Patchwork - Filming
07.12.2001
Pro:
Interessantes Thema
Kontra:
Umsetzung als Holzhammer - Schmonzette
Empfehlenswert:
Nein
 aldobar
Über sich:
"Das ist nicht tot, was ewig jodelt - bis das Jemand den Moik umhobelt" bzw: Ich bin wied...
Mitglied seit:12.04.2001
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"Leute!", muß der Boß des Filmstudios im Jahre 1998 eines Morgens beim Kaffee gesagt haben, "Wir brauchen mal wieder einen richtigen Boxoffice – Hammer, Ihr wißt schon, so einen Film den jeder, aber auch wirklich jeder, sehen MUSS!!!" "Ja, einen Familienfilm, einen Familienfilm!" schrie einer am Tisch begeistert. "Eine wahre Begebenheit!" rief ein zweiter. "Eine Komödie!", "Ein Tränendrüsendrama!", "Aber mit Botschaft!" meldeten sich weitere Tischgenossen lautstark zu Wort. "Genau!" entschied der Produzent, "Das machen wir!". Betretenes Schweigen in der Runde, irritierte Blicke. "Äh, Entschuldigung, WAS machen wir? Eine Komödie? Ein Drama? Ein...". Der Boß unterbricht: "All das – in einem Film!"
So oder so ähnlich muß die Vorgeschichte zu PATCH ADAMS aussehen; anders ist der Film jedenfalls kaum zu erklären. STORY Irgendwann in den 70ern: Hunter (Patch) Adams ist Insasse in einer Klinik für Geistesgestörte und tut sich dort mit immer neuen Späßen hervor. Da er auch die eine oder andere Gruppensitzung im Chaos enden läßt, ist er nicht unbedingt der Lieblingspatient der Ärzte. Seine Mitinsassen allerdings lieben ihn – schnell wird ihm bewußt, daß seine Witze die Anderen nicht nur aufheitern, sondern, wie durch ein Wunder, auch die eine oder andere Neurose verschwinden lassen.
Gegen den Willen des behandelnden Arztes verläßt er die Anstalt und beginnt ein Medizinstudium. Er entwickelt sich rasch zu einem der besten Studenten seines Jahrgangs, gerät aber mehr und mehr mit den Professoren aneinander. Patch will die Erfahrungen, die er in der Anstalt gemacht hat, auch in der Universitätsklinik einbringen, will heilen, indem er die Patienten zum Lachen bringt. Abgesehen davon, daß es den Studenten der unteren Semester untersagt ist, die Kranken allein zu besuchen, finden seine nonkonformistischen Ideen naturgemäß wenig Anklang bei der Obrigkeit. Zu eingefahren ist das System, als das es neue Ideen noch als richtig erkennen und integrieren könnte. Schließlich hat Patch die rettende Idee: gemeinsam mit seiner Freundin Carin (Monica Potter) und seinem besten Freund eröffnet er eine eigene Klinik, die auf dem Grundsatz aufbaut, daß das erste, was der Patient zur Heilung benötigt, gute Laune ist [wohlgemerkt: Patch und die Anderen sind zu diesem Zeitpunkt noch immer Studenten]. Die Klinik ist ein Riesenerfolg, doch düster drohen die Wolken am Firmament – das Schicksal schlägt zu, und zwar gleich doppelt. Schicksalsschlag Nummer 1 laß ich mal unerwähnt (ist eine der wenigen überraschenden Szenen im Film), Schicksalsschlag Nummer 2 ist, daß die Sache auffliegt, Patch vor einem Untersuchungsausschuß landet und sich verantworten muß...
KRITIK Man könnte es dabei belassen zu sagen, daß der Stoff in typischer Hollywood – Manier aufbereitet wurde und folglich das Übliche gilt: wer sein Hirn beim Filme-Schauen abschalten kann, wird seinen Spaß haben, der Rest wird frustriert abschalten. Allerdings erscheint mir diese Einschätzung für PATCH ADAMS zu milde und zwar ganz einfach deswegen, weil der Film den Anspruch erhebt, die Lebensgeschichte (bzw. ein Stück davon) einer real existierenden Person, Hunter Adams eben (dem Erfinder der Lach - Therapie), zu erzählen. Künstlerische Freiheit hin oder her, eine Lebensgeschichte kann man einfach nicht derart infantil darstellen, ebenso wenig, wie man sich einer medizinischen Theorie auf diesem Niveau auch nur nähern kann. Robin Williams spielt mal wieder sich selbst und hat sichtbar Spaß bei der Sache – allerdings kann man diese Freude als Zuschauer kaum teilen. Es ist schlicht nicht zu ertragen, ihm bei der Aufmunterung der Patienten zuzusehen. Wer Adams Buch gelesen (oder zumindest mal hinein geschaut) hat, der weiß, daß er eben gerade nicht der Ansicht war, man könnte kranke Menschen heilen, indem man sich lustige rote Nasen aufsetzt und mit Bettpfannen an den Füßen durchs Zimmer stolpert. Nicht, daß ich erwarten würde, in einem Unterhaltungsfilm eine medizinische Theorie detailliert erklärt zu bekommen – im Gegenteil! Aber ein klitzeklein wenig Respekt sollte man vor seinem Thema haben, und der geht hier ganz offensichtlich allen Beteiligten völlig ab.
Das Schwanken zwischen Komik und Tragik liegt schon im Thema begründet; daß also der Versuch unternommen wurde, beide Aspekte in einem Film zusammenzubringen ist eigentlich erfreulich. Schaut man sich allerdings die Umsetzung an, dann weiß man tatsächlich nicht, ob man lachen oder weinen soll. Sowohl in den (häufigen) komischen Momenten, als auch in den (deutlich selteneren) tragischen Szenen fehlt jedes Augenmaß, jeder Sinn für Fingerspitzengefühl. Selten einen Film gesehen, der so durchgängig wirkte, als sei er mit dem Holzhammer zusammengekloppt! Ein weiterer Negativpunkt sind die fußballfeldgroßen Löcher in der Logik. Beispielsweise ist Patch, wie weiter oben erwähnt, einer der besten Studenten seines Jahrgangs – man sieht ihn aber im gesamten Film nicht ein einziges Mal beim Lernen; im Gegenteil, es belustigt ihn ganz unheimlich, seinen paukenden Kommilitonen zuzusehen. Erklärt wird das damit, daß man um ein guter Arzt zu sein, nicht Millionen lateinischer Begriffe pauken müsse. Ja gut, kein Widerspruch; um aber gute Noten zu bekommen, müßte er das sehr wohl tun! Oder, noch gravierender: Patch behandelt Patienten, ohne sein Studium abgeschlossen zu haben, Medikamente und Verbandszeug läßt er in großem Stil aus der Uniklinik mitgehen. Er landet aber nicht etwa vor einem Gericht (schließlich sind sowohl Diebstahl als auch das Behandeln Kranker ohne abgeschlossene Ausbildung Straftatbestände) sondern vor einem universitären Untersuchungsausschuß.
FAZIT Um den Kreis zum Anfang zu schließen: PATCH ADAMS will eine Biographie sein, eine Komödie, Drama, Liebesgeschichte und noch ein gewichtiges Anliegen dem Zuschauer nahe bringen. PATCH ADAMS ist nichts von alledem – nur eines: ein Ärgernis. Wer sich für Adams Theorie interessiert, dem sei sein Buch "Good Health is a laughing matter" empfohlen (so weit mir bekannt, bisher nur in englischer Sprache erschienen)!
CREDITS Patch Adams USA / 1998 Regie: Tom Shadyac Darsteller: Robin Williams, Monica Potter, Daniel London u.a. Musik: Marc Shaiman und Eric Clapton
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29.11.2004 12:52
Da muss ich wohl das Buch lesen, um das beurteilen zu können.
11.06.2002 12:14
Hmm, hatte ich fast befürchtet. - Bei Beautiful Mind waren wir ja auch schon zum selben Ergebnis gekommen: Schmonzette mit einer Prise Möchtegern-Anspruch und Realismustünche...
26.05.2002 21:06
Wahrlich kein großer Wurf, aber in seiner seichten, manipulativen Art doch recht unterhaltsam...