Hollywood goes "Randgruppe"
11.02.2002 (14.05.2002)
Pro:
brillante Schauspieler,technische Umsetzung
Kontra:
teilweise zu pathetisch und konstruiert
Empfehlenswert:
Ja
Details:
Humor
Spannung
Anspruch
Action:
Romantik:
mehr
 Argento
Über sich:
Es fehlen 34 Berichte+17000 Punkte!Nach langer Abstinenz habe ich mich von mir zu einer Rückkehr zu ...
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Der angesehene Anwalt Andy ist seit Jahren mit dem AIDS- Virus infiziert. Zufällig entdeckt ein Mitarbeiter Anzeichen der Infektion, worauf Andy gefeuert wird. Er zieht vor Gericht und dort beginnt ein erbitterter Kampf um die Gesetze. Die Frage ist dabei nur, ob Andy überhaupt das Ende der Verhandlung erleben wird, denn sein Gesundheitszustand verschlechtert sich rapide. Handlung
Andrew „Andy“ Beckett (Tom Hanks, „Splash“, „Big“, später „Forrest Gump“, „Private Ryan“/Der Soldat James Ryan“) ist ein angesehener Anwalt bei einem großen Versicherungsunternehmen, das von dem konservativen, intoleranten Charles Wheeler (Jason Robards, „Earthquake“/“Erdbeben“ und tausend andere Klassiker) geführt wird. Gern vertraut man ihm heikle Fälle an, so auch einen neuen, besonders heißen. Als einer seiner Kollegen eine merkwürdige Verfärbung an seiner Stirn entdeckt, scheint die Leitungsetage kurze Zeit später Verdacht über Andys Gesundheitszustand geschöpft zu haben. Jedenfalls verschwinden auf ominöse Weise wichtige Papiere, genauer die Anklageschrift gegen ein Konkurrenzunternehmen aus Andys Büro und sogar die Sicherungskopien auf seinem Computer wurden gelöscht. In der Konsequenz wird Andy gefeuert. Die Begründung lautet fahrlässige Arbeit und der plötzliche Unkonzentriertheit, die fast den Fall „versaut“ hätte. Andy aber ist der Meinung, daß er sabotiert wurde, da man herausbekam, daß er das HIV-Virus in sich trägt und dies der Firma verschwieg. Pure Angst und Unwissenheit über die Umstände der Ansteckung waren Grund für seine Kündigung. Er begibt sich auf die Suche nach einen Anwalt, doch ist keiner bereit, ihm zu helfen. Deshalb beschließt er, sich selbst zu vertreten und die Firma auf eigene Faust zu verklagen. Dann plagt den dunkelhäutigen, voller Vorurteile steckenden, angesehene Anwalt Joe Miller (Denzel Washington), den Andy ohne Ergebnis bat, doch das schlechte Gewissen. Einst lehnte er Andy als Mandant ab. Gemeinsam ziehen sie vor Gericht, doch Andys Zustand verschlechtert sich rapide. Sein Freund (Antonio Banderas) steht ihm bei... Kritik
Eine konstruktive Kritik zu diesem Film zu verfassen entpuppt sich als eine der schwierigsten Aufgaben auf diesem Gebiet, die sich mir bisher stellte. Ähnlich wie „Schindler´s List“/“Schindler´s Liste“, stellt nämlich auch dieses Werk ein an sich Pathos- überlastetes (das langgezogene Ende mit den Fotos, das die wirklich einnehmenden Szenen zuvor einfach zu dick und plakativ steigert), wenn man es böse so nennen will, heuchlerisches Produkt eines großen, renommierten Hollywood- Studios, hier „TriStar“ dar, daß von einem ebenso renommierten Regisseur mit bekannten Schauspielern gefertigt wurde, in der Hoffnung auf einen, eingetroffenen, „Oscar“- Segen, verlogene (gemeine Zungen nennen es so) „Tätschel“- kritiken und Schulterklopfer beruhigter Gewissen, die in Wahrheit nur froh darüber sind, daß jemand anderes den Mund aufgemachte. (Oder in dem Fall das Thema angepackt hat.) Aber der Film ist einfach zu gut, um ihm derartige Dinge vorzuwerfen, übel zu nehmen und ihn deswegen links liegen zu lassen. Wichtig ist, daß dieses Thema angepackt wurde, um es in die Köpfe der (Kino-) Menschheit zu bringen. Daß dies sich der eine oder andere anders gewünscht hätte (auch ich hätte den einen oder anderen Kritikpunkt), steht außer Frage. „Mainstream goes Randgruppe“ ist eben immer so eine Sache für sich. Das der Film nun mal kein kantiges Untergrundprodukt ist, er mit großen, namhaften Schauspielern besetzt wurde, bekannte Künstler für die technische Realisation sorgten und ein „Major“ hinter dem Ganzen steht und dafür ausgezeichnet wurde, ist kein Grund, den Film als verlogen, geheuchelt, auf den „Oscar“ schielend oder ähnlich hinzustellen. Damit ist auch genug dieses ideologischen Exkurses. Außerdem handelt es sich um einen Film, der nicht dokumentarischen Charakter tragen soll. Es ist Unterhaltung. Somit sind eine Film- gerechte Dramaturgie, große „Stars“ und ein großes Studio gerechtfertigt. Nun aber, nach vielleicht überbewertenden Philosophien zur Technik des Filmes, zum eigentlichen Film.
Die Besetzung der tragenden Rollen mit Hanks und Banderas ist einfach genial. Es wäre sehr böse und unfair, Hanks zu unterstellen (Banderas auch), es wäre einzig eine „Image“- Sache und „Oscar“- Hoffnung gewesen, die ihn diese Rolle spielen ließ. (Hanks bekam die Trophäe als bester Hauptdarsteller) Solcherlei Sachen muß man einfach außen vor lassen. (sind wir schon wieder bei der Philosophie ?) Beide sind großartig, wie auch der Rest des geschlossenen, sehr liebevoll und treffend eingesetzten Ensembles. Merkwürdigerweise bleibt Denzel Washington trotz seines menschlichen Wandels stets, bis zu seinem filmischen Abtritt (kein Tod!), eine ziemlich unsympathische Figur. Kameratechnisch großartig von Demmes langjährigem Mitarbeiter Tak Fujimoto betreut, mit einer Musik veredelt, die konzertant von dem begnadeten, vielseitigen Howard Shore stammt und diverse Pop- Stücke beinhaltet (Bruce Springsteen´s Titelstück „Streets Of Philadelphia“ wurde gar mit dem „Oscar“ ausgezeichnet), dramaturgisch absolut perfekt und spannend erzählt und wirklich emotionale Wärme ausstrahlend fällt es schwer, dem Ganzen das vorzuwerfen, was ich eingehend erwähnte. Der Großteil ist nämlcih gekonnt gefühlvoll gelungen und sogar für einige Witze war Platz. (die Szene mit dem „etwas“ zu orange- farbenen „Camouflage“, die Andy aussehen läßt wie schlecht abgeschminkt oder seine trockene Antwort „Ich habe AIDS.“ auf die Frage nach seiner Gesundheit) Diese wirken aber nie unangepaßt und albern, sondern eher bitter. Das Spiel mit Klischees (um die Krankheit) ist großartig, auch wenn es teilweise (zwangsläufig ?) zu oberlehrerhaft wirkt. Das sich der Film in diesen Momenten als Aufklärungsprodukt anzusehen scheint, wirkt etwas anmaßend für eine derartige Produktion. Die innere Spannung ist zudem beachtlich und die Ausweglosigkeit der Figur „Andy“ und ihr unabwendbares Schicksal, das ihn gar befürchten läßt nicht einmal das Ende der Verhandlung und ihren Ausgang mitzuerleben, ist deprimierend und bedrückend.
Hervorheben möchte ich noch die Arbeit der Maskenbildner. Sie ist sehr gut ausgeführt worden und scheint, zumindest mit meinem Wissen, sehr realistisch und unterstreicht die emotionalen Schocks brillant. Fazit
Ich mag den Film alles in allem trotzdem. Auch wenn er zeitweise etwas schmunzeln läßt. (Kann ich gar nicht beschreiben, warum. Einfach ansehen.) Sicher ist er auf der einen Seite eine Art Zeitprodukt, das letztlich aber Wert besitzt, auch wenn, mich, sein Pathos und seine vorgekaute Sympathieverteilung doch ziemlich stört.
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03.07.2003 17:51
Mir war das Ende (das LANGE Ende) auch stellenweise too much muss ich sagen - trotzdem mag ich den Film. Bei Schindler's Liste, mit dem du es vergleichst, hatte ich komischerweise aber nicht diesen Eindruck! Vielleicht weil man oder ich irgendwie einen anderen Bezug zu dem Thema hat...ich weiß auch nicht! Sehr treffend formuliert wieder, sehr interessant zu lesen! Tanja
27.05.2002 20:09
Den Film hab ich auch schon mal gesehen, ist aber schon sehr lange her. Aber solche Filme mag ich nicht so. Gruß, Psychodelic2
11.02.2002 16:33
Sehr guter Bericht zu einem sehr guten Film. cu Christoph