I was bruised and battered...
28.01.2002
Pro:
sehr sensibler Film um ein Tabuthema
Kontra:
nichts für Action - Fans und Fans von seichter Unterhaltung
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Tigerlilie
Über sich:
Mitglied seit:01.07.2001
Erfahrungsberichte:109
Vertrauende:23
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 82 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
I couldn´n tell what I felt I was unrecognizable to myself, I saw my reflection in a window, I didn´t know my own face, oh brother...*seufz* Wer kennt es nicht??? Bruce Springsteens "Streets of Philadelphia" hat nicht umsonst einen Oscar bekommen, ebenso wie Tom Hanks für seine Rolle als Andrew Beckett einen bekam. Aber...von was schreibt Lilie eigentlich???? Natürlich vom Drama "Philadelphia", den ich mir erst neulich wieder auf Video angetan habe, und dabei habe ich mir gedacht, ich werde meine Leser wohl auch nicht davor verschonen...;) Warum??? Nun, Philadelphia ist meiner Meinung nach eines der am sensibelsten und einfühlsamsten Dramen, die über das Schicksal eines Aidskranken erzählen. Nichtnur das, Philadelphia war auch der erste Film Hollywoods, der das Tabuthema Homosexualität und Aids aufgriff, viele andere Filmproduktionen haben sich in dieser Hinsicht an Philadelphia orientiert. Schön und gut, dieser Film hat also irgendwie Filmgeschichte geschrieben, nur macht das alleine schon einen guten Film aus???
Die Handlung: Im Fall von Philadelphia ja, der Film erzählt einfühlsam, sensibel und ohne zu stigmatisieren vom Schicksal des aidskranken Anwalt Andrew Beckett. Andrew Beckett ist erfolgreicher Junioranwalt und Partner einer anerkannten Kanzlei in Philadelphia, sein Chef Wheeler hält große Stücke auf ihn. Jedenfalls bis er die ersten körperlichen Anzeichen für die Aids-Krankheit an Andrew Becketts entdeckt. Wenige Tage später wird er entlassen, angeblich, weil er eine Akte für einen wichtigen Fall verlegt hat, in Wirklichkeit ist seine Erkrankung und seine Homosexualität ein Dorn im Auge seiner Senior-Partner. Schließlich kann es sich eine angesehene Kanzlei nicht leisten, einen schlechten Ruf zu bekommen, weil sie homosexuelle Anwälte beschäftigen.
Andrew hingegen gibt nicht auf und sucht sich mit Unterstützung von seinem Lover (Antonio Banderas) einen Anwalt, um seine ehemalige Kanzlei zu verklagen. Mit müh und not schafft es Andrew schließlich, den Anwalt Miller (gespielt von Denzel Washington) dazu zu überreden, Andrew vor Gericht zu vertreten. Tatsächlich kommt es zu Gerichtsverhandlungen und es sieht auch nicht schlecht aus für Andrew, es scheint sogar, dass er diesen Prozess gewinnen könnte, nur...um seine Gesundheit steht es nicht gerade gut... Die Umsetzung:
Jonathan Demme (hat u.a. auch "Das Schweigen der Lämmer" gedreht) setzt die Story filmerisch sehr sensibel und intelligent um, er drückt dabei aber keineswegs auf die Tränendrüse der Zuschauer. Trotzdem ist der Film extrem ergreifend, besonders das Zusammenspiel von Handlung, Stimmungen und nicht zu vergessen die musikalische Untermalung sind stimmig und wecken eine beklemmende Bedrücktheit beim Zuschauer. Man wird einfach gepackt und kann sich gegen seine Emotionen nichtmehr wehren, besonders am Schluß werden wohl einige Tränen fliessen... Eigentlich wollte ich´s ja nicht verraten, nur der Schluß gefällt mir, so traurig er auch sein mag irgendwie am besten. Hier erfährt man nicht direkt, dass Andrew Becketts gestorben ist, nein, Demme zeigt nur ein Wohnzimmer mit der Familie Becketts in dem Fotos von Andrew rumhängen, Blumen verteilt sind...und Bruce Springsteen mit seiner rauhen Stimme "Streets of Philadelphia" aus dem Off in die Szene singt...
Einfach grandios, schließlich hätte Demme ja auch einfach Szenen einer Beerdigung zeigen können, aber er behilft sich mit sensiblen Szenen, die mehr auf die Situation der Hinterbliebenen und Emotionen anspielt als auf plumpe Umsetzung der Handlung. Die Schauspieler:
Nur...was nutzt der beste Regisseur, wenn die Darsteller bestenfalls Mittelklasse sind??? Nun, dies kann man von Philadelphia wirklich nicht behaupten, vor allem Tom Hanks überzeugt 100 %ig in seiner Rolle als Andrew Becketts, nicht umsonst hat er dafür einen Oscar bekommen. Aber auch Denzel Washington als Anwalt, dessen Sicht von Homosexuellen und Aids allgemein sich im Laufe des Dramas verändert überzeugt. Anfangs eher leidenschaftslos kämpft er am Ende schon fast bis aufs Blut vor dem Gericht für Andrews Recht. Schließlich gewinnt er den Prozess, nur das Andrew eben nichtmehr viel davon haben wird...
Die Musik: Bei den meisten Filmen darf man eines nicht vergessen: die Musik! Der Film kann noch so gut sein, aber wenn die Musik nicht zur Szene passt wird alles zunichte gemacht. Nicht so bei Philadelphia, Bruce Springsteen hat für seinen Song "Streets of Philadelphia" (zugleich Titelsong des Filmes) einen Oscar bekommen, der ziemlich bedrückende und traurige Song ist masgeblich an der betrübten Stimmungslage des Dramas beteiligt. Ohne diese Musik wäre das Drama wohl nur halb so traurig, irgendwie passt der Song, nichtnur wegen des Titels als auch wegen dem Text wie die "Faust aufs Auge" zum Film.
Natürlich läuft nichtnur dieser eine Song, so verwendet Howard Shore, seines Zeichens verantwortlich für die musikalische Untermalung des Dramas auch klassische Musik, z.B. in den betrübt-verzweifelten Szenen mit Andrew und seinem Liebhaber. Insgesamt ist die musikalische Untermalung sehr stimmig und gelungen, besser hätte man es nicht machen können. Mein Fazit:
Ein sehr anspruchsvoller, trauriger Film, der zum Nachdenken anregt. Wer Filme mag, die er 5 Minuten nach Ende wieder vergessen hat und wo nichts hängenbleibt, der ist bei Philadelphia schlecht beraten. Statt auf Action, Spezialeffekte und unnötigen Firlefanz setzt Philadelphia auf Emotionen und Elemente, die zum Nachdenken anregen. Nichtnur das, der Film macht richtiggehend traurig, ich muss gestehen, ich habe wirklich Rotz und Wasser geheult, als ich ihn zum ersten Mal gesehen habe. ...are you gonna leave me wastin' away in the streets of philadelphia...
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31.01.2002 04:05
Oh man, wenn ich den Bericht lese kommen meine Gedanken zu diesem Film wieder und der hat mich tief berührt!! Guter Bericht! Gruss Roifabel
29.01.2002 17:51
Du hast eine tolle Filmkritik abgegeben. Die Überschrift würde ich hier bei CIAO allerdings nicht unbedingt in Englisch abfassen, denn das beherrscht nicht jeder. Was heißt es denn?
29.01.2002 14:06
Ich bin Action fan, also fällt der Film fürmich flach, aber trozdem super bEricht. GRuß Pascal