Produktbewertung des Autors:
| Pro: |
reichlich Hintergrundwissen bei Verständigungsproblemen zwischen Autor und Adressat |
| Kontra: |
Preis, altbackene Sprache |
| Kompletter Erfahrungsbericht |
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Platos Gespräche – Walter Bröcker
Unumgängliche Sekundärliteratur zur Politeia.
Einführung:
Wie so oft bei Primärliteratur im philosophischen Bereich, ist es nicht möglich, diese ohne weiterführende Werke ganzheitlich verstehen zu können.
Daher ist das Lesen von Sekundärliteratur ein hilfreiches Muss.
So war es auch im Seminar über Platos Staat, das ich im ersten Semester belegte. Unser Professor händigte uns eine Liste aus mit weiterführenden Sekundärwerken. Darunter auch Platos Gespräche von Walter Bröcker, welches übrigens auch an erster Stelle stand – also unbedingt anzuschaffen war.
Heute möchte ich euch einen Einblick in Platos Staat geben und das Werk von Walter Bröcker, das den Leser besser in dieses Werk der griechischen Antike hineinführen soll.
Wer ist Plato und was ist sein Anliegen?
Plato war ein Schüler des antiken griechischen Philosophen Sokrates – er könnte als Begründer der Philosophie gelten. Nicht zuletzt stammt von letzterem auch der so signifikante Satz „Ich denke, also bin ich“. Wer kennt ihn nicht.
Sokrates lehrte nur indirekt. Er wollte den Menschen den Spiegel ihrer eigenen Unvernunft und ihres eigenen Unwissens hinhalten und stellte ihnen Fragen, die sie zur Erkenntnis leiten sollten.
Dies gefiel den damaligen Herrschern Athens nicht, und so wurde Sokrates hingerichtet, indem er einen Becher Gift leerte.
Als Sokrates starb übernahm Plato seine Mission, die Menschen zur Erkenntnis zu führen, und schrieb diverse Werke, in denen er allerdings nie selbst ein Wort spricht.
Stattdessen macht er Sokrates zur Hauptperson, erweckt ihn sozusagen wieder zum Leben, und legt ihm philosophische Reden in den Mund. Dabei weiß man nicht, ob diese Worte wirklich von Sokrates stammten oder ihm von Plato in den Mund gelegt wurden, da sie aus seiner eigenen Überzeugung stammten.
Plato schreibt Gespräche, in denen er kein Wort selbst spricht. Dennoch sind diese Gespräche ein einziger Versuch ihres Dichters, mit seinem Leser ins Gespräch zu kommen. Dass dies Gespräch zustande kommt, liegt aber nicht in der Macht des Schreibenden allein. Der Leser muss das Seine dazu beitragen, das Geschriebene zum Reden zu bringen.
Die Politeia:
Der Name von Platons bedeutendsten Werk heißt Politeia und heißt übersetzt so viel wie Staat oder Staatswesen. Es wurde von Platon ca. 370 v.Chr. fertiggestellt und veröffentlicht. Nicht nur ist die Politeia Platons bedeutendste philosophische Schrift, sondern gleichzeitig auch eine der wichtigsten Schriften der Geschichte der politischen Philosophie und der Philosophie überhaupt.
Das zentrale Thema sind politische Themen – ganz klar. Vor allem wird hier aber die Frage nach der Gerechtigkeit gestellt. Was ist Gerechtigkeit? Wo findet man sie? Wie kann man sie im Gesellschaftsleben einsetzen?
Daraus folgt natürlich, wie der perfekte Staat, also die perfekte „politeia“ sich aufbauen sollte.
Auftretende Figuren sind Sokrates, Kephalos der Greis, Polemarchos, der Sohn des Kephalos, Thrasymachos, ein Sophist, sowie Glaukon und Adeimantos, die Söhne des Ariston.
Der Staat ist aus 2 Teilen aufgebaut. Der erste Teil besteht aus dem ersten Buch und beschreibt sozusagen eine Einführung in das Geschehen. Sokrates beginnt ein Gespräch mit Kephalos und Polemarchos. Nach und nach kommen die anderen hinzu. Der 2. Teil der Politeia besteht aus den verbleibenden Büchern 2 bis 10.
Auch Platons vielgelobtes und – von Laien wie Experten gleichermaßen - vielinterpretiertes Höhlengleichnis befindet sich im 7. Buch des Dialogs über die Politeia.
Sie gehört zu den zentralen Erzählungen der Philosophie. Ohne viel zu argumentieren zeigt Platon den bevorzugten Weg der Erkenntnis vom Mythos zum Logos, also von der Verblendung ins Licht der Philosophie.
Walter Bröcker – Platos Gespräche:
„Die platonischen Dialoge sind ein einziger Versuch ihres Dichters, mit seinem Leser in ein Gespräch zu kommen. Dass dies Gespräch zustande kommt, liegt aber nicht in der Macht des Schreibenden allein. Der Leser muss das Seine dazu beitragen, das Geschriebene zum Reden zu bringen. Auch ein Buch über Platos Gespräche kann dem Leser diese Anstrengung nicht abnehmen. Plato hat jede seiner Schriften als eine aus sich verständliche angeboten, und so sollen sie auch gelesen werden. Der Autor beschränkt sich ganz bewusst darauf, eine Paraphrasierung jedes einzelnen Dialoges zu bieten und ihn ausführlich zu kommentieren. Das 1964 erstmals erschienene Buch, längst ein Klassiker der Plato-Literatur, ist in zweifacher Hinsicht von unverminderter Bedeutung: zum einen als philosophische Leistung, die eine Lücke in der unübersehbaren Fülle der einschlägigen Literatur füllt, zum anderen als pädagogisch orientierte Auseinandersetzung mit Platos Philosophieren an sich, in welche die gesamte Entwicklung der abendländischen Philosophie von Aristoteles über Kant und Hegel bis hin zu Nietzsche mit einbezogen ist.“
Inhaltsverzeichnis:
Vorwort 9
1. Apologie 11
2. Kriton 31
3. Protagoras 34
4. Ion 52
5. Hippias elatton 53
6. Laches 57
7. Charmides 65
8. Lysis 75
9. Gorgias 85
10. Menon 110
11. Euthyphron 121
12. Hippias meizon 131
13. Euthydemos 135
14. Symposion 145
15. Phaidon 168
16. Politeia ab S. 213
[Buch 1 (215), Buch 2 (222), Buch 3 (233), Buch 4, (240), Buch 5 (251), Buch 6 (258), Buch 7 (278), Buch 8 (297), Buch 9 (302), Buch 10 (314)]
17. Kratylos 331
18. Theaitetos 344
19. Parmenides 388
20. Sophistes 441
21. Politikos 473
22. Philebos 484
23. Timaios 507
24. Phaidros 522
Nachwort 559
Preis, weitere Details:
Es kostet übrigens 24€ und ist in lediglich einer einzigen Fassung entstanden, erschienen im Klostermann-Verlag. Es wird nun die 5. Auflage vertrieben.
Das Buch hat 596 Seiten
· ISBN-10: 3465027949
· ISBN-13: 978-3465027942
Meine Meinung:
Dieses war eins von den Werken, die in unserer Literaturliste, Anfang des Semesters in unserem Kurs ausgehändigt, als wichtige Sekundärliteratur aufgelistet waren.
Die Primärliteratur für unseren Kurs war – klar – Platons Politeia in der Fassung ......
Walter Bröckers Werk über „Platos Gespräche“ sollte uns einen breiteren Blick auf das Werk vermitteln.
Wenn ich allerdings ehrlich bin fand ich den Schreibstil eher trocken. Es gibt nicht so viele lange Sätze, allerdings sind einige Schachtelsätze schon dabei... wenn sie auch nicht, wie bei anderen Literaturwissenschaftlern, über eine ganze Passage oder gar Seite gehen... trotzdem fand ich Simon Blackburns literarisches Gespräch über Platons Politeia interessanter und weitaus spannender geschrieben.
Gut es ist Sachliteratur, aber bei Bröckers Werk merkt man, dass es schon etwas in die Jahre gekommen ist.... das Buch wurde schließlich 1964 zum ersten Mal veröffentlicht.
Die Sprache ist etwas altbacken.... allerdings weißt Bröcker ein hohes Wissen auf. Sein weitrangiges Wissen über Platon kann man ihm nicht streitig machen. Dennoch wäre eine etwas „jüngere“ Form der Darbietung spannender für den Unterricht gewesen....
Dennoch ein unverzichtbares Werk für den Kurs, da es gutes Hintergrundwissen liefert und die Politeia umfassend und ausführlich beschreibt.
Fazit:
Trocken aber unumgänglich für ein tiefgreifendes Verständnis der Politeia.
Quellenangaben:
Walter Bröcker – Platos Gespräche: http://www.amazon.de/Platos-Gespr%C3%A4che-Walter- Br%C3%B6cker/dp/3465027949