Straßenkämpfer mit bekannten Macken
24.09.2009
Pro:
Leistungsstark, kompakt, wendig, Spaßgerät
Kontra:
mäßiges Fahrwerk, Platzangebot, schlechter Service
Empfehlenswert:
Ja
 minus-eight
Über sich:
Mitglied seit:01.04.2009
Erfahrungsberichte:1
Dieser Erfahrungsbericht wurde von 26 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet
Jetzt muss einmal eine Lanze für diesen Roller gebrochen werden, da die Meinungen doch überwiegend negativ sind. Ich fahre den Roller nun seit 12 Jahren und er hat mittlerweile 27 000 Km auf der Uhr. Ich verwende ihn zum Pendeln und als Camping-Fahrzeug. Gleich vorweg: keine kapitalen Mängel, er wird aber auch regelmäßig von mir gewartet.
Fakt ist jedoch, dass dieses Modell (und andere mit gleichem Motor) fast immer die gleichen Probleme machen, die aber mit ein paar kleinen Kniffen leicht zu beheben sind. Häufig bemängelt wird das Kaltstartverhalten, was in den meisten Fällen am elektrischen Choke liegt. Dieser fettet das Gemisch oft zu stark und zu lange an. Symptome: Qualm beim Start und schlechte Gasannahme durch eine verrußende Zündkerze. Ein weiteres Indiz ist zu hoher Verbrauch. Er ist gerne defekt und teuer. Abhilfe schafft ein manueller Choke, der in den einschlägigen Zubehörläden für ein paar Euro zu haben ist. Ein weiteres Problem ist der automatische Unterdruck-Benzinhahn. Er quittiert ebenso häufig seinen Dienst oder funktioniert nicht richtig aufgrund von porösen Unterdruckleitungen. Symptome: mangelnde Benzinversorgung, Vergaser läuft unter Vollgas leer oder der umgekehrte Fall: Benzinhahn bleibt ständig offen und Vergaser läuft über (bei nicht richtig schließender Schwimmernadel, Roller säuft ab). Hier gibt es auch eine manuelle und billige Lösung: der Benzinhahn vom Zip 25. Dann herrscht Ruhe. . Es kursiert auch immer wieder die Mär von häufigen Kolbenfressern. Hier kann man nur sagen, dass regelmäßig die Einstellung, vielmehr aber die Funktion der Ölpumpe kontrolliert werden sollte (ggf. Service!) und man das empfohlene, vollsynthetische Öl verwenden sollte. Ich persönlich traue dem Frieden ohnehin nicht und kann nur jedem empfehlen (der techn. dazu in der Lage ist), die Ölpumpe rauszuschmeißen und das Gemisch selbst zu mischen. Eine andere Ursache für einen Kolbenfresser kann Überhitzung sein, die durch ein zu mageres Gemisch entsteht. Grund dafür ist meistens Nebenluft, die durch einen porösen Ansaugstutzen oder sonstige Undichtigkeiten im Ansaugtrakt gezogen wird. Leicht erkennbar am Zündkerzenbild. Wer das Fahrzeug nicht regelmäßig selbst auf solche Mängel prüft oder dazu in die Werkstatt bringt, braucht sich nicht wundern, wenn er einen kapitalen Folgeschaden hat. Die Schuld des Fahrzeugs ist es jedenfalls nicht. Gerade wenn der Roller schon ein paar Jahre auf den Buckel hat, sollte man sich die Gummiteile in diesem Bereich genauer anschauen, sie kosten fast nichts. Ich kenne viele Leute im Bekanntenkreis mit diesem Motor und keiner hatte jemals Fresserprobleme, wobei diese Punkte beherzigt wurden.
Mein freundlicher Händler um die Ecke ist allerdings, was technische Belange angeht, ebenso wenig kompetent wie man es erwarten sollte. Die Fähigkeiten beschränken sich auf Austausch und Verkauf von Teilen. Fehlerdiagnose? Vergiss es. Insofern kann ich Leute mit weniger technischem Interesse verstehen, die hier aufgeschmissen sind. Sauber eingestellt und regelmäßig gewartet ist der gesamte Antrieb nach meiner Erfahrung sogar sehr zuverlässig und robust. Ausfallende Teile beschränken sich auf Kleinigkeiten bzw. Verschleißteile. Die Beschleunigung ist brachial und man sollte deswegen alle 5000 - 7000 Km einen neuen Hinterreifen einkalkulieren... Der Verbrauch ist für einen derart leistungsstarken 2-Takter mit 4,5 l angemessen. Die Höchstgeschwindigkeit liegt durch die recht kurze Endübersetzung bei gut 100 Km/h. Das ist auch genug, denn das Fahrwerk ist sehr handlich und wird bei hohen Geschwindigkeiten nervös, vor allem, wenn die anfälligen Schwingenlager ausgeschlagen sind. Die Fahrt wird dann zum Eiertanz. Die ungedämpfte Gabel ist bockig und spricht schlecht an, das Federbein hinten schlägt im 2-Personen-Betrieb durch. Die Bremsen sind in Ordnung, verlangen aber nach relativ hohen Handkräften. Abhilfe schafft für Fortgeschrittene der etwas umständliche Umbau auf die Runner-Gabel (Anpassungen notwendig) und ein Zubehör-Federbein (z. B. Bitubo). Von Komfort jedenfalls keine Spur, dafür ein echtes Kampfgerät für die City mit großem Spaßfaktor.
Die sonstige Verarbeitungsqualität ist im Wesentlichen ok. Etwas ärgerlich ist schlimmstenfalls der besonders rostanfällige Krümmer und Auspuff. Wer aber insgesamt zu schnell meckert, sollte sich einmal die teils katastrophalen Fahrzeuge aus dem Reich der Mitte anschauen und doch nochmal über die Preis-Leistung und den Einsatzzweck nachdenken. Alles in allem empfehlenswert! Bei allen Fragen zur Technik, wie z. B. Details zu den beschriebenen Umbaumaßnahmen oder andere Tipps, könnt ihr mich gerne kontaktieren.
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25.09.2009 14:14
guter Einstand! Lg Michael