läuft und läuft und... säuft
27.06.2000
Pro:
Preis, Ausstattung
Kontra:
Verbrauch, Verbrauch und nochmals Verbrauch
Empfehlenswert:
Ja
 sensei
Über sich:
Mitglied seit:17.01.2000
Erfahrungsberichte:14
Vertrauende:6
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 7 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Als frischgebackener Familienvater geht man plötzlich Kompromisse ein, von denen man vor wenigen Monaten (9 um genau zu sein) noch nicht mal geträumt hat. So ergab es sich, daß mein gehegtes und gepflegtes (Traum-)Motorrad (siehe auch meinen Beitrag über die BMW R1100 RS) dem Bedürfnis meiner Familie nach einem gesunden und vor allem arbeitsfähigen Ernährer geopfert wurde.
Um nicht ganz auf das motorisierte Frischluftvergnügen zu verzichten, wurde mir ein Roller zugestanden - allerdings nur ein Gebrauchter. Da der Markt an diesen "Plastik-Sofas" relativ unüberschaubar geworden ist, entschied ich mich für ein Vehicel aus dem Hause Piaggio - vermutlich weil vor über 20 Jahren mein erstes benzinschluckendes Fahrzeug ein Mofa dieses Herstellers war.
Ein "vernünftiger" Roller sollte es zudem sein, also einer mit ein paar Pferdestärken unter seiner Plastikhaut und ein wenig Komfort (sprich Windschild) sollte schon sein. So fand ich einen gerade mal 1,5 Jahre alten Hexagon LXT 180, mit wenig Laufleistung und in sehr gutem Zustand. Der herausgehandelte Preis lies mich die Tatsache vergessen, daß es sich dabei um einen Zweitakter handelt.
Der erste Fahreindruck erfreute meinen Körper nicht gerade mit einer Endorphinausschüttung. Im Vergleich zu meiner BMW (na ja, der Vergleich hinkt ein wenig) bescheidener Abzug, bescheidene Straßenlage, schlechte Federung, miese Bremsen (die BMW hat ABS), wackelig, zittrig... Nun nach ca. 1000 "runtergerollten" Kilometern hat sich meine Ansicht doch geändert.
Das Teil ist in der Stadt unwahrscheinlich wendig und mit den 21 PS bei (nur) 143 Kg Fahrzeuggewicht, fühlt man sich beim Ampelstart nicht untermotorisiert. Als Büromensch kann man auch im "Business-Outfit" aufsitzen ohne sich den Anzug zu "zerknittern" und in den beleuchteten (!) Kofferraum passen die üblichen Utensilien und dazu noch ein Integralhelm. Dieser Kofferraum ist natürlich auch für den Feierabendeinkauf mehr als nützlich, auch wenn ich den Sinn der integrierten 12V Steckdose noch nicht ganz begriffen habe. Auch auf der Landstraße ist der Hexagon nicht deplaziert. Kleine enge Straßen und Kurven können richtig Spaß machen, wenn man erst einmal Verstanden hat, daß sich ein Roller anders fährt als ein Motorrad. So mag er es nicht in Kurven gelegt zu werden, man muß ein wenig einlenken - fast wie beim Auto. Motorradfahrer werden auch den Kniekontakt zur Maschine vermissen, aber ein Roller will ja auch kein "Mopped" sein.
Die kleinen Räder stören auch nicht, wenn man weiß, das Unebenheiten im Fahrbahnbelag mit einem leichten aber eigentlich harmlosen Schlenker quittiert werden. Bei Nässe sollte man entsprechend vorsichtiger - sprich langsamer unterwegs sein. Überhaupt ist man mit dem Hexagon gerne schneller unterwegs als es die StVO zuläßt. Die 21 PS sind für 120 Sachen gut und lassen das Ding selbst auf der Autobahn nicht zum Hindernis werden. Die stufenlose Automatik reagiert mit kaum merklicher Verzögerung und beschleunigt das Teil gerade in der Stadt sehr schnell über das erlaubte Tempo - eine Tatsache die Fahrer von sportlichen Autos und richtigen Motorrädern immer wieder Staunen läßt.
Beim Bremsen sollte man sich beider Hebel bedienen und die Vorderradbremse alleine nur mit Gefühl betätigen - 11 Zoll Räder blockieren schneller als man sich auf eine Salto über das Windschild einstellen kann. Der Geradeauslauf ist dafür erstaunlich gut. "Freihändiges" Fahren ist zumindest geradeaus möglich - sollte aber nur zu Testzwecken praktiziert werden. Die Verarbeitung ist für ein Produkt das südlich der Alpen "geschmiedet" wurde erstaunlich gut. Auch das Licht ist hervorragend - man sieht und wird gesehen, was bei Rollern, die üblicherweise im Straßenverkehr unterschätzt werden, sehr wichtig ist. Für kürzere Fahrten ist der Roller uneingeschränkt Soziustauglich. Der Fahrer selbst sitzt, nicht zuletzt dank der integrierten "Rückenlehne" ganz gut - eher wie auf einem Chopper als denn auf einer "Vespa".
Wünschenswert wären noch abschließbare Behälter für Öl und Wasser (der LXT ist wassergekühlt), da man ja nie weiß zu welchen Scherzen manche Spaßvögel fähig sind. Einen heftigen Punkteabzug bekommt der Roller aber in Sachen Verbrauch. Je nach Fahrweise pendelt sich dieser zwischen 5,5 und 7 Litern Super (unverbleit) ein. Das fördert zwar die Kommunikation an der Tankstelle ist für ein Gefährt mit 180 ccm Hubraum aber völlig inakzeptabel und absolut nicht zeitgemäß.
Fazit: Der Hexagon ist für mich ein nahezu vollwertiger Auto-Ersatz für Stadtfahrten geworden. Er läuft und läuft und säuft... Er ist auch für eine Tour zum und um den Badesee geeignet. Technische Ausstattung, Fahrverhalten und die Verarbeitung sind o. k. zumal zweitaktende Roller gebraucht meist für wenig Geld gehandelt werden. Der Verbrauch ist allerdings viel zu hoch und der "Duft" von synthetischen Zweitaktöl ist auch nicht gerade ladylike.
Preisvergleich
sortiert nach Preis
* Alle Preise inkl. gesetzlicher MwSt und ggf. zzgl. Versandkosten. Preise, Verfügbarkeit und Versandkosten können im jeweiligen Shop zwischenzeitlich geändert worden sein, da eine Echtzeit-Aktualisierung technisch nicht möglich ist. Maßgeblich sind immer die Preise und Angaben auf der Händlerseite. Alle Angaben ohne Gewähr.
Aktionen zu diesem Erfahrungsbericht
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
* Alle Preise inkl. gesetzl. MwSt.; Alle Angaben ohne Gewähr.
Mehr über dieses Produkt lesen
Verwandte Tags für Piaggio Hexagon 180
|
|