Phantastica Obscura / Arnold Reisner

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Arnold Reisner: Phantastica Obscura (Goblin Press, 1999) gelesen von Thomas Hofmann Die Rezension zu diesem Buch benötigt keinen eigenen Titel; der Buchtitel spricht für sich! Mit den seltsamen Geschichten des Arnold Reisner konnte sich in der Vergangenheit auch der SOLAR-X-Leser vertraut ... Bericht lesen





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Groteske Geschichten
Erfahrungsbericht von thofmann über Phantastica Obscura / Arnold Reisner
26.12.1999


Produktbewertung des Autors:   

Niveau  
Unterhaltungswert  
Spannung  
Wie ergreifend ist die Story?  

Pro:
Kontra:

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Arnold Reisner: Phantastica Obscura
(Goblin Press, 1999)
gelesen von Thomas Hofmann

Die Rezension zu diesem Buch benötigt keinen eigenen Titel; der Buchtitel spricht für sich! Mit den seltsamen Geschichten des Arnold Reisner konnte sich in der Vergangenheit auch der SOLAR-X-Leser vertraut machen. Außerdem wurde der Rezensent nicht müde, immer wieder auf Publikationen des Österreichers hinzuweisen. Ein Buch aber, ein eigenes Buch von ihm gab's bis dato nicht!
Die Goblin Press hat sich der düsteren Phantastik verschrieben, ist aber auch hin und wieder für ein Experiment zu haben. Arnold schreibt sicher auch Weird Fiction, aber bei weitem nicht nur; seine Erzählungen dürften ohnehin schwer kategorisierbar sein. Nun, das ist auch sicher nicht vonnöten.
Sieben Stories an der Zahl sind hier versammelt. Sie geben einen guten Überblick über das ?uvre des Autors. Für meinen Geschmack waren allerdings die Texte, die mir besonders von Arnold gefallen, in der Minderzahl. Der "Hammer" für mich war eindeutig "Blaue Wände, Graue Träume". Hier trifft der Leser eine alte Bekannte, Lilly Leiche, die Ausgestoßene, ein Goth Punk Mädchen, wieder. Irgendwie ist sie reifer geworden. Der Autor entspinnt eine reichhaltige Gefühlswelt - seiner "Heldin" und ihrer Freundin Cleo. Letztere fühlt sich von den sagenhaften Bergbewohnern angezogen. Die Crodères sind gefühlskalte Höhlenbewohner, die vom Alltag der Menschen abgeschottet in Reichtum und Gleichmut leben. Lilly folgt ihrer Freundin nicht, auch wenn sie die Welt ankotzt. Sie bekennt sich zu einer ehrlichen Auseinandersetzung mit den Unbilden des (über)irdischen Lebens. Irgendwie liest sich die Story wie ein Selbstbekenntnis des Autors zu einem anarchistischen, weltverlorenen, aber gefühlsreichen Weltbild?
Mich faszinierte die Story vor allem wegen ihrer Aussage, aber auch ob ihrer Tiefsinnigkeit, die unabhängig vom Plot, der eine fast untergeordnete Rolle spielt, anspricht. Ich denke, so was muß man schreiben können, ist sicherlich der schwierigere Part des Schriftstellerns...
Davon hätte ich mir gerne mehr gewünscht! Auch vermißte ich eine oder noch eine Endzeitstory (die mit dem satanischen Panzerzug, der von den Heerscharen des Himmels angegriffen wird...).
Na gut, schauen wir einmal, was wir noch so in dem Bändchen finden.
"Wellen-Brecher" ist Seemannsgarn reinsten Wassers; erinnert etwas an Hodgson. Es geht um einen alten Leuchtturm und seinen ebenso alten Wächter. Diese werden mit einer alten Piratenlegende konfrontiert, die sich erfüllt in der Begegnung mit dem toten Piratenkapitän.
"Bittere Medizin" ist eine geisterhafte Rachegeschichte, die in ihrem Plot den bizarren Stil des Arnold Reisner deutlich macht. Viele Dinge bleiben aber angedeutet und im Unklaren, so daß sie den Leser ein wenig unbefriedigt zurückläßt.
"Mysteria-Hysteria" dürfte ja nun auch wieder Programm sein für Arnold. Hier schlägt er auch einen etwas anderen Ton an. Es handelt sich um eine Satire. Der Protagonist ein krankhafter Pendant, der darüber wahnsinnig wird, daß er einen Akt seiner üblen Ordnungsliebe nicht beenden kann.
In "Feuchte Erde" wird ein böser Junge von einem diabolischen Priester gemaßregelt. Es entspinnt sich ein psychotisches Drama, dem der Rowdie unterliegt. Sympathie kann man aber für keinen der beiden entwickeln.
Bei "Diner'o Infam'o" handelt es sich um einen kleinen Zyklus aus Short Stories, deren Titel Begriffe aus einer Speisekarte zieren. Und es geht auch oft um das Essen, in direkter, aber auch abgewandelter Form. Eine schmackhafte Idee! Mal "vernascht" eine ältere Frau einen jugendlichen Verführer und seine Kumpels, ein andermal wird "die Spezialität des Hauses" von S. Ellin variiert, eine andere Geschichte erinnert an Roald Dahl, dann verirrt sich ein Kurierfahrer, der eine mörderische Pizza ausfährt, in einem Labyrinth, das er leider auch nicht mehr lebend verlassen kann.
"Glasmusik" entläßt den Leser aus dem Erzählungsband mit einer traurigen, melancholischen Weihnachtsstory, die der Autor an einem Weihnachts- und einem Silvesterabend verfasste - und in der er sicher auch eigene Erfahrungen verarbeitete. Ein Autor phantastischer Geschichten sitzt allein in dieser seelisch verfänglichen Zeit in einem Kaffehaus und wird von zwei seiner von ihm erfundenen Figuren besucht, die ihn auffordern, sie nicht zu vernachlässigen.
Der Autor nimmt sich auch was vor; die Story erfährt eine fast hoffnungsvolle Wendung. Doch ein wenig später gibt es einen Bruch, der irgendwie logisch nicht so recht nachvollziehbar ist, den Leser aber mit einem flauen Gefühl in der Magengegend zurückläßt.
Sehr schön, daß am Ende noch der Herausgeber den Autoren ein wenig befragt und ein paar von Arnolds Zeichnungen präsentiert. Eine runde Sache, wenn auch noch nicht 100%ig vollkommen. Ich hätte mir mitunter längere, ausführlichere Geschichten gewünscht, die weniger auf eine Pointe hingeschrieben wurden, dafür aber mehr Feeling 'rüberbringen.

Phantastica Obscura. Groteske Erzählungen, © Arnold Reisner; Goblin Press, Juli 1999, 1. Aufl. 100 Exemplare, Paperback, Illustrationen von Jörg Kleudgen und Arnold Reisner, 150 Seiten, DM ca. 15.-
Bezug: Jörg B.-Kleudgen, Droste-Hülshoff-Str. 1, 59757 Arnsberg-Neheim

   


Phantastica Obscura / Arnold Reisner

Haupteigenschaften

Autor: Arnold Reisner

Autor Nachname: Reisner

Autor Vorname: Arnold

Autor Name invertiert: Reisner, Arnold

Titel: Phantastica Obscura

Thematik: Anthologien

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