Das Geschäft mit den Pelzen
03.05.2012
Pro:
Man kann hier gebrauchte Pelze verkaufen, rasche Überweisung des Ankaufbetrags
Kontra:
Lächerlich geringe Kaufangebote, Auskunft nur über eine gebührenpflichtige Hotline, Lagergebühr
Empfehlenswert:
Nein
 pinkdawn
Über sich:
Freue mich sehr über die vielen tollen Bewertungen und freundlichen Kommentare. Bei mir muss übrige...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 72 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als besonders hilfreich bewertet
Ich selbst trage keine Pelze, da ich der Meinung bin, dass sie an Vierbeinern viel besser aussehen. Meine Mutter stammte aber noch aus der Generation, in der „ein Nerz“ als „Traum jeder Frau“ empfunden bzw. den Damen von geschickten Kürschnerwerbungen eingeredet wurde. Als meine Mutter vor einigen Monaten starb, hinterließ sie mir, als einziger Erbin, daher nicht nur ihren Nerzmantel, für den sie bei Fürnkranz fast 3.000 Euro bezahlt hatte (die Rechnung habe ich noch), sondern auch noch andere Pelzjacken, -schals, -kappen und –mäntel.
Was tun mit geerbten Pelzen?Da stand ich nun mit all den Pelzen – und wusste nicht, wohin damit. Meine erste Idee war, sie in unserem Pfandleihhaus, dem „Dorotheum“, zur Versteigerung zu bringen. Ich setzte mich also mit dieser Institution in Verbindung – und musste leider erfahren, dass hier nur mehr Interesse an topmodischer Pelzbekleidung, die nicht älter als 5 Jahre ist, besteht.
Die Pelze meiner Mutter waren aber allesamt älter als 5 Jahre. Verwandte, denen ich die „guten Stücke“ schenken wollte, winkten ebenfalls ab: kein Interesse. Wir versuchten daher, die Pelze auf ebay an die Frau zu bringen, machten also Fotos von den einzelnen Stücken, beschrieben sie, so gut es ging, denn ich wusste bei einigen nicht, um welchen Pelz es sich handelt, und boten sie an. Ich schmeichle mir, nicht ganz unrealistisch zu sein und setzte daher die Preise allgemein sehr niedrig an. Einzig für den Nerz wollte ich mindestens € 175,- haben.
Die Pelze waren allesamt sehr gut erhalten und in einem wirklich ausgezeichneten Zustand. Meine Mutter hatte sie in einem Kasten aufbewahrt und jedes Stück noch dazu durch einen mottensicheren Überzug aus luftdurchlässiger, sauberer, weißer Baumwolle geschützt und mit geruchsfreiem Mottenschutz versehen. Eine Jacke, deren Pelzart ich nicht kannte – es handelte sich um einen relativ langhaarigen, flauschigen Pelz -, wurde von ebay aus Artenschutzgründen nicht akzeptiert. Dies wurde nicht näher erläutert. Ich habe bis heute keine Ahnung, welche Pelzart das ist.
Odyssee eines Nerzmantels
Der Nerz hingegen wurde immerhin auf € 280,- gesteigert. Da ich, wie gesagt, keine Illusionistin bin, fand ich diesen Betrag in Ordnung. Obwohl der Nerz nicht mehr ganz neu war, war er doch sehr schön – der Pelz war dicht, schwarz und glänzend. Meine Mutter hatte diesen teuren Mantel natürlich immer besonders gehegt und gepflegt und nur sehr selten getragen. Die Käuferin des Mantels war eine Dame aus Deutschland, der wir den Nerz per Post schickten. Doch anstatt ihn zu bezahlen, beschwerte sich die Dame gar fürchterlich darüber, dass der Mantel „altmodisch“ aussehe, dass die Haare ausgehen und das Futter (!) Mottenschäden zeige … Sollten wir auf dem Kauf bestehen, würde sie uns klagen. Kulanterweise sei sie aber bereit, den Mantel unentgeltlich zu entsorgen. Sollten wir ihn zurück haben wollen, müssten wir 25 Euro im Voraus als Postgebühren bezahlen.
Wir sind inzwischen keine ganz blutigen Anfänger auf ebay mehr und haben dort leider schon einige schlechte Erfahrungen gemacht mit Leuten, die, nachdem sie etwas gekauft hatten, behaupteten, die Ware funktioniere nicht (obwohl sie das bei uns noch klaglos getan hatte) oder sei leider, leider „total zerbrochen“ angekommen … Natürlich geht das Transportrisiko zu Lasten des Käufers. Aber wir waren anfangs immer so kulant und haben dann nichts verrechnet und sind dabei sogar noch auf den Portospesen „sitzen geblieben“. Inzwischen wollen wir zumindest Fotos von den angeblich - trotz sorgfältigster Verpackung -„total zerbrochenen“ Artikeln sehen … Man lernt eben dazu. Was den Nerz betraf, so verzichtete ich auf das großzügige Angebot der Dame, ihn „kostenlos entsorgen“ zu lassen, biss in den sauren Apfel, berappte die 25 Euro und ließ ihn mir schicken. Der Mantel kam in einem luftdicht verschlossenen Plastiksack bei mir an, in den er buchstäblich hineingepresst worden war, und war seltsamerweise feucht und roch „komisch“, irgendwie unangenehm „chemisch“.
Das Futter war an ein, zwei Stellen aufgetrennt und er hatte sichtlich unter dem völlig schonungslosen Transport gelitten. Ich war anfangs nicht einmal sicher, ob es sich wirklich um „meinen Nerz“ handelte. Wir versuchten das, anhand von Fotos zu verifizieren. Doch was hätte es schon gebracht, wenn es sich um einen minderwertigeren Pelz gehandelt hätte? Einen Prozess führen? Teure Gutachter bezahlen? Bestenfalls wird dann vielleicht ein Vergleich geschlossen und man steigt ohne finanziellen Verlust, aber auch ohne Gewinn aus, hat aber jede Menge Nerven und Zeit investiert. Ich weiß leider aus eigener Erfahrung, wie so etwas oft läuft … Ich hab den Mantel sofort auf einen Kleiderhaken gehängt und „auslüften“ lassen. Ich könnte mir vorstellen, dass man den Pelz irgendwie „gewaschen“ oder „imprägniert“ hat und das Futter an den betreffenden Stellen aufgetrennt hat, um die Qualität des Pelzes zu prüfen. Aber ich bin keine Fachfrau auf dem Gebiet der Pelzpflege. Ich bin nur sicher, dass in Deutschland irgendetwas mit dem Mantel geschehen ist.
Ich war natürlich sehr enttäuscht, weil alle Vorwürfe haltlos waren. Das Futter war aus Kunstseide – selbst ein Laie weiß, dass Motten keine Kunstseide mögen. Eher würden sie verhungern. Ich hab den Mantel auch genau „unter die Lupe genommen“ und 100%ig weder Haarausfall noch Mottenbefall festgestellt. Ich hatte ein aktuelles Foto von diesem Mantel auf ebay gestellt und auch geschrieben, die Fasson sei klassisch. Wenn man dies als „altmodisch“ empfindet – nun ja …
Warum „Pelzankauf.de“?Ich denke, die Absichten der Käuferin waren recht eindeutig und nicht die besten. Ich will niemandem etwas unterstellen, aber in diesem Fall fällt es mir schwer, an Ehrlichkeit und Seriosität zu denken. So eine Erfahrung wollte ich nicht noch einmal machen. Also schaute ich mich im Internet um, was es jenseits von ebay noch für Möglichkeiten gibt, Pelze zu verkaufen. Bald stieß ich dabei auf „Pelzankauf.de“ – eine Webseite, die praktisch omnipräsent auftaucht, wenn man auf Google Pelzankauf oder Ähnliches eingibt.
Ich wohne in Wien und fand leider keine Möglichkeit, hier Pelze zu verkaufen. Das wundert mich auch nicht. Denn in Wien sieht man kaum noch Kleidungsstücke aus tierischen Pelzen im Stadtbild – höchstens bei sehr alten Damen oder älteren Damen vom Land bzw. Osteuropäerinnen, wo der Pelz immer noch ein Prestigeobjekt zu sein scheint.Die Homepage von „Pelzankauf.de“ machte zunächst einen guten Eindruck auf mich. Das Unternehmen wirbt mit „Wir kaufen Ihnen Ihren alten Pelz ab!“ und einem Herrn Gregor König, der „Stimme von RTL“, der angeblich dort seine Pelze verkauft hat. Ich kenne den Herrn zwar nicht, weil RTL auch nicht unbedingt zu meinen bevorzugten Fernsehkanälen zählt, aber so ein sogenannter „VIP-Besuch“ macht sich ja in der Werbung immer gut …
Außerdem findet sich noch das Siegel „Mitglied im deutschen Pelzinstitut“ – so etwas wirkt auch immer seriös.
Warten auf Godot …Geworben wird auch mit einem „Abholservice“. Dabei kann man sich einen Termin ausmachen und die Pelze werden dann zu einem Preis von € 12,- von zu Hause abgeholt und sind pro Paket bis zu € 500,- versichert. Das erschien mir sehr angenehm, da ich mir dadurch den Weg mit den schweren Pelzen aufs Postamt ersparen könnte – dachte ich zumindest. Also füllte ich das praktischerweise gleich beigefügte Formular auf der Homepage genau aus – mit dem gewünschten Abholdatum und erklärte mich bereit, die Transportspesen zu übernehmen.
Da eine Bestätigung ausblieb, der Abholtermin aber immer näher rückte, war ich verunsichert, ob die Pelze nun abgeholt würden oder nicht. Ich wandte mich also per Mail nochmals an „Pelzankauf.de“. Ein Anruf wäre kostenpflichtig gewesen (immerhin 14 Cent pro Minute aus dem deutschen Festnetz bzw. maximal 42 Cent pro Minute aus mobilen Netzen, was er aus Wien kostet, weiß ich erst, wenn ich meine nächste Telefonrechung bekomme …). Eine Reaktion blieb jedoch abermals aus. Schließlich mussten wir doch – kostenpflichtig - zum Telefon greifen … Und erfuhren endlich, dass eine Abholung aus Österreich nicht möglich sei. Das völlige Ignorieren zweier Mails nahm mich nicht gerade sehr für „Pelzankauf.de“ ein. Aber ich wollte die Pelze doch irgendwann bald einmal los sein. Sie befanden sich außerdem noch in der Wohnung meiner Mutter, die ich demnächst räumen musste. Da die Pelze sehr schwer waren, wollte ich sie nicht auch noch erst in meine eigene Wohnung hinüberkarren müssen …
Außerdem sind Pelzankaufsstellen nicht gerade dicht gesät – um ehrlich zu sein, hatte ich diesbezüglich eigentlich nur „Pelzankauf.de“ gefunden. Ein Unternehmen, das so gut wie keine Konkurrenz hat, weiß natürlich um seine Stellung und kann sich einiges erlauben – wie z. B. Mails unbeantwortet lassen. Um die Pelze los zu werden, sah ich „auf die Schnelle“ keine andere Möglichkeit, als sie eben nun per Post an „Pelzankauf“ nach Frankfurt a. M. zu schicken. Der Vorgang ist genau auf der Homepage (http://www.pelzankauf.de/so_funktionierts_pelzankauf.html) beschrieben: Die Pelze müssen mit einem Begleitformular an Ioannis Gerikoglou pelzankauf.de in Frankfurt / M. geschickt werden. Wie es dann weitergeht, steht auch auf der Homepage zu lesen:
„Ihren Pelz begutachten wir nach Qualität und Eigenschaften und bewerten ihn, bevor wir Ihnen ein Angebot machen. Bitte senden Sie uns keine Fotos, denn daraus können wir leider nicht den Zustand Ihres Pelzes erkennen.Wir machen Ihnen ein schriftliches Ankaufsangebot.Wenn Sie mit dem Angebot einverstanden sind, überweisen wir den Betrag umgehend auf Ihr Bankkonto in Deutschland oder der Europäischen Union. Das ist in der Regel kostenlos für Sie. Außerhalb der EU können Gebühren anfallen, die wir gegebenenfalls in Abzug bringen. Sollten Sie wider Erwarten mit dem Ankaufsangebot nicht einverstanden sein, dann senden wir die Pelzteile wieder an Sie zurück. Die Paketgebühren in Höhe von 12 € je Paket tragen Sie als Verkäufer.“
Eine Menge SchreibkramWir kaufen also zunächst zwei der größten Postkartons, die auf dem Postamt erhältlich sind – und hoffen, dass wir darin alle Pelze unterbringen können.
Die Homepage von „Pelzankauf.de“ bietet ein pdf-Formular an (http://www.pelzankauf.de/Pelzbegleitschreiben.pdf) , das den Pelzen beigelegt werden muss. Da muss man eine ganze Menge „Schreibkram“ erledigen: erst einmal klarer Weise seine persönlichen Daten samt Telefon, Fax, Mail. Dann natürlich Angaben zu den verschickten Waren. Man muss eine „Eigentumsbescheinigung“ „Eides Statt“ unterschreiben, aus der hervorgeht, dass man der rechtmäßige Besitzer / die rechtmäßige Besitzerin der angebotenen Stücke ist und diese weder verpfändet noch übereignet sind, man „voll geschäftsfähig“ sei und die Ware legal erworben wurde … Zudem will man wissen, ob man zum Usatzsteuer-Abzug berechtigt ist – in diesem Fall muss man seine UID-Nummer angeben. Zuletzt muss man seine Bankdaten bekannt geben, damit der Kaufpreis überwiesen werden kann. Akzeptiert wird nur eine direkte Banküberweisung, die innerhalb der EU kostenlos erfolgt. Wer kennt aber schon seine IBAN bzw. BIC oder hat rasch einen Kontoauszug zur Hand? Doch auch diese Hürde ließ sich letztlich mehr oder weniger elegant nehmen.
Nachdem wir die beiden sogenannten Pelzbegleitschreiben ausgedruckt und ausgefüllt haben, machen wir uns daran, die Pelze einzupacken. Es waren 2 Pelzmäntel, einer davon der schwarze Nerz, den anderen, ein dunkelbrauner Pelz, konnte ich bezüglich der Pelzart nicht genau bezeichnen. Sowie 1 hellgraue Jacke aus Lammpelz (Persianer?), 1 Nutria-Jacke, 1 Opossum-Jacke und eine Jacke aus einem relativ langhaarigen Pelz, den ich nicht kenne sowie ein Rotfuchsschal mit Kopf und Pfoten und ein Zobel-Schal (ebenfalls mit Kopf und Pfoten).
Die Pelze gehen auf die ReiseIch streichle noch einmal über den seidigweichen, glänzenden Pelz des Nerzmantels, den meine Mutter so geliebt hat. Ich erinnere mich, wie glücklich sie war, als sie ihn sich kaufte und nicht genug von ihrem Spiegelbild bekommen konnte … Aber sentimentale Erinnerungen sind nicht am Platz, wenn es um einen Pelzverkauf geht und werden auch nicht abgegolten …
Wir machen noch schnell Fotos von den handschriftlich ausgefüllten Begleitformularen – für alle Fälle. Und ab die Post. Zum Glück übernimmt mein Freund den Gang zum Postamt mit den schweren Paketen. Was wir für das Porto bezahlt haben, weiß ich heute nicht mehr – ich schätze so ca. 25,- pro Paket.
Ein äußerst frustrierendes KaufangebotNach ein, zwei Wochen hat das Warten ein Ende: Ich finde zwei Briefe von „Pelzankauf.de“ in meinem Briefkasten – für jedes der verschickten Paket einen.
Der Inhalt des ersten Briefs lautet: „Sehr geehrte Frau … , danke für Ihr Vertrauen, das Sie uns geschenkt haben. Wir freuen uns Ihnen folgendes Kaufangebot unterbreiten zu können: Paket geöffnet, Verdacht auf Mottenbefall, kein Ankauf.“ So etwas nennt man doch Realsatire - oder?
Damit hatte ich echt nicht gerechnet. Ich war mir klar, dass der Pelzmantel und die – vermutliche - Persianerjacke nicht allzu viel bringen würden. Aber das …?! Wenn ich mir über etwas ganz, ganz sicher bin, dann darüber, dass weder der Pelzmantel noch die Persianerjacke von Motten „befallen“ waren …! Interessanterweise stand ja da auch nur – vorsichtigerweise - „Verdacht auf Mottenbefall“ … Ein Verdacht ist keine Tatsache. Denn ein Verdacht kann sich bestätigen – muss es aber nicht. Ich frage mich, warum ein Pelzexperte, der ja angeblich sogar „Mitglied im deutschen Pelzinstitut“ ist – was immer das sein mag (das entsprechende Siegel findet sich übrigens groß auf jeder Korrespondenz) – nicht in der Lage ist, zu entscheiden, ob ein Pelz nun von Motten befallen ist oder nicht. Ich bin wahrhaftig keine Expertin auf diesem Gebiet, traue mir aber ohne Weiteres zu, diese Entscheidung zu treffen. Ich glaube, jede/r weiß, wie „Mottenbefall“ aussieht.
Also über diese „Bewertung“ – oder soll ich sagen „Kaufangebot“? – hat schon einige starke Emotionen in mir ausgelöst von Enttäuschung, Ärger, dem Gefühl, hier sehr ungerecht behandelt worden zu sein bis hin zu gewissen Vermutungen, die ich aber hier sicherheitshalber nicht näher äußern möchte, da ich mir keine Klage einhandeln will. Aber ich glaube, jeder kann sich diesbezüglich in mich hineinversetzen und seine eigenen Gedanken spielen lassen … Natürlich steht es der Firma „Pelzankauf.de“ frei, etwas anzukaufen – oder eben nicht. Warum auch immer. So sind die Spielregeln in der freien Marktwirtschaft, wo die Nachfrage das Angebot bestimmt. Und die Nachfrage ist bei Pelzen (zum Glück) kaum vorhanden. Ich nehme daher auch an, dass „Pelzankauf.de“ die Second-Hand-Pelze eher im osteuropäischen Raum verkaufen wird.
Es konnte nur besser werden. Oder? Trotzdem muss ich mich überwinden, den zweiten Brief zu öffnen. Was würde mich dort erwarten?
Hier wird mir – ich kann es kaum glauben – wirklich ein Kaufangebot gemacht, und zwar: Nerz Mantel (beschädigt) 150,- Nutria Jacke (beschädigt) 2,- Opossum Jacke (beschädigt) 4,- Blaufuchs Schal (kein Ankauf) Zobel Schal aus 2 Fellen (stark beschädigt, kein Ankauf) Für einige Fellreste aus den Beständen meiner Mutter, die ich bei den Pelzen gefunden hatte, wurde kein Kaufangebot gemacht. Okay, damit kann ich leben.
Die Kaufangebote sind also alles andere als berauschend. Vor allem für den Nerzmantel hätte ich mir zumindest etwas mehr als nur € 150,- erwartet, obwohl er durch den Hin- und Hertransport über den missglückten ebay-Verkauf natürlich etwas gelitten hat. Interessanterweise stellte „Pelzankauf.de“ – anders als die ebay-Dame – übrigens keine Mottenschäden im Futter des Mantels fest, obwohl man den Mantel dort sicher genau untersucht hat.
Meine Mutter würde sich sicher im Grab umdrehen, wüsste sie, dass ihr schöner Nerzmantel nicht mehr als € 150,- wert sein sollte …
Ein Wunder der Natur: Ein Rotfuchs wird zum BlaufuchsWas mich noch irritiert, ist, dass mein Rotfuchsschal mit präpariertem Kopf und Pfoten als „Blaufuchs Schal“ angeführt wurde. Ich bin wie gesagt keine Pelzexpertin, aber einen Rotfuchs wage ich zu erkennen. Zur Sicherheit sah ich auch noch in Wikipedia nach und stellte nach eingehenden Recherchen fest: Es ist wirklich eindeutig ein Rotfuchs. Wieso dieses Teil von Experten als „Blaufuchs“ bezeichnet wurde, ist mir unklar. Interessanterweise wurde auch mit keiner Silbe erklärt, warum dieser Rotfuchsschal nicht angekauft wurde.
Dass dieser sehr gut erhaltene Rotfuchsschal nicht einmal einen müden Euro wert sein sollte, erstaunte mich insofern, als einer derjenigen, die bei uns etwas aus der Verlassenschaft über ebay kauften, zufällig eben den Rotfuchsschal sah und erklärte, er würde ihn um € 10,- sofort nehmen. Ich wollte aber € 30,- dafür. Das war ihm zu viel. „Pelzankauf.de“ war der Rotfuchsschal wie gesagt nicht einmal einen Euro wert … Aber das hatte ich ja damals nicht wissen können. Pech für mich! Mein Name war in beiden Briefen von „Pelzankauf“ konsequent falsch geschrieben, und zwar fehlte ein Buchstabe in meinem Familiennamen. Okay, so etwas kann schon einmal passieren. Aber einen guten Eindruck macht es trotzdem nicht. Doch irgendwie passt das alles ins Bild des meiner Erfahrung nach wenig engagierten Umgang mit jemandem, der Pelze verkaufen will und steht in krassem Widerspruch zur Homepage, auf der ich das Versprechen finde: „Wir kaufen Ihre Pelz zu fairen Preisen!“ (http://www.pelzankauf.de/service.php) Der (Freud’sche) Fehler „Ihre Pelz“, der sich hier eingeschlichen hat, ist kein Tippfehler meinerseits – es steht wirklich so dort. Und wo weiters auch versprochen wird: „Wir kaufen Ihnen Ihren alten Pelz ab! Wir sind an allen Pelzen interessiert.“ (http://www.pelzankauf.de/index.html)
Was nun?
Wir beratschlagen hin und her. Sollte ich mir alles zurückschicken lassen? Dann müsste ich € 50,- für die Portospesen bezahlen ... Und dann? Was dann mit den Pelzen? „Die werden vom dauernden Hin- und Herschicken auch nicht besser“, sage ich zu meinem Freund in Erinnerung an das traurige Schicksal des armen Nerzmantels. Ich gebe zu, ich bin frustriert, verbanne die beiden Briefe in einen Winkel meines Schreibtischs – dort, wo ich sie nicht ständig im Blick habe – und warte auf einen Geistesblitz, was ich tun soll.
Der kommt auch. Aber anders als gehofft. Irgendwann in einer masochistischen Stunde nehme ich die Briefe doch noch einmal zur Hand und blättere sie durch. Dabei bleibt mein Blick auf einem Absatz hängen, der besagt, dass die Pelze nur 14 Tage kostenlos gelagert werden. „Wir behalten uns vor, nach Ablauf der Frist Lagerkosten zu erheben“, steht da Schwarz auf Weiß. Meine Stimmung ist, was den gesamten Pelzverkauf betrifft, nun endgültig auf dem Nullpunkt angelangt. Von einer „Lagergebühr“ und ihren Kosten war auf der Homepage nichts zu lesen gewesen.
Ich blicke auf das Datum der Briefe und auf den Kalender: Die lagergebührenfreie 14-Tages-Frist ist fast schon vorbei. Ich hole tief Atem, presse die Lippen aufeinander und greife nach meiner Füllfeder, um den Vertrag zu unterschreiben. Gern tu ich das wahrlich nicht. Natürlich hätte ich „Pelzankauf“ anrufen können. Ach ja, das habe ich vergessen, zu erwähnen. In den Briefen von „Pelzankauf.de“ steht – fett gedruckt: „Bei Rückfragen erreichen Sie uns unter der oben angegebenen Rufnummer. Wegen des hohen E-Mail-Verkehrs beantworten wir Ihre Rückfragen ausschließlich (das Wort ist unterstrichen) telefonisch.“
Was für ein toller Kundenservice. Das hat man bei „Pelzankauf.de“ wohl von Ikea gelernt, wo ebenfalls jeder Anruf vergebührt wird. Nun ja, in diesen Zeiten muss wohl jeder schauen, wo er bleibt ... Wieder stehe ich vor einer Entscheidung. Soll ich die kostenpflichtige Telefonnummer ein weiteres Mal anrufen und – sinngemäß - sagen: „He Leute, bitte könnt ihr euch vielleicht die Pelze zu Kaufangebot Nr. Soundso noch einmal anschauen, bei denen angeblich ‚Verdacht auf Mottenbefall’ besteht? Ich weiß genau, da sind keine Motten drinnen …!“
Ich überlege die Reaktion, die dann kommen könnte. Würde ich hören: „Da ist der und der zuständig – und der ist gerade nicht da, rufen Sie morgen wieder an.“ Und morgen dann das gleiche Spiel. Dazu etwa noch Warteschlange bei der kostenpflichtigen Serviceline. Und so geht das womöglich tagelang weiter. Ich könnte dann vielleicht noch fragen, ob „der und der“ nicht eine Vertretung hat. Inzwischen ist aber dann sicher die lagergebührenfreie Zeit abgelaufen und Kosten fallen an – wie hoch sie sind, wurde ja nicht verraten … Oder ich erwische tatsächlich meinen in den Schreiben angeführten Ansprechpartner, Herrn Theodoros Gerikoglou, und er gewährt mir sogar großzügig € 2,50 mehr …
Hab ich das wirklich notwendig? Mich zu demütigen wegen vielleicht € 2,50???
Dieser Pelzankauf stand wahrlich unter keinem guten SternSchon liegt das unterschriebene Formular, auf das ich nun nochmals alle meine Bankdaten eintragen musste, im Scanner. Und wenige Minuten später macht es sich per Mail auf den Weg zu „Pelzankauf.de“. Schluss. Aus. Ende des unseligen Kapitels Pelze. Ach ja, ich stelle bei der Absendung der Mail die Funktion „Lesen bestätigen“ ein. Sonst heißt es noch, die Mail sei nicht angekommen und es werden Lagergebühren verrechnet. Bei dem erwähnten „hohen E-Mail-Verkehr“ ist es ja leicht möglich, dass sich so ein Mailchen mir nichts dir nichts aus dem Staube macht …
Die Lesebestätigung erhalte ich nicht. Doch kommt relativ rasch eine Mail mit einem offensichtlich vorgefertigten Text, in dem folgendes steht: „Ihr freundliches Angebot ist bei uns eingegangen und wird nun schnellstmöglich von unserem Fachpersonal bearbeitet. Dies wird maximal sieben Werktage in Anspruch nehmen, wahrscheinlich werden wir uns aber nach einem wesentlich kürzeren Zeitraum bereits bei Ihnen melden können. Bei der Gelegenheit möchten wir uns ausdrücklich für das Vertrauen bedanken, das Sie uns entgegengebracht haben. Damit sich auch andere Interessenten ein faires und umfassendes Bild von unseren Angeboten machen können, haben Sie bereits jetzt die Möglichkeit, uns einfach und ohne viel Aufwand in den sozialen Netzwerken „Google+“ und „Facebook“ zu bewerten. Ganz gleich, ob es sich um eine Bewertung, um einen Kommentar, Lob oder Anregungen handelt, wir würden uns sehr über einige Anmerkungen von Ihnen freuen. Klicken Sie dazu einfach auf den farblichen Text-Link, um weitergeleitet zu werden. Mit Ihren Einträgen und Bewertungen erhalten auch andere Kunden und Kundinnen einen Einblick in unser Angebot, über den Service und die Kompetenz von Pelzankauf.de. Bereits jetzt bedanken wir uns für Ihre netten Worte und für Ihre Entscheidung, sich an Pelzankauf.de zu wenden. Selbstverständlich sind wir auch in der Zukunft gerne für Sie da. Mit freundlichen Grüßen Theodoros Gerikoglou“
Mein freundliches Angebot? „Pelzankauf.de“ hat mir doch ein Angebot gemacht - und das empfand ich nicht unbedingt freundlich. Da ich weder bei Facebook noch Google+ registriert bin und das auch nicht ändern möchte, verzichte ich auf die „netten Worte“, für die sich „Pelzankauf“ schon im Voraus bedankt hat.
Wenige Tage später weist mein Konto die großartigen € 156,- auf, die mir „Pelzankauf.de“ überwiesen hat. Soll ich mir den Spaß machen und die jetzt mit den Postspesen gegenrechnen? € 25,- zur ebay-Dame nach Deutschland, € 25,- das Postporto zurück nach Wien, ca. € 50,- Postporto zu „Pelzkauf.de“ – da haben wir nach Adam Riese bereits € 100,- beisammen. Bleibt ein „Reingewinn“ von € 56,- für alle Pelze samt Nerz. Lieber nicht gegenrechnen …
Immerhin: die nicht angekauften Pelze werden von „Pelzankauf.de“ großzügigerweise kostenlos entsorgt.
Warum ich diesen Bericht geschrieben habeWarum ich diesen Bericht jetzt geschrieben habe? Erstens um zu versuchen, meine deprimierenden Emotionen zu verarbeiten, die sich bei dieser ganzen Angelegenheit in mir angesammelt haben. Und zweitens um allen, die diesen Bericht lesen, aus meiner Erfahrung einen Rat zu geben. Und nein, ich werde jetzt nicht schreiben: Meidet dieses Unternehmen! Natürlich kann man bei „Pelzankauf.de“ Pelze verkaufen. Aber ich würde jedem empfehlen, dies ausschließlich vor Ort, nämlich in Frankfurt a. M., zu tun. Diese Möglichkeit besteht nämlich auch. „Pelzankauf.de“ hat einen Shop in dieser schönen, alten Stadt. Dort kann man seine Pelze oder seinen Pelz, den man verkaufen will, hintragen und an Ort und Stelle bewerten lassen. Der Pelz wird, sofern man mit dem Kaufangebot einverstanden ist, sofort gegen Bares angekauft. Es kann natürlich auch passieren, dass ein Ankauf aus welchen Gründen auch immer abgelehnt wird. Allerdings muss man zuvor einen Termin unter der erwähnten kostenpflichtigen Servicetelefonnummer 01805-234629 vereinbaren. Wie rasch oder nicht rasch die telefonische Terminvereinbarung vor sich geht, kann ich natürlich nicht sagen. Auch nicht, wie lange man auf einen Termin warten muss. Aber man hat im Shop natürlich die Möglichkeit, mit jemandem von "Pelzankauf.de" zu reden und Fragen zu stellen, ohne die gebührenpflichtige Serviceline benutzen zu müssen.
Um den Bericht abzurunden, sei an dieser Stelle noch kurz darauf hingewiesen, dass man bei „Pelzankauf.de“ auch die Möglichkeit hat, bei mehreren Pelzen, die man zum Verkauf eingesendet hat, nur einige zum Verkauf freizugeben und sich den Rest zurückschicken zu lassen. „Pelzankauf.de“ bietet übrigens auch Pelzumarbeitung, Modernisierung von Pelzen, Pelzaufbewahrung, Pelzreinigung, Pelzschneidereiarbeiten und den Verkauf von Pelzen an. Letzteres geschieht über den "Pelzankauf.de"-Partner „Trend Furs“ (www.trendfurs.com) – ebenfalls ein Unternehmen des bereits seit 20 Jahren bestehenden Familienbetriebs Gerikoglou. Man kann in diesem Sinn den Verkaufserlös seiner Pelze auch für einen Neuankauf verwenden - falls man gern Pelz trägt. Pelzankauf.de Gerikoglou Ioannis Königsberger Straße 29 60487 Frankfurt am Main
info@pelzankauf.de Fax: 069 79 58 09 70 Tel.: 01805 23 46 29 (14 Cent/Minute aus dem deutschen Festnetz, maximal 42 Cent/Minute aus dem Mobilfunk)
www. pelzankauf.de © DMK 5/12
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21.03.2013 10:23
Sehr detaillierter und ausführlicher Bericht. Danke für die Informationen!!
24.10.2012 21:32
Kann das mit niedrigen Preisen bestätigen, war da sogar vor Ort weil es relativ in der Nähe war. Formal war man relativ freundlich aber dann hieß es dass man heute keine Pelze mehr trägt und es deshalb nur 200 € für 2 Stück gibt, die praktisch neu waren und ein vielfaches kosteten. Ist klar dass es irgendjemand trägt weil dann würden sie nicht existieren aber nun ja. Ja ist schwer seriöse Ankäufer zu finden aber so ist das nun mal.
27.08.2012 21:37
ich habe für meinen beschädigten nerzmantel weit aus mehr bekommen :( woran kann das liegen ??? :(( ich hab mir gedacht bevor ich es wegschmeiße und es keiner der Kinder haben wollte, mache ich den versuch dies einzusenden