Preiswerte SLR enttäuscht bei JPEG-Bildqualität
24.05.2006 (01.06.2007)
Pro:
Gute Verarbeitung und Ergonomie, gute RAW - Qualität
Kontra:
JPEG - Bilder nicht scharf, alte (nicht - A) Objektive nicht brauchbar
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Verarbeitung
Ausstattung
Bildqualität
Akkulaufzeit
Bedienung
mehr
 karl_breg
Über sich:
Ingenieur & Denker; online seit 1987; selbständig. Interessen: Computer & Internet, Fotografie, Auto...
Mitglied seit:23.05.2006
Erfahrungsberichte:8
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als alter Pentax-SLR Freund war ich begeistert, nach langen Jahren des brachliegenden Foto-Engagements nun eine Digital-Spiegelreflex zu finden, die preislich im Bereich meines Digicam-Budgets lag, bei der aber auch alte Pentax-Objektive aus dem Schrank wieder zum Einsatz kommen konnten. Dass kleinere Digicams praktisch sind, wegen des kleinen Sensors aber auch mehr mit Rauschen zu kämpfen haben, dürfte bekannt sein. Bei den geringen Auflösungen für Web-Anwendungen, was bisher der Einsatzzweck von Digitalfotos bei mir war, macht sich dies nicht bemerkbar. Aber mit der Zeit steigen die Ansprüche (wieder), und auch die Nachbearbeitung und Optimierung am Bildschirm macht Spass. Soviel zu den Gründen, die istDL anzuschaffen. Die Kamera liegt sehr gut in der Hand, ist zwar die kleinste Digi-SLR, aber größer als meine alte Pentax MX. Die Bedienelemente sind gut angeordnet und durchdacht, die Taster könnten einen stärkeren Druckpunkt vertragen, aber im wesentlichen ist die Bedienbarkeit gelungen. Der Umfang der Software-Parameter ist, offenbar um Anfänger nicht übermäßig zu irritieren, klein gehalten; vermisst habe ich weitere Auflösungsstufen, außerdem eine Anzeige des ISO-Wertes.
Nun zum Fototechnischen. Das mitgelieferte (sehr günstige) Zoom 18-55 entspricht einem 28-80 Kleinbild-Objektiv (ca. 1,5 Verlängerungsfaktor) und hat Lichtstärke 3,5-5,6. Die Helligkeit im Sucher ist okay, aber nicht optimal für manuelle Scharfstellung. Objektive mit ähnlichem Zoomfaktor und durchgängig 2,8 Lichtstärke gibt es dann zB von Sigma und Tamron und kosten um 400 E. Alte K-Objektive (also ohne das 'A' am Blendenring) lassen sich leider nur sehr eingeschränkt verwenden - man muss dann stets bei Offenblende fotografieren, was zB bei meinem 135/2,5 bei der kleinsten (!) Empfindlichkeit von ISO 200 und hellem Sonnenlicht auch bei 1/4000 s Verschlusszeit zur Überbelichtung führt. Bei Sonnenlicht wiederum ist die Belichtung der Bilder im Wiedergabemodus schlecht zu beurteilen, da der 2,5" LCD dann doch überstrahlt wird.
Neuere KA Objektive laufen dann mit elektronischer Blende, sodass der gesamte Bereich, auch bei Programmautomatik genutzt wird. Noch besser sind neuere KAF Objektive, bei denen dann auch der Autofokus funktioniert. Diese sind aber dann auch gebraucht bei ebay nicht billig; zuletzt wurde etwa ein Pentax 135/2,8 KAF für 250 E dort gesichtet, während ein 50mm/1,7 KA, nun also ein lichtstarkes Tele, mit korrekter Blendenfunktion aber ohne Autofokus, schon ab 50 E zu haben war. Zusammen mit neuen Zubehör-Zooms spricht also die Objektivauswahl durchaus für die SLR-Technik. Nun zum Fotografieren. Während der Autofokus mit dem Standard-Zoom schnell und sauber arbeitet, war ich von der Belichtung weniger begeistert. Der Meßbereich lässt sich zwar von integral über mittenbetont auf Spot umstellen, aber bei Gegenlicht zB führte keine Variante zu richtigen Ergebnissen: 'integral' und auch 'mittenbetont' "sehen" offenbar noch zu viel vom hellen Hintergrund (zB Himmel) und belichten entsprechend das Hauptmotiv zu knapp. 'Spot' wiederum ist so eng, dass man schon aufpassen muss, ob man die dunkle Brille oder die helle Nase der Freundin - am besten wohl genau dazwischen - anpeilt. Zwar lässt sich die Belichtung immer manuell in 1/2 oder 1/3 Stufen korrigieren, aber eine (im Zeitalter des Microcontrollers) sinnvolle "mitdenkende" Gegenlichtkorrektur wie bei vielen Sucherkameras fehlt. Der breite Empfindlichkeitsbereich von ISO 200 bis 3200 ist erfreulich, dank des großen Sensors sind auch 400 und 800 ISO noch nicht verrauscht, sodass man häufig in Innenräumen noch gut aus der Hand fotografieren kann. Grundsätzlich neigt die Kamera zu knapper Belichtung, natürlich kann man die Bilder in der Nachbearbeitung aufhellen, aber das bedeutet stets einen zusätzlichen Bearbeitungsschritt.
Wirklich ärgerlich aber ist die Schärfe der Bilder - schon bei den ersten Kontrollen am LC-Bildschirm (mit bis zu 12-facher Vergösserung) war die Unschärfe sichtbar. Nach der Übertragung auf den PC bestätigt sich das: ob 4 oder 6 Megapixel, ob mittlere oder geringe Kompression: alle Details wirken weichgezeichnet, keine Linie, kein Detail wird wirklich scharf. Wohl gemerkt, es geht hier nicht um die Kontrastverstärkung an Kanten, die "visuelle Scharfzeichnung" - es geht um tatsächliche Bilddetails, deutlich bevor diese durch die Pixelzahl begrenzt werden. Sollte der Fotograf einen Tatterich haben? Oder das Objektiv doch mies sein? Um alles auszuschliessen, wurde noch ein 50mm KA-Objektiv eingesetzt, das mit Film immer knackscharfe Bilder machte, dann mit Stativ bei Blende 8 eine Reihe von Aufnahmen gemacht. Gleiches Ergebnis, gleiche Unschärfe. Abschließend ein Test mit dem RAW-Modus - und siehe da, da ist die Schärfe, die Details, alles was vorher fehlte. Aber die JPEG-Kompression ist nicht schuld, denn wenn man das RAW-Bild (ca. 10 MB) normal komprimiert im PC als JPEG abspeichert, dann wird es mit ca. 1 MB sogar noch deutlich kleiner als das von der Pentax erzeugte mit 2,4 MB, ohne an Schärfe zu verlieren. Offenbar gehen also die Details bei der Umwandlung der CCD-Signale verloren, wie man auch an dem im RAW-Modus ebenfalls unscharfen Kontrollbild erkennen kann. Weitere Recherche im Internet zeigt dann, dass andere Pentax-DL Benutzer das gleiche Problem haben, also kein Ausrutscher.
Gut und schön, Kamera und Objektiv sind also okay, die Schärfe auch, wenn man im RAW-Modus arbeitet. Daher wurde auch in Tests wie in digitalkamera.de oder photo-digital der Kamera gute Schärfe bescheinigt - alle Messungen finden dort prinzipiell im RAW-Modus statt. Praktikabel ist das aber nicht, denn bei Reisen möchte man kaum jeden abend die Bilder im Laptop konvertieren, und RAW-Bilder lassen sich auch nicht in Bildbetrachtern verwenden, von der SD-Karte drucken usw. Mag sein, dass die JPEG-Unschärfe andere Benutzer nicht schmerzt, ich zumindest möchte, wenn ich schon eine deutlich schwerere Ausrüstung herumtrage, auch mindestens gleiche Qualität wie eine Sucherkamera. Ob die JPEG-Unschärfe auch für die istDS gilt, und dann wiederum für die neuen (aber technisch offenbar kaum geänderten) K-Modelle, wäre noch zu prüfen. Ich habe aber kein Testlabor zuhause, und mein Vertrauen in die Marke Pentax (und auch das blinde Vertrauen auf digitalkamera.de Tests) ist erst einmal verdunstet.
NACHTRAG: Hier ist ein Link auf eine englische Site, wo die JPEG-Schwäche ebenfalls kritisiert und mit diversen Testfotos illustriert wird. Getestet wurde zwar der Vorgänger istDS, der sich aber hierin offenbar nicht unterscheidet: "During our test of the *ist DS it became clear fairly early on that there was a significant difference in resolution and detail between JPEG and RAW ... ": ( http://www.dpreview.com/reviews/pentaxistds/page18.asp , die Seiten davor und danach sind freilich auch interessant) # Nachtrag II # Nach der Enttäuschung mit der istDL nutzte ich erstmal weiter Kompakt-Digicams, liebäugele aber nun wieder mit einer DSLR. Ein neuer Blick in dpreview zeigt dabei interessantes: Die K100 scheint das Schärfeproblem überwunden zu haben: "About as good as six megapixel resolution gets, crisp and detailed, a big improvement" ( http://www.dpreview.com/reviews/pentaxk100d/page24.asp )
Die K10D - das größere Modell mit 10 statt 6 Megapixeln - dagegen hat das Problem wieder: "In-camera image processor unable to deliver crisp sharp edges, better to shoot RAW." ( http://www.dpreview.com/reviews/pentaxk10d/page25.asp ) Eigenartig, was Pentax da veranstaltet ...
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16.04.2008 14:14
In der professionellen Digitalfotografie wird das Foto erst ganz zum Schluss, und das auch in Abhaengigkeit vom Verwendungszweck (Druck, Fotogroesse, Web), mit verschiedenen Parametern geschaerft. Pentax als erzkonservativer Hersteller stellt nun mal die Kameras in der Grundeinstellung auf minimale Schaerfung ein. Die von Kompaktkameras "verdorbenen" Benutzer finden das nicht so toll, erfahrene oder professionelle Benutzer schon, da man so die Fotos am wirkungsvollsten nachbearbeiten kann. Dass man alte Objektive mittels "M"-Mode sehr wohl sinnvoll nutzen kann, solltest Du vielleicht noch in einen Nachtrag einfliessen lassen.
01.06.2007 16:52
Lest bitte meinen aktuellen (1.6.07) "Nachtrag II" - die K100 (dann sicher auch K110) scheint das Schärfeproblem überwunden zu haben, die größere K10 dagegen nicht.
19.03.2007 22:30
Hm, ich liebäugel derzeit mit der DL 2, die ist bei amazon.de im Angebot, machte auf mich einen guten Eindruck bei Media Markt, hab da ein paar wenige super scharfe Testbilder im Laden machen können, aber nach deinem Bericht bin ich doch unschlüssig..... . Gruß Anja