Der sonnenanbetende Löwe...
10.06.2003 (02.11.2003)
Pro:
preiswert, alltagstauglich, sehr sparsam
Kontra:
einige Mängel können das preiswerte Vergnügen doch arg verteuern . . .
Empfehlenswert:
Ja
 kasikrul
Über sich:
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Gerade jetzt, wo die Tage kürzer und die Temperatur immer niedriger werden, die richtige Zeit für Cabriokaufwillige, sich umzuschauen, denn die Preise für gebrauchte Cabrios gehen wie die Temperaturen in den Keller - um im Frühjahr wieder sprunghaft anzusteigen. Auf Grund dessen hier ein Bericht über ein Cabrio, dass es (leider) neu nicht mehr gibt, aber gebraucht gerade für den schmalen Geldbeutel interessant sein KÖNNTE.... Hier also der Bericht: -------------- Nun will ich mal in Erinnerung schwelgen und über meinen ehemaligen treuen Begleiter sprechen, der mich 7 Jahre durch die Weltgeschichte kutschiert hat, und dabei fast 200.000 Kilometer absolvierte... Gerade jetzt, wo das Wetter einfach nur schön ist, denk ich schon etwas wehmütig an an meinen kleinen Löwen.
Gekauft habe ich ihn im zarten Alter von 4 Jahren. Er war unfallbedingt abgemeldet worden und hatte lediglich 16.000 km drauf. Der Wagen war fachmännisch wieder instand gesetzt, von einem Unfall (vorne links) war nichts zu bemerken. Der Wagen hatte einen 1,1 Liter Motörchen, der aber überwältigend spritzig war. Die 60 Pferde unter der Haube hatten keinerlei Mühe mit dem leichten Auto. Der Spurt von der Ampel weg ging rasant, und auch schnelle Autobahnfahrten jenseits der 160 km/h waren spielerisch möglich. Und ob man´s glaubt oder nicht, der Wagen war auf Grund seiner Drehfreudigkeit auch relativ durchzugsstark! Dabei war der Verbrauch sensationell niedrig - immer so zwischen fünf und sechs Liter Super, auch nach langen Autobahnfahrten.
Das Fahrwerk war (ja ich schwelge) genial. Kurvenputzen ging klasse, aber auch komfortabel über Kopfsteinpflaster oder Schlaglöcher fahren. Die Hubbel in Tempo-30-Zonen steckten die Federbeine dann noch klaglos weg, wenn in anderen Fahrzeugen die Fahrt schon zur Tortur wurde. Die Sitze fand ich bequem, aber damals-typisch französisch-weich. Die Karosserie war anfangs recht steif, sehr gut unterstützt durch den Überrollbügel. Aber zum Ende hin wurde sie doch weicher - im Alter von elf Jahren und der Fahrleistung kann ein Cabrio nicht mehr so steif sein, wie zu Beginn. Im Innenraum gab es schon mal mehr oder weniger heftige Knarzgeräusche, auch quitschte es hie und da. Es war eben nach einer Weile alles in Bewegung...
Die Lenkung war natürlich keine Servolenkung, dennoch relativ leichtgängig. Nur beim Einparken hatten Vertreter des zarten Geschlechts auch mal Mühe, von einem Ende zum anderen zu kurbeln. Hinter der steilen Frontscheibe konnte man es bei geöffneten Dach auch bei höheren Geschwindigkeiten gut aushalten. Die Luftverwirbelungen waren, insbesondere bei "geschlossenen" Seitenfenstern gering. Ich hatte oftmals das Gefühl, dass die Geräuschkulisse bei geöffnetem Dach bei hohen Geschwindigkeiten geringer war, als bei geschlossenem Dach. Die Windgeräusche bei geschlossenem Dach nahmen ab 120km/h immer mehr zu, ein Gespräch machte ab 130 km/h nur noch bedingt Spaß und ab spätestens 150 herrschte Stille - aber nur, was Konversation anging.
Der Wagen hatte vier vollwertige Sitze, leider aber hinten nur Beckengurte. Sicherheitstechnisch war der Wagen natürlich nicht heutiger Stand der Technik. Kein Airbag, kein ABS, natürlich auch kein ESP. Und bei einem Fahrsicherheitstraining (jedem, unabhängig vom Auto, zu empfehlen!) war es fast unmöglich, alle vier Räder zum Blockieren zu bringen, da der Peugeot per Bremskraftverteiler die Hauptleistung nach vorne legt und hinten fast nichts mehr. Aber am meisten störte mich, dass die Kopfstützen viel zu kurz waren und auch nicht fest arretierten. Der Wagen ist nicht zum Rasen gemacht worden. Das seelenruhige Dahingleiten (heute sagt man "cruisen" dazu...) war einfach göttlich. Selbst im Winter fuhr es sich mit offenem Dach prima - die Heizung auf volle Pulle und ebenso das Gebläse, dicke Jacke, Schal und Handschuhe - und ab durch´s Gebirge...
Die Persennig war ein klein wenig friemelig, sie wurde an den Seiten mit Druckknöpfen fixiert. So ertappte ich mich des öfteren, ohne Persenning zu fahren. Das Dach war ratz-fatz in wenigen Sekunden geöffnet und auch wieder geschlossen. Das ging also auch mal eben schnell an einer roten Ampel. Allerdings ist die Strebenkonstruktion des Dachs ziemlich besch.... , die seitlichen Knickstellen wurden regelmäßig eingeklemmt und/oder rieben aneinander. Das führte im Laufe der Jahre zu hässlichen und immer größer werdenden Löchern. Das ist bei sehr vielen 205 Cabrios zu beobachten und liegt meines Erachtens wirklich an der Konstruktion. Das Heckfenster war aus Kunststoff und wurde mit der Zeit stumpf und milchig. Es war allerdings einzeln austauschbar (wenn auch nicht billig). Im Winter ist es mir einmal beim Dachöffnen gebrochen, weil ich das Dach zu schnell aufmachte und der Kunststoff bretthart war. Dumm gelaufen. Der Kofferraum war zwar für ein Cabrio relativ geräumig, aber nur sehr schwer zu beladen. Man musste sich immer tief bücken und die kleine Luke ließ sperrige Gegenstände nur mühsam durch. Einen Kasten Wasser konnte ich im Kofferraum nicht aufrecht (so wie man ihn nunmal hinstellt) transportieren - er passte nicht. Aber alle Utensilien für einen zweiwöchigen Zelturlaub zu zweit passte rein. Dennoch, der Kofferaum nervte mit der Zeit. Die Rücksitzlehnen waren zweigteilt getrennt umklappbar.
Ein Problem stellten nach einiger Zeit die Gummidichtungen an den Seitenscheiben dar. Sie sorgten dafür, dass die Seitenscheiben manchesmal nur mit roher Gewalt nach unten zu kurbeln waren - immer mit der Angst, dass die Kurbel brach. Aber das lag wohl auch daran, dass ich die Pflege dieser Gummis etwas (völlig...) vernachlässigte. Das Dach musste immer wieder nach gespannt werden, was aber sehr schnell und einfach vonstatten ging. Dann war das Dach auch waschstraßentauglich. Versäumte man das Nachziehen eine Weile, konnten auch Fahrten bei Regengüssen dazu führen, dass man nass wurde. Die Tropfen fielen dann schön (?) auf den linken Oberschenkel (beim Fahrer, beim Beifahrer entsprechend rechts, klar...) und das war weder ein gutes Gefühl, noch sah es besonders anregend aus... Der Wagen ließ mich nie im Stich. Lediglich andauernden Kurzstreckenbetrieb quittierte er mit verrußten oder nassen Zündkerzen - was zu Aussetzern führte. Aber ich nutzte ihn meist für längere Strecken, so dass dies nur eine Zeit lang, in der ich ausnahmsweise ausschließlich Kurzstrecken (wenige km) fuhr, vorkam.
Kostenintensiv gestaltete sich das "ständige" Ausstauschen der Antriebswellen. Die Gummidichtungen hielten einfach nicht lange durch. Einmal fing der Wagen entsprechend im Gebirge an zu klopfen. Ich schaffte es gerade noch in Lucarno zu einer Vertragswerkstatt. Das brachte mir einen mehrtätigen Aufenthalt an diesem schönen Ort ein, weil das Teil nicht vorrätig war. Ich bin aber nicht undankbar, ich denke gerne an diesen Urlaub zurück. Der Wagen benötigte einmal eine Rundumerneuerung der Bremsanlage. Das lag aber m.E. auch nicht unwesentlich an einer vorangehenden Pfuscharbeit einer Werkstätte (ATU). Die hatten falsche Teile verbaut und diese auch noch fehlerhaft... Das kostete viel Geld und Nerven. Ausserdem brauchte ich einmal eine neue Batterie, einmal einen neuen Anlasser, einmal einen neuen elektronischen Vergaser, diverse Leuchtmittel (vorne, hinten, Armaturenbrett) und noch einige Kleinigkeiten.
Trotzdem war der Wagen sehr preiswert im Unterhalt, zumindest bis kurz vor Schluss, als er doch vielleicht zum Groschengrab werden wollte. Er hat einen höllischen Spaß gemacht. Alle haben mich für verrückt erklärt, als ich den kleinen Löwen aus der Hand gab, und tatsächlich überlegte ich auch, ob ich ihn nicht als reines Sommerfahrzeug behalten wollte. Doch die Vernunft obsiegte (...leider...). Wer einen Peugeot 205 Cabrio gebraucht (klar, neu gibt´s ihn ja nicht mehr...) kaufen möchte, sollte unbedingt intensiven fachmännischen Rat einholen, wenn er nichts selbst Fachmann ist. Trotzdem - mein Herz hängt weiterhin an diesem tollen, kleinen, wieselflinken sonnenanbetenden Löwen!!!!
Übrigens, Verzeihung, wenn ich alles in Vergangenheitsform erklärte - natürlich ist´s heute auch noch so, wenn, ja wenn es den kleinen Löwen noch gibt. Wovon ich allerdings ausgehe, denn ich habe ihn vor kurzem noch fahren sehen!
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04.11.2003 10:15
Schönes Auto, doch wir bleiben bei unserem Passat Kombi Diesel. Ein guter ausführlicher Bericht.
29.10.2003 18:55
Und ich dachte schon, du fährst jetzt mit wehendem Schal und frostroten Wangen im Cabrio durch die Gegend!
29.07.2003 16:30
Mein einziger Cabrio war ein Alfa ROmeo, den habe ich aber leider zu schrott gefahren :-( Sehr schöner Bericht, ich fühle mit Dir... Bye