Fahrzeugbewertung des Autors:
| Pro: |
schlichte, edle Form, vieeeel Platz, sportlich |
| Kontra: |
Verbrauch, Steuer, einparken |
Zwei Jahre lang hat er brave Dienste geleistet.
Es wird langsam Zeit, von ihm Abschied zu nehmen. Vor einigen Wochen waren mein Freund und ich mit ihm noch in Deutschland und haben ihn schön ausgefahren und ihn nocheinmal genossen. Jetzt ist die Benzinkutsche abgemeldet und wartet auf einen neuen Besitzer.
Ganz unten gibt's wieder ein zusammenfassendes Fazit.
Absolut stilvoll ist diese viertürige Limousine, ein Peugeot SV 3.0, aus dem Baujahr 1992. Klare, gerade Linien zeichnen die Karosserie aus, die mit der Eleganz eines Mercedes mithalten kann, und der Wagen ist wie die meisten seiner Art in einer gediegenen, ernsthaften Farbe lackiert, ein Dunkelgrün, dass bei wenig Licht auch dunkelblau oder schwarz wirkt. Eine Karosserie, die übrigens verzinkt ist - Rost ist bei diesem Schlitten kein Thema, zumindest nicht da, wo man ihn sofort sieht.
Abgesehen von einem noblen Aussehen bietet das 4,72 Meter lange und 1,8 Meter breite Fahrzeug viel Platz und einen Kofferraum für viele Leichen oder was man sonst mit den knapp 500 Litern anstellen möchte. Dafür kann man allerdings die Sitzbänke nicht umklappen. Christbäume, Monitore, 2 Meter hohe CD Regale und ähnliches sperriges Material ist allerdings leicht zu verstauen. Es gibt ja immerhin eine Schidurchreiche.
Doch die Grösse hat auch ihren Preis. Dieses Auto einparken verlangt viel Feingefühl. Der Kofferraum ist dermassen unüberschaubar, dass selbst Sich-aus-dem-Auto-Lehnen nichts hilft. Von Einparkhilfen war damals natürlich noch keine Rede, also kein Auto für Leute ohne gutes Schätzvermögen. (->Nix für mich.)
Was allerdings enorm hilft, ist die Servolenkung, die eine der leichtgängigsten ist, die ich je erlebt habe. Mit dem kleinen Finger kann selbst ich das Lenkrad am Stand bewegen. Beim Fahren fällt sehr angenehm auf, dass die Lenkung sehr direkt anspricht, und der Wagen liegt aussergewöhnlich gut in den Kurven.
Apropos: die Franzosen haben sich mal wieder mit dem Fahrwerk gespielt, es gibt die Möglichkeit, ein sportlicheres Fahrwerk zuzuschalten mit noch besserer Kurvenlage. Sportlich wirkt auch das 5-Ganggetriebe mit seinen recht kurzen Schaltwegen und ein immer leise freundlich brummender Motor. Ein Wagen, der auch viel verzeiht und dessen geduldiger Motor schier unmöglich abzuwürgen ist - man kann ja auch mit diesem Peugeot mühelos ohne Gas wegfahren - auch bei "ökonomisch" optimierten Standgas.
Ökonomisch ist an dem Wagen ansonsten nicht viel, wenn wir schon bei dem Thema sind. Die vielen Pferde wollen eben gut gefüttert werden. Er verbraucht - und lassen Sie diese Zahlen auf sich wirken:
7,8 Liter bei 90 km/h
9,6 Liter bei 120 km/h
14,9 Liter im Stadtverkehr
Eine Parkplatzsuche nach einer fünf Meter langen Parklücke kann in der Stadt mitunter ein teures Vergnügen werden - vor allem da er Superbenzin säuft. In der Praxis kommt der alte Herr auf etwa 11-12 Liter auf 100 Kilometer.
In Punkto Sicherheit fällt mir bis auf ABS nichts aussergewöhnliches ein. Keine Airbags natürlich im Baujahr 92.
Was die Armaturen betrifft: Ein bisschen schonungslos finde ich die digitale Tankanzeige, da kann man zusehen, wie die Zahl dort kleiner wird beim Fahren. Dafür gibt's aber Kontrolleuchten für alles mögliche. Von einer Warnleuchte, dass das vordere linke Abblendlicht ausgefallen ist bis hin zur "Bremsen sind nicht okay" Anzeige. Das Auto informiert gerne über seine Probleme. Leider sind mit der Zeit einige Armaturenlämpchen ausgefallen. Mühevolle und teure Kleinstarbeit ist es, diese Lämpchen auszutauschen. Daher muss man sich daran gewöhnen, dass man bei einem älteren Auto nur noch mit der halben Armaturenbeleuchtung fährt.
Ein Auto für gemütliche Reisen, nicht unbedingt um von zuhause zum nächsten Supermarkt und wieder zurückzufahren. Gemütlich ist es auf jeden Fall auf den weichen Sitzen mit der doch recht grossen Sitzfläche. Naja, beim Platz wurde hier ja nirgendwo gespart.
Extras, die sonst noch praktisch sind, und mir gerade einfallen, wären zum Beispiel ABS, eine Klappe, hinter der das Radio versteckt ist, man spart sich also diese ewige Frontblendenherumsteckerei vom Autoradio, die riesigen Aussen- und der Innenspiegel bieten eine hervorragende Sicht auf den Verkehr rund um und hinter sich. Heckscheibenwischer gibt es allerdings keinen.
123 kw - also rund 168 PS bringen die 1,4 Tonnen in 8,9 Sekunden von 0 auf 100 - und in weiterer Folge bis maximal 222 km/h. Natürlich ist auch die motorbezogene Steuer entsprechend hoch.
Wer mal Gelegenheit hat, sollte unbedingt mal under die Motorhaube schauen. Wie da ein Mechaniker was machen kann, ohne den Motor komplett zerlegen zu müssen, ist mir ein Rätsel. Der Motorraum ist zum Bersten vollgestopft mit Motor.
Noch ein paar Worte zu meiner Lieblingssonderausstattung: ein elektrisches Faltdach. Seitdem hab ich beschlossen, dass jedes meiner Autos so etwas haben soll. Gibt kaum etwas schöneres, als mit einem lieben Menschen in einer Sommernacht ein bisschen aus der Stadt rauszufahren und "Sternderlschauen" zu gehen...
Das Modell, dass ich die letzten 20.000 Kilometer näher beobachtet habe und von Zeit zu Zeit fahren darf, hat momentan mehr als 210.000 Kilometer auf dem Buckel. Nun, ich denke, da kann ich guten Gewissens noch ein paar Worte über die Zuverlässigkeit und Verarbeitung verlieren. Mängel gibt es nur winzige. Die Servolenkung quietscht ein wenig im kalten Zustand, und vom Auspuff hat sich mal ein rostiges Blech gelöst, vor etwa 15.000 Kilometern, allerdings ohne irgendwelche Konsequenzen. Eben kleine Alterserscheinungen. Das einzige was wirklich mal zu reparieren war, als bei 200.000 Kilometer sich auf einmal bei der Fahrertür der Türgriff innen vom Auto getrennt hat und die Reparatur mühsamste Kleinarbeit für die Werkstatt war. (Einfädeln von winzigen Verrieglungsfedern, neuen Türgriff innen einbauen und Schliessmechanismus erneuern...) Und wer mit seinem Wagen in eine Peugeot Fachwerkstätte fährt, kann auch mit hohen Ersatzteilrechnungen rechnen.
NACHTRAG:
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Ich will keineswegs die Raserei mit 220 befürworten. Es ist russisches Roulette, man ist nicht mal mehr ein Brei wenn da was passiert und ich würd's nicht wieder machen.
Was ich ausdrücken wollte: bei dem Wagen erkennt man keinen Unterschied, ausser daran, dass die Landschaft schneller an einem vorbeizieht, zwischen 130 und 220 km/h. Ich hab mir an einem Tag einen Traum erfüllt, bin mir aber bewusst, dass ich dabei mein Leben mehr als üblich beim Autofahren riskiert habe.
AUf österreichischen Autobahnen fahre ich selten mehr als 100 - denn ab 100 steigt der Benzinverbrauch rasant an. Ausserdem ist mehr Tempo als die vorgeschriebenen maximalen 130 aus sicherheitsüberlegungen heraus gar nicht möglich. (engere Spuren als in Deutschland, viele viele Schlaglöcher, ...)
FAZIT
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Einmal zwei Minuten mit ihm auf einer deutschen Autobahn mit 220 hat mir Spass gemacht wie ein Kind der Weihnachtsbaum. Die exzellente Federung bügelt jedes Schlagloch weg. Allerdings bekommt man diesen Spass und enormen Platz nur zu einem gewissen Preis. Verbrauch, Steuer und Versicherung sind in der gehobeneren Preisklasse. Einparken ist dank abfallendem Kofferaum auch für Profis eine Herausforderung. Trotzdem werde sogar ich alte Kleinwagenfahrerin ihn vermissen.
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