Ein Titel der Neugier weckt!
30.07.2006
Pro:
Spannung, Tiefgang, Emotionen
Kontra:
-
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Niveau
Unterhaltungswert
Spannung
Wie ergreifend ist die Story?
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 stefankeller
Über sich:
Schauen Sie sich um und lassen Sie es mich ruhig wissen, wenn Ihnen ein Artikel besonders zusagt ode...
Mitglied seit:16.05.2000
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Er musste ja freigekommen sein, sonst hätte das Werk nie entstehen können. Aber von vorne. Das Buch Papillon (dt.: Schmetterling) basiert auf einer wahren Begebenheit. Es gibt nur wenige Indizien dafür, dass es sich so zugetragen hat, aber eigentlich lässt sich an der Glaubwürdigkeit des Kleinganoven Charrière, der er einmal war, nicht groß rütteln.Papillon, das ist Charrière selber, lebt in Paris. Dort geht er seinem Kleinganoventum nach, lebt ein lasterhaftes Leben im Künstlerviertel, ist dennoch gesellschaftlich verwurzelt und hat Familienbindungen, sowohl zum Vater als auch zur Frau. Plötzlich steht dieser Tropf vor Gericht und soll einen Menschen ermordet haben. Eiskalt sei der Staat zu ihm. Charrière schildert die anfängliche Gerichtsszene schon so, dass es einem kalt über den Rücken läuft. Da sitzt er, alle wollen seine Verurteilung- schuldig oder nicht, das scheint keine Rolle zu spielen, denn ein Sündenbock, ein Täter wird gebraucht. Schnell lernt Papillon den harten Gefängnisalltag kennen. Nicht nur das, nein, er lernt davon und arbeitet sich überall dort wo er ist zu einer Führungsperson unter den Bestraften hoch. Es geht zunächst in ein Zwischenlager in Frankreich, dann in das berüchtigte Bagno in Süd- bzw. Mittelamerika. Ein riesiges Freilandgefängnis, umgeben von Dschungel, wilden und gefährlichen Tieren und im Grunde ist es nicht machbar hier zu entkommen. Der Wille des Protagonisten jedoch seine Unschuld deutlich zu machen und es "denen in Paris" zu zeigen, treibt ihn zu unvorstellbaren Leistungen, sowohl körperlicher als auch geistiger Natur. Papillon will sich rächen. Doch diese Rachegedanken zerfressen ihn auch gleichzeitig innerlich, je länger er alleine mit sich selber ist. Ewig könnte ich weiterschreiben und ich habe das Gefühl nicht einmal begonnen zu haben! Ich will es knapper fassen: Papillon ist ein symphatischer Typ, der den Gefängnisalltag schildert, ihn lebt, neue Maßstäbe unter den Gefangenen setzt, zeigt, dass ein solches System wie es seinerzeit Frankreich betrieb mehr als unmenschlich ist und er bleibt selber trotz alledem menschlich und liebenswert.Die Geschichte spielt schon vor einer guten Weile, nämlich kurz vor dem und während des Zweiten Weltkrieges, aber das spürt man nicht in dem Sinne, dass die Handlung veraltet wäre. Man kann sich soetwas genauso heute vorstellen. Man denke an amerikanische Gefangenenlager oder Lager anderer Länder, die als zivilisiert gelten, die Lager dieser Art betreiben- keinen kümmert dies jedoch. Weder damals noch heute. Gerade während des Lesens beschäftigt man sich mit dieser Frage. Einerseits sind Mörder und Vergewaltiger im Bagno und in den anderen unschönen Anstalten, die es vielleicht verdient haben nicht gut behandelt zu werden, aber die Schilderung der Tatsachen bringt einen schnell wieder auf den Boden der Realität und man gerät ins Zweifeln. Das Buch ist nicht nur pure Unterhaltung, sondern Denkanstoß zugleich. Zwar weiß man, dass der Autor überlebt haben muss und entkommen ist, sonst hätte er das Buch nicht verfassen können- zumindest nicht in der Form, aber dennoch ist es schier unvorstellbar, dass ein einziges menschliches Wesen solche Torturen durchstehen kann und immer wieder den Willen dazu hat neu auszubrechen, neu zu fliehen, neu zu kämpfen. Papillon unternimmt nämlich nicht nur einen Fluchtversuch- soviel darf gesagt sein.Anfangs ist das Buch sehr traurig, es wird mit der Zeit aber irgendwie angenehmer und lustiger- vielleicht liegt das am Gefühlszustand des Autoren selber, denn er weiß ja, dass er sich mit jedem Buchstaben der endgültigen Freiheit ein Stückchen nähert! Im letzten Drittel musste ich einige Male herzlich lachen und häufig schmunzeln, weil man sich auch einfach dermaßen mit den Figuren identifiziert und die ganze Leidensgeschichte verfolgt hat, sodass man sehr tief in der Angelegenheit steckt und sich verwickelt fühlt, ohne dabei gewesen zu sein. Besonders schön fand ich die Beziehung des Papillon zum Ochsen- beim Lesen werdet Ihr schon merken, was ich meine. Wunderbar diese Szenen! Wer nicht Papillon gelesen hat, der kann einfach nicht mitreden. Papillon ist ein Muss, Pflicht- es führt kein Weg daran vorbei dieses Meisterwerk gelesen zu haben! Selber habe ich eher Schwierigkeiten mit moderner Prosa und mit dicken Büchern, aber weder störte mich der Stil Charrières, der erst nicht einfach, mit der Zeit aber doch angenehm ist, noch die gut 600 Seiten. Ich werde noch heute den zweiten Teil, den Nachfolger "Banco" anfangen zu lesen, und bin schon ganz gespannt auf "das Leben nach dem Leben im Knast"!Papillon verspricht Emotionen pur. Trauer, Freude, Hass, Wut- man lernt neue Blickwinkel auf die Welt, auf Systeme, auf den Staat kennen. Und man sieht Menschen nach dem Buch tatsächlich ein winzig kleines bisschen anders. Da ich eine Ausgabe aus den 70ern in etwa gelesen habe, kann ich Euch leider nichts zum Cover oder Aussehen oder sonstigem, das Äußere betreffend, sagen.Charrière las nach eigenen Angaben irgendein Gefängnis- oder Fluchtdrama und sagte sich anschließend soetwas wie "Das kann ich doch besser."- er holte sich Hilfe von einem Co-Autoren, schrieb seine Geschichte nieder und eines kann ich sagen: Es hat sich mehr als gelohnt und obwohl ich das andere Buch, das ihn inspirierte nicht kenne, kann ich fast mit Sicherheit behaupten, dass sein Buch, in das er soviel Herzblut fließen ließ, unumstößlich das bessere der beiden ist. Danke Henri Charrière für diesen Klassiker- 5 von 5 Sternen und eine warme Empfehlung an jedermann. Man muss weder ein bestimmtes Alter haben um dieses Buch zu mögen, man muss sich nicht für Gefängnisdramen, für Verbrechergeschichten oder ähnliches interessieren. Papillon ist ein Klassiker im klassischen Sinne und für mich gehört das Buch als Pflichtlektüre in jedes Bücherregal, das als solches bezeichnet werden möchte- Viel Spaß beim Lesen und vielleicht sagt Ihr mir im Anschluss ja wie Ihr das Buch fandet und empfandet.
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01.02.2007 04:12
Es gibt übrigens zu diesem Film eine sehr gute Verfilmung - wenn das überhaupt geht. Natürlich ist das Buch besser, aber der Film ist wirklich gelungen... mit Dustin Hoffmann und Steve McQueen USA 1973 von Franklin J. Shaffner. Wer das Buch gelesen hat, sollte sich den ruhig mal ansehen. Gruß Stephan.
20.08.2006 23:25
Dieses Buch wird wohl demnächst auf meinem Schlaftisch landen! LG
17.08.2006 18:18
Das ist ein tolles Buch. Die Rezension ist dir gelungen. Liebe Grüße aus Sofia