Elystar 125 - nur fliegen ist schöner
14.01.2004
Pro:
Tolle Ausstattung und gutes Fahrverhalten
Kontra:
kleine Schönheitsfehler (siehe Bericht)
Empfehlenswert:
Ja
 Spemi
Über sich:
Mitglied seit:09.08.2001
Erfahrungsberichte:25
Vertrauende:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 30 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Im September 2002 habe ich nach längerem Überlegen den Schritt gewagt: Ich kaufte mir einen neuen Roller Elystar 125 von Peugeot. Von der Größe und der Leistung inspricht er dem Leonardo 125 von Aprilia (siehe meinen Bericht). Natürlich ist er technologisch wesentlicher moderner. Nachdem ich nun seit 15 Monaten den Elystar fahre, ist es an der Zeit, einen Erfahrungsbericht zu schreiben.
========== Allgemeines ================ Zunächst einige Informationen zur Technik. Der Elystar ist der Nachfolger des Elyseo. Es gibt ihn mit den Hubräumen 50, 125 und 150 cm³. In jeder dieser Hubraumklassen gibt es neben dem Standardmodell auch die de Luxe Ausstattung. Diese hat ein größeres Windschild und zusätzliche Windabweiser für die Griffe. Ob dies den Mehrpreis von 300 Euro Wert ist, muss jeder selbst entscheiden. Die technischen Daten und die Ausstattung des 50er sind geringfügig anders. Er unterscheidet sich im Wesentlichen mit dem luftgekühlten Motor, zusätzlicher Kickstarter, andere Direkteinspritzung, Abgasnorm Euro 1, Licht 35/35 W HS1, kein ABS.
Die Modelle gibt es in 4 verschiedenen Farben: Grau, Silber, Rot und Blau. Natürlich hat Peugeot dafür sehr fantasievolle Namen gefunden, die aber auch nicht weiterhelfen sich die Farbe vorzustellen. *****************************========== Fahrwerk ================ Was im Auto und großen Motorrädern schon üblich war, hat auch beim Elystar Einzug gehalten: ABS für das Vorderrad. Durch das Integralbremssystem werden mit dem linken Bremshebel sowohl Vorder- als auch das Hinterrad gebremst. Im Gegensatz zum 50er, wirkt der rechte Bremshebel ebenfalls auf beide Räder. Die Maße der Bremsscheiben sind 226 mm vorne und 210 mm hinten. Das Vorderrad hat die Maße 120/70-12, das Hinterrad 130/70-12. Das Vorderrad ist an der hydraulischen Telegabel mit 2 einstellbaren Federbeinen befestigt. *****************************========== Motor ================ Der Motor ist ein 1-Zylinder 4 Takt-Motor. Bei hohen Außentemperaturen scheint die Flüssigkeitkühlung nicht ganz optimal zu sein. Die Kühlwassertemperatur liegt dann geringfügig über 80 °C ansonsten darunter. Aus dem Hubraum bringt der Motor eine Leistung von 9 kW (10 kW beim 150 cm³). Dies entspricht der üblichen Leistung in dieser Scooter-Klasse. Gestartet wird der Motor ausschließlich elektrisch. Mit der EFI genannten elektronischen Einspritzung erreicht er die Abgasnorm Euro 2. *****************************========== Maße und Gewichte ================ Die Abmessungen des Elystar (L x B x H in mm): 1900 x 720 x 1230. Damit ist er auch für große Personen gut geeignet und trotzdem noch handlich. Ich stelle ihn auf meinem Tiefgaragenplatz quer vor dem Auto ab. Das Leergewicht beträgt 149 kg (95 kg beim 50er). Alle Modelle haben einen Tankinhalt von 9 Litern. *****************************========== Ausstattung ================ Das Abblend- und Fernlicht hat 55/60 W H4. Der Scheinwerfer ist einstellbar. Abgestellt werden kann der Roller mit dem Hauptständer oder einem Seitenständer. Bei letzterem geht das Abstellen schneller, aber der Roller steht dann schräg. Ferner besitzt er ein Lenkradschloss und eine elektronische Wegfahrsperre. Desweiteren gibt es noch ein integriertes Antidiebstahlschloss. Dabei handelt es sich um ein dickes Kabel, das normalerweise unterhalb der Karosserie verstaut ist. Dieses wird hinten neben dem Nummernschild herausgezogen. Damit kann der Roller dann an feste Gegenstände „angekettet“ werden oder es wird irgendwo zwischen dem Rad und dem Rahmen durchgezogen um das Rad am drehen zu hindern. Das Schloss geht etwas hakelig. Durch den seltenen Gebrauch hat sich daran auch noch nichts geändert. Es kann passieren, dass es einem kaum gelingt das Schloss wieder zu öffnen. Also lass ich es lieber. Außerdem muss man das Kabel erst vom Öl bzw. Fett befreien, wenn man durch das Hantieren mit dem Schloss nicht vollständig schmierige Hände bekommen will. Trotzdem eine gute Sache. *****************************========== Anzeigeinstrumente ================ In der digitalen Anzeige ist ein Tageskilometerzähler und ein Gesamtwegstreckenzähler, ein Kraftstoffanzeige und eine Kraftstoffwarnleuchte sowie eine Uhr untergebracht. Die Kraftstoffanzeige besteht aus mehreren, verschieden langen Balken, welche bei vollem Tank alle sichtbar sind. Mit abnehmender Tankfüllung verschwindet einer nach dem anderen. Die letzten zwei stellen den Reservekraftstoff dar, welche zwecks größerer Aufmerksam zu blinken beginnen.
Die Kühlwasser-Temperatur wird mit einem analogen Anzeigeinstrument gemessen. Ferner gibt es eine Öldruck- und ABS-Warnleuchte. Beim Fahrzeugstart leuchten diese zum Selbsttest auf. Nach dem Abstellen des Motors blink eine Leuchtdiode für die Wegfahrsperre. Nach 24 Stunden erlischt diese jedoch und wird erst wieder nach Erneuten Betätigen des Zündschlüssels aktiv. *****************************========== Praxiserfahrung ================ Mit dem elektrischen Anlasser wird der startfreudige Motor gestartet. Man muss sich daran gewöhnen, dass die ABS-Kontrollleuchte erst erlischt, wenn sich das Rad gedreht hat. Wer meinen Bericht über den Leonardo von Aprilia gelesen hat weis, dass ich mit dem erhebliche Startprobleme hatte. Heute kam der Härtetest für den Elystar. Nachdem er ca. 2-3 Monate in der Tiefgarage abgestellt war, sollte er wieder bewegt werden. Es ist kalt (ca. 8 °C). Ich musste insgesamt 3 mal den Anlasser betätigen, aber er lies sich dann problemlos starten. Die ersten beiden Versuche hatte der Anlasser leer durchgedreht, jedenfalls hat sich das so angehört. Dies ist aber nach fast 3 monatiger Stillstandszeit verzeilich. Die Beschleunigung im unteren Drehzahlbereich ist für meinen Geschmack etwas mickrig. Allerdings muss man berücksichtigen, dass die 9 kW neben dem Leergewicht immerhin über 90 kg bewegen müssen. Nachdem der Motor aber etwas Drehzahl gewonnen hat, geht die Post ab. Damit gelingt es mir regelmässig, beim Ampelstart den Autos davon zu spurten. Im dichten Verkehr ist dies schließlich einer der Vorteile eines Rollers, vor allen Anderen über der Kreuzung zu sein.
Beim Leonardo war die Beschleunigung etwas besser. Allerdings mit Sozius wars vorbei. Beim Elyseo merke ich keine Beinträchtigung und bin praktisch genauso flott wie alleine unterwegs. Naja, die Einspritzung muss für etwas gut sein. Manche geben den Spritverbrauch mit 3 Liter pro 100 km an. Das schaffe ich nicht. Ich komme auf ca. 4,5 Liter Super. Dabei handelt es sich aber um den Verbrauch für den reinen Stadtverkehr. Wie oben bereits erwähnt, fahre ich auch nicht gerade langsam los. Mit einem verhalteneren Fahrstil und bei längeren Strecken mag man schon auf 3 Liter herunter kommen.
Das Fahrverhalten ist auch phantastisch. Beim Leonardo hatte ich immer wieder Probleme im Kurvenfahren. Ich hatte das Gefühl zu stürtzen und musste oft extra Gas zurücknehmen. Beim Elystar ist mir das noch nie passiert. Mit ihm kann ich zügig die Kurve fahren. *****************************========== Erste Inspektion ================ Nach 500 km ist die erste Inspektion fällig. Das war gut so, denn vor diesem Termin hatte ich Klopfgeräusche beim Fahren wahrgenommen. Es dauerte eine geraum Zeit, bis ich das Vorderrad identifiziert hatte. Trotz genauem Nachsehen konnte ich die Ursache nicht feststellen. In der Werkstatt stellte sich die Ursache heraus. Es war der Mitnehmerdorn für die Vorderbremse. Die Gabel des Bremsbelages hatte etwas Spiel bekommen. Solange die Bremse nicht betätigt ist, wackelte dies etwas und verursachte die Geräusche. Leider wurde mir von der Werkstatt mitgeteilt, dass dies normal sei und es wurde nicht abgestellt. Ehrlich gesagt mich stört es. Da ich jetzt aber weis woher es kommt und damit keine Sicherheitseinbuße verbunden ist, lebe ich damit. Eine weitere lästige Eigenschaft gibt es: die Ladekontrollleuchte. Immer wenn ich aus der Fahrt den Roller abbremse, leuchtet die Kontrollleuchte kurz auf. Entweder erlischt sie selbstständig oder nach geringfügigem Gasgeben. Selbst nach längerer Fahrt, wenn man annehmen kann, dass der Akku geladen ist, tritt dieser Effekt auf. Auch dieses wurde von der Werkstatt nicht abgestellt. Lästig!
Die digitale Uhr geht auch nicht gerade präzise. Nach der langen Stillstandzeit zeigte sie ca. 4 Stunden zu wenig an. Dies ist zwar nicht weiter schlimm, aber es stört. Selbst die billigste Quarzarmbanduhr weist eine bessere Ganggenauigkeit auf. Hier wird an der falschen Stelle gespart. Ein genaueres Werk kostet bestimmt nicht mehr als 1 Euro Mehrpreis. Beim Gesamtpreis des Rollers darf dies keine Rolle spielen. Damit ist das Stichwort gefallen. Der Kaufpreis damals war bei meinem Händler 4250 Euro. Nicht gerade wenig. Berücksichtigt man aber die Ausstattung, ist das schon o.k. *****************************========== Fazit ================ Ich bereue den Kauf nicht. Trotz der kleinen Mängel bin ich mit dem Roller zufrieden. Vielleicht wird ja der eine oder andere Mangel beim nächsten Inspektionstermin beseitigt. Die Chancen stehen gut. Denn der Termin ist erst bei 5000 km. Nachdem ich pro Jahr nur etwa 1000 km fahre, dauert das noch sehr lange.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Peugeot Elystar 125 /150
|
|
27.01.2004 13:33
Auch wenn ich kein Biker bin, finde ich deinen Bericht sehr interessant und umfangreich. SH, Joe
15.01.2004 09:16
Sehr gelungener Bericht über einen schweren Brocken. Wiegt der 125er tatsächlich 54 kg mehr als der 50er? Viele grüße, Thomas
15.01.2004 01:31
Klasse Bericht, alles wissenswerte beschrieben, liest man hier echt selten in dieser Qualität. Besten Gruss Marc A.