Erfahrungsbericht über

Pädosexualität / Marlene Stein-Hilbers, Claudia Bundschuh

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Täter befragt

4  19.06.2001

Pro:
Lobenswerter Ansatz bei schwierigem Thema

Kontra:
Kritische Verallgemeinerungen, feminist .  Sicht verengt Blick

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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Misstrauisch

Über sich:

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Erfahrungsberichte:6

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Eines der wenigen Bücher, die sich mit Tätern und potentiellen Tätern am Objekt, nämlich mittels der Befragung sich als pädosexuelle definierender Männer, beschäftigen. Die Autorin versucht mit diesem Werk Erklärungsmodelle zur Entstehung dieser sexuellen Begehrensrichtung zu finden. Die Legitimation und Zielrichtung werden schon in der Einleitung mit dem Ziel einer Verbesserung therapeutischer und präventiver Arbeit geäussert. Die Annahme ist, dass Pädosexualität eine Auswirkung bestimmter biographischer Erfahrungen sei und sich in den Kontext männlich geschlechtsspezifischer, und damit als von der Autorin prinzipiell gewalttätig betrachteter Sexualität eingliedere. Hier liegt schon einer der Grundfehler der Autorin, weil die automatische Gleichsetzung von "männlich" mit "Machtstreben" und "Gewalt" zwar aus der Historie gerechtfertigt erscheinen mag, aber sowohl weibliche Macht- und Herrschaftsansprüche und weibliche Gewalt als auch Männer ausblendet, die diesem Muster nicht gerecht werden.
Die Autorin fährt mit einem Exkurs in die Geschichte der Wahrnehmung und Erforschung von Pädosexualität und den verschiedenen Einordnungen als Perversion, Deviation und Paraphilie fort, um schliesslich Pädophile anhand der Tätertypen in Fixierte, Regressive und Soziopathische Täter, die Übergriffe über die Motivationstypen Nicht-Sexuell, Sexuelle Ausbeutung, Sexuelle Aggression einzuordnen. Diese Einordnung beruht auf Forschungen an durch Missbrauch aufgefallenen Tätern, so dass es fraglich ist, die Gesamtheit der Pädosexuellen in dieses Schema pressen zu wollen - Pädosexuelle Nicht-Täter bzw. nicht als Täter bekanntgewordene und damit nicht in die zugrundeliegenden Forschungen einbezogene könnten gänzlich andere Charakteristika aufweisen. Es wird anhand bisheriger Untersuchungen davon ausgegangen, dass es sich nahezu ausschliesslich um ein Problem von Männern handelt, die Betroffenen entweder Mädchen oder Jungen (also kaum beide Geschlechter gleichermassen) im Alter zwischen 6 ... 15 Jahren anziehend finden. Die präferierten sexuellen Praktiken, wenn sexuelle Handlungen stattfinden, entsprechen weitgehend denen zwischen Erwachsenen. In Anbetracht der Untersuchungsergebnisse und des bei den jüngsten Polizeierfolgen in Internettauschringen gefundenen Materials sind abnorme sadistische Handlungen als eher selten anzusehen.
Im zweiten Kapitel werden die gesellschaftliche Wahrnehmung pädosexueller Kontakte und Versuche zur Entkriminalisierung im Kontext beschrieben und eine Argumentation gegen die Entkriminalisierung geführt.
Kapitel drei widmet sich der angenommenen Genese pädosexuellen Begehrens, beginnend von Ausflügen in die Geschichte der Sexualforschung bis zu den modernen Konzepten. Die Ausbildung der Sexualität vom Kleinkind bis zum Erwachsenen wird erläutert, Rollenmodelle und die Wirkung von Peergroup und erwachsenen Vorbildern erörtert. Kurioserweise glaubt die Autorin, die Alleinerziehenden-Familie mit der Mutter als alleinigem Elternteil als gleichwertig zu einer Familie mit vorhandenem Vater darstellen zu müssen - die Rolle des Vaters, die in der neueren Forschung unbestritten ist, scheint ihr unter feministischer Gesichtsfeldverengung entgangen zu sein.
Im Kapitel vier gibt die Autorin Erklärungsmodellen zur Pädosexualität Raum. Aus den angeführten theoretischen Ansätzen ergibt sich in allen Fällen, "... dass die Ausbildung von normabweichenden Sexualpräferenzen durch Entwicklungsstörungen in früher Kindheit bedingt wird. Die Perversion erfüllt nach Ansicht der AutorInnen eine Stabilisierungsfunktion. Sie bindet die aus den Störungen resultierenden Ängste und Verunsicherungen im Bereich der Sexualität und verschafft zumindest kurzfristig eine Entlastung von intrapsychischen Konflikten." (S.110) In den Erläuterungen zu lerntheoretischen Ansätzen setzt sich die Autorin kritisch mit der These, dass Opfer zu Tätern werden, auseinander und führt entsprechende Probleme auf unzureichende Hilfen für männliche Opfer von Gewalt und verbreitete Männlichkeitsbilder als >nicht-hilfsbedürftig< zurück. Als letztes wird das Vier-Faktoren-Modell von Finkelhor als bislang bestes gezeigt. Die Faktoren sind: Emotionale Kongruenz Erwachsener - Kind, Sexuelle Erregung (durch Kinder), Blockade (bei altersangemessenen Kontakten), Enthemmung hinsichtlich sozialer Regeln.

In den nachfolgenden Kapiteln widmet sich die Autorin schliesslich den durchgeführten Befragungen. Gesucht wurden Gesprächspartner im Hell- und Dunkelfeld, wobei schliesslich 20 Männer gefunden wurden. Die Befragung gestattet also keine generalisierenden Rückschlüsse. Es wurden drei Gruppen gefunden, die sich hinsichtlich des Verlaufes der Entstehung ihrer Neigung und ihrer Präferenzen unterschieden und vorgestellt werden.
Verlaufsform 1 zeichnet sich demzufolge aus durch weitgehende Nichtbefriedigung kindlicher Grundbedürfnisse, daraus folgend gestörtes bzw. negatives Selbst- und Körpergefühl sowie gestörte Fähigkeiten zu emotionalen Beziehungen zu anderen Menschen. Gefühlsmässige und verkörperte Ohnmacht. Bevorzugung von Jungen mit ähnlichen Defiziten, identifikatorische Befriedigung eigener unerfüllter kindlicher Bedürfnisse.
Verlaufsform 2 erscheint geprägt durch Überforderungen der kindlichen Persönlichkeit durch eine Bestätigung der eigenen Person nur bei Erfüllen erwachsener und Unterdrücken kindlicher Wünsche. Die Überforderung wurde als im Einklang stehend mit männlichen Rollenbildern gesehen, die Artikulation eigener Interessen nicht gelernt. Diese Gruppe bevorzugte Jungen mit einem dem eigenen entgegengesetzten Verhalten, um damit unterdrückte Verhaltensweisen auszuleben.
Bei Verlaufsform 3 wurden keine spezifischen Mangelerfahrungen abgesehen von mangelnder körperlicher Nähe und distanzierten Vaterfiguren in geschlechtshierarchischen Familiensystemen gefunden. Die Höherstellung des Mannes wird verinnerlicht, Frustrationen des Selbstbildes durch Misserfolge lassen Mädchen als weibliche, also geschlechtsrichtige, aber schwache und beherrschbare Partnerinnen attraktiv werden. Das hat auch die Konsequenz, dass diese Gruppe eher zu Gewalt in den sexuellen Kontakten neigte.
Es muss nochmals betont werden, dass diese Gruppen auf Grund der Befragung von nur zwanzig Personen gefunden wurden, also z.B. eine Präferenz für Mädchen nicht zwangsläufig zu einer Einordnung in die dritte der gefundenen Gruppen führen darf - dem Rezensenten sind Fälle bekannt, in denen das falsch wäre, vielmehr scheint die konkrete Ausprägung der Geschlechtspräferenz von weiteren Faktoren wie etwa Verfügbarkeit geeigneter Objekte abhängig zu sein.
Ein kurzer Exkurs zur Frage der Pornographie mit fragwürdiger Qualität, eine Zusammenfassung mit Hinweisen zur notwendigen weiteren Forschung und zu möglichen Ansätzen der Missbrauchsverhinderung (psychotherapeutisches Aufarbeiten der Kindheitsdefizite, Empathie für Kinder bei den Übergriffigen, eine offenere Diskussion über mögliche sexuelle Lebensstile und Objektwahlen in der Gesellschaft etc.) sowie ein Literaturverzeichnis schliessen das Buch ab.
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
time13

time13

05.09.2001 23:03

nimms nich persönlich das ich nich bewerte, aber irgendwie versteh ich das nich was du da geschrieben hast..... bin halt nur ein dummer schüler......greetz

ZUCKARLE

ZUCKARLE

19.06.2001 13:17

Guter Bericht, aber gelegentlich einen Absatz würde nicht schaden :-) LG s`ZUCKARLE

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Pädosexualität: Entstehungsbedingungen Und Erscheinungsformen (German Edition) - Claudia Bundschuh

Pädosexualität: Entstehungsbedingungen Und Erscheinungsformen (German Edition) - Claudia Bundschuh

Seiten: 300, Ausgabe: 2001, Taschenbuch, Leske + Budrich Verlag

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