Pimp / Iceberg Slim

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Pimp / Iceberg Slim

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Pimpin' Ain't Easy

4 9. Nov 2005

Pro:
authentisch, spannend, erschreckend

Kontra:
alter Zuhälter - Jargon

Empfehlenswert: Ja 

Details:

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Unterhaltungswert:

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Andizzo

Über sich: High Leute! Ich studiere zur Zeit Informatik in Passau. Ich werde wohl hauptsächlich Berichte zu Mus...

Mitglied seit:01.11.2005

Erfahrungsberichte:13

Vertrauende:1

Dieser Erfahrungsbericht wurde von 36 Ciao Mitgliedern durchschnittlich als sehr hilfreich bewertet

Der erfolgreichste Rapper der letzten Jahre war 50 Cent, dessen wesentliches Marketing darin bestand, dass er mit neun Einschusslöchern in seinem gestählten Körper protzte. Ein Titel seines Hit-Albums heißt P.I.M.P. Auf deutsch: Zuhälter. Mit dieser Referenz ist er keine Ausnahme. Der Pimp-Style in Mode und Musik ist, glaubt man dem amerikanischen Hip Hop Magazin The Source, gerade wieder der letzte Schrei unter den Hiphoppern - rund 15 Jahre nachdem er von einem jungen Rapper aus Los Angeles namens Ice-T in großem Stil eingeführt wurde. Seither gehört er zum festen Stamm im Gangster-Kabinett des Hardcore Hip-Hop.

"Wir hatten das Gefühl, einem Underground anzugehören, fast einem Kult, weil sie uns in etwas reales einweihten - die Realität von Icebergs Worten. Da schrieb nicht einer aus der Sicht des Schwarzen, der sich aus dem Ghetto abgesetzt hatte, sondern aus der Sicht des Insiders ... Durch Iceberg Slim wurde mir eines klar: Er war Schriftsteller geworden, also konnte ich als Junge von der Straße ebenfalls etwas werden." Ice-T

Ice-Ts Künstlername ist eine Hommage an den Schriftsteller Robert Beck, einen Ex-Zuhälter, den das Milieu, über das er schreibt, unter dem bezeichnenden Namen Iceberg Slim kannte. Beck lebte von 1918 bis 1992 und hat im Laufe seiner Schriftsteller-Karriere an die zwölf Millionen Bücher verkauft und ist damit einer der meist gelesenen afroamerikanischen Autoren.

Pimp ist ein rohes und brutales Buch. Iceberg Slim beschreibt sein Leben als eine Irrfahrt durch Gewalt, Drogen und Knast, von Anfang an geprägt von sexueller Ausbeutung, Verrat und Gier. Er berichtet schonungslos vom Werdegang eines misshandelten Straßenkindes bis hin zum König des Ghettos und des Undergrounds. Es beginnt mit dem Missbrauch des dreijährigen Ich-Erzählers. Er erzählt unverblümt von einer Kindheit voller Misshandlungen, ehe er als 12-jähriger auf die Strasse flieht. Von einem Zuhälter an die Hand genommen, lernt er das Überleben. Schnell zieht der Autor alle Register des Betrugs und der häuslichen Gewalt. Schon früh beginnt er seine eigene Karriere, hält Prostituierte, misshandelt selbst, landet im Gefängnis, um wieder auszubrechen und lebt inmitten eines Banden- und Milieu-Krieges, aus dem er immer wieder als Sieger hervorgeht. Der Rhythmus von luxuriösem Exzess und Gefängnis bestimmt sein Leben. Er wird zum erfolgreichsten Zuhälter der USA und gefürchteten, gehassten, aber auch bewunderten Mann im Ghetto, zu einem gutaussehenden Eisberg, der alle Gefühle unter seinen teuren Kleidern, großen Wagen und Wohnungen vergraben hat. Bis auf, man ist nicht überrascht, die zu seiner alten Mutter.

Als er mit 42 Jahren, von der eigenen Gefühlskälte angeekelt, genug hat, liegen viele Jahre Knast, endlose zertrümmerte Frauenseelen und eine solide 20-jährige Suchtkarriere hinter ihm. Aber eben auch eine ganze Menge Spaß. "Die schwärzeste Geschichte des schwarzen Amerika" (so die Empfehlung auf dem goldenen Einband), liegt jetzt erstmals auf Deutsch vor, zur Sicherheit mit einem Begleitwort von Ice-T und einer kritischen Würdigung der afroamerikanischen, lesbischen Schriftstellerin Sapphire gepuffert.

Beck schildert mit größtem Zynismus eine noch in ihrem tiefsten Begehren rassistisch und materialistisch geprägte Gesellschaft. Noch der oberflächlichste Leser erkennt neben dem zunehmenden Selbstekel in Pimp die tiefe Verachtung für die psychopathischen und korrupten weißen Amtsträger und Kunden beiderlei Geschlechts.

Jahrzehnte galt dieses Buch als unübersetzbar, vor allem wegen der noch heute gebräuchlichen Strassen- und Slangausdrücke.Dem Übersetzer Berhard Schmids gelingt es allerdings nicht, die sprachliche Doppeldeutigkeit zu transportieren. Er benutzt einen Zuhälter-Jargon, der vielleicht in den 70er Jahren so gesprochen wurde, heutzutage jedoch allenfalls lächerlich wirkt, z.B.: "Fose" (für pussy oder bitch), "Knögel" (für Geldbündel), "Schmeck" (für Heroin) oder "Schupper" (für Dieb). Dies ist jedoch das einzige Manko des Buches. Meine Empfehlung ist sowieso, sich das Original-Buch auf Englisch durchzulesen

Iceberg Slim alias Robert Beck, geboren 1918 in Chicago, gestorben 1992, ist der bekannteste Pimp aller Zeiten. Ende der 50er Jahre, nach einem Vierteljahrhundert exzessiven Lebens und nach drei ebenso exzessiven Gefängnisaufenthalten, sagte er dem kriminellen Leben ab und begann eine Karriere als Schriftsteller. Er veröffentlichte sechs Romane, die zu den meistgekauften, -zitierten und -gelesenen Büchern der USA zählen.

Bei aller Straßenweisheit schloss Beck immerhin die High School ab und studierte ein Jahr lang dank eines Begabtenstipendiums am Tuskegee College in Alabama. Nach dem Erfolg von Pimp hielt er Vorträge an Universitäten, wo er bei seinen Studenten sehr beliebt war und suchte, eher vergeblich, die Nähe zu den Panthers.

Als "Pimp" 1969 in den USA erschien, sprengte es alle Bestsellerlisten, galt jedoch gleichfalls als Skandalbuch, weil Iceberg Slim unverblümt im tiefsten Slang über sein Leben berichtete, was im konservativen Amerika für heftige Debatten sorgte. Und doch konnten die Sittenwächter den Siegzu der "schwärzesten Geschichte des schwarzen Amerikas" nicht aufhalten. "Pimp" wurde zur Inspiration zahlloser Musiker, verherrlicht von Rappern und Soulsängern; es wurde zur Antriebsfeder des idealisierten Gangsta-Lebens und zur Rechtfertigung, wie man auch auf der Straßeüberleben könne. Zugleich aber blieb es auch immer das verrufene Buch, eine Vorlage des vermeintlich Bösen. Und Iceberg Slim ist der allerböseste, gemeinste und härteste Motherfucker von allen. Durch sein bekanntestes Werk "Pimp" wurde er zum Kult, indem er Kult schuf. 


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Kommentare zu diesem Erfahrungsbericht
k-31

k-31

18.06.2006 17:48

...ich hör' zum ersten Mal davon, interessant - aber von der Musik-Richtung nichts für mich ... VG Ulrich ;-))

Squeaks

Squeaks

19.12.2005 21:42

nicht mein Thema, aber super Bericht! LG Squeaks

Andizzo

Andizzo

20.11.2005 16:32

ich frag mich warum meine berichte viel weniger bewertungen als lesungen erhalten. kann mir jemand erklären warum

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