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In meinem Studentenkabuff ohne Telefon, Internet und Fernsehen bleibt mir ja gar nichts anderes übrig als zu lesen oder mich mit meinem Studium zu beschäftigen. Da ich aber gerade mal eine Woche richtige Vorlesungen habe, ist im Studium noch nicht so viel zu tun. (Außerdem sind die Prüfungen ja noch in weiter Ferne!) Also lese ich und schreibe schon wieder über einen Roman. „Pandora“ von Anne Rice bekam ich geschenkt, sonst hätte ich ihn wahrscheinlich nicht gelesen, weil ich nicht so ein wirklicher Fan von Vampirgeschichten bin. Und dieses Buch sollte eine sein, wie der Klappentext behauptete. Doch zunächst werdet ihr etwas zum Inhalt erfahren.
Pandora ist ein weiblicher Vampir und schon Jahrtausende alt. Von David, ebenfalls einem Vampir, wird sie gebeten, ihre Geschichte niederzuschreiben. Zunächst sträubt sie sich, doch als sie erst einmal angefangen hat, scheint es ihr unbedingt nötig, sich zu erinnern. Immer tiefer dringt sie in ihre Erinnerungen ein, bis sie zu ihren Anfängen gelangt. Diese liegen im alten Rom. Pandora, damals mit Namen noch Lydia, wird im Jahre 15 vor Christus als jüngste Tochter eines Senators geboren. Normalerweise wurden Mädchen in Rom ja nicht so gern gesehen, doch Pandoras Vater hatte schon mehrere Söhne. Kurz darauf stirbt Pandoras Mutter und Pandora wird das Nesthäkchen und der Liebling ihres Vaters. Sie lernt bei ausgezeichneten Lehrern, bei denselben, bei denen auch ihre Brüder lernten, und zeichnet sich bald durch einen brillanten Geist aus. Schon in jungen Jahren zitiert sie Ovid und besiegt so manchen Erwachsenen mit ihren Argumenten. Zweimal wird sie auch verheiratet, doch beide Ehen wurden nicht aus Liebe geschlossen und bald wegen Kinderlosigkeit geschieden. Nun ist der Kaiser Tiberius an der Macht, unter dem die berüchtigten Delatores umgehen. Das ist eine Horde von Männern, die ganze Familien ohne jegliche gerichtliche Verhandlung meucheln, weil sie jemand des Hochverrats bezichtigte. Außerdem können die Delatores ein Dritteln des Vermögens der ermordeten Familie behalten. Eines Tages geschieht das auch Pandoras Familie. Zunächst werden ihre Brüder mit ihren Familien und dann auch noch ihr Vater ermordet. Pandora kann nach Antiochia fliehen und erfährt dort, dass ihr jüngster Bruder Lucius ihre Familie den Delatores grundlos ausgeliefert hat. Doch in Antiochia begegnet sie auch Marius, ihrer Jugendliebe, den sie nicht heiraten durfte, wieder. Dieser wird ihr über einen Mittelsmann vorgestellt und soll Pandora helfen, ihre Träume zu deuten, in denen sie immer wieder Blut trinkt. Sie fühlt sich natürlich wieder zu Marius hingezogen, der aber seltsam reserviert bleibt. Als sie sich jedoch bei Marius aufhält, greift sie ein verkohlter Mann an und saugt ihr das Blut aus. Pandora ist dem Tod nahe, bis Marius sie sein Blut trinken lässt. Auf geheimnisvolle Weise kann sie auch von einer Statue, welche die Akasha, die Göttin, welche die Bluttrinker erschaffen hat, darstellt, trinken. So beginnt ihr Leben als Vampirin, dass sich über mehr als zwei Jahrtausende erstrecken soll...
Ich hatte von einer Autorin namens Anne Rice schon mal gehört, aber ich kannte weder einen Buchtitel von ihr, noch konnte ich sie einem Genre zuordnen. Auf dem Klappentext von „Pandora“ stand dann, dass sie eine erfolgreiche Autorin mehrerer Vampirromane ist. Ich ging aber völlig erwartungslos an das Lesen dieses Romans, weil ich ihn ja geschenkt bekommen hatte und mich so auch hinterher über verschwendetes Geld nicht ärgern bräuchte, wenn er mir nicht gefiel, mir müsste es dann nur die vergeudete Zeit leid tun.
Die Story fing jedenfalls schon einmal sehr gut an. Geheimnisvoll ging es los, da ich ja die Vampire der Autorin noch nicht kannte. So war es für mich auch recht neu, dass Pandora nur von Menschen trinkt, die entweder Verbrechen begangen oder nichts mehr vom Leben zu erwarten haben. Sie kann auch in die Gedanken anderer eingreifen und gaukelt ihren Opfern das vor, was diese sich schon immer gewünscht haben, womit sie ihnen den Schrecken des Todes nimmt. Es geht dann auch richtig gut los und die Beschreibungen des alten Rom wirken wirklich so, als seien sie von einem Wesen aufgeschrieben worden, dass den Wandel der Zeiten erlebt hat. Es ist wirklich hochinteressant, diese Zeit aus der Sicht einer hochgestellten, intelligenten und unabhängigen Frau zu erleben. So bekommt man auch Einblick in die politischen Ränkespiele, die zu dieser Zeit an der Tagesordnung waren.
Als es dann zu den Morden durch die Delatores kommt, wird es für kurze Zeit richtig dramatisch und spannend. Mit der Hilfe eines mit ihrem Vater befreundeten Kaufmannes kann Pandora scheinbar als einzige ihrer Familie fliehen. Zu dieser Zeit beginnen auch Pandoras mysteriöse Träume. Diese sind teilweise richtig beängstigend und verwirrend. Pandora weiß ebenso wenig wie der Leser, was sie zu bedeuten. Nur langsam nähert man sich gemeinsam mit der Protagonistin dem Kern der Sache. So war es mir auch ein leichtes, weiterzulesen, weil ich einfach wissen wollte, wie es weitergeht, was hinter den Träumen steckt. Zwar war dieses Verlangen nicht übermäßig groß, doch es war da und machte das Lesen leichter.
Bis die eigentliche Geschichte vorbei ist, also so lange, wie Pandora in Antiochia bleibt, ist es auch noch schön zu lesen, aber danach scheint es, als wollte Anne Rice die folgenden zwei Jahrtausende im Zeitraffer überbrücken. Das gefiel mir allerdings weniger, denn so leidet die Tiefe der Geschichte doch gewaltig. Angeblich soll das ja erst der Auftakt zu einer Reihe von Vampirromanen werden und da hätte man diese weiterführende Geschichte ruhig später irgendwie mit einbauen können. In „Pandora“ scheint sie wie lieblos hineingepresst, als hätte die Autorin noch ein paar einzelne Ideen gehabt, die sie unbedingt in das Buch hineinpressen wollte. Dadurch wirkt das Ende viel zu zusammengedrängt und wie eine Zusammenfassung eines oder mehrerer späterer Romane, vor allem weil der Rest der Geschichte recht ausführlich erzählt ist.
Ansonsten ist noch zu sagen, dass Anne Rice wohl eher für Frauen schreibt. Ich habe zwar schon Romane gelesen, die noch extremer auf Frauen zugeschnitten waren, aber dieser hier zeigt auch schon deutliche Ansätze, obwohl so mancher Mann vielleicht auch Spaß an „Pandora“ haben könnte. Stilistisch ist es eine gelungene Mischung aus ein wenig gefühlsbetontem Frauenroman und solider, neutraler Erzähltechnik. So ist der Roman durchaus für beide Geschlechter geeignet, auch wenn seine Zielgruppe wohl eher die Frauen sein dürften. Er liest sich auch recht schnell, da nicht viele und auch keine sehr komplizierten Namen oder knifflig formulierte Sätze vorkommen.
Abschließend möchte ich euch „Pandora“ von Anne Rice durchaus empfehlen. Ich habe mich beim Lesen gut unterhalten gefühlt und würde auch noch ein Buch dieser Autorin lesen, auch wenn ich nicht speziell danach Ausschau halten werde. Die Story ist interessant und die Protagonistin sympathisch. Kritisch anzumerken sind nur die letzten 40 Seiten in denen zweitausend Jahre nur bruchstückhaft aufgeschrieben sind. Das wirkt dann doch sehr lieblos und liest sich nicht mehr schön. Das hätte nun wirklich anders gestaltet werde können. Aber insgesamt gibt es ein „gut“ für diesen Roman.
„Pandora“ von Anne Rice erschien 2001 unter der ISBN 3-8289-0435-1 im Weltbild Verlag und kostet auch nur 3,95 €. Die Originalausgabe erschien bereits 1998 unter dem gleichen Titel bei Alfred A. Knopf. Die Übersetzung machte Barbara Kesper.
Ich bin da ja eigentlich auch kein Freund von...Vampirgeschichten, meine ich...allerdings klingt mir Deine Beschreibung doch so, daß es mal eine Möglichkeit zum Überbrücken der Zeit zwischen zwei Büchern, die mich wirklich interessieren, wäre...so im Urlaub oder so...
Sei gegrüßt. Vielleicht ist ja die Lückenhaftigkeit zum Schluss hin auch Programm... und genau da wird dann eine Fortsetzung aufgesetzt? Gute Besprechung. In diesem Sinne - Pessoa
pir-Chroniken, stürzen wie die Vampirgemeinde auf einen unberührten Hals. Die Heldin unserer Geschichte, Pandora, ist die Tochter eines römischen Senators zurzeit Kaiser Au...
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31.10.2003 18:48
Ich bin da ja eigentlich auch kein Freund von...Vampirgeschichten, meine ich...allerdings klingt mir Deine Beschreibung doch so, daß es mal eine Möglichkeit zum Überbrücken der Zeit zwischen zwei Büchern, die mich wirklich interessieren, wäre...so im Urlaub oder so...
31.10.2003 13:40
Sei gegrüßt. Vielleicht ist ja die Lückenhaftigkeit zum Schluss hin auch Programm... und genau da wird dann eine Fortsetzung aufgesetzt? Gute Besprechung. In diesem Sinne - Pessoa
28.10.2003 17:33
ein gelungener bericht