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Freundschaft und Hoffnung in der Hölle

5 20. Sep 2002

Pro:
grandiose Schauspieler, aufwühlend, hoffnungsvoll

Kontra:
kein

Empfehlenswert: Ja 

Details:

Humor:

Spannung:

Anspruch:

Action:

Romantik:

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carmen

Über sich: Widme meine Zeit nun vollständig einer anderen Plattform, bei der es nur um das Thema Reisen geht. H...

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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 66 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Es gibt wenig Filme, die es vermögen, mit anspruchsvollem Inhalt, einer menschlichen Geschichte und hervorragenden Schauspielern ein fast vollkommenes Ganzes zu bilden - dieser hier ist so ein Film, und es lohnt sich, ihn mehrmals anzusehen.


** Die Geschichte **
Eine Menge Männer sind auf dem Weg in die Strafkolonie Französisch Guayana, auf dem Weg in die Vergessenheit, denn mit dem besteigen des Schiffes gelten die Sträflinge in Frankreich als tot. Unter ihnen der unbeholfene, aber gebildete Louis Dega (Dustin Hoffman), der berühmteste Geldfälscher der Nation, wegen dem eine Menge Menschen viel Geld verloren haben, und der Kleinganove Henri Charierre (Steve McQueen) - genannt Papillon wegen der Schmetterlingstätowierung auf seiner Brust - ein wegen Mordes verurteilter Draufgänger, der behauptet, unschuldig zu sein.
Um seine späteren Fluchtversuche finanzieren zu können, bietet er Dega seinen Schutz vor den anderen Häftlingen an, die der Fälscher auch gut gebrauchen kann, wie sich kurz darauf herausstellt.

In Guayana angekommen, werden sie mit den strengen Regeln des Strafvollzuges bekannt gemacht. Auf Fluchtversuch steht lange Einzelhaft, auf schwere Vergehen sogar die Guillotine. Das Motto der Kolonie: „Wir machen aus gefährlichen Menschen harmlose Menschen. Das erreichen wir, indem wir sie zerbrechen. Wir zerbrechen sie physisch, seelisch und den Verstand.“
Die ersten Versuche, durch Degas Geld einige Erleichterungen zu bekommen, scheitern, weil auch unter den Offizieren Leute sind, die durch Degas gefälschte Anleihen ihr Vermögen verloren haben.
Also landen sie in der Arbeitstruppe in den Sümpfen. Es ist die Hölle: drückende Hitze, Feuchtigkeit und Malaria, Schwerstarbeit und die ständige Gefahr, sein Leben durch Mord oder Krankheit zu verlieren machen das Leben zur Qual.

Trotzdem gibt es hin und wieder auch Menschlichkeit und Hilfsbereitschaft unter den Häftlingen, aber jede Form von Gegenwehr vor den Übergriffen der Wachen wird brutal geahndet. Und so endet die erste verabredete Flucht von Papillon in der Einzelzelle.
Von nun an bestimmen das Warten auf Essen und das Ritual des Rasierens seinen Tagesablauf. Als er den Namen seines Freundes nicht preisgeben will, der ihm zur Stärkung Kokosnüsse schickt, wird er auf halbe Ration und ein halbes Jahr Dunkelhaft gesetzt. Doch Papillon schweigt.

Nach zwei Jahren Einzelhaft ist er schlohweiß, klapperdürr und krank, aber sein Wille zu entkommen ist ungebrochen. Während sich Dega durch sein Geld einen ruhigen Posten ergattert hat und darauf hofft, daß seine Frau von Frankreich aus für seine Entlassung kämpft, nutzt Papillon jede Schwäche seiner Mitmenschen aus, um einen neuen Fluchtplan auszuarbeiten.


** Filmkritik **
Der Film wird im Grunde allein von den beiden Hauptdarstellern getragen. Steve McQueen (Flammendes Inferno) spielt hier die Rolle seines Lebens, wie ich finde. Seine Darstellung des Mannes, den nichts und niemand von seinem Willen zu fliehen und Gerechtigkeit zu fordern abbringen kann, ist ungeheuer intensiv, dramatisch und absolut bewegend. Ich versuche mir immer vorzustellen, was ich in seiner Lage gemacht oder wie lange ich es ausgehalten hätte. Zunächst ist es nur eine Zweckgemeinschaft, was Papillon an Dega bindet, aber daraus entwickelt sich eine nachhaltige Freundschaft, die ein Leben lang hält, obwohl die beiden so verschieden sind.

Dustin Hoffman (Rain Man, Tootsie) war hier noch ziemlich jung, sein Anblick ist etwas ungewohnt mit der furchtbar dicken Brille und den großen Zähnen. Er verkörpert hier den eher ängstlichen Typ, der zwar sehr gebildet und clever mit seinen kriminellen Aktivitäten ist, aber der nichts riskieren will. Lieber harrt er ewig in der Hölle aus und wartet auf die offizielle Hilfe eines Anwalts, als das Risiko der Flucht und der darauf folgenden Haft einzugehen. Man hat unwillkürlich Mitleid mit diesem Mann und weiß, daß er bei der ersten Gelegenheit zerbrechen würde.

Dieser Film entstand bereits 1973 und kommt im Gegensatz zu den heutigen Streifen ohne Aktion, ohne eine Liebesgeschichte, sondern einfach nur mit einer bewegenden Geschichte aus. Die Wirkung machen allein die schauspielerische Leistung der Akteure, die Dramatik der Handlung und tollen Landschaftsbilder aus.

Trotz der unspektakulären Geschichte entsteht eine gewisse Spannung allein durch die schiere Unmöglichkeit einer Flucht und den fortwährenden Versuchen des Helden. Die tiefe Freundschaft der Protagonisten macht den Film sehr eindringlich und ergreifend, und man bangt geradezu mit ihnen für den Erfolg ihrer Flucht.

Und nicht zuletzt ist man entsetzt über die unmenschlichen Zustände in den Gefangenenlagern der französischen Nation. Was ein Mensch auch angestellt hat, kaum einer hat verdient, daß er auf so grausame Weise zerbrochen wird.

Stille und eingängige Klänge von Jerry Goldsmith mit leichtem Touch französischer Kaffeehausmusik untermalen die dramatischen Szenen sehr passend.


** Mein Fazit **
Ein eindrucksvolles und bewegendes Drama über Freundschaft unter unmenschlichen Bedingungen und ungebrochenen Freiheitswillen mit zwei phantastischen Schauspielern. Ein Film, den man unbedingt gesehen haben sollte.


** Daten **
USA 1973
Genre: Drama
Originaltitel: Papillon
Regie: Franklin J. Schaffner
Musik: Jerry Goldsmith
FSK 16

 
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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
Mottenhexe

Mottenhexe

24.09.2002 11:29

Oh jaaaa, ein toller Film, habe ich mir sicher schon 3 mal angesehen. Noch mehr hat mich allerdings das Buch gefesselt, darin habe ich gelesen, bis mir die Augen getränt haben. Leider habe ich es verliehen und nie wieder zurückerhalten - ja, warum wohl??? VLG Tina

Heckie

Heckie

22.09.2002 18:25

Besonders das Ende von dem Film war für mich immer ein Erlebnis

TomBlues2

TomBlues2

22.09.2002 02:14

*seufz* ob's den auf DVD mittlerweile gibt? Ich hab den schon ewig nicht mehr gesehen! Ich glaub eine bessere Rolle hat Steve McQueen nie gehabt! Viele Grüsse..Sebastian

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