Erfahrungsbericht über

Papillon - Roman / Henri Charrière

Gesamtbewertung (7): Gesamtbewertung Papillon - Roman / Henri Charrière

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Eine Odyssee ohne gleichen - Papillon, das Buch

5  29.12.2001

Pro:
Unglaublich fesselnd, schockierend und nicht zuletzt spannend

Kontra:
Eigentlich nichts !

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Niveau

Unterhaltungswert

Spannung

Wie ergreifend ist die Story?

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sSinner

Über sich:

Mitglied seit:03.07.2000

Erfahrungsberichte:84

Vertrauende:59

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 76 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Das Buch „Papillon“ von Henri Charrière ist, und dies direkt vorweggenommen, keine normale Unterhaltungsliteratur.
Der Autor berichtet in dieser Erzählung in einfachen Worten von seiner von
13 Jahre währenden Haft in verschiedenen Internierungslagern, den „Bagnos“ wohin er 1933 unschuldig hin verwiesen wurde. Papillons Leben in den Strafkolonien ist unheimlich interessant zu lesen, schildert er doch die damals dort herrschenden unmenschlichen Haftbedingungen wie Einzelhaft mit Sprachverbot über mehrere Jahre usw. © sSinner
Dies alles wäre wohl sehr in die Länge gezogen, wenn man bedenkt, daß das im Fischer Verlag erschienene Taschenbuch für knapp 20 DM, 581 Seiten Lesestoff bietet.
Doch man lasse mich näher erklären *g* :

Henri Charrière verdankt einer Tätowierung in Form eines Schmetterlings auf seiner Brust den Namen Papillon.
Gerade fünfundzwanzig wird er zu Unrecht für einen Mord an einem Zuhälter zu lebenslänglicher Zwangsarbeit im Oktober 1932 verurteilt.
Der Leser dieser Lebensgeschichte begleitet Papillon von Frankreich in die französische Strafkolonie. Von dort nach Kolumbien, dort wiederum über zahlreiche Zwischenstationen ins hiesige Gefängnis und durch widrige Umstände zurück nach „Französisch Guayana“. Dort wird er direkt auf die „Inseln des Heils“, die drei Gefängnisinseln verbannt, da von dort ein Fluchtversuch absolut unmöglich ist. Dennoch gibt Papillon nicht auf und der Leser wird Zeuge von den Gedanken und Plänen dieses wohl unbeschreiblich willensstarken Menschen.
Immer wieder läßt Charrière seine Gedanken in die bloße Tatsachenerzählung mit einfließen, mischt seine Weltanschauung mit den Gegebenheiten der Zeit in der er das Buch in dreizehn Schulhefte (diese Bilden im Buch die Kapitel) handschriftlich um 1970(?) verfaßte und erzählt auch immer wieder vom Schicksal seiner Mitgefangenen, dem Lebensstil in der Strafkolonie. Er erklärt die damalige Hierarchie in den „Casas“ der Gefangen auf den Inseln, schildert unmenschliche (und in manchen Ländern schrecklicher Weise immer noch gebräuchliche) Umgangsweisen mit „Opfern eines Justizsystems“, beschreibt sein Leben in den wenigen Momenten in Freiheit, die er immer wieder kurzfristig erringt. © sSinner
Diese Momente machen das Buch so Seitenreich und geben ihm dennoch das gewisse Etwas, denn dadurch hat man das Gefühl den Autor teilweise kennen zu lernen, ihm hinter die Stirn zu sehen und alles mit ihm zu erleben. Sei es, daß er von seinem Aufenthalt bei Indianern, Ordensschwestern oder armen Landmenschen berichtet, sei es ob er seine Impressionen des nächtlichen Dschungels oder die des tobenden Meeres schildert -
Henri Charrière erzählt dreizehn Jahre seinen Lebens überaus plastisch in einem Stil, der eigentlich schon an sich einmalig ist.

Ich habe bereits einige Romane gelesen, die als Erzählung verfaßt wurden, wo also der Autor in der „Ich – Form“ schrieb.
Einige waren ebenso wie „Papillon“ mehr oder minder Tatsachenberichte in Buchform, jedoch hebt sich „Papillon“ aus diesen Romanen durch das, was er schildert deutlich ab. Im selben Tonfall wie Charrière darüber berichtet wie er einen guten Freund gewann, wird wenige Buchseiten später genau dieser Freund von einem anderem Sträfling hinterrücks ermordet. Dieser Umstand wird genau wie das kennenlernen in ein, zwei Sätzen abgehakt. Alles erscheint irgendwie gleich intensiv, der Leser (so ging es mir zumindest) muß manche Sätze einfach mehrfach lesen um sich der Tragweite des gerade Geschehenen bewußt zu werden und seine Emotionen verarbeiten zu können. Dabei wird dieser Schreibstil nur selten abschweifend und dadurch etwas langatmig. Ganz selten! Immer wieder nämlich kehrt die Handlung durch Zufälle die Richtung, tauchen neue Charaktere auf und verschwinden alte, daß die Geschichte eigentlich nie wirklich langweilig werden kann.

Oft genug stand mir beim Lesen der Mund offen, ob des Wagemuts dieses Menschen und seiner Freunde (zum Beispiel zwei aneinandergenähte Mehlsäcke gefüllt mit Kokosnüssen als Floß benutzend drei Tage über das offene Meer in die Freiheit zu schwimmen?!) der Mund offen und ich schüttelte ob dieser Waghalsigkeit einfach nur den Kopf. Immer wieder fieberte ich mit, wenn eine Flucht stattfand – immer wieder dachte ich erstaunt, daß sie abermals scheiterte – an den dümmsten Kleinigkeiten die man sich zum Teil vorstellen kann.

Eine genaue Inhaltsbeschreibung möchte ich gar nicht erst versuchen – dadurch würden viel zu viele Kehrtwendungen in dem Buch verloren gehen und man bräuchte es nicht mehr selber zu lesen.
Vor kurzem kam der gleichnamige, zweiteilige Film (irgendwann in den späten 70ern mit Dustin Hoffman?!?) im Fernsehen und ich war teilweise enttäuscht, teilweise begeistert. Enttäuscht, weil einfach viele Gedankengänge und Überlegungen Charrières in dem Film auf der Strecke blieben, die für das Buch aber elementar wichtig sind, begeistert von der doch relativ buchorientierten Verfilmung (Handlung, Schauplätze usw).

Wer bisher aber nur den Film kennt, der kennt nicht einmal die Hälfte – all die teils lustigen, teils brutalen, teils traurigen Anekdoten aus dem „Bagno“ und den dort Inhaftierten, all die Gedanken Charrières gehen diesem „Nur-Film-Kenner“ verloren. Wer bisher weder das Buch noch den Film kennt sollte unbedingt das Buch lesen :)
Ich habe zwar sehr lange dafür gebraucht, was aber hauptsächlich an meinem Studium und Klausuren etc. lag, als an Unwillen – und heute habe ich gleich nach dem Wachwerden das Telefon auf lautlos geschalten, das Handy erst gar nicht angemacht und 6 Stunden am Stück nur im Bett gelegen und gelesen, gelesen, gelesen...

Jetzt muß ich mal notgedrungen meinen AB abhorchen und mir eine gute Ausrede für mein nichterreichbar-sein einfallen lassen, während ihr Euch schnellstmöglich dieses Buch anschaffen müßt!

Viel Spaß beim Lesen und einen schönen, guten Rutsch mit einem perfektem Start ins Neue Jahr wünscht,

Sebastian
© sSinner


581 Seiten
ISBN: 3596212456


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
monanina

monanina

05.11.2008 23:04

Mein Lieblingsbuch :-)

Dunia

Dunia

10.03.2002 21:30

Hi! Ich hab den Film schon gesehen und fand den ziemlich gut. Aber ich werde das Buch jetzt wohl auch noch lesen, wenn du meinst, dass sich das auf jeden Fall noch lohnt. Ein guter Bericht! Viele Grüße Dunia

JensTaube

JensTaube

12.02.2002 11:40

Komisch: Von dem Dustin HoffmannFilm hatte ich schon gehört, aber dass es auch ein Buch gab, war mir nicht bewusst. Prima Bericht. Gruß JT

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  1. monanina
  2. logan
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