Der Roller für Große
20.11.2003 (12.05.2007)
Pro:
Es gibt keine echten Nachteile
Kontra:
Bremsen könnten besser sein
Empfehlenswert:
Ja
 kleinerJens
Über sich:
Mitglied seit:27.02.2003
Erfahrungsberichte:2
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 12 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Neuester Stand (Mai '07) siehe unten... 1. Vorbemerkung: Ich besitze den Beverly 500 jetzt seit Ende Juli 2003 und habe bereits 3900 km zurückgelegt, da ich jeden Tag 2 mal 28 km mit ihm fahre. Meine Entscheidung für den Roller war stark von einem Faktor geprägt: ich bin 1,99 groß und es gibt nur sehr wenige Roller, auf denen ich meine langen Beine anständig unterbringe (unter den aktuellen genau 2: Vespa GT und Piaggio Beverly). Ich hatte eine ganze Menge probegesessen (Honda Silver Wing, Suzuki Burgman, Piaggio X9, Aprilia Scarabeo, Peugeot Elyseo, Honda Pantheon etc. etc.) und mußte leider zu dem Fazit kommen, daß das alles Modelle für Zwerge sind. ;-) Ich bin bisher ausschließlich solo unterwegs gewesen. Meine tägliche Strecke teilt sich auf 22 km mehrspurige Schnellstraße und 6 km Großstadtverkehr.
2. Offizielle Technische Fakten: - Einzylinder-4-Taktmotor mit 459 ccm, 4 Ventile - 29 kW, ca. 40 PS, 41 Nm max. Drehmoment - Topspeed 160 - 0-100 in 8,9 Sekunden - rollertypische Automatik - Vorne 2, hinten 1 Scheibe. Der linke Bremshebel betätigt die vordere linke und die hintere Bremse. - Katalysator Euro2 - 13,5 Liter Tank für Super - Leergewicht 210 kg, zul. Gesamtgewicht 390 kg 3. Serienausstattung: - Handschuhfach - beleuchtetes Helmfach mit elektrischer Entriegelung - elektronische Wegfahrsperre - Regenüberzug für Sitzbank - Seiten- und Hauptständer - Elektrostarter - 12V-Dose im Helmfach
4. Zusatzausstattung: Ich habe ein großes Givi-Windschild nachgerüstet, schließlich fahre ich auch jetzt noch (Ende November). Das hat einen positiven Effekt auf die Endgeschwindigkeit gehabt: ohne Windschild waren die 160 nur ein theoretischer Wert, jetzt zeigt zumindest der Tacho mal 160 an. Außerdem ist noch ein großes Givi-Topcase montiert. Auch bei schwer beladenem Topcase sind keine negativen Effekte wie Pendeln feststellbar. 5. Erfahrungen: 5.1. Verarbeitung Mir ist noch nichts schwerwiegend negatives aufgefallen. Italienische Kunststoffverkleidungen können sicher nicht mit der Qualität japanischer Motorräder mithalten, aber bei Rollern gelten ja sowieso niedrigere Maßstäbe. Außer dem seit einigen Wochen hakligen Blinkerschalter funktioniert alles tadellos. Ein nerviges hochfrequentes Vibrieren fällt zwar auf, aber scheint bisher nicht auf Defekte hin zu deuten...
5.2. Motor: Über den Motor und das Getriebe kann ich nur positives berichten. Für die durchschnittlich 5,2 Liter Super bekommt man auch was. An der Ampel läßt man so gut wie jeden stehen, das Drehmoment reicht im Geschwindigkeitsbereich bis 120 immer für ein lässiges Beschleunigen. Über 130 wird es etwas zäh, aber vor allem die Beschleunigung von 0 auf 80 ist beeindruckend. Das Motorgeräusch empfinde ich als sonor und nicht übertrieben laut. Auch bei Temperaturen um 0 Grad ist das Kaltstartverhalten einwandfrei. 5.2. Fahrwerk: Für jemand, der schon größere Motorräder bewegt hat, ist das bei einem Roller ein trauriges Kapitel. Beim Beverly sorgen das vordere 16 Zoll-Rad und der hinten montierte ebenso riesige dicke 14-Zöller zumindest für annehmbaren Abrollkomfort und ein halbwegs stabiles Handling auch in schnellen Kurven. Die Bremsen sind - im Gegensatz zu früheren Rollern - zumindest existent; sie sollten aber angesichts der erreichbaren Geschwindigkeit deutlich kräftiger zupacken. Sobald erhältlich werde ich es mit "schärferen" Bremsbelägen versuchen.
5.3. Karosserie: Dieser Roller wirkt viel kleiner als gängige Grossroller, er hat einen kürzeren Radstand und fast schon eine klassische Roller-Silhouette. Man sitzt hoch, kann die Beine rechtwinklig stellen aber zumindest als 2-Meter-Mann nicht ausstrecken. Der Abstand zwischen Boden und Lenker ist deutlich größer als bei allen anderen mir bekannten Rollern. Genau das ist der Grund für die entspannt aufrechte Sitzposition mit gutem Überblick. Der Wetterschutz ist grenzwertig. Mit einem geringfügig ausladenderen Beinschild hätte Piaggio einen enormen Effekt erzielen können. Das "Helmfach" ist kein Helmfach. Man kann zwar eine Menge reinstopfen, aber definitiv keinen Integralhelm. (Wen's interessiert: ein Paket Pampers Größe 3 paßt rein.) Die Sitzbank ist stark gestuft. Ich persönlich finde das lästig, da ich mich eingezwängt fühle und kein bißchen nach hinten rutschen kann. Die Polsterung ist ok. 5.4. Design und Optik: Dieses Kapitel war mir weniger wichtig. Der Beverly ist vermutlich keine Schönheit. Im Interesse des Überholrespekts könnte er von vorne etwas aggressiver wirken, man wird zu oft unterschätzt! Die kleine serienmäßige Cockpitverkleidung ist eine Schönwetterverkleidung. Das "Cockpit" ist extrem spartanisch. Das aktuelle Modell hat übrigens jetzt auch eine Uhr. Der riesige Auspuff und das "fette" Hinterrad lassen etwas vom Potential des 500ers erahnen.
6. Subjektive Bewertung: Ein bisher äußerst zuverlässiger durchzugsstarker und schneller Roller. Kein Sportgerät, aber macht Spaß! Der Verbrauch von 5,2 Litern ist etwas hoch, die Bremsen sind - rollertypisch - zu schwach dimensioniert. Das Fahrwerk ist ansonsten der Motorkraft fast angemessen. Der Scheinwerfer ist nicht wirklich hübsch, aber die Helligkeit verdient die Note 2. *** Abschließende Ergänzung vom Mai 2007: Ich habe die Beverly jetzt mit einem KM-Stand von 28500 verkauft. Nicht weil ich mit dem Roller als solchem nicht mehr zufrieden war, aber weil mich Piaggio mit einer absolut miesen Ersatzteilversorgung genervt hat. Im Herbst 2006 habe ich 3 Wochen auf ein neues Lenkkopflager gewartet und im März 2007 4 Wochen (!!!) auf ein Teil des Hinterradantriebes. Da ist mir spontan der Kragen geplatzt und ich habe die Beverly nur noch los werden wollen. Was auch nervt: alle 3000 km steht ein Werkstattbesuch an. ("Ölcheck" im Wechsel mit Inspektion, die dann alle 6000 fällig ist.) Alle 10000 km muß der Antriebsriemen gewechselt werden, zusammen ergibt das Wartungskosten, die einem Big Bike würdig wären... Ich steige jetzt auf einen Suzuki Burgman 650 um. Der hat auch ein paar Schwächen, aber er kommt von einem japanischen Großserienhersteller, der wenigstens über eine professionelle Logistik verfügt.
Für trotzdem unerschrockene: positive Erfahrung mit den serienmäßigen Pirellis: Vorderreifen hält locker 18000, hinten sind (mit Reserve) 14000 drin. Ziemlich gutes Nässeverhalten. Gesamtfazit: Toller Motor Guter Wetterschutz (mit hoher Givi-Scheibe) Kleinere rollertypische (leider!) Verarbeitungsmängel Lächerlich schlechte Ersatzteilversorgung Unergonomische Bremsgriffe (selbst mit langen Fingern nur weit innen zu greifen, wo die Hebelwirkung entsprechend schlecht ist) 2. und allerletztes Fahrzeug von Piaggio.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Piaggio Beverly 500
|
|
20.11.2003 16:00
Sehr guter und natürlich sehr hilfreicher bericht; ich kannte den Beverly bis eben gar nicht. Das liegt wahrscheinlich daran, dass ich Grossroller nicht mag, der Motor würde mich aber schon reizen - eine Vespa GT 500 wär' schon was, oder? Ansonsten hab' ich mit meiner ET4 keine so guten Erfahrungen gemacht, aber wie Du schon sagst, "bei Rollern gelten ja sowieso niedrigere Maßstäbe" :( Viele Grüße von Thomas