Play dead / Montanari, Richard

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... Nachfolgend geht es also um >> Play dead - Richard Montanari [UK - Ausgabe] << ++++ Bezugsquelle & Preis ++++ Gekauft habe ich die gebundene Ausgabe des Romans bei www.buecher.de. Dort habe ich 15,99 Euro bezahlt. Es gibt noch die US - Variante ["The Badlands"], die mit sechs Euro ... Bericht lesen





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The game is on.
Erfahrungsbericht von BulmaZ über Play dead / Montanari, Richard
8. Januar 2009


Produktbewertung des Autors:   

Niveau: durchschnittlich 
Unterhaltungswert: sehr hoch 
Spannung: sehr spannend 
Humor: wenig humorvoll 
Aufmachung: ok 

Pro: intelligente und verstrickte Story  ~  sympathische und plastische Figuren  ~  Hochspannung  ~  Schreibstil
Kontra: -  -

Empfehlenswert? ja 

Kompletter Erfahrungsbericht

Wie der ein oder andere sich möglicherweise noch düster erinnern kann, lese ich nicht nur Bücher in meiner Muttersprache. Nein, auch Romane im englischen Original haben es mir seit einiger Zeit angetan. Sie haben nicht nur den Vorteil, dass sie normalerweise deutlich eher erscheinen als die Übersetzungen. Sie haben einfach auch mehr Atmosphäre, mehr Dichte, eine größere Sogwirkung.

Diese waren auch die ausschlaggebenden Gründe dafür, dass ich mir den Roman holen musste, den ich nachfolgend besprechen möchte. Hier kommt im speziellen allerdings noch hinzu, dass der Autor folgend rezensierten Werkes zu einem meiner absoluten Lieblinge in Sachen intelligentem Thriller geworden ist. So war beim stöbern durch amazon klar, dass ich auf keinen Fall bis nächsten Sommer warten kann. Die Story klang zu verheißungsvoll, zu spannend und zu sehr nach dem typischen Stil des Autors - das verfügbare englische Original musste her.

Nachfolgend geht es also um

>> Play dead - Richard Montanari [UK - Ausgabe] <<

++++ Bezugsquelle & Preis ++++

Gekauft habe ich die gebundene Ausgabe des Romans bei www.buecher.de. Dort habe ich 15,99 Euro bezahlt. Es gibt noch die US - Variante ["The Badlands"], die mit sechs Euro mehr zu Buche schlägt. Alle beiden Ausgaben sind Hardcover; das Taschenbuch erscheint erst im Mai nächsten Jahres.

++++ Eckdaten zum Roman ++++

Titel [UK - Ausgabe]: Play dead
Titel der US - Ausgabe: The Badlands
Autor: Richard Montanari
Verlag: William Heinemann, London
Genre: Thriller
Seitenanzahl: 400 Seiten

++++ Der Autor ++++

Richard Montanari ist Romanautor, Drehbuchschreiber und Essayist. Er schreibt für die Chicago Tribune und zahlreiche weitere nationale und regionale Zeitungen und Zeitschriften. Nach dem Bestseller Crucifix legte er mit Mefisto den zweiten Roman um das Ermittlerpaar Byrne und Balzano aus Philadelphia vor.

www.krimi-couch.de

++++ Die Reihe ++++

1. Crucifix
2. Mefisto
3. Lunatic
4. Septagon [deutsche Ausgabe von "Play dead", erscheint im Juni 2009]

++++ Die Geschichte ++++

Die Detectives Jessica Balzano und Kevin Byrne sind inzwischen für die so genannten Cold Cases im Philadelphia Police Department zuständig. Ihr erster Fall in dieser Abteil ist bereits verstörend: Es handelt sich um die junge Caitlin O'Riordan, die tot aufgefunden wurde. Äußerlich wirkt sie unversehrt - kein Wunder, denn die Todesursache lautet auf ertrinken. Das Wasser in ihren Lungen stammt allerdings weder aus den beiden Flüssen Philadelphias noch aus den hiesigen Trinkwasserleitungen.

Kurz nachdem sich Byrne und Balzano dem Fall angenommen haben, geht beim PPD ein Anruf ein: Ein Mann gesteht den Mord an dem jungen Mädchen und nennt seinen Aufenthaltsort. Dort angekommen, finden die Detectives aber nichts als einen verschrotteten Kühlschrank und verlassene Häuser. Bei genauerer Untersuchung jedoch, stoßen die Polizisten auf einen versteckten Hinweis in einer kleinen alten Bibel. Von nun an ist das Spiel eröffnet und den Polizisten bleibt zunächst nichts anderes übrig, als zuzusehen - denn der Mörder ist den Ermittlern immer weit voraus. Kevin Byrne und Jessica Balzano gehen fortan den kleinsten Hinweisen nach, aber sie stoßen nur auf weitere Rätsel und Ungereimtheiten,auf eine ältere Dame, die vor ihren Augen Selbstmord begeht sowie die Tatsache, dass der Mörder es offenbar nur auf Mädchen abgesehen hat, die von zu Hause ausgerissen sind...

++++ Eigene Eindrücke ++++


Diese Beschreibung lässt Raum für eine ganze Menge - einer linear verlaufenden Hatz nach einem kranken Mörder, einer öden und vollkommen unrealistischen Jagd auf einen Psychopathen oder auch für eine Geschichte mit Sogwirkung, der man sich nicht entziehen kann, die selbst kurz vor Ende noch schocken und überraschen kann. Letzteres war ich bisher immer von Richard Montanari gewohnt und genau das war es auch, das ich so an seinen Romanen mochte. Zum vierten Mal hat er es geschafft, genau das in Perfektion zu bewerkstelligen.

Die Geschichte beginnt, wie man es von Montanari, aber auch von anderen namhaften Thrillerautoren gewohnt ist: verwirrend, Fragen aufwerfend, vielleicht sogar verstörend. Egal, wie man es nennen oder kategorisieren möchte, eins erzielen die ersten Seiten in "Play dead" definitiv: Hochspannung. Man liest die ersten Worte und möchte sich nicht mehr losreißen. Man möchte unbedingt wissen, wie all die Rätsel sich lösen, welche Motive hinter den perfiden Morden stecken. Man selbst als Leser bekommt allerdings erstmal nur eines: noch mehr Rätsel und Fragen. Trotz des Katz- und Mausspiels, das der Autor mit seinem geneigten Leser spielt, verliert man selbst als solcher aber nie den Faden oder den Überblick. Man ist stets im Bild über die Fakten und das Wichtigste an dieser Geschichte. Eben dies wird nur stetig um weitere Tatsachen erweitert, die irgendwann auf den letzten Seiten ganz plötzlich Sinn ergeben und den Fall entwirren. Man kommt also nicht umhin, sich auch selbst Gedanken zu machen. Tatsächlich aber bleiben eben jene Gedanken hoffnungslos, da man sich keinen Reim auf die Essenz dessen machen kann, was wirklich hinter den Geschehnissen steckt.

Es ist tatsächlich faszinierend, wie geschickt und intelligent der Autor seine Geschichte strickt und aufbaut. Grade zu Anfang erscheint es, als halte man als Leser mehrere lose Fäden in der Hand, die zusammen genommen einfach keinen Sinn ergeben wollen. Es kann doch nicht passen, so denkt man. Doch es kann und Montanari zeigt auf beängstigend realistische und schlüssige Weise, wie. Dabei kreiert er zum vierten Mal in Folge einen Serienkiller, der in seinem Wesen und seinem perfiden großen Ziel so vollkommen anders ist als das, was man als Thrillerjunkie so kennt. Joseph Swann, so der Name desjenigen, ist eine Art Kunstfigur, die zeigt, wie nahe Genie und Wahnsinn bei einander liegen können. Ist es nicht langweilig, die ganze Zeit über schon zu wissen, wer der Mörder ist? Ja, in "Der Fotograf" von Katzenbach war es das. Hier nicht. Denn man begleitet Swann auf seinen wohl geplanten Streifzügen durch die so genannten ''Badlands' Philadelphias, in denen er sich auf die Suche nach Mädchen macht, die von zu Hause ausgerissen sind. Man weiß als Leser, welcher Mensch hinter der väterlichen Fassade steckt und man möchte die Mädchen anbrüllen und ihnen sagen, dass sie wegrennen sollen. Außerdem erfährt man viel über Swanns Vergangenheit und Geschichte, was die Sache zusätzlich spannend macht. Das ist noch nicht überzeugend genug? Dann sollte sich derjenige mit diesem Einwand vor Augen halten, dass nichts so ist wie es scheint. Montanari war nie durchschaubar - so auch hier nicht. Er kann auch in "Play dead" noch mit einer Reihe von Überraschungen aufwarten, an Stellen, an denen bereits alles geklärt erscheint. Der Spannungsbogen in Montanaris neuestem Meisterwerk ist also wieder extrem gelungen und steigert sich in schwindelerregende Höhen.

Dabei kommen aber auch seine Protagonisten nicht zu kurz. Wie bereits in den drei Vorgängerromanen, spielen auch hier wieder Detective Kevin Byrne und seine Partnerin Detective Jessica Balzano die investigative Hauptrolle. Beide sind so, wie man sie aus "Lunatic", "Mefisto" oder "Crucifix" in Erinnerung hat. Keiner der beiden hat irgendeine Veränderung durch gemacht.
Byrne ist nach wie vor der alt gediente Cop mit den Schlafstörungen und dem leichten Trinkerproblem, der sich all die Mordfälle in Philadelphia sehr zu Herzen nimmt. In seinem Job ist er stets sehr straight, beherrscht und professionell. Privat hingegen zeigt er schon eher seinen weichen Kern, nämlich dann, wenn er mit seiner tauben Tochter Colleen zusammen ist. Auch, wenn seine Kollegin Jessica ein offenes Ohr braucht, weil sie sich fragt, wie lange sie all den Wahnsinn noch ertragen kann, ist er stets zur Stelle. Alles in allem ist Kevin Byrne ein extrem sympathischer Charakter, der dennoch dunkle Seiten, Ecken und Kanten hat, was bewirkt, dass er meilenweit entfernt ist vom Saubermann mit entsprechendem Image.
Ähnlich verhält es sich mit Jessica Balzano. Sie ist inzwischen wieder mit ihrem Ehemann Vincent zusammen. Jessica ist temperamentvoll und ebenso professionell im Job wie ihr Partner. Allerdings sieht man ihr ihren Beruf nicht sofort an, was ihr bei Befragungen einige Vorteile zu verschaffen weiß. Jessica hat einen sehr ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, was auch mal dazu führt, dass sie die Grenzen ihrer Zuständigkeit und Kompetenzen überschreitet und auf eigene Faust ermittelt. Auch sie ist sehr sympathisch und vorstellbar. Beide ergeben ein unkonventionelles Ermittlerteam, das hervorragend in dieses Genre passt. Möglicherweise nicht ganz klischeefrei - aber sei es drum.

Wie immer bei einem englischen Roman, möchte ich auch an dieser Stelle ein paar Worte zur Sprache und zum Stil verlieren. Dass Romane im Original eine deutlich dichtere Atmosphäre haben als die übersetzten Pendants, ist nichts Neues. Für das Verständnis eben jener Atmosphäre bedarf es allerdings einiger sprachlicher Kenntnisse. Wie ich es bereits bei Karin Slaughter festgestellt habe, so ist mir auch hier aufgefallen, dass das verwendete Englisch weit über Schulniveau hinausgeht. Das Kaliber der beiden ist schon ähnlich, was bedeutet, das durchaus unbekanntere Worte benutzt werden, wo man als Nicht - Muttersprachler eher verbreitetere Vokabeln benutzen würde. Nichts desto Trotz ist der Roman aber gut verständlich, auch, oder grade wenn man Mut zur Lücke beweist. Soll heißen, man muss nicht jedes einzelne kleine Wort wissen, um den Kontext zu verstehen. Ein gewisses Repertoire an Worten, Wendungen und Grammatik ist natürlich dennoch notwendig. Ist dies vorhanden, baut sich eine unheimliche Dichte auf, der man als Leser nicht mehr entrinnen kann. Der Autor macht nahezu alles und jeden plastisch und das auf eine Weise, derer es nicht viele Wörter bedarf. Ein Nebensatz, ein kurzer Dialog, kurze Erinnerungsfetzen - das allein reicht aus, um sich ein Bild zu machen. Stilistisch gesehen ist es natürlich auch immer wieder sehr effektvoll, nicht einsortierbare Rückblicke einzustreuen, die dann auch noch in einem kryptisch anmutenden Stil geschrieben sind. All dies, viele Hintergrundinfos und fundiert wirkendes Wissen über die Gepflogenheiten beim Philadelphia Police Department und das Seelenleben alt gedienter Polizisten macht den Roman rein stilistisch und sprachlich zu einem Fest. Grade auch so mancher Wortwitz wirkt sehr passend und erfrischend - und den einzudeutschen ist ja nun wirklich nahezu unmöglich.

Alles in allem konnte mich also auch Richard Montanaris vierter Roman der Reihe rund um Jessica Balzano und Kevin Byrne faszinieren und fesseln. Wie ich es auch schon bei Karin Slaughter und Tess Gerritsen feststellen konnte, ist es auch hier so, dass die Atmosphäre viel intensiver herüber kommt als bei der Übersetzung. Daher war es die absolut richtige Entscheidung, ungeduldig zu sein und nicht auf den deutschen Erscheinungstermin zu warten. An alle Thrillerfans mit mehr als Schulenglischkenntnissen gibt's für "Play dead" eine absolute Empfehlung. 

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