Ich geb' Gas, ich krieg' Spaß...
20.06.2006 (10.08.2006)
Pro:
Design, Licht, Fahreigenschaften, Verarbeitung, hoher Spaßfaktor
Kontra:
Diverse Macken, Verarbeitung, Spritverbrauch
Empfehlenswert:
Ja
 Almstedt
Über sich:
Juhuuu!!!! Mehr als 150.000 Lesungen meiner Berichte und immerhin 4,2% davon stammen sogar von CIAO-...
Mitglied seit:12.07.2004
Erfahrungsberichte:81
Vertrauende:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 105 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Muss der Almstedt jetzt auch noch "seinen Senf" dazugeben, es gibt über diesen Roller doch schon 46 Berichte... Nun gut, die Beurteilung dieser Frage überlasse ich euch, allerdings stellte ich am Wochenende fest, dass selbst in den zwei Jahren, die ich diesen Roller inzwischen fahre, keine weiteren für mich hilfreichen Berichte hier auf Ciao dazugekommen sind. Da es mir schon damals in den Fingern juckte - ich war damals noch kein aktives CIAO-Mitglied, sondern nutzte die Plattform ausschließlich als Informationsmedium - einen Bericht mal aus einer anderen Perspektive zu schreiben, habe ich jetzt beschlossen, mich mal schnell in diese Aufgabe zu stürzen.... ;o))) ******************************* Entscheidung mit Folgen: ******************************* Vor zwei Jahren, am 10. Juli 2004 war es so weit... - ich befand mich endlich für erwachsen genug, um mir im Alter von 42 Jahren ein motorisiertes Zweirad zuzulegen. Ich habe mich vor gut 20 Jahren bewußt dafür entschieden keinen Motorradführerschein zu machen - dazu kannte ich mich und liebe das Leben zu sehr...
Nicht irgendein Zweirad sollte es sein... - einen kleinen Roller hatte ich mir in den Kopf gesetzt: einigermaßen seinen Preis wert sein sollte er, gut aussehen, eine gute Sicherheit bieten und ausreichend stark sein. Ein 2,5PS Roller aus dem Supermarkt kam auf Grund der obigen Kriterien nicht in Frage... Als ich meinen Wunsch meiner Freundin mitteilte, bekam ich nicht die erwartete Tirade der Marke "Almstedt, Du bist blöd!!!" zu hören, sondern ein: "Super, dann kaufe ich mir auch einen..."
Also schwangen wir uns ins Auto und fuhren zu einem der großen Zweiradhändler der Region. Dort angekommen verschlug uns die riesige Auswahl von Rollern: Retro-Roller über Luxus-Roller, City-Roller, Compact-Roller bis Sport-Roller erstmal die Sprache. Der erste Verkäufer der uns ansprach - während wir wohl recht dümmlich schauend mit offenem Mund die Auswahl bestaunten - war nicht wirklich hilfreich. Jeder Roller war "toll", "ein super Angebot", "unser meistverkaufter Roller in der Klasse", etc. Also schalteten wir auf geheucheltes Desinteresse und gaben dem guten Mann zu verstehen, dass wir erstmal gründlich überlegen müssten. Anschließend umkreisten wir die Roller-Ausstellung in immer engeren Kreisen bis wird zeitgleich vor einem Roller stehenblieben: "Der ist geil!". Es war der Peugeot Speedfight 2, der es uns angetan hatte. Sehr sportlich sah er aus mit seiner kantigen Karosserie, den großen eckigen Scheinwerfern, der zweifarbigen Sitzbank und dem Spoiler, der mehr als Halt für einen eventuellen Beifahrer dient und auf die Aerodynamik des Rollers mit Sicherheit keinen Einfluß hat. Ein schüchternes Probesitzen ergab, dass sowohl meine Freundin (1,72m) als auch ich (1,78m) eine prima Sitzposition fanden, bequem und trotzdem alles unter Kontrolle. Als wir uns dann mit einem älteren Mitarbeiter des Hauses unterhielten, der noch das gute Licht (35 Watt Halogen-Fernlicht!!!) und die gute Zuverlässigkeit lobte, war unsere Kaufentscheidung gefallen. Meine Freundin erwarb den Speedfight 2 AC (die luftgekühlte Version mit 4,1PS) in rot-silber für 2050€ incl einem 40 Liter Topcase, während ich mich für einen gelb-schwarzen Speedfight 2 LC (die wassergekühlte Version mit 4,9 PS) für 2150 € entschied. Beide Preise inkl. Überführung.
Nachdem wir schnell noch Nummernschilder erworben hatten, kauften wir dann in aller Seelenruhe Helme, Motorradjacken, Nierengurte und Handschuhe ein, während unsere Roller in der Werkstatt überprüft, betankt und eingestellt wurden. Eine gute Stunde später konnten wir dann stolz unsere Roller in Empfang nehmen und zu einer ersten Probefahrt aufbrechen...
******************************************** Technische Daten: ******************************************** Die technischen Daten gelten für meinen Speedfight2 LC, abweichende Daten für den Speedfight2 AC meiner Freundin sind in Klammern angegeben.... Motor: 1Zylinder, 2-Takt Leistung: 3,6kw (4,9PS) (AC: 3,0kW (4,1PS)) Hubraum (ccm): 49,1 Kühlung: Wasser (LC) / Luft (AC) Vergaser/Einspritzung: Vergaser mit Startautomatik Zündung: Elektronische CDI-Zündung Starter: Elektro+Kick Getriebe: Variomatik Bremse vorn (mm Durchm.): Scheibe 180 Bremse hinten (mm Durchm.): Scheibe 180mm (Trommel 110mm) Federung vorn: Einarmschwinge gekoppelt mit hydr. Federbein Federung hinten: Hydraulisches Federbein Abmessungen (LxBxH/mm): 1730x700x1150 Sitzhöhe (mm): 810 Leergewicht: 95kg (90kg) Tankinhalt (l): 7,1 Öltank (l): 1,3 Reifen vorn: 120/70-12 Reifen hinten: 130/70-12 Abgasnorm: EURO 2 (mit eingebautem Katalysator) Cockpit: Analog (Tachometer in km/h und mph, Gesamtkilometerzähler in grober km Auflösung, Tankanzeige, Kühlwasser-Thermometer (entfällt beim AC), Blinkeranzeige, Lichtanzeige, Ölwarnleuchte) Staufächer: Staufach unter der Sitzbank Wegfahrsperre: elektronisch per Transcoder (entfällt beim luftgekühlten Modell)
************************************ Viel Spaß für wenig Geld ************************************ Von Anfang an haben uns unsere Roller viel Spaß gemacht - die 20km in die Stadt bei schönem Wetter sind ein reines Vergnügen, die Fahrzeiten unterscheiden sich (inkl. des Stadtverkehrs) kaum von den Zeiten, die man mit dem Auto braucht. Dafür erhält man im Sommer ausreichend Frischluft, bekommt nahezu überall einen Parkplatz, kann bei größeren Festivitäten quasi bis an den Ort des Geschehens rollern, anstatt sein Auto Kilometer entfernt parken zu müssen
Bilder von Peugeot SpeedFight2 50
und wenn man alleine unterwegs ist spart man sogar im Vergleich zu einem Diesel-KFZ immer noch ordentlich Sprit. Ausgedehnte Shopping-Touren erfordern dann allerdings trotz Top-Case bei meiner Freundin und Rucksack bei mir ein wenig Zurückhaltung, wenn man nicht einen Teil der "Beute" im Einkaufszentrum zurücklassen möchte...Die Kosten für Betrieb und Unterhalt sind angenehm überschaubar, auch wenn ich die Wartungsarbeiten und Inspektionen der Werkstatt überlasse.... (45€ für die erste Inspektion, 25€ für den Winterservice bisher).
Ich habe mit meinem Roller inzwischen 5200km zurückgelegt und im Schnitt dabei 3,28 Liter SuperBenzin auf 100km verbraucht. Der Roller meiner Freundin verbraucht auf Grund des anscheinend höheren Drehzahlniveaus mit 3,50 Litern auf 100km ein wenig mehr als mein Roller. Die Benzinkosten beliefen sich bei mir auf dieser Distanz auf 228,94€, dazu kamen insgesamt 7 Liter 2Takt-Öl à 4€ im Wert von 28€, 2 Nummernschilder mit ca. 60€ pro Jahr Versicherungskosten (nur Haftplicht) sowie eine Frühjahrsinspektion und eine 1000km Inspektion von zusammen 70€. Insgesamt belaufen sich die Betriebskosten also auf knapp 450€ auf 2 Jahre und 5200km, entsprechend nicht einmal 9 Cent pro Kilometer. Demnächst kommen dann neue Reifen dazu (meine werden wohl bei 6000km gewechselt werden müssen) und auch die Batterie hält wohl nicht mehr lange. Eine neue Batterie kann man mit ca. 15€ veranschlagen, die Reifen kosten pro Stück zwischen 35€ und 45€ - "Edelschlappen" für's Image maximal ca. 70€. Im Gegensatz zu den "großen" Rollern spart man sich nicht nur den TÜV, sondern auch KFZ-Steuern und andere unwillkommene Geldsauger... Natürlich sollte man seinen Roller trotzdem verantwortungsbewußt warten oder warten lassen, aber die Kosten hierfür bewegen sich eher auf niedrigem Niveau.
********************************************** Getrübte Anfangsfreude und Macken.... ********************************************** Trotz aller Freude und viel Spaß am herumzockeln auf den Landstraßen der Umgebung war im ersten Jahr meine Freude immer ein wenig getrübt... Die Wassertemperatur stieg häufig in den roten Bereich, selbst bei kühlem Wetter, und mein Roller kam nicht so richtig in Schwung - bei 51km/h nach Tacho auf gerader Strecke war Schluß, während der nominell schwächere luftgekühlte Roller meiner Freundin nach Tacho rund 55km/h lief und sie mir damit nach Belieben wegfahren konnte. Nach diversen kurzen Werkstattbesuchen auf den ersten 1400km (Kühlwasser ausgetauscht, Zündkerzen überprüft, etc.) wurde mir dann der Instrumententräger auf Garantie gewechselt, weil die Werkstatt der Meinung war, dass das Thermometer zu hohe Temperaturen anzeigte. Leider war der einzige "Erfolg", dass anschließend mit dem nageneuen Instrumentenpanel die Ölwarnleuchte nicht mehr funktionierte. Weitere 150km später war es dann so weit - ich hatte die Nase voll und bestand auf Beseitigung der Mängel oder Wandlung. Daraufhin wurde der Roller zwei Tage lang zerlegt, gechecked und dann wurde es für Peugeot ziemlich teuer. Auf Grund der bisher überhöhten Kühlwasser-Temperaturen war die Zylinderkopfdichtung undicht geworden und mußte ausgetauscht werden. Dazu kamen eine neue Wasserpumpe, ein neuer Thermostat, eine neue Ölpumpe und erneut ein neuer Instrumententräger - natürlich alles auf Garantie und komplett kostenlos nach einem knappen Jahr, sogar die Kosten für die Abholung und den Rücktransport meines Rollers (je 30km) wurden komplett vom Händler übernommen.
Seit der Zeit läuft mein Roller ohne die geringsten Probleme. Nach den Reparaturen war auch die Höchstgeschwindigkeit per Tacho auf knappe 60 km/h gestiegen (ca. 49km/h handgestoppt und laut GPS) und mein Thermometer befindet sich jetzt auch bei 35° Lufttemperatur noch im grünen Bereich. Der Roller meiner Freundin hatte von Anfang an mit Startproblemen zu kämpfen. Selbst nach nur einem Tag Standzeit mußte sie meistens den Kickstarter zu Hilfe nehmen, um den Roller zu starten. Trotz diverser Änderungen an den Vergasereinstellungen war die Peugeot-Werkstatt nicht in der Lage, diese Macke abzustellen. Erst seit wir dieses Frühjahr unsere Roller beim Aprilia/Piaggio Händler um die Ecke für den Sommer durchprüfen und einstellen ließen, springt der Roller ein wenig besser an.
********************************************* Fahrwerk, Bremsen und Motor: ********************************************* Das Fahrwerk des Peugeot Speedfight 2 ist nach dem Motto "hart aber herzlich" abgestimmt. Selbst meine gut 85 Kg werden minutiös über den Fahrbahnzustand informiert, jeder Kiesel unter dem Reifen wird fühlbar und ein Schlagloch verwandelt den Roller umgehend in ein Katapult, wenn man sich nicht vorher darauf eingestellt hat. Selbst mit Sozius auf der hinteren Bank gibt sich das kleine Teilchen noch elastisch durchtrainiert - Respekt. Vorteil der sportlichen Abstimmung sind die hohe Agilität und die überraschende Kurvenfestigkeit - ich hätte vorher nicht gedacht, dass man einen Roller so schnell und präzise um enge Kurven zirkeln kann. Die Bremsen packen gut dosierbar und energisch zu, durch die gelochte(n) Bremsscheibe(n) sogar völlig unbeeindruckt im Regen! Die hintere Scheibenbremse bei meinem LC Modell ist allerdings eher eine Image-Sache als in der Praxis notwendig, da den größten Teil der Bremsleistung eh die Vorderradbremse zu leisten hat. Der Roller meiner Freundin verzögert genauso gut, nur dass die hintere Trommelbremse ab und zu zum quietschen neigt, trübt den ansonsten souveränen Auftritt...
Der Motor ist kräftig genug, um mich an der Ampel recht schnell voran zu bringen und auch bei Steigungen von 12% immer noch ca. 40 km/h zu erreichen. Auch das Fahren mit Sozius ist für den wassergekühlten Speedfight 2 LC kein Thema - jeder Berg wird (mehr oder weniger) souverän genommen (5PS!) und die Endgeschwindigkeit auf flacher Strecke auch nur minimal verringert. Der Verbrauch ist zwar mit 3,2 bis 3,5 L/100km Super Benzin für die gebrachte Leistung unzeitgemäß, aber die meisten anderen Rollerfahrer, mit denen ich sprach erzählten mir sogar von noch höheren Verbräuchen ihrer Roller! Die 2-Takt Technik ist halt ein technisches Relikt - extrem simpel gebaut aber robust und zuverlässig...
Ich habe anfangs zwei Mal SuperPlus Benzin getankt, im Gegensatz zu in "Rollerfahrerkreisen" kursierenden Gerüchten aber leider keinerlei Mehrleistung feststellen können - Beschleunigung und Endgeschwindigkeit blieben bestenfalls gleich. Dafür stieg aber der Verbrauch um ca. 0,2 Liter/100km - man kann also auf den teuren "Edelstoff" sehr gut verzichten! ************************************************ Komfort, Beleuchtung: ************************************************ Die breite und gut gepolsterte Sitzbank ermöglicht auch längere Touren, solange eine Körpergröße von 1,85m bis 1,90m nicht überschritten wird. Meine längste Tour war gut 300km lang und hat meine Nehmer-Qualitäten nicht im geringsten gefordert - mit drei Pausen war die Tour problemlos zu absolvieren...
Eine der Stärken des Rollers ist die 12V Lichtanlage. Der Roller ist mit einem automatischen Tagesfahrlicht ausgestattet - man kann also nicht vergessen sein Licht einzuschalten! Dieses Kriterium wäre für mich als Vater eines Sohnes ein Grund, im Fall der Fälle auch so einen Roller für ihn zu erstehen. Gesehen zu werden ist für einen Rollerfahrer ein wichtiger Punkt, um unverschuldete Unfälle zu vermeiden... Das Halogen-Fernlicht mit 35Watt Leistung ist ein Hammer - ich habe ein paarmal meinen Roller nachts über Landstraßen bewegt und das Fernlicht hat die Straße hervorragend ausgeleuchtet. Nichts im Vergleich zu den Funzeln, die manche andere Roller zu bieten haben! Auch die passive Sicherheit mit dem ebenfalls sehr hellen Abblendlicht und dem großen Rücklicht ist nur als vorbildlich zu bezeichnen. Selbst mit der tiefstehenden Sonne im Rücken ist der Roller jederzeit gut sichtbar. Für mich ist dieser Punkt "Sehen und gesehen werden" extrem wichtig - ich fahre schon seit Jahren meine Autos nur mit Xenon-Licht und lege sehr viel Wert auf gute Sicht... Auch die Spiegel sind ein Beitrag zur Sicherheit, auch wenn ich erst an der Einstellung derselben verzweifelte. Auf der einen Seite sind die Spiegel zwar schwergängig, dafür verstellen sie sich aber auch auf längeren Touren um nicht einen Millimeter. Auch wenn die Einstellung schon ein wenig dauern kann, bieten sie anschließend eine gute Übericht nach hinten, selbst wenn man in einer dicken Motorradjacke unterwegs ist. Aus Sicherheitsgründen hätten die Spiegel zwar gerne noch ein wenig größer werden dürfen, trotzdem erfüllen sie ihren Job gut und scharf aussehen tun sie auch noch... ;o))
************************************************ Alltagstauglichkeit: ************************************************ Mit der entsprechende Kleidung und Ausstattung macht der Roller im Temperaturbereich von 15° und darüber richtig viel Freude. Im Sommer bei 30° mit T-Shirt und kurzer Hose (und natürlich Helm) durch die Landschaft zu "cruisen" oder ins nächste Freibad oder in den nächsten Biergarten zu fahren, macht einfach nur Spaß pur. Bei Regen oder Temperaturen unter 15° wird das Wohlbefinden bereits deutlich eingeschränkt - ohne Regenbekleidung saut man sich schnell die Klamotten ein, weil die Schutzbleche des Speedfight2 ihren Job leider nur zu 95% erledigen und ein kalter Wind unter 10° sorgt dann sogar dafür, dass man sich ausnahmsweise freut, wenn eine längere Fahrt zu Ende ist. Das Fahrverhalten des Rollers ist auch bei Nässe noch sicher, die vergleichsweise großen 12 Zoll Räder (bei uns mit Hutchinson Reifen bestückt) bauen auch bei stärkeren Regenfällen ausreichend Grip auf und die Bremsen lassen sich auch von starken Regenfällen nicht im geringsten beeindrucken. Da die Roller für uns reine Spaßgeräte sind, überwintern sie natürlich in der Garage, so daß ich leider keine Erfahrungen bei Eis und Schnee in den Bericht mit einbauen kann... - ich bezweifele allerdings auch, dass es überhaupt eine gute Idee ist, mit seinem Roller (oder einem anderen motorisierten Zweirad) bei Eis und Schnee unterwegs zu sein... In der Stadt sind die kleinen Roller die wahren Anarchisten - wendig, schnell und mit geringem Platzbedarf findet man fast überall einen Parkplatz, verkürzt die Standzeit an Ampeln auf maximal eine Rotphase und nimmt im Feierabendverkehr selbst einem Porsche schnell ein paar Minuten pro 10km ab... ;o)))
Allerdings sollte man sich als Rollerfahrer schnell angewöhnen für die anderen Verkehrsteilnehmer mitzudenken! Autofahrer tendieren dazu, sich per Knautschzone ihrer Karosserie auf ihre eingebaute Vorfahrt zu verlassen während Radfahrer und Fußgänger genauso häufig auf das Recht des Schwächeren pochen. Als Rollerfahrer sitzt man also häufig genug zwischen den Stühlen und sollte sich also seiner Umgebung jederzeit bewußt sein, um Schaden von sich und seinen Mitmenschen abzuwenden. Natürlich taugt ein Roller auch als Lieferwagenersatz nicht allzu viel. Auch das voluminöse Top-Case meiner Freundin ist auf ein maximales Gewicht von 3,5 Kg beschränkt, das Helmfach verträgt zwar mehr Gewicht, ist aber leider mit einem Jethelm alleine schon voll ausgelastet. Eine Sonnenbrille bekommt man noch hinein, mehr leider nicht.
Im Gegensatz zu Rollern und Mopeds von vor 20 Jahren braucht der SpeedFight 2 wie die meisten modernen Roller kein teures Zweitaktgemisch mehr, sondern zieht das zur Schmierung benötigte Öl aus einem separaten 1,3 Liter großen Öl-Tank. Der Verbrauch bei meinem Roller beträgt ca. 1,5 Liter pro 1000km, so dass ich mit einer Öltankfüllung ca. 700 bis 800km weit komme. Meistens fülle ich aber alle ca. 600km einen Liter aus einem 5 Liter Vorratskanister nach, der deutlich guenstiger ist als die üblichen 1 Liter Gebinde. Man zahlt dann ca. 4€ statt sonst 6 bis 12€ für einen Liter. Der Roller benötigt für optimale Schmierung und Motorpflege teilsysnthetisches 2-Takt Öl, wobei ich bisher keine Unterschiede in Rauchentwicklung, Laufruhe oder Verschleiß zwischen preiswertem und teurem "Nobel-Öl" feststellen konnte.... Auch die häufig beobachtete Rostanfälligkeit der kleinen Roller ist bei uns bisher kein Thema... - da scheinen mehr die Fahrer als Peugeot die Ursache zu sein. Unsere Roller werden im Winter nicht dem Streusalz ausgesetzt, trocken untergestellt und regelmäßig (2 bis 3 Mal pro Sommer) von Hand gewaschen und trocken geputzt. Selbst die Auspuffanlagen zeigen bisher keinerlei Spuren von Rostansatz...
******************************************* Der Rollerfahrer - Feind der Obrigkeit: ******************************************* Leider ist der Rollerfahrer anscheinend ein Übel in den Augen der Behörden - es wird einem zunehmend der Spaß verdorben.... Auf der einen Seite sind da die eifrigen Polizisten, die in jedem Rollerfahrer einen Versicherungsbetrüger und Straftäter zu sehen scheinen - ich wurde jedenfalls schon vier Mal angehalten und der Roller einer ausgiebigen Inspektion unterzogen, ob ich auch ja nichts verändert habe. Das kostete jedes Mal 15 überflüssige Minuten und erzeugt anscheinend frustrierte Ordnungshüter, wenn selbige nicht fündig werden. Auf der einen Seite sehe ich die Notwendigkeit dieser Kontrollen natürlich ein - ich bin auch schon von Rollern mit kleinem Nummernschild überholt worden, die fast doppelt so schnell unterwegs waren wie ich mit Vollgas - andererseits erwarte ich ein wenig mehr Augenmaß... - das ich gerade von einer ganzen Autokolonne in der Stadt überholt worden war, schien den Hütern des Gesetzes zweimal unverständlicherweise entgangen zu sein.... - egal... Auch die Straßenbauämter versuchen zunehmend, die Rollerfahrer in Isolationshaft zu nehmen. Immer mehr Bundesstraßen werden zu Autostraßen erklärt, die ein Rollerfahrer laut StVO nicht benutzen darf. Auf der anderen Seite werden die Wegweiser-Schilder immer weniger informativ. Entweder es wird auf das nächste Dorf hingewiesen, dessen Ortsschild sowieso ein paar Meter weiter an der Straße steht, oder der ersehnte Hinweis auf die nächste große Stadt endet unvermittelt an der Auffahrt zur nächsten Autostraße. Schade eigentlich, ich würde gerne mal eine Wochenendtour in die Alpen unternehmen - vielleicht auch nach Italien - so aber habe ich Angst, mich in den Fallen des modernen Straßenverkehrs zu verheddern... Lediglich einige moderne Städteplaner schaffen durch Einrichtung entsprechender Zweirad-Parkplätze eine nicht unerhebliche Entlastung der Innenstädte. Immerhin können uf der gleichen Fläche die ein BMW X5 oder AUDI A6 einnehmen, locker 4 bis 6 Roller Platz finden... ******************************** Fazit: ******************************** Meinen Speedfight 2 gebe ich nicht mehr her - auch wenn ich in der Zwischenzeit ein paarmal darüber nachgedacht habe, den Motorrad-Führerschein zu erwerben. Trotzdem würde ich meinen kleinen Roller nicht mehr hergeben. Ich hätte früher niemals gedacht, dass ich als Fahrer eines 180PS starken Autos jemals so viel Spaß haben könnte, den Gasgriff eines gerade mal knapp 5PS starken rollenden Untersatzes zu betätigen!!! ;o)) Das "rollern" ist eine spaßige und praktische Sache für mich geworden - man ist überraschend mobil und trotzdem an der frischen Luft. Wenn ich am Wochenende die Landstraßen der weiteren Umgebung erkunde, sehe ich viele kleine wunderschöne Details, an denen ich im Auto achtlos vorbeibrausen würde - geschweige denn die vielen Sehenswürdigkeiten an kleinen Straßen, die ich mit dem Auto wohl nie befahren würde. Mal einfach nach Hause und zurück zu meiner Freundin (ca. 100km) um irgend etwas zu holen sind mit dem Roller eine Investition ins Wohlbefinden, mit dem Auto hingegen fast so eine Empfindung wie verschwendete Zeit à la "warum habe ich nicht gleich daran gedacht...".
Auch wenn die gut 2000€ im ersten Moment viel Geld sind, der Speedfight 2 ist sein Geld wert. Zuverlässig und solide konstruiert, sportlich und pfiffig designed und mit einem leistungsfähigen Motor ausgestattet macht der kleine Roller viel Spaß und liefert eine vorher nicht für möglich gehaltene Mobilität. Bereut habe ich die Geldausgabe bisher noch keine Sekunde und einen passenderen Roller habe ich in den zwei Jahren auch noch nicht gesehen... ;o))) Ach ja... - die Auflösung des "Pro und Kontra" folgt jetzt noch. Ich hatte bei beiden Punkten die Verarbeitung erwähnt - nun, für Rollerverhältnisse (vor allem verglichen mit der italienischen Konkurrenz und erst Recht im Vergleich zur Baumarkt-Konkurrenz aus China) ist der SpeedFight2 meiner Meinung nach durchaus gut bis sehr gut verarbeitet. Im Vergleich zu einem guten Motorrad (geschweige denn meinem Rennrad) hingegen fallen bei genauerer Betrachtung immer wieder Passungenauigkeiten und "Schludrigkeiten" im Design auf, die nicht sein müßten. Wenn ich einen Wunsch frei hätte, würde ich mir etwas präzisere Instrumente (die Tankanzeige sackt unter die Reserve/Leer-Markierung, wenn der Tank noch zu ca. 20% voll ist!) und eine Uhr im Cockpit wünschen. Wenn man mit Jacke und Handschuhen unterwegs ist, muss man die Uhrzeit grob an Hand der zurückgelegten Entfernung errechnen - da wird Pünktlichkeit wirklich zur Zier... ;o))) Auch bietet die Karosse des Roller jede Menge kleine "Ecken" die man in Stauraum umwandeln könnte - für Bordwerkzeug, einen kleinen Verbandkasten, Sonnenbrille, etc. - leider werden auch diese "Leerräume" in keiner Weise genutzt...
Vielen Dank mal wieder für eure Geduld und ich hoffe, dass ihr euch jetzt von diesem Roller eine Vorstellung machen könnt. Bis bald,
Bernd Almstedt PS.: Meine Freundin hat mich inzwischen nach mehr als 2 Jahren gemeinsam durchlebter Zeit im Stich gelassen, mein Roller ist mir treu geblieben... (was nichts über meine Freundin, aber vielleicht doch über den Roller aussagt...)
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17.12.2008 23:56
Super Bericht !!! Das gibt natürlich ein besonders hilfreich sehr schön ausführlich, weiter so!!!
24.08.2007 15:44
Verarbeitung: Pro oder Conta?
30.10.2006 18:22
Soooo, langer Bericht viel zu lesen, aber TOP Bericht deswegen -> BH.... ich hab das selbe problem.... einen Motorradschein möchte ich gerne - dennoch auch ein Motorrad mit dem ich mich wie man bei uns sagt "darennen" kann sagt mir nicht zu ... aber auch ein Roller wär mir etwas zu mikrig... SCHWIERIGE ENTSCHEIDUNG ! lg,alex