PALLIATIVSTATION = STERBESTATION???

5  31.01.2011 (21.01.2012)

Pro:
Schmerzlinderung, Verbesserung der Lebensqualität

Kontra:
kein

Empfehlenswert: Ja 

rommyz

Über sich: Hallo, nach langer Zeit bin ich nun wieder öfter hier! Freue mich aufs Lesen und Schreiben von Beri...

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Als erstes möchte ich eine kleine Vorgeschichte berichten.
Ich habe 11 Jahre auf einer Intensivstation gearbeitet und dort sehr viel Leid sehen müssen. Die letzten 2 Jahre dort waren für mich nicht mehr befriedigend, da hier die modernste Technik immer weiter Einzug hielt und ich es mit meinem Gewissen oft nicht mehr vereinbaren konnte wie lange ein Leben an Maschinen erhalten wird ohne eine wirkliche Aussicht auf Heilung.

Doch dann kam für mich die entscheidenede Wende in meinem Leben. In unserem Klinikum wurde eine Palliativstation eröffnet und ich bekam die Anfrage ob ich mir meinen weiteren beruflichen Werdegang dort vorstellen könnte.
Ich habe 2 Tage Probe gearbeitet und schon am ersten Tag stand für mich fest, mein neues Leben beginnt hier....

auf der Palliativstation!!!

Eine kleine Einführung

Palliative Therapie
**********************
Die palliative Therapie ist eine medizinische Behandlung die nicht die Grunderkrankung heilt sondern deren Folgen reduziert.
Sie hilft fortschreitenden und unheilbaren Krankheiten zu verlangsamen und Nebenwirkungen zu reduzieren.

Formen der Palliativtherapie
*******************************
Schmerzeinstellung
palliative Chemotherapien
Palliativbestrahlungen
Palliativoperationen

Palliativmedizin will nicht das Leben um jeden Preis verlängern sondern die Lebensqualität des Patienten steht im Vordergrund!!!!


Palliativstation bedeutet nicht Hospiz
und schon gar nicht " Sterbestation" !

Wissenswertes zu "meiner" Palliativstation
*************************************************
Die Station ist für Patienten mit unheilbaren Erkrankungen.
Wir haben 14 Betten, 10 Einzelzimmer und 2 Zweibettzimmer, ein großes Wohnzimmer, eine vollausgestattete Küche, ein großes Badezimmer mit Badewanne für Aromabäder und eine wunderschöne Terasse.

In jedem Einzelzimmer besteht die Möglichkeit eine Schlafcouch für die Angehörigen her zu richten.

Viele Patienten kommen noch heute mit der Angst zu sterben auf unsere Station.
Leider ist die Aufklärung der Palliativmedizin noch immer sehr mager.

Wir geben unseren Patienten von Anfang an ein Gefühl der Sicherheit, nehmen Ihnen die Angst und geben Ihnen viel Zeit,
wir hören zu,
wir weinen gemeinsam mit unsreren Patienten
aber wir lachen auch sehr viel-das gibt allen wieder Kraft,
wir geben unsren Patienten Hilfe die sie brauchen,
auch psychologische Hilfe.

Der Tagesablauf auf einer palliativstation kann nicht mit dem auf Normalstationen im Krankenhaus verglichen werden.
Es ist individueller und familiärer.

Bei Schmerzen bekommen die Patienten die erforderliche Dosis an Medikamenten um die Lebensqulität zu erhalten, auch andere Nebenwirkungen im Endstadium einer unheilbaren Krankheit werden auf der palliativstation gelindert.

Das Ziel ist es die Patienten wieder nach Hause zu entlassen um ihr noch verbleibendes Leben so angenehm wie möglich zu gestalten.

Patienten die im Endstadium angekommen sind werden so weit versorgt bis sie in unser Hospiz kommen können und dort einen würdevollen und schmerzfreien Abschied vom Leben zu nehmen.

Wir führen täglich individuelle und lange Gespräche mit den Patienten ebenso wie deren Angehörigen, gehen auf Ihren Lebensweg ein versuchen Ihnen die Angst zu nehmen und zeigen ihnen die vielen Möglichkeiten für zu Hause, organisieren alle wichtigen Dinge für zu Hause.
Auch gibt es auf der Station eine Aromatologin, durch sie haben wir die Besonderheit-
Aromabäder,
spezielle Schmerzöleinreibungen,
Entspannungsmassagen oder
warme Brustwickel mit verschiedenen Ölen
an unsere Patienten zu geben.

Weiter kümmern sich Ergotherapeuten, Physiotherapeuten und Musiktherapeuten, Seelsorger um unsere Patienten.

Mein Leben hat sich auf durch die Palliativstation sehr verändert.
Ich achte das Leben mehr,
nehme nicht mehr alle Dinge so wichtig- es kann auch mal was liegen bleiben,
schätze jeden Tag den ich gesund bin,
bin ausgeglichener
und habe viel mehr an Liebe ab zu geben als früher- was mir meine Familie immer wieder bestätigt.

Mein kleiner Einblick in meine Arbeit auf der Palliativstation sollte die Angst nehmen, viele kommen erst so spät und sind dann traurig nicht schon eher von einer solchen Station erfahren zu haben.

Ich möchte zum Schluß noch einmal ganz deutlich sagen

EINE PALLIATIVSTAION IST KEINE STERBESTATION !!!

Viele Dank für Euer Interesse, sollten noch Fragen aufkommen würde ich mich sehr freuen von Euch zu lesen.

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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
rommyz

rommyz

15.03.2012 07:04

Hallo und Danke für Deinen Kommentar, wir haben auch eine Musiktherapeutin, Physiotherapeutin und Ergotherpeutin. LG

colorfulgreen

colorfulgreen

14.03.2012 22:44

Sehr interessant! Hast du mal was von Klangmassagen gehört? Das ist auch eine sehr gute Möglichkeit, Entspannung und Gelassenheit zu fördern.

schlagergalaxie

schlagergalaxie

22.01.2012 16:38

ich wusste bisher nie so ganz genau, was palliativmedizin eigentlich heisst. auch ein paar recherchen im netz klärten mich da nicht wirklich auf. daher kommt dein bericht gerade recht und nun kenne ich mich um einiges besser aus. danke!

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