selbst zu liegen. Vielleicht ist er zu naiv für diese damalige höfische Gesellschaft, vielleicht denkt er auch zu einseitig, vielleicht ist er ein ganz schlechter Menschenkenner.

(SCHUL-) LEKTÜRE - ? –

Natürlich ist „Othello“ geeignet, in der Schule gelesen zu werden. Mir sind verschiedene Möglichkeiten untergekommen: Die schwierigste ist natürlich das Lesen in der Originalsprache des Dichters, dem Englisch des beginnenden 17. Jahrhunderts. Das ist anspruchsvoll und eher eine Arbeitsform für das Anglistikstudium oder für einen guten LK. Shakespeare in modernem Englisch, also „umgeschrieben“, oder, wie bei manchen für die Schule herausgegebenen Lektüreheften, mit der deutschen Übersetzung auf der Nebenseite, oder aber - z.B. im Literaturunterricht außerhalb des Faches Englisch, in einer Theater-AG - eine rein deutsche Ausgabe. Alles ist möglich. Ich denke, bevor jemand nie etwas von Shakespeare liest, ist die deutsche Ausgabe ein möglicher Kompromiß. Und wer die Schule schon hinter sich, aber literarisches Interesse hat, kann sich genau derselben Auswahl bedienen - versucht es doch mal!

„Othello“ wurde über zwanzigmal verfilmt, wobei als Vorlage auch die gleichnamige Oper von Giuseppe Verdi gedient hat. Namhafte Schauspieler (Sir Laurence Olivier, Tony Curtis, Peter Pasetti, Orson Welles … sind Namen aus den Besetzungslisten). Empfehlenswert ist es auch selbstverständlich, mit der Schülergruppe oder allein nach dem Lesen dieses Schauspiel auf der Bühne zu betrachten, denn für diese ist es ja schließlich geschrieben worden. Ich hatte die Freude, dies vor zwei Tagen im Kölner Schauspielhaus tun zu dürfen. Eine Aufführung in modernisierter Form, sehr ansprechend! Und es waren viele junge Leute in dieser Aufführung.

Ich danke euch wie immer fürs Lesen, Bewerten und evt. Kommentieren!

Uwe
 

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
mozarteum

mozarteum

19.12.2006 23:33

auf der bühne würde ich das auch gerne einmal erleben ... lg detlef

kleenerknuffi

kleenerknuffi

28.06.2006 10:17

Eines meiner Lieblingsstücke von Shakespeare. Hatte es mir damals auf Anraten meiner Englischlehrerin im modernen Englisch durchgelesen (zwei Jahre später habe ich mir dann die Ausgabe mit der "Originalsprache" in der Bücherei ausgeliehen, welche ich schon als schwierig zu lesen empfand). Die Verfilmung von und mit Kenneth Branagh von 1995 mit Laurence Fisburn als Othello hat mir auch sehr gut gefallen. Liebe Grüße, Bine.

feldmaus

feldmaus

24.08.2005 16:37

Den Bericht hätte ich vor Jahren haben müssen, als ich mir "Othello" als Oper in der Semperoper in Dresden ansehen konnte. Damals ärgerlich für mich, weil das Stück in Verdis Muttersprache, also italienisch gespielt wurde. Nur gut, dass ich mich zuvor mit dem thema beschäftigt hatte und so den inhalt trotz allem verfolgen konnte. LG feldmaus

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