Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
sehr geringe Haltungskosten, bestes Fahrzeug für den Stadtverkehr, ausgezeichnete Qualtiät und Lebensdauer |
| Kontra: |
nichts für kalte Tage |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
|
Vorwort:
++++++
Da für mich die Rollersaison in den letzten Tagen endgültig angefangen hat und meine "alte Schüssel" einen neuen Auspuff benötigt, begab ich mich auf die Suche im Netz, nach günstigen Ersatzteilen. Und wie es eben so ist, gibt man ein Suchwort bei Google ein, landet man zieldirekt und fast immer zuerst auf Ciao :-)
Dass ich hier nichts finden werde, meinen Bedarf an Ersatzteilen betreffend, das war mir klar. Allerdings war ich verwundert, dass hier ein Roller, dessen Baujahr nun 15 Jahre zurückliegt hier geführt wird und ich war neugierig, was die Leute sich so darüber zu erzählen haben.
Wie es sich sogleich herausstellte, offenbar GAR NICHTS - kein einziger Bericht ist bislang darüber erschienen. Das geht so nicht, denke ich mir und beschließe diese Lücke in Angriff zu nehmen, sie zu füllen, indem ich hier meine Erfahrungen der letzten 14 Jahre mit meinem treuen Gefährt mit Euch teile.
Es handelt sich hierbei genau um den 50 ccm Roller Piaggio Free, damals hergestellt von V.E.S.p.A.
Erfüllung meines Jugendtraums:
+++++++++++++++++++++
Schon lange Zeit, mindestens seit dem Eintreten der Pubertät wünschte ich mir von meinen Eltern einen Motorroller, ich wünschte mir diesen heiß und innig, aber alles was ich bekam war ein popliges Mofa. Man vertröstete mich auf später und später und ehe ich mich versah, war ich erwachsen, von zu hause ausgezogen und fast verheiratet.
Der Wunsch nach einem Roller allerdings starb nie und so schob ich eines schönen Tages im Jahre 1994 alles was ich hatte über den Tresen eines Autohauses in Markdorf um mir den lange gehegten Traum zu erfüllen.
Na gut, es war nicht alles was ich hatte, aber doch fast alles was sich in meinem Sparstrumpf befand und das waren damals 2800,- DM (Deutsche Mark, Ihr werdet es noch kennen, dieses komische Geld) :-).
Ich kaufte die Free gebraucht und zu diesem Zeitpunkt hatte sie erst 1 Jährchen auf dem Buckel und stand da, wie eine eins!
Hersteller:
+++++++
lt.ABE (Allgemeine Betriebserlaubnis)
Piaggio V.E.S.p.A.
Pontedera
Italien
Beschreibung - Optik, Funktionen, technische Details:
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Optik:
****
Mein Rollerchen gleicht dem hier abgebildeten im Grunde haargenau, bis auf die Tatsache, dass meine Free dunkelrot lackiert ist und an den Gussteilen, wie dem Kippständer und dem Auspuff schon ein wenig Rost angesetzt hat.
Der Großteil der Karosserieteile ist aus Kunststoff, die Reifen sitzen auf Leichtmetallfelgen und der "Fußraum" ist ebenfalls aus Kunststoff, dieser allerdings hier in grau.
Ich werde natürlich auch das ein oder andere Foto einstellen, damit Ihr Euch selbst ein Bild machen könnt und natürlich auch, um jegliche Zweifel aus dem Weg zu räumen, dass ich wirklich und wahrhaftig im Besitz dieses Gefährts bin.
Zubehör gibt es reichlich zu kaufen, von der Schutzscheibe über das Topcase bis hin zum zweiten Rückspiegel und, unglaublich aber wahr, sogar Fußmatten für den Fußraum :-)
Meine Free war mit nichts davon ausgestattet und ich kaufte auch nie etwas dazu. Von daher steht sie völlig nackig da - ein Rückspiegel und das wars.
Unter dem mit Kunstleder bezogenen Sitz finden sich zum Einen die Einfüllstutzen für Öl und Benzin und zum anderen ein relativ großer Stauraum, der in seiner Form an einen Helm erinnert. Allerdings trügt dieser erste Eindruck, denn ein ganzer Helm passt nicht hinein. So ein kleiner Jethelm passt problemlos, aber solch einen habe ich nicht mehr.
Unter dem Schließzylinder befindet sich eine Klappe, die durch das Eindrücken des Zündschlüssel geöffnet wird und auch hier ein wenig Stauraum bietet, sowie den Zugang zum Batteriefach freilegt.
Auf dem Lenker befindet sich das "Cockpit". Dort werden unter einer Plexiglasscheibe der Kilometerstand, sowie die Tachogeschwindigkeit angezeigt. Darüber hinaus befindet sich dort der Blinkanzeiger, die Fernlichtkontrolle, sowie die Reserveanzeigen für Öl und Benzin. Der Stand der beiden letzteren, Öl und Benzin, wird leider nicht angezeigt, die entsprechenden Anzeigen blinken nur, wenn der Stand sich auf Reserve befindet und möglichst bald aufgefüllt werden muss.
Am Lenker links sitzt der Blinkschalter, der Hupenknopf und der Einstellschalter für das Abblend - bzw. Fernlicht.
Auf der rechten Seite des Lenkers befindet sich der Startknopf und der Lichtumschalter.
Funktionen:
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Der Zünd-Lenkschlüssel ist, wie der Name schon sagt, dafür da um den Roller, in Kombination mit dem Elektrostarterknopf, zu starten und um die Lenkung abzusperren. Darüber hinaus öffnet er auch das Gepäckfach unter dem Sitz, sowie das kleine Staufach direkt unter der Lenkung.
Ist die Batterie leer, und das ist sie bei mir schon seit ein paar Jahren, lässt der Roller sich auch "ankicken" mit dem Kickstarter, der unten links angebracht ist. Dieser lässt sich nur dann ausklappen, wenn der Roller auf seinem Kippständer aufgebockt ist.
Zum Starten durch den elektrischen Anlasser muss der Hinterradbremshebel gezogen werden, damit der Sicherheitsschalter den Startimpuls für den Motor freigibt. Das allerdings kommt bei mir, seit die Batterie am Ende ist, eigentlich gar nicht mehr vor.
Das Fahren an sich ist kein großartiges Kunststück, da es sich hier um einen Automatik-Roller handelt - Schalten, Kuppeln etc. fällt weg. Man reguliert die Geschwindigkeit mit dem Gashebel, das ist hier der rechte Lenkergriff. Das Bremsen und Lenken funktioniert wie bei einem Fahrrad - links und rechts der Griffe sind Bremshebel angebracht - der rechte für vorne, der linke bedient die Hinterradbremse.
Die Sitzbank ist breit genug für Fahrer und Beifahrer. Für den letzteren lassen sich am hinteren Teil Fußstützen ausklappen. Diese Fußstützen allerdings müssen wieder eingeklappt werden zum Aufbocken bzw. Ankicken des Rollers, da sie sonst im Weg sind.
Der Kippständer lässt sich aufstellen, indem man ihn mit dem Fuß ein wenig fixiert und dann den Roller "dagegen zieht" bis er eben steht. Ging bei meiner Free anfangs sehr leicht, mittlerweile setzt das entsprechende Teil schon etwas Rost an und das Aufstellen erfordert ein wenig mehr Druck, läuft aber immer noch relativ problemlos.
Das Licht wird durch den Lichtumschalter an der linken Seite des Lenkers eingeschaltet, der Fern - Abblendlichtknopf regelt die Lichteinstellung und befindet sich rechts auf dem Lenker. Es ist hierzulande Pflicht, auf motorisierten Zweirädern auch tagsüber mit eingeschaltetem Abblendlicht zu fahren und so mache ich das natürlich auch. Anders als beim Auto, geht hier der Scheinwerfer mit der Zündung aber vollständig aus - Gott sei dank, ich weiß nicht, wie oft ich das sonst vergessen hätte :-)
Zum Auftanken wird die Sitzbank mit dem Schlüssel entriegelt und die darunter liegenden Tanköffnungen freigelegt. Verschlossen sind diese beiden mit einem Schraubverschluss, auf dem vermerkt ist, welchen Inhalt sie verschließen. Da die beiden Öffnungen von verschiedener Größe sind, ist es auch nicht möglich, sie nach dem Abnehmen wieder falsch aufzusetzen.
Betankt wird der Flitzer mit bleifreiem Superbenzin (mind. 95 Oktan) und vollsynthetischem 2-Taktöl - bitte jeweils in die richtigen Tanks füllen!
Da ich keinerlei Verbrauchsanzeige habe für das Benzin und das Öl, leuchtet immer nur die Reserveleuchte auf. Diese blinkt zwar rechtzeitig, allerdings traue ich dieser Sache immer nicht so ganz und fahre ca 80 km und gehe dann tanken, ob die Anzeige nun leuchtet oder auch nicht.
Das Öl wird in geringerer Menge beigemischt und so muss es auch seltener aufgefüllt werden. Laut Bedienungsanleitung sollte spätestens 150 km nachdem die Reserveanzeige angefangen hat zu blinken, das Öl nachgefüllt werden - aber auch das mache ich meist schon früher.
Technische Daten:
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Piaggio Free
Baujahr und Erstzulassung 1993 (in meinem Besitz seit 1994)
Ab hier der Betriebsanleitung entnommen:
Motortyp: Einzylinder-2-Taktmotor mit Einlassmembrane
Hubraum: 49 ccm
Bohrung: 40,0 mm
Kolbenhub: 39,3 mm
Verdichtung: 10,9 : 1
Vergaser, Dell´Orto: PHVA 14
Höchstgeschwindigkeit: 50 km/h
Leergewicht: 76 kg
Zul. Gesamtgewicht: 260 kg
Batterie: 12 V - 4 Ah
Kraftstoffzufuhr: Vom Benzintank durch Schwerkraft in den Vergaser, 2-Taktölzumischung über 2-Taktölpumpe
Kraftübertragung: Über Variator, Keilriemen, automatische Kupplung und Getriebe direkt zum Hinterrad
Schalldämpfer: Expansions-Absoptionsauspuff
Rahmen: Zentralrohrrahmen mit seitlichen Kastenträgern
Federung: Vorderradschwinge und Stoßdämpfer
Felgen: Leichtmetallfelgen E 14" x 1,85
Reifen: Mit Schlauch, Vorder - und Hinterrad 80/80 14"
Bremsen: Mechanische Trommelbremsen für Vorder - und Hinterrad. Beide Bremsanlagen sind über Handbremshebel am Lenker einzeln zu betätigen.
Füllmengen: Benzintank: Inhalt 4 Ltr., 2-Taktöltank: 1,2 Ltr
Instandhaltung:
+++++++++++
Was braucht so ein Roller um zu funktionieren? Im Grunde gar nicht so viel, ähnlich wie bei einem Auto, Benzin und Öl, Zündkerzen, Luftfilter, Reifen, eine Batterie und eine Sicherung.
Getankt wird natürlich nach Bedarf - da die Free keine Füllstandanzeige für Benzin hat, ist es natürlich ratsam zu tanken, sobald das Reserve-Lämpchen blinkt. Für das Öl gilt dasselbe, allerdings sind hier die Abstände größer.
Die Batterie und die Sicherungen sind leicht auszuwechseln und werden ebenfalls nach dem Abrauchen zum Austausch fällig - da die Batterie allerdings nur den Elektrostarter versorgt ist sie nicht "lebensnotwendig" für den Roller. Als wir ihn über den Winter noch komplett eingemottet hatten, entnahmen wir die Batterie, sowie die Zündkerzen und leerten den Benzintank - seit er aufgrund besserer Klimaverhältnisse ganzjährig gefahren werden kann und die Batterie ohnehin den Geist aufgegeben hatte, wird dieses Vor-dem-Winter-Ritual nicht mehr vollzogen.
Die Sicherung ist, seit die Free in meinem Besitz ist nicht einmal ausgefallen, dass sie getauscht werden musste.
Die Zündkerzen werden regelmäßig, 1x im Jahr erneuert (reine Präventivmaßnahme), ebenso der Luftfilter.
Die Reifen werden nach Abnutzung gewechselt, der Hersteller empfiehlt mind 2 mm Profiltiefe - dieser Wert wurde in 14 Jahren bei mir nur ein einziges Mal unterschritten und so ließ ich die Reifen wechseln. Dieser Spaß allerdings war nicht so günstig, wie ich es gehofft hätte - aber durch die lange Nutzung der Reifen, bis sie zum Austausch fällig wurden, relativierte die Kosten dann wieder.
Der Reifendruck ( 2 bar vorne und 2,5 bar hinten, bzw. mit Beifahrer 3 bar) muss in regelmäßigen Abständen kontrolliert werden - das kostet weder viel Zeit noch Geld und kann beim Tanken mit erledigt werden.
Die Betriebsanleitung beschreibt auch ausführlich das Vorgehen beim Auswechseln der Lampen, sowie deren Einstellung. Gemacht habe ich es selbst noch nie, da es nicht notwendig war bislang.
Bremsen und Leerlauf einstellen war bislang auch noch nie erforderlich.
Auch das Austauschen des Auspuffs wird hier beschrieben und bildlich dargestellt. Das war bisher einmal notwendig gewesen und ich denke irgendwann in den nächsten Monaten werden wir diese Aktion mal wieder in Angriff nehmen müssen. Lässt man sich dazu die original Ersatzteile aus Italien bringen, kommt man recht günstig davon.
Alles in allem ist die Free sehr pflegeleicht und selbst wenn mal etwas anfällt, kann man vieles selbst machen, auch ohne große Fachkenntnisse. Ich denke dass auch für die Free mal der Tag kommen wird, an dem nichts mehr zu machen ist - aber bislang ist dieser noch nicht in Sichtweite.
Das Fahrgefühl:
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Wie oben bereits erwähnt ist Rollerfahren kein Hexenwerk :-)
Wenn mit der Free alles in Ordnung ist, sprich der Auspuff nicht gerade total zugesifft ist, dann gibt der kleine Flitzer ganz schön Gummi. Mit dem Gas geben muss man also vorsichtig sein, denn es greift sofort. Die Beschleunigung ist ausserordentlich gut und, anders als mein Auto, macht der Roller keinerlei Unterschied zwischen Berg und Tal. Bzw. ist es einfach so, dass er seine 50 km/h Minimum bringt, ob es nun eben ist, oder gut bergauf geht. Er beschleunigt auch auf Steigungen ohne Einbußen im selben Takt, wie auf ebenen Straßen. Bergab allerdings kommt er über die 50 km/h gut hinaus und rennt seine 70 km/h oder mehr. Natürlich nicht viel mehr, irgendwann ist einfach Schluß :-)
Die Kurvenlage, na ja, die ist wohl nicht so der Bringer - sich mit einem "Affenzahn" in Kurven zu legen, ist schlicht und einfach nicht drin und zudem wäre das auch überaus gefährlich (siehe Göttergatte im Kreisverkehr). Aber das ist bei Rollern dieser Bauart eben einfach so.
Auch das Fahren auf nasser, und ich meine hier so richtig naß, Fahrbahn ist kein sonderliches Vergnügen - mal abgesehen davon, dass wahrscheinlich ohnehin niemand gern "offen" fährt bei strömendem Regen, muß man, kommt es aus irgendeinem Grund doch dazu, hier recht vorsichtig sein, da das Heckteil gern ausschert und das Bremsverhalten nicht ist, wie von trockener Fahrbahn gewohnt. Daß dies nichts ist, dass Rollern allein vorbehalten ist, kann man das kaum als Minuspunkt ankreiden, jedoch spricht dieser Punkt sehr dagegen, den Roller als alleiniges Fahrzeug zu verwenden.
Für "Summer in the City" ist er jedenfalls unschlagbar :-)
Warum ein Roller? 14 Jahre Free und ich
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Nun, wie gesagt, der eigentliche Entschluss, ein solches Gefährt haben zu müssen, entstand schon in früher Jugend. Damals war das, neben der Möglichkeit zur uneingeschränkten Fortbewegung, auch ganz stark eine Trendfrage für mich. Mofas? Pffft, das war nix für Mädchen, das war etwas für langhaarige, enge Hosen tragende Moscher, die ihre Zigarettenschachteln unter dem T-Shirtärmel trugen und AC/DC hörten :-)
So sah das damals aus. Damals allerdings hatte ich meine Free noch nicht. Der Grund sie mir zu kaufen war mit 22 aber irgendwie immer noch derselbe - ich wollte schick sein :-)
Andere Vorteile sah ich damals nicht wirklich darin - was sich nach der Anschaffung allerdings noch schwer änderte.
Da ich nie einen Motorradführerschein gemacht hatte, weil ich extreme Probleme habe mit nicht "kontrollierbaren" Geschwindigkeiten, stellte sich die Frage gar nicht weiter, ob es nun ein 50 ccm Roller sein sollte oder doch schwereres Geschütz.
Da wir in einer recht unwirtlichen Gegend auf der schwäbischen Alb wohnten, auf deren Landstraßen 50 km/h sich ausnahmen wie ein Witz, versuchte man mich damals dazu zu überreden, doch einen Motorradführerschein zu machen - aber nix da, ich blieb dabei.
Und ganz klar, mit 50 (ähm sagen wir mal bis zu 70 km/h, bei günstigen Verhältnissen) über eine endlos lange Landstraße zu zuckeln, während man von LKWs so knapp überholt wird, dass man entweder beinahe den Straßengraben küsst oder von deren Fahrtwind ordentlich ins Schleudern gerät, das war natürlich eine extreme Ernüchterung meines schicken Rollertraums.
Allerdings in der Stadt, da war er unschlagbar - weil er mit den Großen nicht nur im selben Boot saß (wir erinnern uns, 50 km/h innerhalb geschlossener Ortschaften) sondern immer der Erste an der Ampel war, und ich mit ihm, Parkplätze immer direkt vor Ort in Anspruch nehmen konnte und bei stockendem Verkehr nicht wie die anderen in der zähen Falle saß :-)
Die ersten positiven Eindrücke entstanden also relativ bald nach der Anschaffung und ich begriff, dass mehr dran war an so einem Rollerchen, als nur der Style.
Umso deutlicher wurde das noch verstärkt durch einen Blick auf die Haltungskosten - der Versicherungsbeitrag war lächerlich gering, der Spritverbrauch kaum erwähnenswert (fährt man die komplette Tankfüllung aus, inklusive der Reserve, errechnet sich ein Verbrauch von ca. 3,5 Litern je 100 km), der Roller musste nicht zum TÜV, noch zur AU - er machte sich insgesamt im Geldbeutel kaum bemerkbar.
Was recht teuer gewesen wäre, wäre die Anschaffung von Zubehör, wie Topcase, Scheibe, bla bla bla....kann man haben oder auch nicht und jetzt mal ehrlich: Wer braucht schon Fußmatten für einen Roller? Gut, diese Kosten fielen bei mir also niemals an.
Nach ungefähr 3 Jahren allerdings merkte ich, dass er mehr und mehr röchelte und seine Höchstgeschwindigkeit immer mehr sank. Zum guten Schluss war es dann so weit, dass er kaum noch schneller war als ein Mofa und wir brachten ihn in die Werkstatt. Dort wurden uns etliche Kröten abgenommen für eine vollständige Untersuchung, die Diagnose blieb allerdings aus, sie wussten schlicht und einfach nicht, woran es liegen könnte und schickten uns ungemachter Dinge wieder mit ihm nach hause. Es lag sicher daran, dass wir keine "Fachwerkstatt" ausgesucht hatten, denn die gab es bei uns damals einfach nicht. Ich war bitter enttäuscht und vermisste meinen Roller. Über Bekannte, die damals einen ähnlichen Roller hatten, erfuhren wir dann, dass in regelmäßigen Abständen ( alle 3 bis 4 Jahre) der Auspuff ausgetauscht werden muss, da sich irgendwelche Dämmstoffe durch die Hitze auflösten und deren Überreste den Auspuff dann verstopften.
Der neue Auspuff kostete damals 150,- DM und ein paar Zerquetschte. Wir bauten ihn selbst ein, was dank der gut verständlichen Beschreibung in der Betriebsanleitung problemlos ging und danach rannte die Free wieder wie eine 1 - wenn nicht sogar noch besser.
Ein oder zwei Jährchen später nahm mein damaliger Freund (gegenwärtiger Göttergatte) eine Kurve im Kreisverkehr ein wenig zu eng bzw. legte sich mit vollem Gewicht rein (offenbar okay bei Motorrädern, aber super schlecht bei Rollern) und bekam daraufhin auch prompt, was er verdient hatte: Er legte sich lang, samt meinem Roller!
Da wurden mir auch die Vorteile der aus Kunststoff gefertigten Teile gegenwärtig, denn definitiv sah es so aus, dass außer einem winzigen Kratzer und einem verbogenen Rückspiegel, der Roller nichts weiter abbekommen hatte - keine Beule, keine Delle, nix!
Ich persönlich habe der Free in 14 Jahren ca 7000 km auf den Buckel gefahren - was nicht viel ist, jedenfalls nicht so viel, als würde ich sie als Hauptfortbewegungsmittel nutzen. Auf der Alb waren die Winter streng und lang. Manchmal konnte ich ein ganzes Jahr nicht mit dem Roller fahren und schenkte mir somit auch den Aufwand ein neues Schild zu besorgen. Die ersten Jahre war die Free von daher für mich mehr oder weniger ein "Spaßfahrzeug"
Seit dem Umzug in die Stuttgarter Gegend allerdings erwies sie sich als äußerst nützlich und konnte vor allem auch ganzjährig gefahren werden, wenn es sein musste. Die letzten 3 Jahre wurden mir die Vorzüge eines Rollers also umso mehr bewusst und ich war froh, ihn nicht verkauft zu haben, in Zeiten, in denen ich dachte "Ach ja, steht eh nur in der Garage rum und niemand hat wirklich was davon!"
Und jetzt steht für mich fest, dass ich ihn niemals verkaufen werde, solange er durch so wenig Aufwand und Mittel fahrbereit gehalten werden kann, ohne an Fahrtüchtigkeit einzubüssen.
Fazit & Empfehlung:
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Zusammenfassend möchte ich nochmals die niedrigen Haltungs - und Instandhaltungskosten erwähnen. Die sind einfach ein großes Plus an der ganzen Sache. Der Fahrspaß, vor allem in der Stadt, kommt auch nicht zu kurz. Es entfällt die lästige Parkplatzsuche, das Abwarten diverser Grünphasen an Ampeln, bevor man endlich in den Genuss kommt, losfahren zu dürfen und das Rumgezuckel im Stau oder stockendem Verkehr. Das ist natürlich super, keine Frage.
Auf der anderen Seite möchte ich natürlich nicht hauptsächlich auf einen Roller angewiesen sein - vor allem dann nicht, wenn ein Großeinkauf ansteht. Der wäre damit schlicht und einfach nicht machbar.
Ich habe wenig bzw. gar keine Erfahrung mit anderen Fahrzeugen dieser Art, allerdings hört man von diesen billigen Baumarkt-Rollern selten Gutes - sie sollen instabil, unzuverlässig und oft nicht wirklich verkehrssicher sein. Was da Wahres dran ist, vermag ich nicht zu sagen - aber die Klagen über diese Gefährte sind zahlreich und irgendwo hat alles seinen Ursprung.
In diesem Punkt muss ich meine Free wirklich loben: Bis auf die Sache mit dem Auspuff und dass die Reifen einmal in all der Zeit neu aufgezogen werden mussten, gab es niemals Probleme. Sie springt bis heute noch immer und zuverlässig an, gibt niemals mittendrin den Geist auf und die Instandhaltung erweist sich als recht einfach. Hin und wieder ein neuer Luft - bzw. Ölfilter, aller paar Jahre ein neuer Auspuff, seltener noch neue Reifen - wobei letzteres sicher abhängig von der Nutzung ist.
Aber natürlich, sie ist 15 Jahre alt und auch wenn sie wenig Abnutzungserscheinungen aufweist und auch technisch noch einwandfrei in Ordnung ist, gibt es mittlerweile neuere, bessere Modelle, die z.B. mit Alarmanlagen ausgestattet sind, eine Tankanzeige haben, die auch wirklich den Füllstand anzeigt, grössere Sitzbänke haben mit mehr Stauraum darunter, während ich meine alte Free noch mit einer dicken Kette sichern und den Helm mit in den Laden nehmen muss, weil ich ihn im Roller nicht unterbringen kann.
Wenn ich heute zum ersten Mal in meinem Leben einen Roller kaufen würde, dann wäre es sicher ein anderer, nicht weil die Free schlecht wäre, aber eben veraltet und leider noch nicht veraltet genug, dass man ihr schon einen Kultstatus zugestehen würde.
Auf der anderen Seite hat mir meine Erfahrung gezeigt, dass 15 Jahre diesem Rollerchen nur wenig anhaben konnten und ein Ende noch lange nicht in Sicht ist - wozu sich also teuren Baumarkt-Schrott kaufen? Ausgehend also von meinen durchweg positiven Erfahrungen mit der Piaggio Free, hätte ich keine Bedenken auch heute noch, einen älteren, gebrauchten Roller zu kaufen.
Letzten Endes muss das jeder für sich entscheiden, aber jedem, der sich mit dem Gedanken an einen gebrauchten Roller trägt und an eine gut erhaltene Piaggio Free gerät, dem kann ich dieses Gefährt wärmstens und ohne Einschränkung empfehlen.
Und auch wenn der meine schon so viele Jährchen auf dem Buckel hat, gebe ich ihm trotzdem 5 Sterne, da er bis auf technischen Schnickschnack den neuen Rollern in nichts nachsteht und immer noch läuft wie am ersten Tag.
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02.02.2011
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