KÜNDIGUNGSGRUND AIDS !
02.12.2001
Pro:
die schauspielerische Leistung von Tom Hanks und Denzel Washington
Kontra:
ich bin von diesem Film herbe entäuscht worden
Empfehlenswert:
Nein
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Papa_Santano
Über sich:
Man soll ja immer positiv denken. Doch das Licht am Ende des Tunnels ist oftmals auch der entgegenko...
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Dieser Erfahrungsbericht wurde von 137 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Vorwort: Passend zum Weltaidstag präsentierte SAT 1 den Streifen Philadelphia, der beim Kinostart für Diskussionen sorgte. Und obwohl der Streifen sehr oft gelobt wird hat er mir so recht nicht gefallen wollen. Ich fand ihn persönlich über weite Strecken zu langatmig und auch langweilig. Im Vorfeld hatte ich mir da ehrlich gesagt weit mehr erwartet, doch trotz eines brillanten Tom Hanks konnte mich der Film nicht überzeugen, obwohl die Story eigentlich sehr vielversprechend klingt. Da wird ein junger erfolgreicher Anwalt von den genau den Leuten gefeuert, die ihn aufbauten und ihm ihr Vertrauen schenkten. Zu klären gilt es nun, ob man Andrew Beckett gekündigt hat weil er unheilbar an Aids erkrankt ist und sich die ersten sichtbaren Symptome dieser Krankheit in Form von Flecken im Gesicht bildeten. Was uns als Zuschauer nun erwartet ist einer dieser typischen amerikanischen Filme zum Thema Justiz, dass man hier mit der Problematik der Immunschwäche Aids kombinierte, doch hatte ich mir von diesem Film weit mehr erwartet. Schon zu Beginn ist der eigentliche Ausgang des Films absehbar, dass der Prozess natürlich gewonnen wird, und der tragische Held am Ende des Films stirbt, nicht neues also.
Das mag vielleicht etwas makaber klingen, doch ich denke dass man dem Thema Aids hier nur eine untergeordnete Rolle hat zukommen lassen. Dass man dem jungen Anwalt der Krankheit wegen kündigte, liegt auf der Hand und dass sich die anfängliche Abneigung seines Anwaltes, hier von Denzel Washington überzeugend dargestellt, sich in Zuneigung, ja Freundschaft gar wandelt hat mich wenig überrascht. Der Film wirkt auf mich über lange Strecken sehr langatmig, ohne wahre Handlung. Was mich dabei besonders stört ist, dass es dem Regisseur nicht gelungen ist dem Film Spannung zu verleihen. Angelegt als Drama hätte ein wenig Unvorhersehbarkeit der Dinge dem Film sicherlich gut getan. Alle Handlungsstränge außerhalb der Gerichtsverhandlung präsentieren sich in einer Art die kein großes Interesse aufkommen lassen will. Selbst ein in jeder Hinsicht überzeugender Tom Hanks vermochte diesem Streifen nicht das zu geben was ich mir erwartete. Dass Aids ein ernstes Thema ist und Schwule und Lesben nach wie vor diskriminiert werden ist nichts neues, aber anstelle in diesem Film eine Lanze für diese Menschen zu brechen, versucht der Streifen durch das klischeehafte Verhalten der Akteure eine Art Aufklärungsarbeit zu leisten, die aber meiner Meinung nach ihr Ziel vollends verfehlt hat. Da sieht man den aidskranken Hauptdarsteller als bemitleidenswertes Objekt, um im selben Atemzug einen anderen Darsteller Witze über Schwule und Lesben reißen zu lassen. Das Anliegen dieser Konstellation ist mir schon klar, doch wirklich glaubhaft kommt sie dabei nicht vor. Im Endeffekt ist es nur einer von vielen Filmen, die keine klare Aussage zur Grundlage haben. Wir erfahren zwar eine Menge über Aids und auch darüber, dass man Betroffene der Krankheit wegen meidet und vom gesellschaftlichen Leben ausschließt, doch anstelle Ansatzpunkte für eine kontroverse Diskussion zu liefern bedient sich der Film nur altbekannter Mittel, die in anderen Streifen schon weit besser verarbeitet wurden. Anhand einer Szene möchte ich die fehlende Diskussionsgrundlage beschreiben.
Wir sehen etwa zur Mitte des Films hin Tom Hanks und seinen Anwalt nach einer Party in einem großen Raum sitzen um die für den folgenden Tag anberaumte Zeugenvernehmung zu besprechen. Doch hat der an Aids erkrankte Andrew nicht viel Interesse an der Sache, sondern beginnt durch das hören einer Opernarie über das Leben und die Liebe zu philosophieren. Mehrere Minuten lang wird der Zuschauer in dieser Sequenz gelangweilt und selbst einem Tom Hanks fehlte es hier an mangelnder Überzeugungskraft. Jonathan Demme, Regisseur dieses Films setzte anstelle eines geistreichen Dialoges mehr auf Licht und Musik und lässt die Szenerie in einer Art und Weise erscheinen, die mich beinahe zum Programmwechsel gebracht hätte, weil sie inhaltslos ist und nicht in der Lage ist auf den Punkt zu kommen. Dass sich der Kranke hier scheinbar erstmals bewusst darüber wird, dass sein Leben bald enden, und er den Kampf gegen die Krankheit verlieren wird hätte man besser durch einen Dialog mit seinem Anwalt darstellen können, auf den ich eigentlich den ganzen Film über gewartet habe. Der Anwalt des kranken Andrew war es schließlich, der Aufgrund seiner starken Abneigung gegen Schwule den Fall zuerst nicht übernehmen wollte. Ein geistreiches Gespräch, dass die Angst der Menschen vor sexuell andersartigen Menschen beleuchtet und klar zur Aussagen hat dass diese Angst unbegründet ist wäre hier sicherlich sinnvoller gewesen. Der über 120 Minuten dauernde Spielfilm kommt wie nicht anders zu erwarten ohne Knalleffekte aus, doch driftet er dabei auf eine Schiene ab, die so glaube ich nicht gewollt war. Dass man Andrew Beckett der Krankheit wegen kündigte war ja schon zu Beginn klar, doch wo genau waren die Probleme seiner Vorgesetzten mit ihm ? Wo durfte ich als Zuschauer etwas darüber erfahren weshalb man Schwule und Lesben ablehnt ? Weil sie anders sind ? Weil sie nicht in das Weltbild passen dass wir uns seit vielen Generationen aufgebaut haben ? Ich denke mal dass Homosexualität und Aids Themen sind, die man nur sehr schwer in einen Justizfilm miteinander verarbeiten kann. Bedenke ich dann, dass der Film 1994 gedreht wurde, komme ich zu dem Ergebnis, dass er doch noch unterschwellig ein Klischee bedient, denn 1994 dürfte allgemein bekannt gewesen sein, dass sich Aids eben nicht durch die Berührung eines Betroffenen übertragen lässt, weshalb mir die diesbezüglichen Szenen im Film zu sehr gekünzelt erscheinen.
Tom Hanks bekam für seine Rolle des Andrew Beckett einen Oscar verliehen und für mich ist dies auch das einzig klare was ich aus diesem Film ziehen kann. Hanks hat auch in dieser Rolle bewiesen einer der besten Schauspieler Hollywoods zu sein und bis auf die eben beschriebene Szene vollend überzeugt. Für mich ist die Leistung von Tom Hanks der einzig wahre Licht blick in einem Film den ich definitiv kein weiteres Mal sehen werde. Um einen kritischen Film zum Thema Aids zu sehen halte ich diesen Steifen für denkbar ungeeignet und möchte ihn daher auch nicht empfehlen. © Papa_Santano am 02,12,2001 für Ciao
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20.01.2005 16:45
Ein sehr ergreifender Film. Ich habe jedes Mal wieder Tränen in den Augen. Leider ist es aber immer wieder so. Auch in der heutigen Zeit werden Leute mit Aids ausgegrenzt.
16.05.2004 23:14
Das war der bewegenste Film den ich jeh gesehen habe
01.12.2002 13:04
Forsetzung des Kommentar eins drunter: Deswegen ist der Film ein großartiger Film meiner Ansicht nach, er ist ein Pläydoyer für Gleichberechtigung, ein Gegensignal gegen die heute immer noch stattfindende Ausgrenzung von AIDS-Kranken und HIV-positiven Mitgliedern unserer Gesellschaft und der Film ist eine Ode an die Liebe. Die Liebe seines Freundes Miguel, die Liebe seiner Familie ist es nämlich, die Beckett als einziges Kraft gibt für den Prozeß und dies zeigt Regisseur Demme in den zahlreichen Szenen, welche Du langweilig findest. Das einzige was ich dem Film negativ anrechnen kann, ist dass er teilweise einfach zu pathetisch ist. Mfg Björn, der den Film gestern zum x-ten Male wieder gesehen hat.