PTA -ein Beruf mit Schattenseiten
14.05.2004
Pro:
abwechslungsreich und anspruchsvoll
Kontra:
siehe Bericht
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Einstellungschancen:
Aufstiegschancen
Verdienstmöglichkeiten:
Sozialleistungen:
 trozki
Über sich:
Mitglied seit:01.01.1970
Erfahrungsberichte:39
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 72 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als Ex-PTA möchte ich hier auch mal die Schattenseiten des Berufes der pharmazeutisch-technischen Assistentin aufzeigen. Natürlich nicht nur! PTAs dürfen als einzige größere Gruppe neben dem Apotheker in einer Apotheke alle pharmazeutischen Aufgaben erledigen. Wenn man in einer Apotheke von einer adretten, meist jungen Dame bedient wird, so ist es oft eine PTA. Aber auch in der pharmazeutischen Industrie, als Pharmareferent, in Krankenhäusern u. a. kann man diesen Beruf finden.
AUSBILDUNG Die genaueren Ausbildungsinhalte schreibe ich hier nicht mehr hin, da die bereits in den anderen Berichten umfassend erläutert wurden. Ich versuche mal, diese Berichte zu ergänzen. Die Ausbildung kann an staatlichen Ausbildungsstätten kostenlos, und an privaten Instituten gebührenpflichtig absolviert werden. Leider sind die Kosten oft recht hoch. Auch Bafög kann für diese Kosten nicht herangezogen werden. Ich selbst war ab 1994 an einer staatlichen Einrichtung in Chemnitz (Berufsschule für Gesundheit und Soziales), die sehr gute Dozenten und eine gute Ausstattung hatte.
Die Ausbildungsdauer beträgt 2,5 Jahre. Das mag wenig klingen, aber die haben es in sich! Zu DDR Zeiten gab es einen äquivalenten Beruf, den Pharmazie- Ing.. Das war damals ein Studium. Die Ausbildungsinhalte des Studiums hat nun ein PTA-Anwärter abzuleisten. 2 Jahre richtig straff Schule und ein halbes Jahr Praktikum in einer Apotheke. Die Schulausbildung ist, um es noch mal zu sagen, sehr intensiv. Ich bin kaum einen Tag vor 17.00 Uhr nach Hause gekommen (zumindest im 2.Jahr) und habe dann noch bis in die Nacht hinein gelernt. Als Vorraussetzung gilt mind. Mittlere Reife – besser aber Abitur! Wenn man nur mittlere Reife hat, sollte man sehr gut in Chemie, Biologie und gut in Physik sein!!! Ersteres ist das „BROT“ der Ausbildung. Ich habe einige (auch Abiturienten) erlebt, die an Chemie scheiterten. Außerdem sollte man einen guten Draht zu Menschen haben und sich für Medizin interessieren.
EIN WORT ZUM PRAKTIKUM Wenn es soweit ist, sollte man sich eine „erfahrene“ Apotheke suchen. Ich habe es oft miterlebt, wie Praktikanten als billige Arbeitskräfte missbraucht wurden. Natürlich muss man auch mal kaufmännische Sachen machen oder ein Regal auswischen – ist doch selbstverständlich. Aber gerade ein PTA-Praktikant muss in der Apotheke weiter praktisch ausgebildet werden. Er muss nach diesem halben Jahr dies betreffend eine Prüfung ablegen. Deswegen, fast jede Apotheke liebt PTA-Praktikanten, weil die schon alles machen dürfen und nicht viel kosten. Aber nur wenige (meiner Erfahrung nach) erweisen sich als gute Ausbildungsstätte! Man sollte nicht jede erstbeste in Betracht ziehen. Das man in dieser Zeit auch viel Eigeninitiative zeigen muss, ist ja wohl logisch. NACH DER AUSBILDUNG PTA war einmal ein sehr gefragter Beruf auf dem Arbeitsmarkt. Das Blatt hat sich aber im Zuge der Gesundheitsreform etwas gewandelt. Die Apotheken sind sehr zurückhaltend mit Neueinstellungen geworden. Das ruft diverse Pharmafirmen auf den Plan, die diese neue Schwäche ausnutzen wollen. Es mag jedem selbst überlassen sein, ob er als Pharmareferent arbeiten will oder nicht. Wenn man dies anstrebt, sollte man sich eine bekannte, seriöse, unaufdringliche Firma aussuchen, die möglichst keine Generika herstellt. (Generika sind „nachgemachte“ Arzneimittel, die hergestellt werden, nachdem das Patent für das Originalpräparat ausgelaufen ist; z.B. Paracetamol ratiopharm). Warum? Weil man sonst diese schwere Ausbildung nicht hätte machen müssen. Bei Generika-Firmen verkommt man im Außendienst meist zu einem aufdringlichen (je nach Firma) Kaufmannsladenbetreiber. Naturwissenschaftliche Aspekte kann man dann vergessen. Es gibt sicher Ausnahmen, aber ich weiß schon, was ich sage.
IN DER APOTHEKE Wenn man in einer Apotheke arbeitet, hat man in der Regel sehr interessante Aufgaben. Labor, Offizin (das ist der Verkaufsraum), auch Lager, Rezeptur (da werden die Salben gemischt) ... . In krankenhausversorgenden Apotheken kommt oft die Herstellung von Infusionslösungen und Zytostatika (Mittel zur Chemotherapie bei Krebs) hinzu. Apotheken, die sich profilieren wollen, sparen auch nicht mit Fortbildungen. Das kann also äußerst spannend sein. Die Verdienstmöglichkeiten richten sich nach Berufsjahren und der Apotheke. Ich habe in der letzten bei einer 38,5 h Woche (meist 8 – 17.00Uhr!!!) brutto 3800 DM /1900 € verdient. Das war aber schon etwas übertariflich. .MEINE ERFAHRUNGEN Ich habe bis 2002 in 3 verschiedenen Apotheken gearbeitet. Alle drei sehr unterschiedlich, doch mit einer Gemeinsamkeit. Die Apotheker hatten alle irgendwie einen Schaden!!! Dazu muss man wissen, dass die PTAs in einer Apotheke oft mehr wissen, als die leitenden Apotheker. Dies wiederum versuchen letztere durch idiotisches Management zu kompensieren. Man erhält dumme Anweisungen, ist ständig genervt usw. . Mitarbeiterführung ist für die meisten ein Fremdwort. Wenn man in der Rezeptur steht und gerade eine Salbe rührt ertönt die liebliche Stimme des Geschäftsherren und ruft „ Frau ..., können sie mal kommen...“ Oder man bekommt zu Hause einen Anruf „ Frau ..., wie muss ich dies und jenes machen...“ . Ganz besonders schlimm wird es, wenn die Frau des Apothekers mitarbeitet! Dann ist nicht selten mieses Mobbing angesagt.
Da Apotheken oft Kleinstbetriebe sind, ist das Team auch überschaubar. Das hat aber zur Folge, dass man sich entweder mit allen oder keinem versteht. Dann sollte man noch daran denken, dass man in der Regel 8-9 h nur steht und zwischendurch schwere Kisten schleppt. Wenn dann noch Ärger dazukommt, ist es um den Rücken geschehen. Ich bin jedenfalls inzwischen berufsunfähig geworden, was aber sicher nicht repräsentativ ist. Irgendwann wird man als PTA auch etwas frustriert über die fehlenden „Aufstiegschancen“. Nicht einmal Notdienstvertretung darf man machen, weil ja immer unter der Aufsicht des Apothekers gearbeitet werden muss (zumindest laut Gesetzt – praktisch sieht es ganz anders aus. Ich habe nicht selten morgens einige Stunden allein oder mit noch einer PTA gearbeitet!).
Persönlich frustriert war ich auch über die armen Patienten, die dutzende Medikamente einnehmen müssen. Das war für mich der Grund, in die Naturheilkunde zu gehen. Auch braucht man ein dickes Fell bei Schwerstkranken, deren langsamen Tod man miterlebt und die einen anbetteln um einen letzten lebensrettenden Geheimtipp. Man erlebt auch viele lustige Sachen. Ich habe den Kundenkontakt und die Beratung am meisten geliebt. Wenn man offen, freundlich und mitfühlend ist, kann man in diesem Beruf wirklich Befriedigung und nette Kontakte finden.
FAZIT Es ist ein nicht alltäglicher und durchaus interessanter und hochqualifizierter Beruf, der aber auch erhebliche Negativseiten haben kann. Das ist nicht nur meine Erfahrung! Man kann ihn normalerweise nicht als Sprungbrett benutzen. Unnormalerweise, wie bei mir, dann doch. Ich bin in der Ausbildung zur Heilpraktikerin, wo mir meine Kenntnisse aus dem PTA –Leben äußerst nützlich sind. Für weitere Fragen steh ich gern zur Verfügung.
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07.03.2009 21:00
Ne Pta ist das Herzstück der Apotheke ;) lg
23.07.2007 13:13
interessante infos. guter bericht. lg TOM
29.08.2006 11:58
Sehr interessanter Bericht, hat mich weiter mutiviert, weil ich selbst bald diesselbe ausbildung anfange!!! Echt Klasse. =)) maimaus